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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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«eüe S08 Vr. BloPs Wochsnschrifk. Nr. 1Y ich, getrost behaupten zu können. Unmuthig über die Entweihung dieser allen rechtlichen Menschen gewidmeten Stätte ging ich von dannen, doch die Erinnerung an dieses Bild will mir nicht aus dem Sinn. Ich habe dem biederen Wirthe, der als ehrenwerther und liberaler Mann geschildert wird, nachstehende Erläuterung zu dem erwähnten Bilde gesandt, mit der Bitte, diese unter dem Bilde anzubringen und damit die unserer Confessio« zugefügte Kränkung wettzumachen. Hoffentlich erfüllt er meine Bitte. Diese Erläuterung lautet: Zum Bilde: »Unsere Leut' auf de Berg/ Nicht spottet, wenn Jsrael's schwergeprüfte Kinder Auf Bergeshöh' die Freiheit mitgenoffen, Bedenkt, daß Christus, Eures Glaubens Gründer, Dem vielgeschmähten Israel entsprossen. Den Nächsten lieben lehrt Euch Gottes Sohn voll Milde, Nicht ober hassen ihn und ihn gefährden, UnS. Alle schuf der Herr nach seinem Ebcnbilde. Bon gleicher Art ist unser Geh'» und Werden. Und Christ darf fich mit Recht nur der Gerechte nennen, Der Nächstenliebe übt, wie Jesu lehrte! Wenn Alle sich zu diesem Christenthum bekennen, Daun ist's der Glaube, der die Welt bekehrte. Wien, 1. Mai. Franz Frankl. Sarajewo. In der Generalversammlung der österreichischungarischen Eultusgemeinde wurde constatirt, daß der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Verwaltungsjahr eine Mehreinnahme von 610 Kronen 76 Heller auswies. Nachdem sich aus dem Revisorenberichte ergeben hatte, daß sämmtliche Bücher und Rechnungen in vollster Ordnung befunden wurden, wurde der Bericht genehmigend zur Kenntniß genommen und dem Vorstande einstimmig das Absolutorium ertheilt. Ebenso genehmigte die Versammlung den Bericht über den Tempelbau, aus welchem hervorgeht, daß die Kosten des Gotteshauses sich auf K 125.786 bÄiefen, wovon 58.989 Kronen bereits getilgt wurden, so daß die Gemeinde uoch 66.778 Kronen in Annuitäten zu bezahlen haben wird. Das hierauf zur Berathung gestellte Budgetpräljminare für das künftige Berwaltungsjahr wurde nach einer kurzen Debatte genehmigt. Dasselbe beziffert die Einnahmen mit 13.365 Kronen, die Ausgaben mit 13.364 Kronen. Unter den Eiunahmen figurirt eine fünfzigpercentige Erhöhung der Cultussteuer. Veranlassung zu einer längeren Debatte gab der Antrag des Directors Gerö und Genossen, dahin lautend, die Gemeinde möge dem mit Recht in allen Kreisen allgemeine Achtung und Verehrung genießenden Rabbiner Dr. Weszel bei einer Versicherungsgesellschaft für den Fall der Invalidität oder Arbeitsunfähigkeit eine Pension, respective seiner Familie eine Altersversorgung sichern. Ueber die Modalitäten der Durchführung wurde lebhaft debattirt, bis sich die Versammlung schließlich dahin einigte, die Durchführung der Sache dem Vorstände zu überlaffen. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Zum Präses Dr. Rothkopf, zum Vicepräses Josef Neuer, zu Ausschußmitgliedern Eduard Serelman, Simon Glückselig, Armin Birnbaum, Ignatz Königsberger. Max Feleki, Jakob Bruckner, Simon Wiener, Adolf Rothschild und Bernhard Klein. Berli«. Am 21. und 22. April fand im Bureau des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes die Ausschußsitzung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums statt. Die Versammlung war recht zahlreich besucht und die Verhandlungen, die zwei Tage hindurch je 5 Stunden gedauert, haben, wie man wohl hoffen darf, ein erfreuliches Resultat ergeben. Am ersten Tage wurde zunächst der Bericht über die bisherigen Ergebnisse der Propaganda von dem Vorsitzenden Profeffor Philippson- Berlin erstattet. Diese Ergebniffe kann man wohl als sehr günstige bezeichnen, da die Jahresbeiträge schon heute, wo die Propaganda in ihrem Anfang steht, sich auf circa 9000 Mark beziffern. Es ist zu hoffen, daß, wenn sämmtliche Ausschußmrtglreder und alle Freunde und Förderer der Wissenschaft des Judeuthums in den deutschen Gemeinden sich der Sache warm anuehmen, die Zahl der Jahresbeiträge auf mehr als das Doppelte steigen wird. Das ist aber auch unbedingt nöthig angesichts der großen und schweren Aufgaben, die die Gesellschaft durchzuführen beabsichtigt. Zu Punkt II der Tagesordnung, die Zeitschrift betreffend, wurde beschlossen, mit dem Herausgeber der altbewährten , Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" Herrn Dr. M. Brann in Breslau in Verbindung zu treten behufs Uebernahme dieser Zeitschrift und eventuell Vergrößerung und Erweiterung. Da die Verhandlungen darüber noch im Gange sind, erscheint es nicht.angebracht, etwas