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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-12 · 24 (12.6.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 84 Dr. Bloch's MmtzenzÄrrrst. «eite S68 Anschlusses der Gemeinden an die Pensionsversicherung schließlich doch allseitig platzgreifen werde, und selbst dort, wo ein Unrecht geschehe, wird man — angeregt durch das bessere Beispiel anderer Gemeinden bestrebt sein, das Unrecht nachträglich wieder gut zu machen. Der Herr Regierungsrath gedenkt auch im weiteren Verlaufe seiner Rede der wackeren Mithilfe des Herrn Dr. Oppenheim und fordert die Anwesenden auf, auch ihrerseits in den Gemeinden aufklärend zu wirken, insbesondere aber betonte er, daß die Gemeinden bei großer Schmälerung der Pensionsbezüge gegen ihr eigenes Interesse handeln, weil ja nach den größeren oder geringeren Erfordernissen auch die Beiträge des Landesmassafonds zu den Annuitäten und die der Bediensteten zu den Prämienzahlungen entsprechend größer oder geringer sich gestalten. Nach mehreren weiteren, auf diesbezügliche Anfragen noch ertheilten Auskünften seitens des Herrn Regierungsrathes ergreift nun Obercantor Steiner— Groß-Meseritsch das Wort. Wer da weiß, mit welch banger Sorge wir — namentlich die in ihrem Dienste ergrauten Cantoren — in die Zukunft blickten, wie viele kummervolle Tage und schlaflose Nächte wir durchlebt, wenn der Gedanke an uns herantrat: Wer wird für uns im Alter, wer für unsere Frauen und Kinder sorgen, wenn unser Auge sich dereinst für ewig schließt?, > der wird die Größe der That zu würdigen wissen, die ein edler Mann aus eigener Initiative in jahrelangem, rastlosen, unentwegten Streben sich zum Ziele gesetzt hat. Dieser edle Mann, durch seinen ärztlichen Beruf bestimmt, ein Helfer der leidenden Menschheit zu sein, er will auch ein Retter in der Noth werden. Er findet nicht Genüge an den hohen Ehren und Auszeichnungen, von denen er allseits umgeben ist. Wohlthun ist seine Devise, und nur in der Bethätigung dieses edlen Triebes findet er Befriedigung. Dieser Mann hat uns heute die Ehre seines Besuches zutheil werden lassen; es ist Herr Regierungsrath Dr. Salomon Spitzer. Ein zweiter Salomon der Weise, hat er als unvergängliches Denkmal seines Edelsinnes einen Altar errichtet, bestimmt für Opfer der Nächstenliebe. Auf diesem Altäre wollen wir Dankopfer darbringen, das seien unsere Gebete, Bußopser, die Freudenthränen vieler Beglückter und ihr Lob aus so Vieler Munde, das seien die Specereien, deren Wohlgeruch zum Himmel emporsteigt und von Gott gnädig ausgenommen werden wird. Unsere Dankbarkeit und Hochachtung für Sie, hochgeehrter Herrn Regierungsrath, ist so groß, tief und nachhaltig, daß sie nicht in Worte gekleidet werden können. Beten nur können und wollen wir für Sie, und wenn die gütige Vorsehung nur einen Theil unserer Wünsche gewährt, dann ist das Glück Ihres Hauses dauernd begründet. Empfangen Sie, hochgeehrter Herr Regierungsrath, die Versicherung, daß Ihr edles, hochherziges Wirken bei uns und den kommenden Geschlechtern in unauslöschlicher Erinnerung bleiben werde. Sämmtliche Anwesende hatten sich zum Zeichen ihres Dankes von den Sitzen erhoben. Tiefbewegt dankt Herr Regierungsrath für diese Kundgebung und gibt die feierliche Versicherung, auch fernerhin das Möglichste zu thun, um die Bersicherungsangelegenheit zu einem allseits befriedigenden Abschlüsse zu bringen. Auch Herrn Dr. Oppenheim dankt Obercantor Steiner im Namen der Berufsgenoflen für das unserem Stande gegenüber bei mehrfachen Anlässen stets bethätigte Wohlwollen. Der vom Vorsitzenden gegebene Rechenschaftsbericht über das Vereinsgebahren liefert den besten Beweis von der rührigen, unermüdlichen Thätigkeit des Herrn Obercantors Heller im Interesse des Vereines im Allgemeinen und zur Förderung der Wohlfahrt einzelner Collegen im Besonderen, was auch von der Generalversammlung unter lebhaftem Dankesausdrucke anerkannt wurde. Dem Vereinscassier Obercantor K o h n-Lundenburg wird auf Grund seines Berichtes und der vorgenommenen Revision der Jahresrechnung das Absolutorium ertheilt. Bicepräsident Obercantor R ö ß l e r-Neu-Raußnitz referirt über die seitens der Delegirten unseres Vereines mit dem Vorstande des österreichisch-ungarischen Cantorenvereines in Angelegenheit des Anschlusses an den zu gründenden allgemeinen Cantorenbund gepflogenen Unterhandlungen, die ein negatives Ergebniß lieferten. Für die armen Opfer von Kischenew wurde eine Gabe von 25 Kronen aus Bereinsmitteln bewilligt. Erfreulicherweise haben auch dieses Jahr mehrere Cantoren ihren Beitritt dem Vereine angemeldet, so daß das Interesse für unser Vereinsleben stetig wächst. Auf Ansuchen des Vereinspräsidenten Herrn Obercantor Heller wurde von Seite der Theaterdirection, respective Journalisten- und Schriftstellerverein von Mähren und Schlesien in besonders