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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. Gelte 307 der Gesellschaft gelingen soll, etwas Ersprießliches für die Wissenschaft des Judenthums zu leisten. Wir hoffen, schon in nächster Zrit in der Lage zu sein. Ausführlicheres über die Propaganda und die Zeitschrift, sowie über die anderen wissenschaftlichen Fragen des Unternehmens der Gesellschaft berichten zu können. Frankfurt a. Nt. Am 27. und 28. April beging die Synagogengemeinde .Israelitische Religionsgesellschaft" die Jubiläumsfeier des 50jährigen Bestehens ihrer Unterrichtsanstalten : der Real- und Höheren Mädchenschule. Montag, den 27. v. M., Vormittags 10 Uhr, hatten sich der Vorstand der Gemeinde, die Mitglieder des Schulrathes, das Lehrerkollegium, die oberen Knaben- und Mädchenclassen. Vertreter der staatlichsn und städtischen Behörden, Leiter und Vertreter hiesiger Schulen und Lehrervereine, sowie ein dichtgedrängtes Auditorium im reichgeschmückten Saale des zoologischen Gartens versammelt, wo ein akademischer Festact stattfand. Von Schülern und Schülerinnen wurde die Feier mit dem Chore: .Der Herr ist mein Hirt" eingeleitet. Dann begrüßte namens des Gemeindevorstandes und Schulrathes Herr I. Rosenheim die F-stversammlung. Seine von poetischem Schwung getragene, begeisternde R de klang in den Wunsch aus, daß die Anstalt, die herrliche Schöpfung des großen Rabbiners Samson Raphael Hirsch s. A., auch in Zukunft eine Pflanzstätte welterlösenden Geistes sein möge. Dann betrat Herr Provinzialschulratb Dr. Kays er die Rednerbühne. In Vertretung des Herrn Oberpräsidenten, der durch dringende Berufsarbeiten am Erscheinen verhindert war, überbrachte er die Glückwünsche der Schulaufsichtsbehörde und gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Anstalt. Am 1. April 1853 mit 84 Schülern und Schülerinnen (59 Knaben und. 25 Mädchen) eröffnet, hat sie sich in kurzer Zeit das Vertrauen weiter Kreise erworben, und schon nach vier Jahren war die Schülerzahl auf 400 gestiegen. Die alten Räume erwiesen sich als unzulänglich und so mußte im Jahre 1864 ein größeres Gebäude erworben werden, das indessen auch nicht der ständig wachsenden Frequenz genügen konnte. Endlich ermöglichten es eine hochherzige Widmung des Freiherrn und der Freifrau Wilhelm Carl v. Rothschild, sowie Beiträge der Gemeindemitglieder, daß das jetzige staatliche Schulhaus am Thiergarten errichtet und im Jahre 1881 bezogen werden konnte. Die Anstalt habe stets das Ziel verfolgt, allgemeine Bildung mit religiöser Erziehung der jüdischen Jugend, die treu halten soll am überliefertenGlauben derBäter, zu verbinden.Auch dieUnterrichtsverwaltun g hegt die Ueberzcugung, daß Religion die Grundlage jeder Bildung, Gottesfurcht der Weisheit Anfang ist. Herr Provinzialschulrath Dr. Kayser rühmte die Thätigkeit des Begründers S. R. Hirsch, seines Sohnes, der nach ihm das Direktorat bekleidete, Dr. Mendel Hirsch, und des jetzigen Leiters Direktor Dr. Gerson Lange, denen stets eine tüchtige Schaar von Lehrern und Lehrerinnen zur Seite stand. Es sei ihm eine Freude, auch ein äußeres Zeichen der Anerkennung von allerböchster Stille übermitteln zu können, wobei er den Herren Oberlehrern Prof. Dr. P o r t m a n n und Prof. Dr. S u l z b a ch den R o t h e n Adlerorden IV. Classe, und dem Pedell Herrn Ernst das allgemeine Ehrenzeichen überreichte. Herr Rabbiner Dcctor Breuer erinnerte in wirkungsvollen Worten daran, daß die Schule in der Zeit der jüdischen Reformbewegung entstanden und von Vielen als ein todtgeborenes Kind betrachtet wurde. Aber der Stein, den die Bauleute verworfen haben, sei zum Eckstein geworden. Der Wunsch Samson Raphael Hirsch's sei in Erfüllung gegangen und sein Unterrichtsplan wirkte förderlich auf die Jugend in ihrer Erziehung zu Menschen. Bürgern und Inden. Es gratulirten dann im Namen des Stadtmagistrats Herr Bürgermeister Dr. B a r r e n t r a p p, im Namen der Leiter der höheren Schulen Frankfurts der Director des Kaiser Friedriche Gymnasiums, Geheimrath Dr. Hartwig, namens des Lehrercollegiums der Schwesteranstalt »Philanthropin" Herr Oberlehrer Dr. Michel, für den Rectorenverein Herr Rector Hinkel, für den Frankfurter Lehrerverein Herr Rector Schroth und für die israelitische Volksschule, die gleichfalls ein Kind Hirsch'schen Geistes ist, Herr B. Stern. Herr Director Dr. Lange verbreitete sich dann in längerer Rede über das Bildungsideal der Anstalt/sociales Wissen und Leben und religiöses W ssen und Leben mit einander zu vereinigen, und legte dar, daß diese beiden Ziele im Grunde nur eines sind. Darum wird für alle Zukunft die Schule ihre Aufgabe darin sehen, gesetzestreue Juden heranzuziehen, die zugleich treue Bürger des deutschen Vaterlandes sind. Hierauf übergab im Namen ehemaliger Schüler und Schülerinnen Herr Moritz A. Löb dem Gemeindepräses Herrn Hackenbroch eine Stiftungsurwnde über eine Schenkung von Mk. 80.000, die als Samson Raphael Hirsch-Jubiläums-Stiftung Schulzwecken dienen und die Erinnerung an das Jubelfest der Schule an ihren Stifter wach halten soll. Nach den Dankesworten des Herrn Hackenbroch brachte der Herr Provinzialschulrath das Kaiserhoch aus und mit dem Gesänge »Heil Dir im Siegerkranz" schloß die allen Theilnehmern unvergeßlich bleibende Feier. Nachmittags 4 Ühr fand eine Fefivorstellung im Saale des zoologischen Gartens statt. Das Programm wies folgende Nummern auf: 1. »Largo" von Händel. 