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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-06-05 · 23 (5.6.1903) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
23 (5.6.1903)
Date
1903-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 362 Dr. DIoch's Wochenschrift. St . 23 Es ist also geradezu eine Leb nsbedingung, dies zu verhüten, und gerade der Polenclub muß, wenn ihm das Wohl des Landes am Herzen liegt und er in seiner Auffassung nicht kurzsichtig ist, Alles aufbieten, um diesen wirthschaftlichen Rückschritt zu verhindern. Ja, wenn nicht die Juden petitionirt hätten, der Polenclub hätte es thun müssen, denn die Abgeordneten des Landes sind berufen, darüber zu wachen, daß nicht eine wirthschaftliche Krisis entstehe. Wenn ich sage: „Polenclub", so meine ich die galizische Delegation im Reichsrathe. Die Reichsgesetzgebung muß im beregten Gesetze auf das exceptionelle galizische Milieu Rücksicht nehmen. Die Uebertragung dieser Entscheidung in die Comprtenz des Landtages oder des Statthalters würde die politische Stellung der Juden von den vorerwähnten Factoren abhängig machen und einem politischen Kuhhandel Thür und Thor öffnen. Diesbezüglich will ich an eine Wahlgeschichte erinnern. die sich vor einigen Jahren in Lemberg zugetragen hat. Dem Regierungscandidaten, jetzigen Minister Pientak stand ein Candidat der Opposition gegenüber, der unter den jüdischen Wählern viele Anhänger besaß. Einen Tag vor der Wahl kam ein Pact zwischen dem damaligen Statthalter und dem Cultuspräsidenten zustande, wonach die Bestimmung der Sonntagsruhe etwas gemildert wurde; hingegen übernahm der Cultuspräsideni die Verpflichtung, dem Regierungscandidaten die jüdischen Stimmen zuzuführen. So verhalfen die Juden mittelst dieses luogo di traffico einem Manne zur Wahl, der, als er dann Minister wurde, seinen Dank in einer sonderbaren Weise quittirte; man kennt das Verhalten des Ministers in der Affaire des entführten jüdischen Mädchens Araten. Es wird also gut sein, schon bei Fertigstellung des Gesetzes solchen Feilschungen einen Riegel vorzuschieben. Man wird auch vielleicht einwenden, daß durch die Bewilligung der Wünsche der galizischen Juden die bei ihnen angestellten Christen um ihre Sonntagsruhe kommen könnten. Wer die kleinstädtischen jüdischen Kaufleute kennt, wird wissen, daß dieser Einwendung jede Spitze fehlt. Der galizische jüdische Kleinhändler beschäftigt keinen Commis; er und alle seine Familienangehörigen plagen sich bis spät in die Nacht, um einen mageren Lebensunterhalt herauszubringen. Und wenn er schon irgend einen Angestellten hat, so ist es wieder ein Jude. Es geschieht dies nicht so sehr aus Solidaritätsgründen, wie aus dem einfachen Grunde, weil es einem christlichen Commis nicht einfallen könnte, sich mit dem Hungerlohne, den ein solcher Kaufmann zahlt, zu begnügen. Diese „Posten" bleiben den Juden überlaffen. Da beginnt ein Capitel des speciellen jüdischen Elends, das ein anderesmal berührt werden soll. Die ärztliche Antiserrnten-Kiga. Der Kampf des Arierthums gegen die unbequeme jüdische Coucurrenz, der solange schon im geschäftlichen Leben tobt, ist nun auch aus die sogenannten „freien Berufe" übertragen worden und hat mit besonderer Heftigkeit gegen die jüdischen Aerzte eingesetzt. Da man es hier mit der Blüthe der arischen Intelligenz zu thun hat, ist es selbstverständlich, daß der ordinäre Hep-Hep-Ruf, die brutale Parole: „Nieder mit den Juden!" sich hinter einer glatten und heuchlerischen Floskel verbirgt. Am Pfingstsonntag hat eine Vorversammlung zur Gründung des von uns bereits erwähnten „Vereins deutscher Aerzte in Oesterreich" stattgesunden. Schon der Aufruf zu dieser Vereinsgründung hat die Absichten der Proponenten klar genug enthüllt. Nach diesem Aufrufe können dem Vereine nur „Stammesgenossen", d. h. aus dem unehrlichen Alldeutsch in ehrliches Deutsch übersetzt: nur Nichtjuden angehören, und der Zweck des Vereines wird folgendermaßen