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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 808 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. IS alle Europäer zugegangenen Aufforderung der europäischen Consulen zum Verlassen der Stadt zu folgen und erklärt hat, seine Glaubensgenoffen in der Stunde der Gefahr nicht verlaffen zu wollen, gab ihm Gelegenheit, der aufopfernden Thätigkcit des Lehrpersonals der Alliance die Anerkennung der Allianz auszusprechen. Sodann erstattete der Caffier Bericht über Einnahmen und Ausgaben. Er beklagte, daß die Zahl der Mitglieder einen erheblichen Rückgang, namentlich auch in Paris aufweise und daß es erforderlich sei, die Propaganda, die in letzten Jahren vollständig vernachlässigt worden sei. wieder aufzunehmen. Der Oberrabbiner von Frankreich Herr Zadoc Kahn dankte den von auswärts erschienenen Mitgliedern für das bewiesene Interesse; das Erscheinen der ausländischen Mitglieder sei ein Beweis, daß die Alliance ihrem Programm, keiner einzelnen Nation anzugehören, sondern universell zu sein, treu geblieben ist. Zum Schluß gaben von den auswärtigen Mitgliedern des Centralcomitös in deutscher Sprache die Herren Dr. Heinrich Meyer Cohn—Berlin, Profeffor Simonsen—Kopenhagen und Rabbiner Dr. Salvendi—Dürkheim ihren Wünschen für die weitere Entwicklung der Alliance Ausdruk, für welche öffentliche Versammlungen wie die Generalversammlung und eine energische Propaganda erforderlich seien. In Oesterreich hat dieser segensreiche Weltverein — infolge unserer besonderen inländischen Vereinsgesktze — keine Filialen und kann keine errichten. Glücklicherweise decken sich seine Tendenzen mit denen der »Israelitischen Allianz zu Wien" so vollständig (der Präsident der Bereinigung gehört dem Central- Comits der Pariser an) und geht die Wiener Allianz mit allen Schwestercorporationen notorisch so Hand in Hand, daß der Beitritt zur Wiener Allianz auch als Beitritt zur ideellen Alliance isra6lite universelle betrachtet werden kann und allgemein betrachtet wird. London. (Jüdische Colonisationsgesellschaft.) Unlängst hat hier eine Versammlung der Actionäre der Jewish Golonisation Association stattgefunden, bei der sämmtliche Antheile vertreten waren. Die bereits in einer früheren Zusammenkunft ertheilte Genehmigung für die dem Parlament vorgelegte Statutenänderung wurde nochmals bestätigt. Sodann wurde eine Resolution angenommen, die den in den nächsten Tagen, in Paris zusammentretenden Vorstand ermächtigt, während der Commiffionsberathung des Gesetzentwurfes im Oberhaus den Antrag einzubringen, daß in die neue Klausel der Jewish Golonisation Association-Statuten die Worte »außer in Europa" in die Stelle eingefügt werden, wo von der Begründung von Vorüereitungsanstalten u. s. w. »in der ganzen Welt" die Rede ist. Die Einschaltung dieser Worte war vom Vorstand der Anglo- Jewish Association zur Bedingung ihrer Zustimmung zum ganzen Gesetzentwurf gemacht worden. Kapstadt. (Erleichterung für jüdische Einwanderer.) Der Rabbiner A. P. Bender von der hiesigen jüdischen Hauptgemeinde hat sich mit bestem Erfolg bemüht, die Härten zu mildern, die die strenge Anwendung des neuen Einwanderungsgesetzes für zahlreiche aus dem Osten Europas kommende Juden zur Folge hat. Es waren noch vor Bekanntwerdeu des neuen Gesetzes von verschiedenen Schiffscompagnien Paffagiere ausgenommen worden, die den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen und die nun ohne ihre Schuld plötzlich von der Landung ausgeschloffen werden sollten. Rabbiner Bender und mehrere angesehene Gemeindemitglieder haben vom Colonialsecretär Sir Peter Faure das Zugeständniß erlangt, daß alle Einwanderer ausgenommen werden sollen, die schon Stellungen für eine bestimmte Arbeitsleistung gesichert haben, und es ist den Herren gelungen, den Fremden, die zum überwiegenden Theil geschickte Handwerker sind, Arbeit zu verschaffen. Ein zweites wichtiges Zugeständniß hat der Kronanwalt Hon. T. L. Graham gemacht, indem er sich bereit erklärt hat, die von den Einwanderern gesetzlich erforderte eigenhändige Unterschrift seines Namens, seiner Adresse und seines Handwerkes in irgend einer europäischen Sprache auch dann als vollwerthig zu acceptiren, wenn die Notizen im Jargon geschrieben sind. Damit ist hier der Jargon von der zuständigen Obrigkeit als eine europäische Sprache anerkannt worden. Vermilchtes Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Adolf Bauer: Von Herrn Julius Bachrach, IX., Hörlgasse 7, X 20.