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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 840 Dr. Bloch's WochrnfchrM. Sk. 31 Weise abhotte und ihm das Protokoll dieser Sitzung, das dem Archive einverleibt wird, vorlas. Herr Al. Reik beglückwünschte ihn und überreichte ihm zur bleibenden Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag einen von allen Mitgliedern des Eultusausschusses gewidmeten und ihren Namen tragenden kostbaren Ehrcnpocal. Die Chewra-Kadischa, deren Ehrenmitglied der Jubilar bereits war, ernannte ihn in einer außerordentlichen Generalversammlung zu ihrem Ehrenpräsidenten. Am Jubiläumstage erschien der Gesammtausschuß des Vereines im Festsaale. Der Führer desselben, Herr Adolf Reik, brachte die Glückwünsche des Vereines dar und überreichte das^kunstvoll ausgestattete Diplom sammt Adresse, worauf Herr Markus Kuffler in geistvoller, formvollendeter, herzlicher Ansprache die Gefühle der Verehrung, die den Verein zu dieser Ernennung bewogen, zum Ausdrucke brachte. Der Kaiser Franz Josef Frauen-Wohlthätigkeitsverein brachte seine Gratulation durch die Vorstandsdamen Hermine Reik, Linna Kuffler und Anna Lichtenstern vor und übergab das Diplom, wodurch der Jubilar zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Zum Schluffe gratulirten die Beamten der Cultusgemeinde unter Rührung des Oberlehrers Herrn B. Kraus und die Schuljugend, welch' letztere die duftigen Kinder der Flora als sinniges Angebinde übergaben. Die schöne Feier erhielt durch die inhaltsreichen, von innerer Erregung zeugenden, bedeutungsvollen Dankcsworte des tiefergriffenen Jubilars, bei denen sich jedes Auge feuchtete, eine umso höhere Weihe und wird in den Herzen der in allen Schichten der Bevölkerung nach Tausenden zählenden Bewunderer des Herrn Löw die lebhafteste Genugthuung Wecken. Möge es dem allseits geachteten, von seinen Mitbürgern hochverehrten Jubilar beschicken sein, noch viele Jahre im Vollgenuffe aller geistigen und körperlichen Kräfte zum Wähle seiner Glaubensgenossen und Mitmenschen zu wirken! Lemberg. (Seelenfeier für die Märtyrer von Kisch enew.) Der Verein ,Schomer Jisroel" hielt am 12. d. M eine Seelenfeier für die Märtyrer von Kischenew ab. Herr Julius Hochseld hielt die Gedenkrede. Donnerstag den 21. d. M. werden in sämmtlichen Synagogen Trauerandachten abgehalten werden, wobei die Namen der heiligen Blutzeugen zur Verlesung gelangen. Prag. Unter den vielen Wohlthätigkeitsvereinen in Prag ist der „Verein zur Beschaffung von Paffahbedürfnissen" der einzige, welcher es seinen Mitgliedern ermöglicht, ihren Bedarf an streng rftuell bereiteten Mazzos durch wöchentliche Einzahlung kleiner Beträge zu decken; außerdem wird für den sich ergebenden Cassa-Ueberschuß Zucker und Kaffee an die Mitglieder verabfolgt. Die Beliebtheit und Nützlichkeit des Vereines beweist die Thatsache, daß die Zähl der Mitglieder sich alljährlich vermehrt. In der am 17. d. M. unter Vorsitz des Obmannes Herrn I. Perlitz stattgefundenen Generalversammlung wurde der vom Caffier Herrn- Gabriel Lieben verlesene Caffa- und Geschäftsbericht ohne Debatte genehmigt. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurden die Herren I. Perlitz als Obmann, Gabriel Lieben, Caffier mit Stimmeneinhelligkeit wiedergewählt. Die statutengemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Rechts, Schneider, Teweles wurden wieder- und Herr Weidmann in den Vorstand neugewählt. Als Rechnungsrevisoren wurden die Herren Simon Dewidels, S. Knina und I. U. Dr. N. L. Kohner per Acclamation wiedergewählt. Leipa. In der letzten Vorstandssitzung der hiesigen Cultusgemeinde wurde Dr. Johann Krengel aus Salzburg zum Rabbiner gewählt. Poöega. Bei der am 7. d. M. stattgehabten Generalversammlung wurde Se. Ehrwürden Dr. M. Marge!, derzeit Rabbiner in Rosenberg (Böhmen), zum Rabbiner und Herr R. Hochmann, derzeit Cantor in O.-Kanizsa, zum Cantor der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde gewählt. Ung.-Brod. Herr Carl I. M a y e r, langjähriger Bürgermeister der Israeliten-Stadt Ung.