Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 22 (29.5.1903)
- Date
- 1903-05-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. LS Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 35S wiederholt sich im Traume nur selten, bei 22 von 93 träumenden Verbrechern; noch seltener, nur bei 11 Delinquenten, ist die Wiederkehr von einer nennenswerthen Gemüthsreaction begleitet. Aus alledem kann man sagen, daß der größte Theil der Verbrecher sich auch durch Eigenthümlichkeiten des Traumlebens von den normalen Menschen unterscheidet. Das Traumleben der Verbrecher zeigt, daß sie gefühllos, apathisch sind, kurz, sich als wahre Jmbecille des Gefühlsleben und theilweise auch der Intelligenz darstellen/ vr. PI.* C orrespondemen. Wien, 26. Mai. (Sammlung der Israelitischen Allianz zu Wien zu Gunsten der Opfer der Massacres von Kischenew.) Das vorläufige Ergebniß der Sammlung beträgt circa 90.000 Kronen, worin jedoch schon die Spende der Israelitischen Cultusgemeinde im Betrage von X 10.000, des Humanitätsvereins B. B. im Betrage von X 2000 und aus der Sammlung der »Neuen Freien Presse* X 7700 enthalten sind. Auch nach Abzug dieser Beiträge ist am Sammlungs-Ergebnisse zur größeren Hälfte Wien betheiligt. Aus anderen österreichischungarischen Gemeinden sind vorläufig folgende der Allianz zugegangene und in der obigen Summe enthaltene Beiträge zu erwähnen : Prag (durch Herrn Dr. Arnold Rosenbacher, Obmann der Filiale der Israelitischen Allianz) mehrere Sendungen im Gesammtbetrage von X 11991'55. Außerdem wurden eine Spende des Cultusvorstandes von X 2000 und eine solche von Bne Brith von X 1000 avisirt. Triest (durch die Filiale der Israelitischen Allianz), erste Sendung X 4131. Brünn (durch Herrn Alois Witrofsky, Mitglied des provisorischen Comites der jüngst gegründeten Filiale der Israelitischen Allianz) X 2900 (darunter die Herren: Moses Löw Beer X 500, Ludwig Ulmann X 100, D. Drucker X. 40, Brüder Löffler, I. Brauner, Fr. Singer, Brück und Engelsmann, Jonas Karpeles je X 30, Samuel Gerstmann X 25, Tugendhat und Meiles, H. Schwarz, Ad. Kürschner, Frau Therese Ehrenfest je X 20, Nathan Rischawy X 15, Frau Therese Frieß, die Herren Jgn. Schulz, I. Bernstein, Jakob Fischer, Frl. Henriette Frey je X 10 u. A. m.), ferner durch den löblichen Cultusvorstand X 400, durch den Humanitätsverein B. B. Moravia X 200. Agram (durch den Cultusvorstand) X 1200; durch die »Agramer Zeitung* (Herausgeber Herr Ignaz Granitz) X 421. Gay a (durch Herrn Rabbiner Doctor Bauer) X 200. Ho llösch a u X 435. K l a t t a u X 528°40. KolinX 500. Leitomischl K 148*60. Pisek X 17070. Pardubitz X 370. Reichenberg (Humanitätsverein Philanthropia) X 300. Schüttenhofen X 173. Warasdin X 412. Ferner sind der Israelitischen Allianz zugegangen: Aus P r o ß n i tz (durch Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt): Bon dem Verein Bnai Brith X 160, von den Herren Dr. Fr. Haas, Jos. Singer, Paul Mandl, Frau Nina Singer je X 50, Sam. Hirsch, Sigm. Reiner je X 20, Karl Katz, Karl Winter, Jakob Steiner, Adolf Polläk, Sigm. Wolf, Rudolf Stern & Co. je X 20, Rob. Pollak X 15, Fcau Fanny Hamburger, Herren Otto Hamburger. Moritz Bollkk, F. Eisler, Leop. Beck, Ad. Fröhlich. Lazar Kaufmann, Netti Zweig, Karl und Ernst Springer je X 10, Rabbiner Dr. Goldschmidt X 7, Firma Freiberger, Herm. Berger und Julie Wolf je X 6, Ludw. Neumann, Sigm. Back, Ferd. Pollak. Fritz und Ernst Ballek, S. Schreiber, Ludwig Neumann, D. Bill, H. Glas, S. Kurz. M. Fleischer, Jgn. Katz, Friedr. Zweig. Kathi Heilig, Em. Türke je X 5 nebst diversen kleineren Spenden, zusammen X 820. Aus Rozsahegy (durch Herrn Paul Horowitz): Cultusgemeinde, Chewra-Kadischa und Frauenverein je X 20, Jakob Glasner X 20. Em. Elzasz, Jak. Fuchs je X 10, Lax Lajos. Dr. B. Policzer. Jak Roth, N. Schönstem je X 5, Paul Horowitz, Jakob Klein, Jgn. Rojenzweig, Dr. Schlesinger, Leopold Schulz, Herm. Teich je X 4 nebst diversen kleineren Beiträgen, zusammen X 223. Bon einzelnen Spendern außerhalb Wiens : Herr I. Petschek in Aussig a. E. X 2000, Herr H. v. Kuff.rer in Lundenburg X 500. — Auch christliche Menschenfreunde betheiligen sich an der Sammlung, wenn auch in ziemlich geringem Umfange. So sind der Allianz Spenden zugegangen von Frau Ella Gräfin Schmidegg in Kirchdorf (Ober-Oesterreich), von Baron Jos. Doblhoff in Wien X 50, von Dr. Heinrich Graf Coudenh o v e auf Schloß Ronsperg X 100. Interessant ist eine anonyme Zuschrift folgenden Inhaltes, welche in Begleitung einer Spende eingelaufen ist: »Einer von jenen vielen Christen, die von jüdischen Antisemiten-Riechern zu Feinden der Judenheit ab gestempelt sind, weil sie keine berufsmäßige Judenliebe zur Schau tragen, erfüllt hiemit seine Christenpflicht und gibt gerne die beiliegenden X 20 für die unglücklichen Juden in Kischenew. Ich bleibe selbstverständlich anonym, weil ich auf einen Dank ebenso pfeife, wie ich auf den jüdischen Altweiber-Tratsch bisher gepfiffen habe!