Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 24 (12.6.1903)
- Date
- 1903-06-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Veite 834 Vr. Bloch's Wochonschrifl. Nr. 84 haben, nicht blos „genannt" und „gelobt" zu werden, sondern daß man von ihnen spreche, um die Mitbürger aufzufordern, mit all ihren Kräften dazu beizutragen, daß diese Vereine gerade jetzt eine umfassende Thätigkeit entwickeln können. Ein Epigramm Leffing's läßt sich gar trefflich ans diese Vereine anwenden. Der so fein empfindende Schriftsteller legt dem Publicum nahe, die Werke der Dichter nicht bloS zu loben, sondern zu lesen. Er sagt dies mit den Worten : „Wer wird nicht einen Klopstock loben! Doch wird ihn Jeder lesen? Nein! Wir wollen weniger erhoben und fleißiger gelesen sein!" Wer lobt nicht diese beiden wohlthätigen Vereine? Liest man aber ihre Jahresberichte? Zvitt man ihnen als Mitglied bei? Thut man etwas, um ihre Wirksamkeit zu fördern? Bemüht man sich, ihren Arbeitskreis zu erweitern? Greift man wacker zu, um den Kreis von Mitarbeitern zu vergrößern, dessen die Vorstände gar sehr bedürfen? Und Diejenigen, die nicht Mitarbeiten können, helfen sie vielleicht mit Geld aus? Wer die Jahresberichte dieser Vereine offenen Auges und ehrlichen Sinnes liest, wird diese Fragen nicht bejahen können. Es geschieht viel, das ist nicht zu leugnen; es gibt Wohlthäter, welche Opfer bringen an Zeit und Arbeit wie die Vorstände, und an Geld, wie einige mehr oder weniger Wohlhabende — aber es geschieht nicht genug. Die beiden Vereine leisten enorm viel, wenn man Verhältnisse und Mittel in Betracht zieht, aber sie könnten viel mehr leisten, wenn alle Diejenigen, die in der Lage sind, mitzuwirken, es als ihre Pflicht ansehen würden, gerade an diesen Vereinen sich zu betheiligen. Hier handelt es sich nicht um gewöhnliche Unterstützungsacte, nicht um Almosen, sondern um die Erhaltung der Arbeitskraft, um die Erhaltung der Erwerbsfähigkeit, um die Erhaltung der Selbstständigkeit, um die Erhaltung der Familien. Da darf sich wohl Niemand bei Seite stellen, da müssen Alle zusammenstehen uud dafür emtreten, daß gerade diese Vereine eine immer größere Wirksamkeit entfalten können. A. Wiener. Nur Stammesgenoffen! Die jüngst erschienene »Wiener Medicinische Wochenschrift" beschäftigt sich in einem Artikel unter dem Titel »Organisation und Separation" mit der geplanten Gründung des »Vereines deutscher Aerzte" in Oesterreich. Das Blatt bringt die bekannte Enunciation des »Verbandes der Aerzte Wiens", die heute in Circularen an sämmtliche Aerzte der Monarchie versendet wurde, im Wortlaute. Der Artikel führt weiter aus: »Einige Tage nach der Gründung des »Vereines deutscher Aerzte in Oesterreich" tagte in Wien ein österreichischer Medicinercongreß. Der Aufruf, den die Veranstalter dieses Congreffes an uns Aerzte senden, wird wie folgt eingeleitet: »Der Vollzugs- Ausschuß der Wiener medicinischen Studentenschaft hat sich mit den Medicinern aller Universitäten Oesterreichs in Verbindung gesetzt und einen allgemeinen österreichischen Medicinerverband zustande gebracht." Die Mediciner, junge, Idealen, also nationalen Idealen, gewiß nicht abholde Männer, gründen in richtiger Erkenntniß ihrer zukünftigen wirthschaftlichen Jntereffen einen allgemeinen, also auch von nichtdeutschen Medicinern beschickten Verband und berathen mit diesen über ihre Zukunft, während die Aerzte eine Vereinigung von »Stammesgenoffen" zur Beseitigung der ärztlichen Nothlage für zureichend erachten! Aber es kommt noch besser: Der Veranstalter dieser Bewegung, der Gründer des Vereines, Herr Dr. Adolph Gruß, der die Zugeständnisse, die den nichtdeutschen Aerzten — in sprachlicher Beziehung — gelegentlich des geplanten Reichscongreffes gemacht wurden, in Wort und Schrift bekämpfte, das vorbereitende Comits mit maßlosem Spott und Hohn durch Monate verfolgt hat — derselbe Dr. Adolph Gruß wird acht Tage nach der Gründung des »Vereines deutscher Aerzte in Oesterreich", eines Vereines wo nur Stammesgenoffcn, das heißt nur arjsche Aerzte Platz finden — im allgemeinen Medicinercongreß am 7. Juli l. I. bei einer Versammlung deutscher und slavischer, arischer und jüdischer Mediciner ein Referat unter dem Titel »Arzt und Jurist" halten l Und selbst wenn Herr Dr. Adolph Gruß in letzter Stunde etwa absagen sollte, so ändert dies an der Thatsache gar nichts, da er schon vor mehreren Wochen dieses Referat übernommen, und zwar bei