-Brod, sowie auch langjähriges Mitglied der Chewra-Kadischa. Acmenrath, Ortsschulrath rc., wurde am 14. d. M. unter imposanter Betheiligung zu Grabe getragen. Der Beerdigung wohnte auch der ganze Gemeinderath, mit dem Bürgermeister an der Spitze, bei. Herrn Mayer wurde in dankbarer Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste auf humanitärem und socialem Gebiete von der Gemeinde ein Ehrengrab verliehen. Als6-Kubi». Am 3. d. M. wurde Frau Marie Haas unter außerordentlicher Theilnahme der ganzen Stadt im Alter von 82 Jahren zu Grabe getragen. Frau Marie Haas, die Witwe unseres einstigen Gemeindepräsidenten Herrn Adolf Haas, entstammte der angesehenen Familie Langfelder in Alt-Bistritz; ihr Großvater Ezriel Langfelder war Oberrabbiner sämmtlicher Gemeinden dieses Eomitats. Sie war Griinderin und bis an ihr Lebensende Präsidentin des israelitischen Frauen Vereines, Vicepräsidentin der hiesigen Filiale vom Vereine „Rothes Kreuz", Mitglied sämmtlicher wohlthätiger Gemeinde-Institutionen, deren Gründung und Entwicklung sie nach Kräften förderte.. Am Sarge sprach Se. Ehrwürden Rabbiner Horowitz, der in ergreifender Weise das segensreiche Leben der Verschiedenen schilderte. Um die Verstorbene trauern Töchter und E öhne, von welchen der älteste Mitchef der Firma Donath & Haas in Troppau, der zweite Kaufmann in Leipzig ist, welcher als Vicepräsident der österreichisch-ungarischen Kolonie vor mehreren Jahren von Sr. Majestät mit dem Franz Joseph-Orden ausgezeichnet worden. Der dritte Sohn nimmt in Budapest eine angesehene Stellung ein. Györ. Vorige Woche thaten wir Erwähnung einer hochherzigen 10.000 Kronen-Stiftung der Familie Keppich zu Györ. Und nun gab diese im Wohlthun vorangehende illustre Familie abermals ihrer Hochherzigkeit Ausdruck, indem Herr Wilhelm Keppich, Frau Sigmund Herzt, geborene Johanna Keppich, und Herr Ludwig Keppick, um das Andenken an ihre selige Mutter, der Frau Elias Keppich, geborene Eleonora Unger, auch bei dem israelitischen Frauenverein, deren Mitglied sie durch 40 Jahre gewesen, pietätvollst zu bewahren, eine 1000 Kronen-Stiftung gründeten, deren Zinsen als Jahresbeitrag ihrer seligen Mutter für ewige Zeiten dem Raaber israelitischen Frauenverein zugute kommen werden. Budapest. Wie man uns aus Somogy-Csurgü schreibt, wählte die dortige israelitische Religionsgemeiude Dr. Isidor Goldberger einstimmig zum Rabbiner. Zürich. An der medicinischen Facultät der Universität Zürich hat Frau Sarah Rabinowitsch von Jeniseisk das Doktorexamen gemacht. Breslau. Ein hochgeschätztes Mitglied unserer Gemeinde, der auch in wissenschaftlichen Kreisen durch seine Gelehrsamkeit und seine Schriften bekannte Kaufmann Herr Philipp Falk, beging kürzlich die Feier seines 70. Geburtstages. Aus Anlaß dieses Festes wurde der Jubilar durch zahlreiche Glückwünsche aus dem Kreise der Gemeindemitglieder, sowie durch Adressen und Deputationen der Vereine geehrt, denen der Jubilar als langjähriges Mitglied angehört. Im Aufträge des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde war in der Wohnung des Gefeierten der Geheime Justizrath Dr. Freund erschienen, welcher ein Glückwunschschreiben des Vorstandes überbrachte. Feuilleton. Das fünfte Gebot Von Dr. F. Rich. H e i n s ch e l. 111. Es war in den ersten Nachmittagstunden, als Doctor Magnus zum Unterrichte erschien. Der Kammerdiener führte ihn in den Salon. Nach wenigen Minuten trat die Hausfrau aus einer Seitenthür herein, die mit einer dunklen Damastportiere bedeckt war. Doctor Magnus verneigte sich vor derselben, welche dies mit einem leichten Neigen des Hauptes erwiderte. Dann deutete sie mit einer Handbewegung auf einen Fauteuil. „Darf ich bitten, Herr Doctor!' Dieser lehnte mit leichtem Kopfschütteln ab, als er sah, daß die Hausfrau keine Miene machte, selbst Platz zu nehmen. So standen sie einander gegenüber. Doctor Magnus war ein zarter, hagerer Mann. Das schwarze, halblange Haar war an den Schläfen schon stark ergraut; die Haltung war schlecht, der Rücken etwas rund, der Kopf stark nach vorne gebeugt. Der schwarze Gesellschaftsanzug kleidete seine magere Gestalt unvortheilhast, die langen Schöße schlotterten um die Knie, aber immerhin war er eine Erscheinung, an der man nicht ganz gleichgiltig vorübergehen konnte. Das scharfgeschnittene Gesicht mit den klug forschenden Augen machte ihn bemerkenswerth. „Verzeihen Sie, Herr Doctor, daß ich Sie vor dem Unterrichte herbemühte, es soll eben von dieser Besprechung abhängen, ob ich Ihre Dienste für weiterhin in Anspruch nehmen kann. Ich betraute Sie mit der religiösen Erziehung meiner Tochter, weil ich dachte, daß Sie den freireligiösen Anschauungen, die in meinem Hause gepflegt werden und aus denen ich nie ein Hehl gemacht, Rechnung tragen würden. Allein Sie machen mein Kind mit Sitten, Geboten und Gebräuchen bekannt, die es niemals beobachten soll; mein Haus huldigt, wie alle vornehmen Häuser, der modernen Richtung im Judenthume, bindet sich nicht an veraltete Gesetze und hat die Speisegesetze, so wie alle mittelalterlichen Bräuche längst über Bord geworfen. Sie aber erwecken in meinem Kinde die Änschauung, daß man, ohne

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