—, von Herrn Wilhelm Bachrach, I., Maria Theresienstratze 34, X 20.—, von Herrn Wilhelm Hiller, IX., Kolingasse 3, X 20.—; zusammen K 60.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Max Singer: Von Herrn Philipp Budie, IX., Währingerstraße 2—4, X 20.—, von Herrn Wilhelm Hiller, IX., Kolingasse 3, X 20.—, von Herrn Eduard Singer, III, Marxergasse 38, X 10; zusammen X 50.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Alex. T a u s s i g: Von Herrn Jacob Morberger, I., Gonzagagasse 5, X 10.—. Anläßlich des Ab.ebens des sel. Herrn I. H. Julius K o ll i sch : Von Herrn Jakob Karpeles, VII., Schottenfeldgasse 49, X 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ad. Bauer: Von E. E. K. X 5.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Fr. Pauline B o n d y: Von Frau Helene Neumann X 20.—. Wien. (Auszeichnung.) Se. Majestät der Kaiser hat dem Cultusvorsteher kaiserl. Rath Wilhelm Pollak, als Chef der im Jahre 1793 gegründeten Weingroßhandlungsfirma Emanuel Pollak und Sohn (seit 4 Generationen im Besitze per Familie), wegen seiner vielfachen Verdienste das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens und dem Großindustriellen und Generalrathe der Oesterreichisch-ungarischen Bank Bergrathe Max Ritter von Gutmann in Wien das Comthurkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Wien. (Behandlung der Austrittsanzeigen.) Bekanntlich legt der Cultusvorstand alle ihm von den politischen Behörden zukommenden Austrittsanzeigen einfach ad acta, anstatt — wie dies wiederholt verlangt wurde — mit einer Publicirung oder besser Proscribirung der Renegaten vorzugehen. Nun hat sich jüngst der Fall ereignet, daß eine Privatlehrerin im IX. Bezirk, welche Fortbildungscurse abhält, die ausschließlich von Töchtern der besten jüdischen Familien besucht werden, aus dem Judenthume ausgetreten ist. Wäre es hier nicht Pflicht des Cultusvorstandes eine Warnung an alle jüdischen'Eltern ergehen zu lassen, welche ihre Töchter dieser Lehrerin anvertraut haben? Eine solche Warnung kann aber nur durch Publicirung geschehen, weil die einzelnen Interessenten dem Borstande nicht bekannt sind und auch für die Zukunft Vorsorge getroffen werden muß. Wien. (Oesterreichisch-Jsraelitische Union.) Der neugewählte Vorstand hat sich am 30. v. M. constituirt und die Herren Maximilian Paul-Schiss zum Präsidenten, Profeffor Dr. S. Ehrmann und Siegmund Mayer zu Bice-Präsidenten, Julius Granichstädten und Dr. Heinrich Schreiber zu Schriftführern und Jakob Jaiteles zum Caffier gewählt. Wien. (Trauung.) Donnerstag den 14. Mai l. I. um 3 Uhr Nachmittags findet im türkischen Tempel, II., Cücusgasse 22, die Trauung des Fräulein Josefine Pollak, Tochter des Armenrathes Herrn Josef Pollak, mit Herrn Julius Biel, Beamter des Wiener Bankvereines, statt. Wien. (Gewerbliche Excursion.) Der Verein zur Hebung der Gewerbe veranstaltet am Montag den 11. Mai d. I. unter Führung seines Präsidenten Brod eine Excursion nach dem von seinem Vorstandsmitgliede Herrn Architekten Friedrich Schön neuerbauten Etablissement der Wiener Brot- und Gebäckfabrik von Heinrich L Fritz Menbl, Wien, X.. Puchsbaumgaffe 1. Auf Wunsch der Fabriksbesitzer ist die Zahl der Theilnehmer eine beschränkte. Die Excursionstheilnehmer können die elektrische Tramway bis zu den Stationen »Bürgerplatz" oder »Gellertplatz" benützen und versammeln sich präcise 3 Uhr in der Fabrik. Es wird ersucht, das Vereinsabzeichen anzulegen. Wien. Sonntag den 10. Mai 1903 um 10 Uhr Vormittags findet im Jnstitutslocale, UI., Rudolfsgaffe 22, die Prüfung der Zöglinge des Allgemeinen österreichisch-israelitischen Taubstummen-Jnstitutes statt. Wien. (Edelhofer'sLeopoldstädter Volks-Orpheum.) Anschließend an unseren Bericht über das Benefice im Leopoldstädter Volks-Orpheum bemerken wir noch, daß die Ansprache an die Beneficianten von dem trefflichen Künstler Herrn Lion namens des Ensembles gehalten wurde und daß derselbe durch seine schönen künstlerischen Leistungen in der schwierigen Rolle des Polenfürsten allgemeinen Beifall errang.

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