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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochrnschrisl. Sette 309 Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien.) Die Wahl für das XX. Vereinssemester ergab folgendes Resultat: Herr Dr. G. Rosenmann, Präsident; Herr G. Sicher, Vicepräsident; Herr V. Kurrein, Cassier; Herr A Frankfurter, I. Schriftführer; Herr A. Schwenger, II. Schriftführer; Herr S. Arje,HerrM. G. Mehrer, Herr I. S. Stößler, Ausschußmitglied-r. Wien. Am 3. d. M. wurde eine würdige Glaubensgenossin, Frau Gabriele Kehlmann, Mutter des Herrn Generalconsuls Louis Kehlmann, *it Grabe getragen. Zahlreiche distingnirle Leidtragende gaben der Verblichenen das letzte Geleite. Herr Gemeinderabbincr Dr. Geldhaus hielt in der Ceremonienhalle eine p Herzen gehende Trauerrede, in welcher er die Tugenden der verewigten 83jährigen Glaubensgenossin als edle Mutter, als Wohlthäterin und als treue Israelitin würdigte. Herr Cantor Menkes recitirte die Trauergesängc. Wien. (JüdischerSch ulverein für den IX. Bezirk.) Sonntag den 28. d. M. fand die Prüfung an der Religionsschule des „Jüdischen Schulvereines für den IX. Bezirk" statt. Ein ebenso zahlreiches als distinguirtes Publicum folgte der Prüfung mit lebhaftestem Interesse. Es lohnte aber auch der Mühe, diese wahrhaft glänzenden Leistungen kennen zu lernen. Was dieser junge Verein iu der kurzen Zeit seines Bestandes erreicht hat, übersteigt alle Erwartungen. Herr Schulleiter D. H. Oesterreicher, dessen unerreichte Unterrichtsmethode seiner Hingabe an seinen hehren Beruf gleicht, hat seinen Schülern in unglaublich kurzer Zeit eine Summe von Kenntnissen in Beten, Uebersetzen hebräischer Grammatik und biblischen Geschichte beigebracht, die geradezu bewunderungswerth erscheint. Auch dem Vorstande des Vereines gebührt vollste Anerkennung für die großen Opfer an Zeil, Mühe und Geld, die er an dieses mustergiltige Werk wendet. Die Prüfungsgäsie und speciell die Eltern der Schulkinder würdigten auch in wirklich schmeichelhafter Weise das erreichte Resultat. Anwesend waren unter Anderem: Cultusvorstand Herr H. Eltdogen. Vertreter der Vereine „Lotst Latülo" (Tempelverein, IX. Bezirk), „Austel A^vrostom" („Lotst Aamlärasest", IX. Bezirk), „Adass Jisroel", Schulverein des X. Bezirkes, Districts-Comitö und mehrere Andere, sowie der Gesammtvorstaud des Vereines. Ihr Ausbleiben entschuldigten der Vorstand der israelitischen Cnltnsgemeinde (die Herren waren wegen der gleichzeitig stattgehabten Lehrercandidaten- Prüfung am Erscheinen verhindert), Herr kais. Rath Pollak, Herr Dr. Alfred Berger rc. rc. Nach Schluß der Prüfung dankte ein Vorstandsmitglied dem Herrn Schulleiter aufs Wärmste und bat die Gönner des Vereines um ihr ferneres Wohlwollen. Herr Oesterreicher dankte bewegt für das ihm in so reichem Maße gespendete Lob. Es wäre sehr zu wünschen, daß dieser Verein, der den Beweis liefert, daß auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes viel Gutes zu leisten ist, der aber materiell noch mit den Kinderkrankheiten zu kämpfen hat, reichlichste Unterstützung und Förderung finde. Wien. (Nachruf für Professor Lazarus.) Am letzten Freitag Abends hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus im Tempel des IX. Bezirkes in seiner Predigt dem Geheimen Regierungsrath Professor Lazarus einen Nachruf. Der Redner, ein Schüler des Verewigten, feierte ihn als einen großen Denker, der auf dem Gebiete der Philosophie neue Lehren eröffnet hat, als einen treuherzigen Israeliten, der, ein Anhänger des theologischen Fortschrittes, das Judenthum in hartbedrängter Zeit durch die Macht seiner Persönlichkeit und seiner großen