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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-05 · 23 (5.6.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Blach's Wochrnschrist. s-iu- 363 Doctor Sorgo, der Director der Heilanstalt Alland. Mau weiß, in welchem Maße die Errichtung dieser segensreichen Anstalt durch jüdische Beiträge ermöglicht wurde. Wie überall, so hat auch hier der jüdische Wohlthätigkeitssinn nicht gezögert, mit vollen Händen zu spenden, damit der furchtbarste Feind der Wiener Bevölkerung — viel furchtbarer noch als der Antisemitismus — damit die Tuberkulose wirksam bekämpft werden könne. Die Manifestation des Dr. Sorgo ist nicht allein eine kühne Herausforderung der jüdischen Wohlthäter der Heilanstalt Alland, sie bedeutet auch direct ein Attentat gegen das eigene Institut, für dessen Gedeihen der Director mit allen Kräften zu sorgen verpflichtet wäre. Würde die jüdische Bevölkerung Wiens von denselben Gesinnungen kleinlicher Bosheit und gehässiger Rachsucht beseelt sein wie die antisemitische, dann müßte sie ihre fernere werkthätige Hilfeleistung einem Institute entziehen, an dessen Spitze einer der Gründer des arischen Hetz- und Boycottvereines steht, einem Institute, dessen Leiter nicht das Wohl der leidenden Menschheit, sondern das Wohl seiner „stammesgenössischen" Collegen zuerst im Auge hat. Sie wird es nicht thun, denn die jüdische Hochherzigkeit und Menschenfreundlichkeit hat sich nie herrlicher bewährt, als in den Augenblicken der Verfolgung. Die jüdischen Wohlthäter werden die Kranken von Alland nicht entgelten lassen, was der Director von Alland verbrochen hat. Aber man darf begierig darauf sein, wie sich das Curatorium zu der „nationalen That" des Herrn Dr. Sorgo stellen, ob es dulden wird, daß der Director einer Heilanstalt seine Stellung zu politischen Agitationen, zur Schürung der Parteileidenschaft, zur Boycottirung ärztlicher Collegen benützt. Das Curatorium wird nicht umhin können, auf diese Frage eine sehr deutliche Antwort zu geben. Gegen die Hetzereien des neuen Vereines wird allerdings die Tüchtigkeit der jüdischen Aerzte die wirksamste Abwehr bilden. Die rumänischen Jirderchrtzer gegen den Ministerpräsidenten n. Korrber Mit einem Rumänen von dem Schlage Antouescu über Menschenrecht verhandeln, das hieße Mohrenwäsche verrichten. Wenn wir es aber dennoch unternehmen, gegen eine Enunciation Stellung zu nehmen, die dieser Professor gegen den österreichischen Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber im Wiener „Vaterland" losgelassen, um den völkerrechtswidrigen, Vertragsbrüchigen Standpunkt der Rumänen in der Judenfrage zu vertheidigen, so geschieht das lediglich, weil wir uns moralisch verpflichtet fühlen, jeder gegen die Juden gerichteten Lüge auf den Kopf zu treten, keine der Sophismen unwiderlegt zu lassen, mit denen jeder dieser Rumänen das barbarische Verhalten gegen die rumänischen Juden zu rechtfertigen sucht, die Scheingründe zu zerstören, mit denen man die öffentliche Meinung bezüglich der rumänischen Judenfrage irrezuführen bemüht ist. Die Arbeit ist keine erfreuliche, denn man hat es mit den ethisch am tiefsten stehenden Individuen zu thun, die moralisch so verkommen sind, daß sie mit Absicht die Thatsachen verdrehen und die Geschichte auf den Kopf stellen. Herr Antouescu und mit ihm seine österreichischen antisemitischen Standesgenossen gehen von Vorneherein von der Fiction aus, daß es sich darum handelt, einer „fremden" Nation in Rumänien nationale Rechte zu verleihen, wobei die Juden in Rumänien mit den dort zeitweilig sich aufhaltenden Franzosen, Engländern, Deutschen in Parallele gestellt werden.. . Mit Verlaub — das ist erstunken und erlogen. Die Juden sind keine Fremden, sondern Landeskinder in Rumänien, sie sind dort ältere Ansiedler als die Rumänen selbst. Sie wurden zeitweise um ihres Glaubens willen verfolgt, sie waren aber auch zeitweise mit