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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-15 · 20 (15.5.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
20 (15.5.1903)
Date
1903-05-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 80 Dr. BLoch's WmhensttzrM. Lette 333 und nützlichen Wirkens mit Aufopferung von Zeit und Mühe ihr Bestes leisteten und all ihre Kräfte anspornten, die Badener Cultusgemeinde zu einer der geachtetsten und angesehensten im Kreise der österreichischen jüdischen Gemeinden hinaufzuarbeiten. Dies von allen Seiten würdigst anerkannt, vollzog sich auch die Wahl in musterhafter Ruhe und mit überraschender Einhelligkeit, was die beste Prognose für die weitere heilvolle Entwicklung der Cttltusge'meinde bildet. Möge es allen neu- und wiedergewählten Herren gegönnt sein, ihre Leistungen auch fernerhin von freudigem Erfolg gekrönt zu sehen und daß der Segen Gottes in all ihrem Wirken walte. Ein Brzeznowsk/-Parteiseandal in Sicht. Prag, 8. Mai 1903. Die berüchtigte Boycott-Jnterpellation des jungczechischfreisinnigen Revers-Clericalen Abgeordneten Wenzel Bkzezn o w s k y, deren unlauterer Hintergrund erst nachträglich und nur schrittweise in die richtige Beleuchtung gerückt wird, veranlaßt den „Oas", das Realistenorgan Professor T.G. Masaryk's, zu folgenden, sehr bemerkenswerten Ausführungen: Abgeordneter Wenzel Brzeznowsky, erklärt in den „N ar o dni Listy“ (7. Mai) seine räthselhafte Interpellation vom 21. April. Diese Interpellation scheint sowohl, was ihren Ursprung, als auch ihren Zweck anbelangt, in rin räthselhaftes Dunkel gehüllt zu sein. Ueder ihren Zweck äußert sich Abgeordneter Brzeznowsky in seinem gestrigen .Eingesendet": .Als ich erfuhr, daß trotz des Protestes des Bürgermeisters der königlichen Hauptstadt Prag dem Prosissor Rauchberger die Einsichtnahme in die Volkszählungs-Elaborate der Prager Gemeinde gestaltet wurde, erachte ich es für meine Pflicht, der czechischen und deu schen Oeffentlichkeit zu zeigen, aus welchen r e i n cz e ch i s ch e n G e m ein d e n jene sogenannten „Deutschen" stammen und wie sie in ihrer Wirklichkeit aussehen, welche sich bei der letzten Volkszählung in Prag für die deutsche Umgangssprache erklärt hatten. Ich bemerke nebstbei: dies war nur ein kleiner Theil — die Fortsetzung folgt erst."- Hiezu müssen wir etwas zur Aufklärung beifügen: Wenn Herr Btzeznowsky die Absicht hätte, die .Deutschen", welche aus czechischen Gemeinden stammen, an den Pranger zu liefern, dann sollte er uns doch erklären, warum und wieso in seinem Verzeichnisse mindestens 10°/» solcher .Deutschen" Vorkommen, die aus rein deutschen Gemeinden stammen? Oder sind etwa das hier rein czechische Gemeinden Preßburg und Steinamanger in Ungarn? Mieß. Saaz. » Postelberg, Böhmisch-Leipa, Reichenberg, Chiesch, Königswart. Komotau, Neustadt bei Tachau, Friedland, Teplitz? Sind am Ende dieses hier rein czechische Gemeinden: Wien, Stuttgart in Deutschland?? .... Herr Brzeznowsky muß es sich gefallen lassen, daß wir an seiner Wahrheitsliebe zweifeln. Biel eher liegt die Wahrheit so, daß er wieder einmal bischen den Boycott gegen die Juden anstiften wollte. — — Wir zweifeln auch an dem Ursprung seines Adrefsenverzeichnisses; Herr Brzeznowsky verspricht am 7. Mai, die Fortsetzung werde erst kommen, d. h. das weitere Berzeichniß der „Deutschen" (eigentlich aber nur der Juden) werde erst folgen. Aber am 21. April hatte Herr Brzeznowsky Aum Schlüsse seiner Interpellation ausdrücklich bedauert, daß er kein Material mehr besitze. Er hatte sich im Laufe seiner gemeinderäthlichen Wirksamkeit bei den Bolkszählungs-Commisiionen nur Notizen gemacht; .wie schade, daß ich mir blos aus einem unbedeutenden Theile der königlichen Hauptstadt Prag Auszüge gemacht habe, sonst möchte ich dem hohen Hause ein vollständiges Bild zeigen, wie jenes oielberufene Deutschthum in Prag eigentlich aussieht". Da sollte doch Derjenige, der dem Herrn Brzeznowsky sein Materiale liefert, diesen Stoff mit ihm etwas besser einstudieren, damit er am 7. Mai wisse, was er am 20. April gesprochen hatte. Bei den „N a r o d n i L i s t y‘: war die Eile räthselhaft, womit Herrn Brzeznowsky's Interpellation veröffentlicht wurde. Einige Minuten vor der 12. Mittagsstunde am 20. April nterpellirte Herr Brzeznowsky im Wiener Parlamente und Schlag zwölf Uhr Mittags