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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-15 · 20 (15.5.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
20 (15.5.1903)
Date
1903-05-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 383 Dr. Bloch's Wochrnfchrift. Nr. so Dr. Julius Bermann, k. k. Notar; Alexander Fischel, Fabriksbesitzer; Leopold Langer, Börseralh, Banquier; Fritz Singer. Schriftsteller; Dr. Hermann Wolf, Hof- und Gerichtsadvocat; Hofrath Dr. Emil Zuckerkand!, k. k. Universitätsprofesior. Prag. Bor einigen Tagen feierte in Liebe schitz bei Saaz der k. k. Postmeister Moritz Lederer mit seiner Gattin Amalia geb. Propper das Fest der silbernen Hochzeit. Trotzdem die Feier nur als eine intime für den engsten Familienkreis gedacht war, erhielt Herr Lederer eine große Anzahl brieflicher und telegraphischer Beglückwünschungen und wurde überdies auch durch zahlreiche persönliche Gratulationen erfreut. Unter Anderen erschien bei ihm eine Deputation der israelitischen Cultusgemeinde von Liebeschitz, deren Vorstand er durch mehr als drei Decennien als eifrig thätiges Mitglied angehört, um ihm die Glückwünsche der Gemeinde zu überbringen. Budapest. Beim ung. isr. Handwerks- und Ackerbauverein werden arme Knaben im Alter von vierzehn bis siebzehn Jahren von gesundem Körperbau, welche die III. oder IV. Claffe einer Mittel- oder Bürgerschule mit gutem Erfolg absolvirt und Lust zur Feldarbeit haben, als Ackerbauzöglinge ausgenommen und behufs ihrer Ausbildung in Oeconomien und Ackerbauschulen untergebracht. Die mit Geburts-, Schul-, Armuths- und Gesundheitszeugniß versehenen Gesuche sind ehestens dem genannten Verein (Damjanich gaffe 48) einzusenden. Sifsek. Bezugnehmend auf den in Ihrem geschätzten Blatte enthaltenen interessanten Artikel „Die Juten in Croatien", — worin der Verfasser hervorhebt, „daß jetzt in fast allen croatischen Gemeinden der Festigung jüdischen Lebens erhöhte Aufmerksamkeit zugewcndet Miird" — freut es mich, mittheilen zu können, daß dieser Satz durch die jüngst erfolgte Neuwahl des hiesigen Cultusvorstandes die vollste .Bekräftigung erfährt. Gewählt wurden: Stadtphysicus Dr. Fürst zum Präses, Herr Jaques Reiß zum Vicepräses, die Herren S. Alexander, A. Deutsch, M. Flesch. I. Jünker, M. Reich, F. Weiß zu Ausschuß- Mitgliedern. Dr. Fürst, der seit 35 Jahren als Stadtphysicus eine sehr angesehene Stellung hier einnimmt und seines wahrhaft humanen Wirkens wegen von Jedem, ohne Unterschied der Confession, hochverehrt wird, bringt seinem neuen Ehrenamte nicht nur sein jüdisches Herz entgegen, es steht ihm auch eine Fülle hebräisches Wissen zu Gebote, wie es leider bei der jüngeren Generation kaum mehr zu finden ist. War ja Doctor Fürst doch ein Schüler des berühmten Rabbiners Fasiel in Groß- Kanizsa. Dr. Fürst uahm es in sein Programm auf, zunächst der regeren Betheiligung des Tempelbesuches seine Aufmerksamkeit zu widmen. Trotzdem wir schon seit 16 Jahren eine sehr schöne Synagoge haben, für welche die Gemeinde kein Geldopfer scheute und sie ganz aus eigenen Mitteln erbaute, so lag es mit dem Tempelbesuch doch sehr im Argen Dr. Fürst hat gleich die Einrichtung getroffen, daß jeden Montag, Donnerstag und Neumond der Tempel geöffnet werde, was bis jetzt außer an Samstag und Feiertagen nicht geschah. Nicht mehr wird der Andächtige, der das Bedürfniß hatte, auch am Werktrge im Gotteshause zu beten, vor verschlossener Thüre stehen. Dies ist ein guter Anfang und so wollen wrr hoffen, daß das Walten unseres hochverehrten Präses auch weiterhin ein segensreiches sein werde. Dazu stehen ihm alle Herren vom Cultusvorstande eifrig und freudigst zur Seite. P. Györ. Anläßlich der Jahreswende des Ablebens eines unserer angesehensten Gemeindemitglieder, des Herrn Elias K epp ich, der während eines halben Jahrhunderts Raaber Stadtrath, Repräsentant unserer Cultusgemeinde und vieler humanitärer Anstalten gewesen, haben deffen Söhne Wilhelm und Ludwig K e p p i ch im Namen der Hinterbliebenen zu Händen der Raaber Stadtverwaltung einen Stiftungsbetrag von 10.000 Kronen hinterlegt mit folgender Bemerkung: Die Stiftung bat auf die Namen Elias K e p p i ch und deffen Gattin Frau Eleonore K e p p i ch. geborene U n g e r, zu lauten zum bleibendeu Gedenken. Von dem pupillarisch sichergestelltcn L tiftungsbetrag soll jedes Jahr das Zinsenerträgniß über Vorschlag der Mittelschul-Directoren im Vereine mit der Stadtverwaltung zu gleichen Theilen an arme lernbestiffene Schüler der hierortigen Mittelschulen, jüdischer und christlicher Confession, zur Bestreitung ihrer Lebeusbedürfnisse verabfolgt werden. Zur Begründung der Confessions-Bedingung haben die Stifter die Bemerkung beigefügt, daß nach den culturellen Fortschritten jeder Confessions-Unterschied eigentlich aufgehoben sein