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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-22 · 21 (22.5.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
21 (22.5.1903)
Date
1903-05-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 836 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. S1 mehr befasse und hatte eine andere Firma besonders empfohlen, weshalb dieselbe seinerzeit auch zur Einbringung eines Offertes aufgefordert wurde. Das Offert dieser Firma, welche als sehr leistungsfähig bezeichnet wurde, stellte sich um 75 Percent niedriger als das im Preise nächsthöhere, weshalb Hofrath Taussig den Antrag stellte, dieser Firma die Arbeit zu übertragen, wenn sie die Gewähr dafür biete, daß der Gottesdienst zu den Pfingstfeiertagen abgehalten werden könne. Ueber Anregung eines College«, Erhebungen darüber zu pflegen, ob die genannte Firma eine antisemitische Richtung verfolge, wurde, da bei einer Verleihung von Arbeiten seitens der confessionellen Cultusgemeinde Antisemiten nicht berücksichtigt werden können, beschlossen, diesfalls Erhebungen zu pflegen und nur wenn durch dieselben alle diesfälligen Bedenken behoben werden, dem ausgeschriebenen Concurs gemäß dieser billigstbietenden Firma die Arbeit zu übertragen. Es wurden sohin am nächsten Vormittage sofort die beschlossenen Erhebungen gepflogen; sie lauteten vollkommen beruhigend dahin, daß die in Rede stehende Firma hochachtbar und leistungsfähig sei und ihr Inhaber seine Vorurteilslosigkeit in confessioneller Beziehung vielfach bewiesen habe. Es obwaltete deshalb kein Anstand, den am Abend zuvor in der Sitzung gefaßten Beschluß des Vertreter-Collegiums zur Ausführung zu bringen, ohne Rücksicht daraus, daß ein Offerent, der dem Angebote der genannten Firma am nächsten kam, am Freitag sein Anbot schriftlich nochmals redueirt hatte, so daß es statt um 75 Percent nur um 30 Percent höher war. Die Herren werden mir .zustimmen, daß, selbst wenn dieses reducirte Offert dem der billigstbietenden Firma gleichgekommen wäre, das Präsidium es nicht anständig gesunden hätte, derartige Nachttagsofferte zu berücksichtigen gegenüber jenen, die rechtzeitig überreicht und bezüglich deren auch ein Beschluß gefaßt wurde/ Der Präsident läßt das über den ganzen Vorgang aufgenommene Protokoll in der Plenarsitzung zur Verlesung bringen und findet dasselbe die ungetheilte Zustimmung des Plenums. Der Interpellant erklärt diese Beantwortung zur Kenntniß zu nehmen. GeW«ß^em Anträge des Vertteter-Collegiums wird mit Rücksicht auf die mit 15. September d. I. ablaufende Fnnctionsdauer des Bezirksschulrathes einhellig beschlossen, den bisherigen Vertreter des israelitischen Religionsunterrichtes in der genannten Körperschaft Herrn Dr. Markus Spitzer für den neu zu constituirenden Bezirksschulrath wieder in Vorschlag zu bringen. Der weitere Theil der Sitzung war der Erledigung von Steuerangelegenheiten gewidmet. Schluß der Sitzung ll210 Uhr Abends. Wien. (Generalversammlung der Chewra- Kadischa.) Sonntag den 17. Mai 1903 fand im Festsaale des „Hotel Continental" eine außerordentliche Generalversammlung der Chewra-Kadischa mit der Tagesordnung: „Mittheilung von der erfolgten Statuten-Aenderung" und „Wahl von drei Vorstands-Mitgliedern" unter Vorsitz des Vice - Präsidenten Dr. püü. etjur. Markus Spitzer statt. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er die Anwesenden, insbesondere das Ehrenmitglied Herrn Rabbiner Dr. Adolf Sckmiedl und den Präsidenten der Cultusgemeinde Herr« kais. Rath Heinrich Klinger wärmstens begrüßte und Letzterem für die bei jeder Gelegenheit bethätigte Förderung der Interessen der Chewra-Kadischa herzlichsten Dank abstattete. Herr Bice-Präsident widmete dem vor Kurzem dahingeschiedenen Präsidenten der Chewra-Kadischa Herrn Moritz Karpeles einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er der edlen Herzenscigenschaften, des echt jüdischen Empfindens und der hervorragenden Verdienste des Verblichenen um die Chewra-Kadischa rühmend gedachte. Die Versammlung ehrte das Andenken des Heimgegangenen Präsidenten durch Erheben von den Sitzen und wurde diese Kundgebung im Protokolle ausgenommen. Sodann besprach der Vorsitzende die wesentlichen Neuerungen des geänderten Statutes. Diesfalls ist besonders hervorzuheben, daß an Stelle der Kranzspenden zur Ehrung der Verstorbenen milde Gaben für wohlthätige Vereinszwecke treten sollen, daß der Vorstand für die unentgeltliche Zuweisung einer Grabstelle auf der Zahlabtheilung für mittellos verstorbene Vereinsmitglieder und für ein würdiges Leichenbegängniß Sorge