Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 21 (22.5.1903)
- Date
- 1903-05-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bloch'» Wochrnfchrifl. Sette sss hervor, der Obmannstellvertreter des Krankenvereines „Montefiore"e Herr Leopold Weinwurm, betonte in seiner Ansprache das uneigennützig und edle Wirken dieses wackeren Mannes und richtete an ihn die Bitte, noch recht lange dem Vereine „Montefiore" als Obmann vorzustehen, der Obmannstellverlreter des Witwen- und Waisenfond- Vereines „Montefiore", Herr Edmund Hofmann, brachte ebenfalls die Glückwünsche dieses vor, in herzlichster Weise gratulirte der Obmannstellvertreter des Vereines „Rudolfsbund", Herr Dr. B r a d y, für diesen Verein, Herr Rabbiner Dr. M. R o s e n f e l d hob namens des Bethausvereines „Montefiore" in ausgezeichneter Rede die aufopfernde Thätigkeit des Herrn Josef Pollak im Interesse der nothleidenden Nächsten hervor. Als Letzter brachte Herr Professor Nascher, in launigen Worten, humorvoll wie immer, dabei die Reden der Deputationssprecher einflechtend, seine Glückwünsche dar. Herr Josef Pollak dankte gerührt für die so zahlreichen, ihn so ehrenden Beweise der Sympathie und betonte, daß ihm dieser Tag, welcher ihm so viel Ehre brachte, unvergeßlich bleiben werde. Wien. (30 Jahre im Dienste derWohlthätigk eit.) Am 2. Mai versammelte sich der Gesammtvorstaud^ des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines „Providentia" bei Frau Anna Brandt, Gattin des Wäschefabrikanten Herrn Leo Brandt, welche seit 30 Jahren als Schriftführerin des Vereines sich um denselben bedeutende Verdienste erworben hat. Aus einem kleinen, im Mai 1873 gegründeten Vereine hat sich die „Providentia" unter ihrer aufopferungsvollen Mitarbeit zu einem der größten Wohlthätigkeitsvereine der Residenz entwickelt, der circa 500 Mitglieder zählt. Die Präsidentin Frau Bertha Neumann und auch die Bicepräsidentin Frau Dr. Henriette Kornfeld sprachen im Namen der Tausende Armen der nimmermüden Schriftführerin, in deren Wohnung Radetzkystraße 6 sich der Verein befindet, den Dank aus und überreichten namens sämmtlicher Vorstandsdamen Frau Anna Brandt einen mächtigen Lorbeerbaum mit gestickten Bandschleifen in kunstvoller Ausführung. Wien. (Commercialrath Ignaz Zucker.) Vorige Woche starb hier ein Mann, der, obgleich er im öffentlichen Leben keine Rolle spielte, dennoch wegen seiner regen Betheiligung an fast allen Fragen, die das öffentliche Inten sie berührten, in den weitesten Kreisen der Stadt rühmlichst bekannt und hochgeschätzt war. Es war dies der Commercial- und Jndustrierath Ignaz Zucker. Seine gründliche kaufmännische Bildung, seine eingehenden, namentlich statistischen Studien auf cömmerciellem Gebiete und seine langjährige Erfahrung als Industrieller hatten ihm eine genaue Kenntniß der Erfordernisse von Handel und Jndustie im Allgemeinen und insbesondere der Exportverhältnisse nach dem Orient verschafft. Auf dieses specielle Gebiet hatte ihn schon seine Erwerbsbeschäftigung als Fabrikant türkischer Fez, mit welchen bekanntlich von Böhmen aus der größte Theil der mohammedanischen Welt versorgt wird, geführt, und seine aus gebreiteten Studien und Reisen erweiterten seinen Blick von seinem speciellen Fache aus über das ganze Gebiet des Exportes, des Handels und Geldwesens, der Industrie, des Verkehrs und Gewerbes. Sein reger, erfinderischer, auf das Actuelle und Praktische gerichtete Geist verfolgte mit eingehendster Aufmerksamkeit alle Fragen und Erscheinungen auf den verschiedensten