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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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flr. 21 Vr. Bloch's WochonfchrifL Seite S37 Der Aufruf trägt denn auch die Unterschriften hervorragender antisemitischer Größen, wie die des Dr. Ursinn, der schon als Student in der antisemitischen Bewegung eine Rolle gespielt hat. Außerdem möchten wir aus der Liste folgende Namen hervorheben: Dr. Victor Hauke, Primarius Dr. Eduard Föderl, Docent Dr. Gustav Lihotzky, Professor A. Elschnig, Dr. Rudolf Vierthaler, Docent Dr. R. Savor, Dr. Julius Räder, Professor Dr. L. Piskacek (!), Professor Dr. Norbert Ortner, Dr. Clairmont, Dr. Joseph Sorgo, der als Direktor der Heilanstalt „Alland" fungirt, Doctor Joseph Fabricius, Professor Anton Ghon, Professor F. Schlagenhaufer, Professor H. Albrecht rc. rc. Wir wären begierig, zu wissen, ob diese Herren, von denen einige eine ausgebreitete „nicht stammesgenöfsische" Praxis besitzen, so gesinnungstüchtig sind, auch diese Consequenz aus ihrer politischen Gesinnung zu ziehen, daß fie ihre israelitischen Patienten ebenfalls boycottiren und auf diese Clientel verzichten. Uebrigens hat der Vorstand des „Verbandes der Aerzte Wiens" bereits gegen das Project der „Aerztlicheu Reformzeitung" Stellung genommen. In seiner Sitzung vom 15. d. M. hat derselbe nämlich folgenden Beschluß gefaßt: „Der Vorstand des Verbandes der Aerzte hat von der beabsichtigten Gründung eines Vereines der deutschen Aerzte Oesterreichs Kenntniß genommen. Er protestirt entschiedenst gegen diese eine wirthschaftliche und Politische Spaltung der Aerzte Oesterreichs bezweckende Gründung und erwartet, daß die Wiener Aerztekammer sich dringlich mit der Angelegenheit beschäftigen wird. Der Verband behält sich aber auch vor, selbst Schritte in dieser hochwichtigen Angelegenheit zu thun." Budapest. Die „Budapester Correspondenz" meldet: Unterrichtsminister Wlassics hat die Einladung des Szegediner Oberrabbiners zur Einweihung der dortigen neuen Synagoge mit einem Schreiben an den Oberrabbiner Immanuel Löw beantwortet, in welchem er sagt: „Ich weiß wohl, daß Sie in diesem neuen Heim Ihrer Religion neben der Frömmigkeit auch die patriotischen Ideen pflegen und verherrlichen werden. Die Szegediner war die erste jüdische Gemeinde, in welcher ungarischer Gottesdienst gehalten wurde, weil die wackere Szegediner Judenschaft eingesehen hat, daß die süßen Laute der vaterländischen Sprache den religiösen Charakter und die Erhabenheit des Gottesdienstes nicht stören können und daß anderseits die Synagoge durch Pflege des nationalen Geistes zu einem mächtigen Factor werden kann. Euer Ehrwürden gebührt ein großer Theil daran, daß von der Kanzel der Szegediner Synagoge patriotischer Geist verbreitet wird. Es ist auch nicht anders zu erwarten von dem Sohne jenes berühmten Vaters Leopold Löw, dessen würdiger Sohn Euer Ehrwürden sind, und ich kann mich aus meinen in Nagy-Kanizsa verbrachten Kinderjahreu daran erinnern, wie lebhaft das Andenken an Ihren verewigten Vater, der ehedem dort Seelsorger war, sich erhalten hat, Ihren Vater, der ebenso eifrig der Religion und der religiösen Literatur gedient, wie er ein treuer Sohn des ungarischen Vaterlandes war". Der Minister theilte schließlich mit, daß er mit seiner Vertretung an dem Feste den Obergespan der Stadt Szegedin betraut hat und daß er Gottes Segen auf den neuen Tempel und auf die Szegediner patriotische jüdische Gemeinde herabflehe. K. Eibenschitz. In überaus feierlicher und erhebender Weise beging unsere Gemeinde am Samstag den 16. d. M. das fünfzigjährige Tempel-Jubiläum. Am des Jahres 1853 wurde unter dem Rabbinate des berühmten Rabbi Beer Oppenheim dieser Tempel geweiht. Der Tempel selbst, ein glückliches Gemisch von Gothik und Renaissance, zählt zu den schönsten Synagogen Mährens. Es ist dies ein beredtes Zeugniß für den frommen, wahrhaft jüdischen Sinn unseres Cultusvorstandes, der diese seltene Feier initiirte. Es zeugt von Liebe und Verehrung für jene Stätte, die unsere Vorfahren zur Ehre Gottes erbauten. — Fünfzig Jahre Tempel! Freudengesänge an hohen Festtagen haben abgewechselt mit den traurig-düstern Klagemelodien, die an jenen Tagen angestimmt werden, die als Markstein in der Leidensgeschichte des Judenthums bezeichnet find. Generationen haben hier aus wundem, gramgebeugten Herzen, aus der Tiefe der Bedrängniß zu dem Allmächtigen um Hilfe gefleht und in andächtigem Jubel dem Allerbarmer für gespendetes Heil Dankgebete emporgesendet. Der besonderen Hehre und Weihe eines Tempel-Jubiläums entsprechend, beschränkte sich auch die ganze Feier auf den Tempel. Bor dem Mittelportale