Rechten ausgestattet, und erst im Jahre 1878 wurde die Erfindung gemacht, sie als „Fremde" zu declariren, weil Rumänien sich dadurch der seiner staatlichen Selbständigkeit als Bedingung gestellten Anerkennung der früher als türkische Unterthanen, gleich allen Rumänen oder unter fremdem Schutz stehenden, aber in Rumänien das Heimatsrecht genießenden und die Pflichten der Rumänen erfüllenden Juden als Rumänen hinterlistig zu entziehen suchte. Dieser Geschichtslüge stellt man dann die andere vom „reinen" Nationalstaat zur Seite, obwohl bekanntlich Rumänien ein Gemisch von Zigeunern, Bulgaren, Griechen, angeblichen Ueberbleibseln römischer Strafkolonisten, Türken, Russen und Slovaken beherbergt. Herr Antouescu behauptet, daß die Juden in Rumänien „statt sich zur Erlangung des Bürgerrechtes an die rumänische Regierung zu wenden, mit Fremden gegen das Land arbeiten." Das ist nun die zweite erbärmliche Lüge. Entweder Herr Prof. Antonescu ist so unwissend, daß er all die in Rumänien selbst unternommenen Schritte — die von 1866 bis heute datiren — nicht kennt, dann gehe er erst in die Schule und lerue die Wahrheit kennen, oder er kennt die Thatsachen und verleugnet sie, dann ist er ein Schuft! Die jüdischen Rumänen haben auch nie „gegen ihr Land gearbeitet" sie haben aber allerdings — und das ist ihr volles Recht - alle ehrlich denkenden Menschen in Europa angerufen, damit sie ihnen nicht blos zur Erlangung dieses oder jenes politischen Rechtes behilflich seien, sondern daß sie des Menschenrechtes theilhaftig werden, auf das sie unbedingten Anspruch haben und das ihnen Rumänien, allen Verpflichtungen sich entziehend, raubt. Europa ist gar oft ausgezogen, um „bedrückte Völker" zu befreien. Die Rumänen selbst sind ein mit fremder Hilfe befreites Volk, es steht also einem Rumänen sehr schlecht an, diesen Hilferuf zu verurtheilen. Herr Antouescu macht den Juden in Rumänien zum Vorwurf, daß sie ihre Eigenart wahren. Das thun die Rumänen, die in fremden Ländern wohnen und dort Bürgerrechte genießen, auch, das thun die Juden in England und Italien gleichfalls und sind doch treue Italiener, treue Engländer — sic täuschen Niemand, nur die Rumänen wollen die civilisirte Welt irreführeu und belügen, indem sie glauben machen, daß die Juden nicht Rumänen sein wollen, wie Griechen, Bulgaren u. A. Die Juden in Rumänien wollen nicht „anders behandelt werden wie die übrigen Fremden" — sie wollen vielmehr nicht als Fremde behandelt werden, weil sie es nicht sind und weil sie bewiesen haben, daß sie wahrhafte Söhne dieses Landes sind. Das haben sie auf den Schlachtfeldern Rumäniens bewiesen und das haben die Rumänen anerkannt, die 900 todten Juden, welche mit ihrem Blute die Befreiung der Rumänen mitbezahlt haben, das Jncolat ertheilt haben. Herr Antonescu war nicht unter den Kämpfern, er erfrecht sich aber, den Juden den Rath zu ertheilen, „daß sie erst lernen müssen, gute Patrioten zu sein". Von wem? Von Herrn Antonescu? Da kämen sie in eine schlechte Schule. Nein! Die Juden in Rumänien sind aus besserem Stoffe als Herr Antonescu. sie haben ihren Patriotismus, den ihnen ihre Religion befiehlt, nicht erst von den Pseudopatrioten zu lernen, sie haben mit ihrem Leben, ihrer Arbeit ihn seit Jahrhunderten an den Tag gelegt. Herr Antonescu fordert als Beweis ihres Patriotismus, daß sie sich „nicht au die Fremden wenden. Mit Zwang und Haß werden sie sich nicht annähern!" Nun haben die Juden niemals einen Zwang ausüben können; 250.000 Entrechtete können 5 Millionen Bevorrechtete nicht zwingen, und Haß haben sie nie gezeigt. Will aber Herr Antonescu Liebe ernten, nun so säe er Liebe — das ist nach seinem Recept das beste Mittel. Ob er dessen fähig ist? Die Geschichtslügen nehmen bei ihm kein Ende, so daß wir fragen müssen, ob er nicht an moral in8anit^ leide — also jeder Besserung unfähig sei? Kaum hat er die Lüge

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