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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-29 · 22 (29.5.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
22 (29.5.1903)
Date
1903-05-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 857 Wien. (Trau n n g.) Freitag den 15. d. M. fand im Stadttempel die Trauung des Fräuleins Louise Horner, Schwester des Procuristen des Bankhauses S. M. o. Rothschild, Herrn Emil Horner, mit dem Beamten der Länderbank Herrn Emil Ungwer statt. Viele Kolleginnen der Braut, welche städtische Lehrerin ist, waren im Gotteshause erschienen. Ferner sah man den Director Kux der Länderbank, Director Heller vom Blindeninstitut, Abgeordneten N o s k e, kais. Rath Dr. Lieben, Procuristen Winterstern, viele Beamte des Hauses Rothschild und der Länderbank. Den Trauungsact vollzogen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Odercantor Singer. Wien. (Verlobung.) Fräulein Dora Nathansohn, Tochter des Herrn Victor Nathansohn, hat sich mit Herrn Ingenieur Moriz Kobler verlobt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Grete Winter Tochter des Herrn Leopold Winter, hat sich mit Herrn Alfred L ö w, Maschineningenieur, Sohn des Herrn Albert Löw in Budapest, verlobt. Wien. Infolge Einladung des Tempelvereines im Vlll. Bezirke werden im alten Josefstädter Bethause folgende Probevorlräge gehalten: Freitag den 29. Mai 77* Uhr Abends und Samstag den 30. Mai 8 Uhr Früh Herr Cantor Josef Reiner; Sonntag den 31. Mai 77a Uhr Abends und Montag den 1. Juni 8 Uhr Früh (Schewuaus) Herr Cantor Leon Edelmann; Montag den 1. Juni 7l/2 Uhr Abends und Dienstag den 2. Junr 8 Uhr Früh (Schewuaus) Herr Cantor S. Kwartin. Wien. (Wahl eines Bereinspredigers.) Se. Ehrwürden Rabbiner Dr. M. Bauer aus Gaya wurde von dem Vorstand des Tempelvereines Josesstadt in der Sitzung vom 27. d. M. mit großer Majorität zum Bereinsprediger des neuen Tempels ernannt. Wien. (Spende n.) Für unsere unglücklichen Glaubensbrüder in Kischenew sind uns von den Herren I. Wolf und Sohn in Wien X 10.—, vom Herrn Max S. Steiner in Kolin K 5.—, vom Herrn Max Wolf in Rotalowitz X 3.— zugekommen. Wien. (Tr au er fei er.) Am 3. Junil. I. (am zweiten Tage des Schewuothfestes) findet im Tempel, XV., Turnergasse Nr. 22, im Anschluß an den Trauergottesdienst für die Verstorbenen eine Trauerfeier für die Opfer der jüngsten Judenverfolgungen in Kischenew statt. Ledelsch. Unter großer Betheiligung der gesammten Bevölkerung wurde der Großkaufmann Richard Kern zur letzten Ruhe bestattet. Dem Sarge folgte außer den Hinterbliebenen eine unabsehbare Menschenmenge, unter welcher zu bemerken waren: der Bürgermeister Herresch, k. k. Bezirkshauptmann Dr. Pentlar, Präses der „Zaloznia" Katzer seo., die Vorsteher Müller und Bauer, die Beamten aller Behörden, viele Corporationen u. s. w. Herr Richard Kern war ein durch seine Güte und Menschenfreundlichkeit ausgezeichnetes Mitglied der Gemeinde und genoß allgemeine Sympathien. Sein Vater wirkt als Cultusvorsteher und zeichnet sich durch besonderen Wohlthätigkeitsstnn aus. F. S. Preßburg. (Sammlung der orthodox-israelitischen Mädchenbürgerschule zuPreßburg für die unglücklichen Hinterbliebenen der ermordeten Juden in Kischenew.) Wie schön und herrlich ist es, wenn Mädchen zarten Alters in nachahmungswürdiger Weise Nächstenliebe zeigen. An der orthodox-israelitischen Mädchenbürgerschule zuPreßburg schilderte während des Gottesdienstes Professor Jakob Fischer Director, der Anstalt, das