Gebieten des Verkehrslebens, und seine gewandte Feder, verbunden mit einem erfinderischen, tapferen Verstände, der sich durch Phrasen und Schlagworte nicht blenden ließ, sich ihnen vielmehr mit Lust entgegenwarf, lieferte in zahlreichen Artikeln, Broschüren, Essays und Vorschlägen den Beweis, daß nicht blos negative Kritik, sondern productive, praktische Ideen das Ergebniß seines für öffentliche Fragen so lebhaften Interesses waren. Von den großen Angelegenheiten des österreichischungarischen Ausgleichs bis auf die klein scheinende, weil die Machtlosen betreffende' Frage des Hausirwesens herab war ihm keine das Verkehrsgebiet betrcffende Frage zu hoch oder zu tief. Für die Hausirer, diese schwächste aller Erwerbsclassen, auf die sich deshalb alle Feigen stürzten, setzte er sich ganz besonders ein, denn da sprach nebst seiner Einsicht und seinem Gerechtigkeitsgefühl auch sein Herz mit, das sich stets der Armen und Verfolgten annahm und in Wohlthätigkeitsacten unermüdlich war. Es sind nicht gar zu Viele, die in heutiger Zeit, in der die Menge Alles ist, die Lücke nach dem Verstorbenen ausfüllen könnten. Floridsdorf. Am 11. d. M. fand die c o n st i t u i r e n d e Versammlung des neu gegründeten israelitisch-politischen Vereines „Gleichheit" in Floridsdorf statt und wurden in den Vorstand gewählt: Zum Präses: Dr. Samuel Ruß, Arzt, ferner die Herren: Leopold Grünwald, Kaufmann; Se. Ehrwürden Dr. M. Rosenmann, Bezirksrabbiner; Dr. Jakob König, Präses der israelitischen Cnltusgemeinde; Dr. Julius Tauber, Advccat; Ingenieur Victor Berger; Director Ignaz Kohn; Ignaz Frischmann, Kaufmann; Max Stein, Nordbahnbeamter, und Maximilian Frank, Privatbeamter. Die Gründung dieses israelitisch-politischen Vereines „Gleichheit" begegnet hier allseitigen Sympathien. Obwohl die hiesige jüdische Gemeinde die zweitgrößte Niederösterreichs ist und die Juden einen politischen und wirthschaftlichen Factor bilden, mit dem zn rechnen wäre, konnten sie bis jetzt nicht zur Geltung kommen, weil eine Vertretung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der hiesigen Judenschaft bis jetzt nicht bestanden hatte. Der gegründete Verein wird nun legitimirt sein, die politischen Interessen der hiesigen Juden auf allen Gebieten wahrzunehmen und zn fördern. Am 26. d. M. findet in den Gisela-Sälen eine öffentliche Vereinsversammlung mit der Tagesordnung: „Warum müssen die Juden sich organisiren?" statt; Brünn. Anläßlich der blutigen Judenexceffe in Kischenew fand hier eine von mehreren hundert Personen besuchte Volksversammlung statt. Schriftsteller Berthold F e i w e l referirte in mehr als einstündiger Rede über die traurigen Ereigniffe von Kischenew. Er legte die Ursachen einer so furchtbaren Judenhetze dar, schilderte in eingehender Weise die verübten Greuelthaten, wies darauf hin, daß selbst die natürliche Selbsthilfe, nämlich die Bildung von Vereinen zur Vertheidigung, von der russischen Regierung verboten wurde, und schloß mit einem warmen Appell an die jüdische Bevölkerung Brünns, hier nach Kräften zu helfen und sei es auch nur mit der bescheidensten Spende. Es sprachen noch jur. Abeles und Hickl in dem Sinne, daß hier die jüdische Solidarität sich zeigen müffe, um der äußersten Noth abzuhelfen. Nach der Versammlung wurden Beiträge entgegeugcron.mei'. HoraLdowitz. In der am 10. d. M. abgehaltenen Sitzung des „Einzelvereines HoraLdowitz" des Zionverbandes wurde beschlossen, zur momentanen Linderung des unsäglichen Elends unserer armen, unglücklichen Glaubensbrüder in Kischenew 10 Kronen aus Vereinsmitteln beizutragen und eine Sammlung in Loco zu veranstalten. Dieselbe ergab nun das schöne Resultat von Kronen 276.20. Es spendeten: Herr Rabbiner M. Friedmann Kronen 1v.