konnten schon die „Narodni Li sty“ hier, in Prag, seine fast volle drei Seiten dichtesten Petitdruckes füllende Interpellation ins Publicum hinausschleudern. Einmal in der Zeit die Prager Judenschaft zu kitzeln, daß verfehlt selten seine wohlthuende Wirkung — sowohl auf unser antisemitisches Publicum, als selbst auch auf die — inserirenden Juden. — Nachträglich entstand im Abgeordneten-Club ein Gemurre, selbst der Redacteur der „Narorlui Listy“ Ryha prvtestirte sogar gegen derartige räthselhafte Interpellationen. Einer der jungczechischen Abgeordneten sagte im Club: .Unsere treuesten Wähler werden proscribirt!" — Wir sind gründlich genug in die Geschichte dieser Interpellation eingeweiht, vorläufig wollen wir noch mit unseren Enthüllungen zurückhalten; wir fürchten aber, diese nicht ganz saubere Geschichte werde sich zu einen» Scandal herauswachsen, der höher hinaufreichen wird, als blos auf Rechnung des Herrn Brzeznowsky. — * * * Der jungczechische Abgeordnete, welcher nach der 1897er Mzeznowsky-Wahl, nach den November-Schrcckenstagen des Jahres 1897, nach Polnä Kuttenberg und P l s e k noch immer auf den getreuesten Getreuen unter den jungczechischen Juden-Wählern so felsenfest zählen zu können glaubt, muß eben seine Leute kennen. Fürwahr, um diese Kategorie von Juden-Wählern find die Jungczechen zu beneiden! — Bei solcher Anerkennung muß doch dem Herrn I. U. Dr. Jakob Scharf das Herz im Leibe vor Wonne und Freude gelacht haben. Sein lieber Parteicollega Herr Wenzel BtzeznowskL. für dessen Wahl sich ja bekanntlich auch gesinnungstüchtige jungczechische Inden in blendend uneigennützigster Weise so stramm und wacker eingesetzt haben, bewahrheitet doch soeben glänzend jenes denkwürdige Plaidoyer des Herrn Dr. Scharf, der damals im Saale der Productenbörse aus vollster Ueberzeugung für Brzeznowsky eingetreten war mit dem unübertrefflichen Schlager: „Brzeznowsky hat nur ein loses Maul, sonst ist er aber ganz harmlos!" Niemand hier in Prag dürfte denn auch den versprochenen Enthüllungen des ,6as" über einen neuen Brzeznowsky-Scandal mit so sehnsüchtiger Erwartung und begreiflicher freudigster Spannung entgegensehen, wie Herrn Bkzeznowsky's allzeit schlagfertigster Gönner Herr Dr. Scharf. Prag, den 8. Mai 1903. -I. Budapest. Dem Berichte über die Generalversammlung des VI. israelitischen Gemeindedistrictes (Budapest und Pester Comitat) ist zu entnehmen: Das umfangreiche, mit großer Sorgfalt und Sachkenntniß ausgearbeitete Operat weist auf den gegenwärtigen unhaltbaren Zustand der Angelegenheiten der jüdischen Consrffion und aus die dringende Notwendigkeit der autonomen Organisation hin. Der Cultusminister Halle wohl die Zeit für die Durchführung dieser Organisation noch nicht für gekommen, darum jedoch dürfte die Angelegenheit nicht von der Tagesordnung abgesetzt werden. Der Bericht gedenkt der Uebertritte, die gerade seit der Reception immer häufiger Vorkommen. Es sei Sache der Rabbiner, Ursache und Quelle des Uebels zu erforschen und Mittel zur Abhilfe zu suchen. „Aber unsere Pflicht ist es — heißt es in dem Berichte wörtlich — Jenen gegenüber, die im Verlaufe des Verfahrens bei den Uebertritten gegen das Gesetz handeln, die strengste Anwendung der vorhandenen gesetzlichen Maßnahmen zu urgiren." Nach Verlesung des mit großem Beifall aufgenommenen Berichtes ergreift Dr. Moriz Mezei das Wort, um sich in erster Reihe mit der staatsrechtlichen Stellung der jüdischen Confessio» zu befassen. Dieselbe sei eine recht traurige, und die Reception werde so lange ein unvollendetes Werk sein, als nicht die staatsrechtliche Stellung der Confeffion legislatorisch geregelt ist. Wenn nun die gegenwärtigen Verhältnisse die Einberusiing des Cangreffes nicht gestatten, so hindere dies nicht, daß die Gemeindedistricte im eigenen Wirkungskreise, ohne Intervention der Staatsmacht, die Landesangelegenheiten des ungarischen Israel gemeinsam berathen. — Im weiteren Verlaus seiner Rede befaßt sich Dr. Mezei mit der Frage der Dotation der jüdischen Confeffion; man dürfe sich nicht mit dem gebotenen Almosen begnügen, sondern müsse auch in dieser Hinsicht volle Gleichberechtigung fordern. Zum Schluffe berührt Dr. Mezei das Thema der Uebertritte. Auch diese weisen auf die Nothwendigkeit der autonomen Organisation, der Entwicklung und

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