entgegenkommender Weise dem Cantorenvereine eine bedeutende Anzahl von Parquettfitzen und Logen zur Verfügung gestellt und wird der auserlesene Kunstgenuß — es wurde die Oper »Carmen" mit der k. k. Hofoprrnsängerin Frau Gutheil-Schoder-Wien gegeben — den anwesenden Cantoren unvergeßlich bleiben. Abends fand eine gesellige Zusammenkunft statt, wobei unter Gesangs- und anderen Vorträgen, auch ein neues Vereinsbundeslied von sämmtlichen Cantoren zu Gehör gebracht wurde. Die Zeit verstrich in gemüthlicher Unterhaltung angenehm und man schied mit dem gegenseitigen Wunsche: »Auf fröhliches Wiedersehen!" St. Breslau. Für den Antisemitismus im Heere liefert ein im hiesigen »Jüdischen Volksblatt" veröffentlichter Briefwechsel einen bezeichnenden Beitrag. Das Blatt druckt folgenden Brief ab: Breslau den 7. Mai 1903. 10. Comp. R. 11. Herrn Hauptmann. Handlungscommis, Breslau, Wallstraße 14 Pt., mit der Mittheilung, daß der Herr Hauptmann auf Ihre Einstellung als Zweijährig-Freiwilliger bei der Compagnie verzichtet, da Sie jüdischen Glaubens sind, welches die Compagnie erst nachträglich erfahren hat. Anbei Meldeschein zurück. Im Aufträge gez. Klossa. — Das »Jüdische Bolksblatt" hat sich darauf an den Commandeur des Grenadier-Regiments Nr. 11 gewandt, mit der Anfrage, »ob Bestimmungen existiren, welche der Einstellung von Juden als Zweijährig-Freiwilligen hinderlich find, beziehungsweise den Verzicht des Herrn Hauptmanns rechtfertigen." Die hierauf ein gegangene Antwort lautet: »Was die Form des abschlägigen Bescheides anlangt, kann das Regiment dieselbe nicht billigen. Bestimmungen darüber, daß Leute jüdischen Glaubens als Zweijährig-Freiwillige nicht eingestellt werden dürfen, existiren nicht. Die Beantwortung war Umstände halber nicht eher möglich, v. Rohrscherdt." Das »Jüdische Volksblatt" bemerkt treffend dazu: »Außergewöhnlich ist der Fall insofern, als ein Fall von Zurückweisung von Juden zur Ableistung der militärischen Dienstpflicht bisher nicht zu unserer Kenntniß gelangt ist. Nun hat zwar der Compagniechef ein dienstliches Recht bei der Einstellung von Zweijährig-Freiwilligen, also von solchen wehrpflichtigen Personen, welche sich vor Beginn des 21. Lebensjahres, mit welchem Zeitpunkt die Ableistung der Wehrpflicht beginnt, bei der Companie freiwillig stellen, nach freier Wahl zu entscheiden und auf ungeeignete Personen zu verzichten, ohne Angabe von Gründen. Daß in diesem Falle die Angabe des Grundes erfolgt ist, und daß dieser Grund sich gegen den Glauben des Gestellers richtet, das erst macht den Fall zu einem außergewöhnlichen." New-Aork. (Die Juden in den Bereinigten Staaten.) Hierüber schreibt Herr Simon W. Hanauer Folgendes : »Was der Jude für die Welt gethan hat, bildete das Sujet einer Vorlesung, welche in einer der aristokratischsten protestantischen Kirchen in Philadelphia kürzlich stattfand. Der Vorleser war Dr. Madison C. Peters, ein distinguirter Prediger der Christenheit in der Union. Ein Theil seines Vortrages erstreckte sich auf die Thätigkeit der Juden im öffentlichen Leben der Bereinigten Staaten, wobei er u. A. sagte: »Zur Zeit unseres Befreiungskrieges (1776—83) gegen England waren nur wenige Juden in den dreizehn Colonien, doch sie nahmen innige'.'. Antheil an dem großen Kampfe, der zur Gründung der großen Republik führte. Unter den amerikanischen Juden, die sich damals unter den Patrioten auszeichneten, war Chaim Salomon in Philadelphia, der den revoltirenden Colonien nahezu 600.000 Dollars für Bertheidigungszwecke vorschoß, ohne Aussicht aus Rückerstattung. Salomon war ein intimer Freund der polnischen Generäle Pulaski und Kosziusko, die für unsere Vorfahren fochten. Unser Washington, der Oberbefehlshaber im Revolutionskriege, hatte zwei Juden in seinem Stab: den Major Mordecai Noah und Oberst Jsaac Franks. Im zweiten Kriege gegen England: (1812—14) zeichnete sich ein Jude — der Genera! Joseph Bloomfield — aus. Zur gleichen Confefiion gehörte der tüchtige General David de Leon, welcher ein Armee-Commando in unserem Kriege gegen Mexiko hatte. Auch unsere Kriegsmarine hat verdienstvolle Juden aufzuweisen, darunter vornehmlich den Flag-Offieier (Admiral) Ulrich Phillips Levy. Ungefähr 8000 Juden dienten als Freiwillige in unserem Bürgerkriege (1861—65) und mehr als 4000 unserer Freiwilligen-Armee im letzten Kriege gegen Spanien waren mosaischer Religion." Obwohl verhältnißmäßig in geringer Zahl, so find die Juden in den Bereinigten Staaten doch sehr hervorragend und einflußreich im Geschäftsleben, in Kunst und Wissenschaft und in Werken der allgemeinen Wohlthätigkeit. Ein geborener Frankfurter, Herr- Jakob H. Schiff in New-Aork, steht im höchsten Ansehen nicht nur als Financier, sondern auch als Philanthrop. Vergleicht man den jetzigen Stand Spaniens (einst die größte Weltmacht),

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