2. Prolog. 3. Ein Festspiel, das von Herrn S. Posen für diese Feier gedichtet wurde und dessen allegorisch auftretende Personen: der Zeitgeist, die Philosophie, Pädagogik, Meinem, der gute Ton und der Handel, der jüdischen Lehre ihre Huldigung dardrachten. Dann wurde als viertes Stück der zweite Act von O. Ludwig's »Die Makkabäer" gegeben. Nach einer Kaffcepause folgten 5. Act 3, Scene 7—9 aus »Die Piccolomini". 6. »Kinder-Symphonie" von Romberg. 7. Lebende Bilder (nach Oppenheim'schen Gemälden gestellt) mit verbindendem Text und ein Schlußchor. Die von den jugendlichen Darstellern und Darstellerinnen gebotenen Leistungen übertrafen beiweitem die an ein Schüler- Ensemble zu stellenden Erwartungen und fanden reichen und ungetheilten Beifall. Der Abend des 28. April vereinigte dieFesttheilnehmer zu einem Jubiläums-Festeffen in den Räumen der Frankfurt-Loge. Herr Simon Bock begrüßte die Erschienenen und brachte das Kaiserhoch aus. Herr Rabbiner Dr. Breuer toastirte auf die Schule und deren Leitung. Herr Director Dr. Lanze auf die Gemeinde, Herr A. Wolf auf Herrn Rabbiner Dcctor Breuer, Herr Baruch auf die Tischgesellschaft, Herr Rosenheim auf Herrn Director Dr. Lange und das Lehrercollegiuw, Herr Professor Dr. Sulzbach auf die Mitglieder des Schulrathes, Herr Louis Feist auf die Damen und Herren des Sammelcomitss, sowie auf die edlen Spender und Spenderinnen allerorten. Herr M. A. Löb forderte zur Gründung eines Vereines ehemaliger Schüler und Schülerinnen der Realschule auf. Während des Festmahles wurde die Antwort Sr. Majestät des deutschen Kaisers auf ein Huldigungstelegramm der Festversammlung verlesen, ferner Glückwunschschreiben Sr. Exeellenz des Herrn Generals von Lindequist, des Herrn Geheimen Regierungscathes Lahmeier und der Gemeinde Adaß-Jisroel in Berlin, sowie vieler anderer Gratulanten. Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld-Gießen überbrachte die Glückwünsche seiner Gemeinde. Festlicher, Sologesänge und humoristische Borträge brachten erheiternde Abwechslung. Den Abschluß bildeten zwei Festspiele: »Jeschuruns Sieg" von Reuberger und ein launiger Einacter »Babel und Bibel" von Dr. I. B o n d i, der auch den Prolog gedichtet hatte. —r. Paris. Am 29. April fand im Saale der Civil-Jngenieure die Generalversammlung der Alliance Jsrastite statt, zu welcher Mitglieder des Centralcomitäs aus Deutschland, Holland, Belgien, Dänemarkfich eingefunden hatten. Unter anderen Gästen war auch Anatole Leroy-Beaulieu erschienen. Der Präsident Narcisie Leven gab einen Bericht über die Lage der Juden seit Begründung der Allianz. Es seien zwei Perioden deutlich erkennbar, die eine bis zum Berliner Vertrag von 1878, in welcher die Ideen der französischen Revolution in Europa mehr und mehr zur Anerkennung gelangt sind, die zweite, in welcher nationaler und confesfioneller Haß um sich griff, unter welchem die Juden zu leiden hatten. Er besprach die Ausnahmsgesttzgegen die Juden in Rußland und Rumänien, die Entstehung des Antisemitismus in Deutschland und seine Verbreitung nach Rußland, Oesterreich und schließlich Frankreich, wo er in die Dreyfus- Affaire auslief. Mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts scheine wieder eine Wendung zum Besseren einzutreten, wofür namentlich das Circular des Staatssekretärs Hoy ein erfreuliches Zeichen sei. Der Generalsecretär erstattete sodann Bericht über die Wirksamkeit der Allianz seit 1895. Sie habe j tzt 30.000 Schüler in den Elementarschulen und 1000 Zöglinge in den Werkstätten, 250 in Ackerbauschulen. 120 Mädchen und junge Leute, welche für das Lehramt ausgebildet werden, endlich ein Rabbiner- Seminar in Constantinopel für den Orient und Rord-Afrika. Er betonte mit besonderem Nachdruck, daß die Alliance es als ihre hauptsächliche Aufgabe betrachte, für die religiöse Erziehung zu sorgen, es sei deshalb erforderlich geworden, an Orten, an welchen es an guten (nicht jüdischen) Schulen nicht fehle, Schulen oder Religionscurse einzurichten. Dies sei namentlich in Egypten und Algier der Fall gewesen. Ein Brief des Direktors der Schule in Fez (eines türkischen Juden), der sich geweigert hat, einer an

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