Beredtsamkeit vor Gefahren zu schützen bestrebt war, als einen begeisterten Freund und Förderer der jüdischen Wissenschaft, der im Vereine mit anderen erleuchteten Geistern die Hochschule für die Wissenschaft des Judenthumes in der Hauptstadt Deutschlands begründete. Als Summe seiner Ansichten über den hohen versittlichenden Lehrinhalt unserer erhabenen Religion wird sein monumentales Werk „Die Ethik des Judenthums" ein unvergängliches Denkmal bleiben. Die mit tiefem Gefühl dorgetragene Rede machte auf die das Gotteshaus füllenden Zuhörer einen mächtigen Eindruck. Wien. Die zweite ordentliche Generalversammlung des „Vereines zur Errichtung eines israelitischen Hospitales in Gleichenberg" findet, nachdem die für den 15. April 1903 angeordnete Generalversammlung mit Rücksicht auf die geringe Anzahl der anwesenden Mitglieder beschlußunfähig war, Montag am 18. Mai 1903, halb 6 Uhr Abends, I.. Seitenstettengaffe 4, Parterre links, statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1902. Bericht der Revisoren und Antrag auf Absolutorium des Vorstandes für die vorausgegangene Rechnungsperiode. 2. Bericht des Vorstandes über den Stand des Vereines und über dessen bisherige Wirksamkeit. 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern und zwei Revisoren. 4. Eventuelles. Anträge von Mitgliedern. Statutenmäßig scheiden aus dem Vorstände aus die Herren: Wilhelm Freyberg, Dr. Gustav Kohn, Anton Perl, kais. Rath Max Schiff, Moriz Steiner. Die Ausscheidenden find wieder wählbar. Brelitz. Die hier erscheinende Zeitung „Bielitz-Bialer Anzeiger" enthält in Nr. 1071 folgende Notiz: Der k. k. schlesische Landesschulrath hat auf Grund der vom schlesischen Laudesausschusse vorgenommenen Ernennungen die Anstellung folgender Lehrpersonen ausgesprochen: Herren Jakob Goldberg als Oberlehrer. Paul Golosowsky und Eugen Kellner als definitive Lehrer an der belästigen Knabenschule, Herr Gotthold Friedlander, Herr Ernst Stein und Sophie O b r z i l als definitive Lehrer, bezw. als definitive Lehrerin an der oclassigen Mädchenschule Bielitz» Giselastraße. Bemerkt muß werden, daß Herr G. Friedländer, ein vorzüglicher Sänger, auch als Cantor thätig ist. Rosenberg (Böhmen). Am 30. April d. I. fand im reich decorirten Tempel der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde um 6 Uhr Abends zur Feier der silbernen Hochzeit Sr. Excellenz des Herrn Grafen Karl Buguoy Longeval, Freiherrn von Vaux, k. k. Kämmerer u. s. w. ein großer Festgottesdienst statt. Zu demselben waren außer dem Bürgermeister Herrn Johann Scheder auch der Communeverwalter Herr Carl Waltenberger, der Gemeinderath, die in Rosenberg weilenden Schloßbeamten, Deputationen des k. k. Militär-Veteranen- Vereines, der Freiwilligen Feuerwehr, des Gesangsvereines mit ihren Obmännern, der ganze Lehrkörper und viele Bürger mit ihren Damen erschienen. In der außerordentlich wirksamen und gediegenen Festrede, die allgemeinen Beifall fand, gab Herr Rabbiner Dr. M a r g e l anknüpfend an das silberne Hochzeitsfest ein Bild der Geschichte der Rosenberger Ritter und der Entwicklung, welche die Judengemeinde unter beul Schutze dieser Herren genommen. Die Rede klang in ein Gebet auf Se. Majestät ven Kaiser, das jubilirende Paar, die Stadt Rosenberg und ihre Einwohner aus und hinterließ bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck. M. A. Bag-Szered. (Todesfall.) Am 22. April d. I. starb hier nach kurzem Leiden der bekannte Philanthrop Herr Isidor Magen. Der Verblichene zeichnete sich durch große Frömmigkeit, außerordentliches Wissen und besondere Wohlthätigkeir aus und hat sich um die Entwicklung der Gemeinde unvergeßliche und vielfache