Weiteres darüber mitzutheilen. Nach Abschluß dieser Verhandlungen wird natürlich alles Nähere der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Von besonderer Bedeutung waren die sehr eingehenden und gründlichen Verhandlungen zu Punkt III, der das eigentliche Arbeitsgebiet der Gesellschaft umfaßt. Es wurde beschlossen, Ausschreiben betreffend die Einreichung von Manuscripten zur Veröffentlichung aus folgenden Gebieten zu erlassen: 1. Geschichte der Juden, 2. Literatm und Religionsgeschichte, 3. Ethik und systematische Religionsphilosophie, 4. Bibelexegese, 5. Hebräische Sprachwissenschaft, 6. Talmud und Codices, 7. Apologetik und Pädagogik. In Verbindung damit stand ein von Karpeles-Berlin eingebrachter weitgehender Antrag, der nach reiflicher Erwägung von der Versammlung einstimmig angenommen wurde. Er betrifft die Herausgabe eines groß angelegten Werkes, das den Titel führen soll: Grundriß der Wissenschaft des Judenthums, und ias in selbstständiger Bearbeitung von tüchtigen jüdischen Gelehrten folgende Bände, von denen jeder für sich abgeschlossen sein wird, umfassen soll: 1. Einleitung in die Bibel. 2. Die Bibelübersetzungen. 3. Die hebräische Sprachlehre. 4. Die aramäische Sprachlehre. 5. Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft. 6. Systematische Theologie, Ethik, Religionsphilosophie des Judenthums. 7. Geschichte der jüdischen Religionsphilvsophie. 8. Einleitung in die Talmude. 9. Einleitung in die Midraschliteratur. 10. Die hellenistische Literatur. 11. Die Apokryphen und Pseudepigraphen. 12. Judenthum und Christenthum. 13. Judenthum und Islam. 14. Die rabbinische Literatur. 15. Religionsgeschichte. 16. Geschichte der jüdischen Secten. 17. Biblische und talmudische Archäologie. 18. Mosaisches und talmudisches Recht. 19. Grundriß der jüdischen Literaturgeschichte. 20. Geschichte der Juden in vier Abtheilungen. 21. Geschichte des Synagogencultns. 22. Apologetik. 23. Praktische Theologie. 24. Homiletik. 25. Pädagogik. Selbstverständlich ist dieser Plan nicht vollständig und es werden wahrscheinlich noch einige Nebenfächer dazukommen. Die Hauptsache bleibt aber, daß der Beschluß einstimmig gefaßt wurde, das Werk ernstlich in Angriff zu nehmen und, wenn möglich, in jedem Jahr einen Band herauszugeben. Zur Ausarbeitung des Planes wurde eine größere Commission eingesetzt, die sofort in Wirksamkeit treten soll. Der Zweck der einzelnen Werke dieses Grundrisses soll der sein, Jedem, der über die Wissenschaft des Judenthums sich unterrichten will, vor Allem aber Religivnslehrern, Studenten und Gelehrten das zum Verständniß der einzelnen Disciplinen Wissenswerthe in systematischer Weise vorzuführen, möglichst knapp, dabei aber klar und lesbar. Einige andere Anträge von Bloch-Posen, einen Gelehrten nach Rom zur Erforschung der päpstlichen Archive zu schicken, und von Kayserling- Budapest, der das Gleiche für Madrid hinsichtlich der spanischen Jnquisitionsacten wünscht, wurden vorläufig zurückgestellt. Ein Antrag Ziemlich-Nürnberg, die Apologetik besonders zu betreiben, war durch den vorhergehenden Antrag im zustimmenden Sinne erledigt. Hierauf gelangte man zu Punkt IV. der Tagesordnung : Bildung der Fachcommissionen. Es wurden für die einzelnen, oben erwähnten Disciplinen zehn Fachcommissionen, bestehend aus den hervorragendsten jüdischen Gelehrten, gebildet. Alle wissenschaftlichen Angelegenheiten, die an den Verein herantreten (Beurtheilung einzelner Manuscripte, Anfragen, Auswahl der Stipendisten u. s. w.), müssen diesen Fachcommissionen unterbreitet werden. Ein Antrag von Cohen-Marburg: Errichtung von Lehrstühlen für Ethik und systematische Religionsphilosophie an den jüdisch-theologischen Lehranstalten, wurde vorläufig zurückgestellt. Die Referate der Herren Cohen-Marburg und Maybaum-Berlin über Religionsphilosophie und Pädagogik wurden für die nächste Vollversammlung der Mitglieder der Gesellschaft reservirt, der auch die Anträge von Klausner-Berlin auf Aenderung der Statuten vorgelegt werden sollen. Mit der Erledigung einiger formaler Anträge wurde die Sitzung des Ausschusses am Mittwoch Nachmittags um 4 Uhr geschloffen. Es ist zuversichtlich zu hoffen, daß, nachdem nun das Arbeitsgebiet der Gesellschaft abgesteckt und die großen Aufgaben derselben in Angriff genommen worden sind, weite Kreise innerhalb des Judenthums sich für diese Aufgaben intereffiren und der Gesellschaft Mitglieder und Jahresbeiträge zuwenden werden. Eine umfangreiche Propaganda in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands und Oesterreichs erscheint in dieser Beziehung dringend nothwendig, ja unerläßlich, wenn es

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