defiuirt: „Eine gegenseitige Unterstützung der Vereinsmitglieder durch Zuweisung von Krankenbehandlung, von Consilien, von specialistischer Behandlung, von Operationen, ärztlichen Reisebegleitungen, Zuweisung von curbedürstigen Kranken an Bade- und Curärzte, sowie an Aerzte, die in den Sommerfrischen ihre Praxis ausüben, an Heilanstalten u. s. w., .kurz, die gegenseitige Unterstützung und Förderung aller Vereinsangehörigen soll die Hauptaufgabe des Vereines sein." Der hier deutlich manifestirten Tendenz gegenüber verschlägt es wenig, wenn in der Vorversammlung versichert wurde, daß eine Boycottirung „von dem Vereine nicht ungehörigen Aerzten" nie geplant gewesen sei. Da Juden von den Segnungen der statutarischen Vereinsthätigkeit grundsätzlich ausgeschlossen sind, weil sie ja nicht als „Stammesdeutsche" betrachtet werden, ist der Boycott, wenn er auch formell nicht ausgesprochen wurde, tatsächlich gegeben, nur sind die Hercm, offenbar in Folge ihrer höheren Bildung, die ihnen verbietet, sich der Terminologie eines Schneider und Gregorig zu bedienen, zu feige und zu hinterhältig, um das offen herauszusagen. Sie peroriren mit falschem Brustton, daß der Verein ein „nationaler" sei, wie ja auch nichtdeutsche Aerzte ihre nationalen Vereine haben. Ausgezeichnet! Aber sind etwa die Herren Dr. Piskacek, Dr. Clermont, Dr. Sorgo, die unter den Unterzeichnern des Aufrufes brilliren, „Stammesdeutsche"? Die Proponenten konnten bereits 700 Beitrittserklärungen constatiren. Die Herren mögen doch die Namen dieser Mitglieder veröffentlichen! Man wird darunter einen beträchtlichen Percentsatz Czechen, Polen und Slovenen finden, die nur deshalb für stammesrein gelten, weil sie durch antisemitische Gesinnung mit den Deutschen verbunden sind. Nach alledem unterliegt es keinem Zweifel, daß all diese scheinbar für die heiligen Interessen des Deutschthums so begeisterten Aesculapjünger sich mit ihren geschworensten nationalen Feinden verbünden, um den jüdischen Aerzten ihre Praxis abzujagen. Nicht die wissenschaftliche Ausbildung, nicht Talent, Fleiß und Wissen sollen künftighin das Maß des dem Arzte entgegengebrachten Vertrauens bestimmen, sondern das Religionsbekenntniß oder ein willkürlich construirter Racebegriff. Der arische Arzt hat durch die Thatsache seiner Geburt allein Anspruch auf „gegenseitige Unterstützung und Förderung", während der jüdische durch dieselbe Thatsache zu einem Arzte minderer Kategorie herabgedrückt werden soll. Diese Bestrebungen involviren eine bewußte Täuschung der Bevölkerung, die umso schwerer ins Gewicht fällt, als es sich dabei um das kostbarste Gut des Menschen, um Leben und Gesundheit, handelt. Die jüdischen Aerzte dürften ja für die Anerkennung, die mit der Gründung dieses Kampf- und Hetzvereines ihrer überragenden Geschicklichkeit und Tüchtigkeit gezollt wird, von ganzem Herzen dankbar sein, wenn diese Anerkennung nicht durch den giftigsten Neid getrübt würde. In den Zeiten der schlimmsten Bedrückung und Verfolgung waren die großartigen Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Heilkunst unbestritten. An den Höfen der Päpste, der Könige und Fürsten standen die jüdischen Aerzte in besonderer Gunst, die sie nicht allein ihren Kenntnissen, sondern auch ihrer wahrhaft humanen und pflichtgetreuen Auffassung ihres Berufes verdankten. Und wenn in dem antisemitischen Wien die jüdischen Aerzte noch immer eine empfindliche Coucurrenz für die arischen bedeuten, so ist dies in den gleichen Eigenschaften begründet. Man lernt eben an dem Secirtische mehr als am Knechtische. Daran wird auch der auf gegenseitige Clientelversicherung gegründete Ring der arischen Aerzte, daran wird der neue Deutsch-czechisch-polnische Aerzteverein in Oesterreich nichts ändern. Aber eine Aenderung könnte er allerdings Hervorrufen, die wir im Namen der Humanität tief beklagen müßten. Zu den Unterzeichnern des Aufrufes gehört auch Herr

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