große Elend der Hinterbliebenen Witwen und Waisen der Märtyrer zu Kischenew« Die andächtigen Mädchen wurden zu Thränen gerührt. Nach dem Gottesdienste erbaten sich die Mädchen die Erlaubniß, ihr Taschengeld den unglücklichen Armen nach Kischenew senden zu dürfen. Die Sammlung begann und bald hatten die Kleinen ein Sümmchen von 30 K 24 h zusammengebracht und behufs Beförderung an uns gesendet. Besondere Mühe nahmen sich Fräulein Margit Jalowetz, Margit Gestetner, Gisela Singer, Fanny Grünfcld, Janka Kohn, Ilona Feigelstock und Jda Fuchs. Möge die lobenswerthe That zur Anspornung dienen, und es wäre hiedurch vielen Armen zu Kischenew geholfen! Turnau i. B. Am 14. d. M. wurde Herr Josef Gans, langjähriges Vorstandsmitglied unserer Gemeinde, in seinem 55. Lebensjahre zu Grabe getragen. Der Verstorbene zeichnete sich durch unermüdlichen Fleiß und strengste Rechtlichkeit aus und erwarb sich dadurch wie durch seinen besonderen Wohlthätigkeitssinn die Sympathien der ganzen Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. I. Folkmann widmete dem Heimgegangenen einen ergreifenden Nachruf, der auf die zahlreichen Trauergäste einen tiefen Eindruck machte. Bilin. Für die unglücklichen Glaubensgenossen in Kischenew wurde in der hiesigen Cultusgemeinde eine Sammlung veranstaltet, die folgendes Resultat ergab: Cultusvorstand Mendl X 4.—, Se. Ehrw. Rabbiner Brock X 2.—, H. Abeles X 10.—, I. Lederer X 2.—, Frau Klein X 5.—, H. Mühlstein X 4.—, Fr. Singer X 2.—, I. Kohn X 2.-, Max Elsner X 2.—, R. Elsner X 1.—, Frau Röhr X 2, H. Neumann X 2.—, I. Koreff X 2.—, Fr. Tausfig X 2.—. Fr. Oplatek-Luschitz X 10.—, I. Fantl X 3.—, I. Müller X 2.—, R. Böhm X 2.—. Dr. Sachs-Hostomitz X ->-40, W. Pick- Hostomitz X 4.—, S. Freund-Hostomitz X 2.—, Grünfeld-Hostomitz X 1.-, A. Kafka X 3.—, L. Poniatowsky X 2.—, I. Fischer- Briefen X 1.—, I. Wessely X 2. -, L. Kleiner X 2—, S. Löwit X 2.—, Fr. Länder X 1.—, Fr. Glaser X 2 —, Jacob Kraus- Hostomitz X 2, zusammen X 85-40, welcher Betrag durch Herrn Dr. Rosenbacher -Prag seiner Bestimmung zugeführt wurde. Die Cultusgemeinde Bilin ist eine der opferwilligsten Gemeinden, die trotz ihrer nicht geringen Lasten niemals zurückbleibt, wo es heißt, Noth zu lindern. Ein sehr edles Werk vollbrachte selbe auch, indem sie ihren Rabbiner Ehrw. Herrn H. Brock aus eigenen Mitteln in den Pensionsfond für Rabbiner und Lehrer einkaufte und die Einkaufssumme und Jahresbeiträge aus Eigenem leistet. Breslau (Schlesien). (Aus Bädern und Sommerfrischen.) Wenn die Sefirazeit und mit ihr das Wochenfest vorüber ist, so tritt in den meisten Familien eine Frage in den Vordergrund, deren Beantwortung durchaus nicht so einfach ist, als es den Anschein hat und die gerade uns ftommen Juden manche Schwierigkeiten bereitet. „Wo reisen Sie diesen Sommer hin?" so hört man dann allerorten fragen, und wenn die Eventualitäten einer Badereise glücklich erwogen sind und der Entschluß, eine solche zu unternehmen, gefaßt ist, so wird erst die Frage „wohin" zu einer der brennendsten, an der möglicherweise Alles scheitern kann. Nun sollte man glauben, daß diese Frage doch höchstens die Minderbegüterten berührt, die nicht gern die Erholung, welche eine Badereise bietet, missen möchten und dre aber andererseits eine solche mit nur geringem Koftenaufwande ermöglichen können. Doch nein, hier liegt nicht der Brennpunkt unserer Frage, bei uns handelt es sich darum: Wo bekommen wir wirklich koscheres Esten. Ein Ort, an dem kein