tragen wird, ferner auch die nunmehr statutarisch festgelegte Institution der Delegirten, deren Aufgabe es ist, die Erfüllung der rituellen Gebräuche und Vorschriften zu überwachen und dem Verstorbenen — auch dem Aermsten der Armen die letzte Ehre zu erweisen. Redner verweist schließlich auf die wichtige Neuerung, daß außer den cooptirten Vorstehern 3 Vorstandsmitglieder durch die Generalversammlung zu wählen sind, und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß die geschaffenen Reformen zur ferneren Entwicklung der Chewra- Kadischa beitragen und es unter reger Antheilnahme der Mitglieder ermöglichen werden, die idealen Aufgaben der Chewra- Kadischa durch Uebung religiöser Liebeswerke und durch Unterstützung armer Glaubensbrüder in erhöhtem Maße zu erfüllen. An der über den Bericht des Vorsitzenden sich entwickelnden Debatte betheiligten sich die Herren: Jacques Weiß, Dr. Arnold Ascher, Arnold Fuchs, Jakob S. Straßberg, Jakob Ripper, Med. Dr. Ignatz Weiß, Gemeinderath Donat Zifferer, Cultusvorsteher Salo Cohn, Dr. Marcell Hofmann. Herr Dr. I. S. Bloch widmete den Märtyrern von Kischenew Worte des Gedenkens und regte eine Sammlung zu Gunsten der Hinterbliebenen in der Generalversammlung an. Sodann wurde zur Wahl von drei Vorstandsmitgliedern geschritten. Das unter Zuziehung der Herren S. Brod und Adolf Schramek vorgenommene Scrutinium ergab die Wahl der Herren David Ritter von Gutmann, Jakob Kann, S. Steiner. Verein antisemitischer Aerzte. Pfingsten dieses Jahres soll in Wien ein neuer ärztlicher Verein gegründet werden. Derselbe trägt den Namen „Verein deutscher Aerzte in Oesterreich" und der Ausruf zu seiner Gründung ist in dem hiesigen antisemitischen Fachblatt „Aerztliche Reformzeitung" erschienen. Die Tendenz dieses Vereines tritt unverhüllt zutage, so weit es sich um den Gegensatz zwischen Deutschen und Slaven handelt. Es sollen nur Deutsche in diesen Verein ausgenommen werden, und dieser Verein stellt sich folgende Aufgabe: „Der Verein wird durch die Einrichtung einer im Rahmen des Vereines besorgten Stellvertretung Vereinsangehöriger Aerzte durch Vereinsangehörige Aerzte bei zeitweiliger Verhinderung einem dringenden und oft gefühlten Bedürfnisse abhelfen. Eine gegenseitige Unterstützung der Vereinsmitglieder durch Zuweisung von Krankenbehandlung, von Consilien. von specialistischer Behandlung,.vonOperationen, ärztlichen Reisebegleitungen, Zuweisung von curbedürftigen Kranken an Bade- und Curärzte, sowie an Aerzte, die in den Sommerfrischen ihre Praxis ausüben, an Heilanstalten u. s. w., kurz, die gegenseitige Unterstützung und Förderung aller Vereinsangehörigen soll eine Hauptaufgabe des Vereines sein." Auf gut Deutsch heißt das: Jene Aerzte, welche dem vom Führer der antisemitischen Bewegung in der Aerzteschaft Wiens gegründeten Verein angehören, werden keinen Collegen slavischer Nationalität zu einem Consilium berufen, keinen Patienten an einen Curarzt slavischer Nationalität empfehlen, kurz es wird der offene Boycott gegen die Aerzte slavischer Abstammung gefordet. Das ist der offene Boycott. Aber außerdem wird auch in sehr vorsichtiger Form ein verhüllter Boycott über die — jüdischen Aerzte verhängt. Am Schluffe des Aufrufts heißt es nämlich in auffallender Schrift: „Die Herren Collegen werden aufgefordert, die Werbung deutscher Aerzte (Stammesgenossen) für den geplanten Verein mit allem Eifer zu betreiben." Und in einem Begleitartikel, der aus der Feder des Führers der antisemitischen Bewegung stammt, wird wiederum betont, daß es sich darum handle, alle deutschen Stammesgenossen, die dem ärztlichen Stand angehören, zu vereinigen. Die Bedeutung des Wortes Stammesgenossen braucht wohl nicht näher erörtert zu werden; Jedermann, der nur halbwegs mit dem Sinne dieses Ausdruckes, den er in der letzten Zeit angenommen hat, vertraut ist, weiß, daß „nur Stammesgenossen" soviel wie „judenrein" heißt. Sowohl der Umstand, daß der Aufruf zur Gründung dieses Vereines in den antisemitischen Hetzorganen erschienen ist, sowie die Thatsqche, daß derselbe von keinem einzigen jüdischen Arzt unterzeichnet ist und außerdem in demselben ausdrücklich nur zur Werbung von „Stammesgenoffen" aufgefordert wird, läßt über die antisemitische Tendenz dieses Vereines keinen Zweifel bestehen. Es handelt sich auch um die Boycottirung jüdischer Aerzte; keiner derselben soll von einem Vereinsmitglied einem Consilium beigezogen, als Badearzt empfohlen werden, kurz und gut, es ist die Ausschließung der jüdischen Aerzte von jeder collegialen Unterstützung.

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