sollte; nachdem jedoch fast überall wahrgenommen werden kann, daß die Zeitströmung der freisinnigen Auffassung ungünstig ist, mußten leider die Stifter im Interesse unserer Glaubensgenossen die erwähnte Klausel ausdrücklich betonen. Pohrlitz. Unsere hiesige Cultusgemeinde hat durch den Heimgang des Herrn Samuel Brunner, der durch 40 Jahre in treuester Pflichterfüllung als Vorsteher der Chewra - Kadischa wirkte, einen schweren Verlust erlitten. Der Heimgegangene erfreute sich allgemeiner Sympathien. Kiew. Das Hauptgericht verhandelte gegen 150 Angeklagte, welche beschuldigt sind, sämmtliche Juden des Ortes Winza ausgetrieben zu haben und die, um sich vor den gesetzlichen Folgen zu schützen, diese Austreibung formell durch ihre Frauen haben vollziehen lassen. Einige der Rädelsführer wurden zu 4 Monaten Gefängniß verurtheilt unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Die meisten wurden freigesprochen. Moskau. Der bekannte russische Novellist und Dramatiker Maxim Gorki, der ein Schauspiel unter dem Titel „Der Jude" geschrieben hat, zeichnete für die unterdrückten russischen Juden den Betrag von 10.000 Rubel. Es ist bekannt, daß der Dichter den größten Theil feines Einkommens wohlthätigen Zwecken zuwendet. Feuilleton. Das Maste Gebot. Von Dr. F. Rich. Heinschel. II. Frau v. Blaustein war eine auffallende Erscheinung. Ihre Gestalt war hoch und schlank, die Glieder in seltenem Ebenmaße gebaut. Das braune, leichtgewellte, schlicht anliegende Haar war im Nacken zu einem Knoten geschlungen. Das Antlitz war von ernster Schönheit, die Stirne hoch und scharf, wie mit einem Meißel herausgehauen. Unter den langen, dunklen Wimpern leuchteten zwei Augen hervor, die mit der fast starren Ruhe der Gesichtszüge im Widerspruche standen. Der fremde Beschauer mußte den Eindruck gewinnen, daß dieses Gesicht nicht immer von dieser Strenge erfüllt gewesen war, daß die glitzernden Augen, die unter den langen Wimpern sich hervorhoben, einst auch leuchten konnten. Und in der That war es auch so. Der strenge Zug um den schönen Mund, die Helle Klarheit auf der Stirne waren nur durch festen Willen dahingezaubert worden. In der Tiefe des Herzens loderte noch helle Leidenschaft, die die Augen noch immer nicht ganz verbergen konnten und welche einst das ganze Antlitz zur Schau trug. Die Frau war nicht mehr jung. Frühes Leid hatte sie rascher altern lassen. Auf der Stirne der Fünfunddreißigjährigen zeigten sich schon scharfe Linien, wodurch das Antlitz fast alt erschien. Julie v. Blaustein hatte schon schweres Herzleid ertragen müssen. Sie war die Tochter eines armen Gemeindedieners in D., einer Stadt an der ruffischen Grenze. Nachdem sie kaum das zehnte Lebensjahr vollendet, starb ihr Vater. Ihre Mutter war ein schwaches, hinfälliges Geschöpf, das von einer armseligen Pension, welche ihr die kleine Gemeinde ausgesetzt hatte, sein Dasein fristete. Der Rabbiner der Gemeinde, ein ebenso gelehrter. wie braver Mann, nahm sich der verwaisten Julie väterlich an. Sie besuchte die Schule und dabei ließ er sie auch noch in allen Handarbeiten und häuslichen Verrichtungen unterweisen. Der Rabbiner trug sich mit der Absicht, Julie in einem besseren jüdischen Hause unlerzubringen. Dieser Plan aber scheiterte an der Gefallsucht Julie's; sie wollte kein Dienstbote werden. Schon mit fünfzehn Jahren wußte sie, daß sie schön sei, und sie wollte ihre schönen, weißen Hände nicht durch Arbeit entstellen. Der Rabbiner, ein herzensguter Mann, kam ihr auch darin entgegen. Sie lernte englisch und französisch und galt bald als das gebildetste Mädchen im Orte. Als sie sechzehn Jahre alt geworden, gab er sie zu einer geschickten Handarbeiterin in die Lehre. Zwei Jahre darauf starb ihre Mutter. Als diese ihr Ende nahen ftihlte, rief sie Julie an ihr Sterbelager und ließ sie den heiligen Schwur leisten, dem Glauben der Väter niemals untreu zu werden. Nach dem Tode der Mutter litt es sie nicht länger in der Heimat. Sie machte das geringe Erbe zu Gelde und trat die Reise nach der Residenz an. Ein Ziel stand ihr vor Augen. Sie wollte auch so elegant wie die Frau Amtsrichter auftreten, wollte auch solch. strahlenden Schmuck von Saphiren und Brillanten besitzen; in der Heimat erschien ihr die Aussicht darauf eine sehr geringe, doch in der Residenz, so dachte sie, haben schon Viele ihr Glück gemacht. Es war ein herrlicher Sommertag, als Julie die Reise nach der Residenz antrat. Kein Wölkchen trübte das Blau des Himmels, die Blätter an den Bäumen waren saftig grün, die Blumendüfte berauschend. So goldäugig wie das Sonnenlicht, das im Azur des Firmamentes stanv und sich in Bäume und Blumen wob, so leuchtend war auch die Freude, als sie von ihrer Heimat Abschied nehmen konnte. Die letzten Mahnungen

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