Verdienste erworben. Sowohl als Tempelvorsteher, wie auch als Vorsitzender des Krankenvereines Bikur Cholim brachte er diese Institutionen zu bedeutender Höhe und scheute keine Opfer, sie auf derselben zu erhalten. Auch für die armen Juden in Jerusalem hatte der Verblichene wärmstes Jntereffe und sammelte seit 30 Jahren Unterstützungen für dieselben. In seinem formvollendeten Nachrufe hob Herr Öberrabbiner Pserhofer die hervorragenden Eigenschaften des Verblichenen hervor, würdigte srin Wirken im Dienste der Allgemeinheit und forderte die Hinterbliebenen auf, in der allgemeinen Theilnahme Trost und Beruhigung zu finden. Wie er seinen Kindern der liebevollste Vater war, so bedeutete er allen Gemeindemitgliedern ein leuchtendes Vorbild, deffen Andenken ein dauerndes bleiben wird. Budapest. (Universitätsprofessor Dr. Wilhelm G o l d z i e h e r.) Se. Majestät der König hat, wie „Budapesti Közlöny" meldet, dem außerordentlichen Univerfitätsprofessor und Chefarzt des Elisabethspitals Dr. Wilhelm Goldzieher in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebrete des mebicinifdjen Unterrichtswesens und der medicinifchen Literatur das Officierskreuz des Franz Josef-Ordens verliehen. Diese schöne Auszeichnung ist einem hervorragenden und verdienstvollen Vorkämpfer der ungarischen Wissenschaft zutheil geworden, der auf seinem specielle» Fachgebiete geradezu bahnbrechend gewirkt bat. Sein im Jahre 1890 erschienenes „Szemeszet keziköuyve“ (Handbuch der Augenheilkunde) war das erste ungarische Originalwerk, welches diesen Gegenstand behandelte. Professor Goldzieher, der seine Fachbildung an den Universitäten in Wien, Berlin. Prag und Heidelberg unter der Leitung der hervorragendsten Gelehrten erworben hat, war stets darauf bedacht, den Corinex zwischen den Bestrebungen Ungarns auf dem medicinischen Gebiete und dem Auslande aufrecht zu erhalten, ferner auch dem großen Publicum die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen durch meisterhaft geschriebene populäre Artikel zu vermitteln. Diese Pnblicationen sind zum größten Theile im „Pcster Lloyd" erschienen und so feiert auch derselbe die wohlverdiente Auszeichnung seines ausgezeichneten Mitarbeiters. Die Nachricht dieses Actes der Allerhöchsten Anerkennung wird wohl in dem weiten Kreise der zahlreichen Verehrer, Freunde und Schüler des allseits geschätzten Gelehrten Genugthuung und Freude Hervorrufen. Dr. Wilhelm Goldzieher wurde am 1. Jänner 1849 in Köpcseny geboren. Die Mittelschulen absolvirte er in Pozsony und in Budapest. Dann bezog er die Wiener Universität, wo er unter der Leitung Brücke's und Stricker's physiologische Studien trieb Er arbeitete später in Heidelberg im Laboratorium Helmholtz' und wurde 187 l zum Doctor der Medicin promovirt. Dr. Goldzieher besuchte dann mit einem ungarischen Staatsstipendium die Universitäten, in Berlin und in Prag, 1874 ließ er sich in Budapest als Augenarzt nieder und wirkt daher seit nahezu drei Decennien als Ophthalmolog tn der ungarischen Hauptstadt. 1878 wurde er Docent an der Budapester Universität, 1885 Chefarzt der Aug nklinik des Kreuz-Spitals und 1895 außerordentlicher Universitätsprofessor. Professor Goldzieher ist ferner ordinirender Chefarzt in der ophthalmologischen Abtheilung des hauptstädtischen Rochusspitales. Dr. Goldzieher ist literarisch ungemein thätig und hat zahlreiche Fachaufsätze, Artikel und Studien in in- und ausländischen Fachblättern und Journalen veröffentlicht. Seine zwei größeren Werke sind: Therapie der Augenkrankheiten (Stuttgart, i 881) und das bereits erwähnte Lzsweszst kezikönyve (Budapest 1890).

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