—, Herr Moritz Steiner junior 50.—, dessen Frau Gemalin 10.—, Herr Markus Kohn sen. 15.—, Herr Hermann Hastrlik 15.—, Herr Markus Kohn junior 10.-, Herr Leopold Treichlinger 10.—, Herr Moritz Steiner senior 4.—, Herr S. Arnstein 5.—, Herr Gottlieb Kohn 15.—, Herr Porges 15.—, Herr Wilhelm L. Kohn 10.—, Herr Ludwig Fischl 10.—. Dr. David Popper 20.—. Herr Hermann Katz 10.—, Herr Eduard Münz 10.—. Herr Josef Kohn 3.20, Herr Ignatz Schleißner 6.—, Herr Earl Adler 3.—, Herr JakobLöwy2.—, Herr Josef Ehrlich 2.— HerrHermann Adler 3.—, Herr Heinrich Fischl 5.—, Herr Ludwig Hasterlik 3.—. Herr S. Weiskopf 10.—, Herr K. Weiner 5.—, Herr Josef Löwy 4.—, Frau Babi Sonnenschein 2.—, Herr Moritz Mann 2.—, Herr B. Eisner 2.—, Herr Adolf Lederer 2.—, Herr David Klein 1.—, Frau Rosa Fischl 2.—, zusammen 276-20. Hiezu kommen vom Einzelverein HoraLdowitz 10.-*-, Summe 286-20. Auf ein diesbezügliches Inserat des Districtscomites für Böhmen im „Prager Tagblatt" sandten ein: Herr Gustav Glaser, Oberrochlitz, 5.—, Herr I. Bondy, Moldauthein, 5.— . Aus Nezdosov: Jüdischer Armenverein NezdoLov 4. -, Herr Siegfried Schulz 2.—, Herr Israel Kohn 2.—, Herr Jakob Kohn 2.—, Herr Bernard Kohn 2.— , Herr Ludwig Adler 2.—, Chewrah-Kadischa 2.—, Herr F. B. in M. 5.—, Summe 31.—, zusammen daher 317-20. Außerdem spendete die hiesige Chewrah-Kadischah für die Opfer in Kischenew 100.— und für die Abbrändler in Mikulince 20 K. Friedek-Mistek. (Ehrung.) Am Sonntag den 10. d. M. beging die hiesige israelitische Cultusgemeinde eine intime, aber erhebende und die weitere Umgebung der beiden Schwesterstädte interessirende Feier, die der 25jährigen, segensreichen Thätigkeit des Herrn Hermann Löw als Vorsteher der Cultusgemeinde galt. In dem schön geschmückten Sitzungssaale des Gemeindehauses hatte sich der verstärkte Cnltusausschuß vollständig eingefunden. Der Vorsteher- Stellvertreter, Fabrikant Herr Alois Reik, gab in einer zündenden Rede der Freude über diese Jubiläumsfeier Ausdruck, besprach die ersprießliche, alle Zweige der Cultusgemeinde-Verwaltung umfassende Thätigkeit des Herrn Löw, der die Gemeinde in aufopferungsvoller und selbstloser Weise von kleinen Anfängen bis zur gegenwärtigen Blüthe führte und für ihr Gedeihen seit mehr als 44 Jahren, seitdem er in die Cultusvertretung gewählt wurde, zielbewußt und unablässig wirkt. Der 1865 erbaute und 1894 vergrößerte und verschönerte Tempel wurde unter seiner Mitwirkung ausgeführt und der 1882 angelegte Friedhof ist auf seine Initiative zurückzuführen. Die israelitische Volksschule erlangte unter ihm das Oeffentlichkeitsrecht und über sein Befürworten wurde aus Anlaß des Allerhöchsten Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät des Kaisers ein eigenes Schul- und Gemeindehaus gebaut, das noch für spätere Geschlechter ein herrliches Denkmal loyaler Gesinnung und edlen Strebens bleiben wird. Die Humanitären Institutionen der Cultusgemeinde erfreuten sich stets seiner Förderung; überall, auch außer dem Rahmen der Cultusgemeinde zeigt sich sein menschenfreundliches, aufs Gemeinwohl abzielendes Wirken; unzählig sind die Thronen, die er getrocknet, und zahllos die Wohlthaten, die er im Stillen erwiesen hat. Der Cnltusausschuß ehrte den Jubilar dadurch, daß er ihn und seine nicht minder wohlthätige Gemahlin zur Festsitzung in feierlicher