* Unter den Beiträgen in Wien ist die Sammlung zu erwähnen, welche im X. Bezirk durch die anerkennungswerthen Bemühungen des Tempelvorstandes unter Betheiligung der Herren Adolf Blaß, Max Eibuschitz, Hermann Fischmann, I. B. Klein, Johann Lampel, Sandor Salpeter, I. S. Straßberg, Carl Seligmann und Em. Weiß zu Stande gekommen ist und X 800 ergeben hat. Wien. (Der Streit um den »alten Ritus*.) Geehrter Herr Redacteur! Sie haben wiederholt Ihre Unparteilichkeit bekundet in allen inneren Fragen des Judenthums und Sie haben auch den Anhängern des alten Ritus niemals versucht, ihr Recht zu verkürzen. In Nr. 20 der »Oesterr. Wochenschrift* vom 15. Mai dagegen bringen Sie einen Bericht der Generalversammlung des Bethausvereines »Beth-Hachneteth* und Sie nehmen darin offenkundig Partei für einen neuen Statutenentwurf, welcher der Generalversammlung vorgelegt worden, weil er angeblich »den Zeitverhältniffen angepaßt* wäre. Verzeihen Sie, Herr Redacteur! Was den heutigen Zeitverhältniffen nothwendig und angepaßt ist, scheint nur Treue zu dem alten Judenthum und inniges Festhalten an unseren alten Sitten. Für allerlei Neuerungen ist heute keine Zeit. Das neue Statut, welches die Herren Dr. Ehrentheil, Dr. Auerbach im Vereine mit Herrn Rabbiner Dr. Abeles ausgearbeitet und der Generalversammlung zur Genehmigung vorgelegt haben, enthielt schon im § 1 die Abschaffung des .alten Ritus*, was einen Sturm der Opposition hervorrief. Die Majorität beharrte darauf, den Gottesdienst in jenen Formen beizubehalten, wie fie dreißig Jahre hindurch zur Lebenszeit des unvergeßlichen Rabbiner Fleißig geübt worden. Wir sind keine Finsterlinge und widerstreben nicht moderner Bildung, allein in der Religion und in dem Gottesdienst wollen wir der Tradition treu bleiben. Wir wünschen aber nicht, durch die »Oesterr. Wochenschrift* in einem schlechten Lichte dargestellt zu werden. Wir find alte, treue Mitglieder des Vereines, wir wollen ihn weiter fördern und haben sogar neue Opfer zu seinem Gunsten willig auf uns genommen. Wir wollen den Vereinspräfidenten Herrn Dr. Straffer in seinen Bemühungen kräftig unterstützen, wir wünschen aber keine Neuerungen eingeführt zu sehen, welche der sel. Rabbiner Fleißig unbedingtabgelehnt hätte. Ich rechne auf Ihre Gerechtigkeit und Ihre Loyalität gegenüber allen Parteien und erwarte zuversichtlich den Abdruck vorliegender Zeilen. Mit vorzüglicher Hochachtung D. Schwarz. Wien. Protokoll der am 18. Mai 1903 abgehaltenen Sitzung der Bezirkscommission für die Bezirke XII—XV. Beginn der Sitzung 6 Uhr Abends. Vorsitzender: Herr Obmann S. Beer. Anwesend: Herr Cultusvorsteher kais Rath W. Pollak, Bernhard Dnschinsky, Direktor Hecht, Hofbauer, Mohr, Pick. Khuner, Dr. Bars, Sonnenfeld, Spitzer, Stern, Weinberger. Abwesend: Die Herren Neufeld, Reichenfeld und Turner (sämmtliche entschuldigt). Tagesordnung: 1. Mtttheilungen des Vorsitzenden. 2. Aeußerung und Antragstellung über die vom löbl. Cultusvorstande gedachte Art der Geschäftsführung mit den Commissionen. 3. Steuer-Einschätzungen. 4. Einsetzung eines Comitäs zur Durchführung und Förderung des Antrages von Herrn Director Hecht. 5. Anträge. Der Obmann begrüßt eingangs der Sitzung den erschienenen Cultusvorsteher Herrn kaiserl. Rath W. Pollak, sowie die anwesenden Commissionsmitglieder und gibt der allgemeinen Trauer Ausdruck, welche die entsetzlichen Vorkommnisse von Kischenew nicht nur bei jedem Glaubensgenossen, sondern auch in der ganzen civilisirten Welt hervorgerufen haben. Wenn man nicht wüßte, daß wir das Jahr 1903 schreiben, so könnte man sich in die finsterste Zeit des Mittelalters zurückversetzt denken. Alle Jammerscenen, die die grausame, bestialische Phantasie des Mittelalters erzeugt, sie haben sich neuerdings in erschreckender Weise in Kischenew wiederholt, Schmerz und inniges Mitgefühl ergreife heute jedes jüdische Herz. Ferner gedenkt der Obmann des Dahinscheidens des ehrwürdigen Herrn Rabbiners Jakob Hirsch, der über 40 Jahre in unserer orthodoxen Gemeinde so überaus segensreich gewirkt und sich Zeit seiner langjährigen Wirksamkeit der Verehrung und Liebe seiner ganzen Gemeinde erfteute