voller Kenntniß dessen, daß den Czechen und den nichtdeutschen Studenten überhaupt nahezu alle jene Conceffionen gemacht wurden, die er beim ärztlichen Reichscongreß bis ans Messer bekämpfte. Der Proponent des neuen Vereines, der Tausende anständiger Collegen in ihrer Existenz bedroht, der sich des Lockrufes bedient, gesinnungstüchtige Collegen in der Praxis unterstützen zu wollen, dabei auch diese — gewiß nur unbewußt — in ihrer Existenz bedroht, der mit Patienten Schacher zu treiben beabsichtigt, wird ohne Zweifel seinen Willen durchsetzen, denn die Diction seines Aufrufes ist so vorsichtig, daß es ihm gewiß gelingen wird, noch manchen deutschgesinnten Arzt für die neue Idee zu werben." Der Artikel schließt mit den Worten: »Ueber die Gefühle, welche die Projectanten zur Gründung eines »Vereines deutscher Aerzte" gedrängt haben, wollen wir an dieser Stelle nicht rechten. Unantastbar ist ihr Recht. Soviel steht aber auch fest, daß ein warmes Herz für den ärztlichen Stand und ein klarer Blick für die Förderung seiner Interessen sie davon hätten abhalten müssen, in unserem nationalitätenreichen Vaterlande einen Keil in die Aerzteschaft zu treiben und das Versprechen der Förderung materieller Interessen als Hammer für dieses Geschäft zu benützen." Brünn. (Cantorentag.) Am 24. Mai l. I. hielt der Verein der Cantoren Mährens im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde Brünn seine diesjährige ordentliche Generalversammlung im Beisein von 32 Theilnehmern ab. Dieser Berathnng brachte die Versammlung ein besonders erhöhtes Interesse entgegen, weil Herr Regierungsrath Landes-Sanitätsinspector Dr. Salomon Spitzer sein Erscheinen zugesagt hatte, um über die in Durchführung begriffene Pensionsversicherung mährischer Cultusbediensteter Aufschlüsse zu ertheilen, und auch der I. Secretär der Brünner Cultusgemeinde Herr Dr. Oppenheim aus gleichem Anlässe an der Berathnng theilgenommen hatte. Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den Präsidenten Herrn Obercantor Heller, wobei derselbe die für die Versammlung hocherfreuliche und ehrende Anwesenheit der beiden obgenannten ausgezeichneten Ehrengäste nachdrücklichst betonte und hervorhob, wurde zur Tagesordnung geschritten. Schriftführer Obercantor Steiner verlas das Protokoll der letzten Generalversammlung, dessen Inhalt im Wesentlichen mit einem Exposß des Vorsitzenden über die Vereinsthätigkeit im abgelaufenen Jahre übereinstimmt, es erwähnt ferner die Teilnahme der Obercantoren Singer und Bauer, Wien, an der Generalversammlung behufs Anschlusses unseres Vereines an den projectirten allgemeinen Cantorenbund, enthält den Bericht über den Stand des Vereinsvermögens und über die aus Vereinsmitteln erfolgte Zuwendung von Unterstützungen an hilfsbedürftige Collegen und Cantorswitwen. Die nun unter gespannter Aufmerksamkeit der Zuhörer folgenden Ausführungen leitet Herr Regierungsrath Dr. Spitzer mit dem Bemerken ein, es habe ihn stets wehmüthig berührt, daß Leute, die ihr ganzes Leben dem Dienste einer Cultusgemeinde gewidmet, schließlich der öffentlichen Mildthätigkeit preisgegeben sein sollen. Er habe deshalb seinerzeit durch den Mährisch-jüdischen Landesmassafond den Kaiser Jubiläums-Pensionsfond für Cultusbeamte — der noch bestehe — in's Leben gerufen, der aber wegen Unzulänglichkeit der Mittel den gehofften Erwartungen nicht entsprach. In weiterer Verfolgung dieser Idee habe er einen neuen Versicherungsplan aus gearbeitet; diesem gemäß sollen auch bereits vollzogene Dienstjahre in die Versicherung einbezogen werden, so zwar, daß eine Carrenzzeit ganz entfällt, wodurch diese Versicherung von der staatlichen sich vortheilhaft unterscheidet. Das Mehrerforderniß aus dem Titel bereits vollstrcckter Dienstjahre soll durch eine Capitalsnachzahlung ganz oder in vierzigjährigen Annuitäten gedeckt werden, und habe er es durchgesetzt, daß der Landesmassafond zur Amortisation dieser Nachzahlung den mährischen Gemeinden einen Jahresbeitrag von 10.000 Kronen für einen Zeitraum von 40 Jahren zugesichert hat. Es haben zwar Beschlüsse der jüngsten Cultusvorsteherversammlung in Brünn vielseitig Besorgnisse wachgerufen; es finden aber die Beschlüsse theilweise ihre Berechtigung in Umständen, die Herr Regierungsrath des Näheren auseinandersetzte; es sei kein Grund zu einer pessimistischen Auffassung der Sachlage, weil die Erkenntniß von der Nothwendigkeit und Nützlichkeit des 11 > iin' ■u'iimrrrnTTHfl > m