streng koscheres Restaurant existirt, kann uns vielleicht infolge seiner Naturschönheiten oder sonstiger Vorzüge einen Aufenthalt von zwei oder drei Tagen bieten. Eine Erholungsstätte kann er uns aber nicht werden und zu längerem Sommeraufenthalt müssen wir ihn meiden. Da ist es umso erfreulicher, daß der „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg", von dessen Thätigkeit wir schon so viel Rühmenswerthes erfahrenhaben, sein Augenmerk auch auf die Restaurants in den Bädern gerichtet hat. Als neueste Errungenschaft ist auf diesem Gebiete das jüdische Restaurant von Exner in Bad Gräfenberg (Oesterr.- Schlesien) zu nennen. Wer auch nur einmal in Gräfenberg war, der wird wissen, was es heißt, sich einen längeren Curaufenthalt in diesem herrlichen Bade versagen zu müffen. Die meilenweiten prachtvollen Waldungen und die ozonhaltige Höhenlust veranlaflen, daß schon Gräfenberg vielen anderen Bädern Oesterreichs und Preußifch-Schlefiens vorzuziehen ist; überdies ist Gräfenberg mit Naturschönheiten in üppiger Fülle bedacht, wie sie irgend ein anderes Bad wohl im Osten kaum aufzuweisen hat. Und last not least ist es die weltberühmte Kaltwasserheilanstalt, deren Segen gewiß schon Manchem versagt blieb, weil er sich zur Ueberschreitung der Speisegesetze hätte entschließen mästen, wenn er sich einer Cur in diesem Curorte unterziehen wollte. So sind wir dem Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser ganz besonders zu Dank verpflichtet, daß er es uns ermöglicht hat, dieser Schönheiten und Segnungen des Bades Gräfenberg auch theilhaftig zu werden, und wie großartig hat sich der Verein seiner Aufgabe entledigt! Wir finden dort nicht etwa ein Restaurant, welches man sonst schlechtweg mrt dem Ausdrucke „polnische Wirthschaft" bezeichnet, vor. Nein, im Gegentheil. das Exner'sche Restaurant ist ein Etablissement, das fich mit den größten und besten Hotels einer Großstadt messen kann. Die elegante, fast luxuriöse Einrichtung» die peinliche Sauberkeit, die in allen Räumen des Hauses, ganz besonders in der Küche herrscht, sorgen dafür, daß auch der verwöhnteste Geschmack hier Befriedigung findet. Wir hoffen gern, daß es auch dem Verein in Zukunft vergönnt sein möge, seine Thätigkeit nach jeder Richtung hin zu entfalten. Nachdem wir so die Verdienste dieses Vereines wieder einmal eingehend gewürdigt haben, halten wir es für unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit unserer Leser auch auf ein Privat-Etablistement zu lenken, dem von Herzen zu wünschen wäre, daß es sich der Unterstützung der frommen Kreise erfreuen möge. Herr Oskar Friedmann hat es unternommen, in der Nähe der herrlichen Garnisonsstadt Reiste, in dem reizenden Rochus ein streng rituelles Pensionat zu errichten. Rochus ist ein idyllischer Sommeraufenthalt, der durch die dort bestehende Kaltwasserheilanstalt die Aufmerksamkeit der Aerzte bereits auf sich gelenkt hat. Die ländliche Ruhe, die hier herrscht, ist ganz besonders dazu geeignet, nervös Leidenden und Reconvalescenten einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Umso höher ist es zu schätzen, daß Herr Friedmann gerade in dieser Sommerfrische für eine koschere Pension Sorge getragen hat und obgleich die Einrichtung der Villa Eichendorff-Höh' eine komfortable ist, find dre Preise und Wohnung so mäßig gehalten, daß ein mehrwöchentlicher Erholungsaufenthalt daselbst nur mit unerheblichen Kosten verknüpft ist.

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