erhob sich eine im prachtvollen Grün prangende Triumphpforte, deren Frontseite ein herrliches Transparent mit einem auf das Jubiläum bezughabenden Psalmvers schmückte. Freitag Abends, zur Borfeier des Jubeltages, erstrahlte diese Pforte und Transparent im effectvollsten Lichterglanze. Samstag, 10 Uhr Bormittag, versammelte sich der Gesammtausschuß im Sitzungssaals der Cultusgemeinde und begab sich hierauf unter Führung des Vorstehers Herrn Isidor Sinaiberger und der Herren Cultusräthe Jsaias Steiner und Bernhard Neubauer corporativ in den Tempel. In Vertretung der politischen Gemeinde erschien Herr Bürgermeister Samuel Jellinek. Bei dem Mittelportale harrten die beiden Tempelcuratoren die Herren Alexander Stern und Samuel Feldmann und geleiteten die Herren in den im herrlichen Lichterglanze erstrahlenden, mit lebenden Pflanzen geschmückten Tempel. Mit dem vom Tempelchor unter Leitung des Dirigenten Herrn Armin Wilkowitsch exact vorgetragenen „En Komocho" begann die eigentliche Feier. Herrliche, weihevolle Gesänge, vom Chor und vom Obercantor Herrn Wilhelm Löwensohn in vollendet künstlerischer Weise gesungen, verliehen dem Muffaphgebete ein feierliches Gepräge. — Nach der Vorlesung aus der Thora, bei welcher Gelegenheit namhafte Summen, besonders für die armen Opfer von Kischenew gespendet wurden, hielt Ehrw. Herr Rabbiner Dr. H. Handl die Festpredigt. Es war dies ein Meisterstück der Rhetorik; vom Herzen kommend und zu« Herzen sprechend. Er gedachte in dieser Predigt jener Altvorderen, deren Initiative der Tempelbau zu verdanken ist. Der Predigt folgte ein Gebet vor offener Bundeslade für Se. Majestät unserem Kaiser, für die Obrigkeit des Landes, für den Vorstand und die Festversammlung. Mit der Absingung der „Kaiser- Hymne" schloß diese schöne Feier. Der Bericht wäre nicht vollkommen, wenn wir nicht jene Männer besonders erwähnen würden, die sich unvergängliche Verdienste um das Cultuswesen unserer altehrwürdigen Gemeinde erworben haben. In erster Reihe nennen wir den Vorsteher Herrn Lederfabrikanten Isidor Sinaiberger, der mit seltener Hingabe, ja mit großen Opfern seines Amtes als Vorsteher der Gemeinde waltet. Als erster Cultusrath wirkt zu Nutz und Frommen der Gemeinde Herr Jsaias Steiner, ein Mann, der strenges Pflichtgefühl mit seltener Herzens güte paart. — Das Arrangement des Festes haben die Herren Tempelcuratoren Alexander Stern und Samuel Feldmann mit anerkennenswerthem Eifer geleitet. Sie haben sich redlich den Dank der Versammlung verdient. Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß die in Wien domicilirenden Herren Julius Weiß und Max Zerner als Zeichen besonderer Anhänglichkeit an ihre Vaterstadt je 50 Kronen für humanitäre Zwecke dem Vorstände zur Verfügung stellten. Ein „Mischeberach" beim Thoravorlesen lohnte ihnen diese edle That. Der jetzt in Prerau wirkende, einstige Rabbiner von Eibenschitz, Dr. Tauber, sendete eine Glückwunschdepesche. Florenz. Anläßlich der Anwesenheit des Königs von Italien in unserer Stadt durfte auch eine Vertretung des hiesigen Rabbinerseminars dem Herscher die Huldigung dieser Lehranstalt darbringen. Die Herren Cav. uff. Prato, derzeitiger Präsident des Curatoriums, und Oberrabbiner Dr. S. H. Margulies Director des Collegio, wurden in einer Privataudienz empfangen, um dem König den Rechenschaftsbericht der jungen und doch alten Rabbinerschule zu überreichen. Se. Majestät erkundigte sich mit vielem Interesse über die gegenwärtigen Berhältniffe und den Studienplan des Collegio und nahm mit Befriedigung zur Kenntniß, daß der erste — bald zu entlaffende — Hörer in der Lage sein wird, auch außerhalb der Grenzen des Vaterlandes von der Thätigkeit der Hochschule Zeugniß abzulegen. Das Gespräch nahm weiterhin einen ausgedehnten Umfang an und der König entwickelte in seinen an den Director Profeffor Margulies gerichteten Bemerkungen eine geradezu erstaunliche Vertrautheit mit jüdischen und wissenschaftlichen Fragen. Zunächst wurde die allgemeine Lage der Juden gestreift, jene unserer ruffischen Brüder bedauert und mit Genugthuung auf die wahrhaft liberale Handhabung der Gleichberechtigungsgesetze in Italien verwiesen, wobei der jüdische Kriegsminister als einzigartige Erscheinung hervorgehoben wurde. Se. Majestät fügte auch hinzu, daß er mehrfach Gelegenheit genommen hat, mit Generallieutenant Ottolenghi specifisch jüdische Angelegenheiten zu besprechen und bei demselben eine erfreuliche Berfirtheit antraf. Er fand es auch erwähnenswerth, daß beim jüdischen, von Napoleon dem Großen einberufenen Synhedriou ein Ottolenghi unter den Vertretern Italiens zu finden sei.

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