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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ihr. 19 Dr» Blocht WochrnschrW» Sette 366 nur den ausschließlichen Zweck» den jüdischen Handelsstand Prags zu boycottiren. Unter dem Schutze der Immunität wird diese Liste mit Namen und genauer Adresse in vielen Tausenden von Exemplaren zu dem Zwecke verbreitet, um auch bei künftigen Plünderungen gute Dienste zu leisten. Man muß doch den Connationalen bei Ausübung und Bethätigung ihrer vornehmsten Nationaltugenden behilflich sein. Es ist darum kein bloßer Zufall, daß diese 400 Kaufleute alleIuden sind. Es entspricht durchaus nicht den Thatsächen, daß die erwähnten 400 jüdischen Händler, Krämer, Tandler u. s. w. sämmtlich der deutschen Partei angehören. Richtig ist vielmehr, daß rund 200 davon sich noch niemals an einer politischen Wahl betheiligten. Weitere 150 wählten wohl in früherer Zeit mit und für die Deutschen, haben es aber schon aufgegeben, den biederen Germanen auch fürderhin die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Etwa 25 sind freilich incurable Deutschthümler und gehen, wenn die Parole ausgegeben, auch mit und für die Herren Wolf, Jro, Schönerer e tutti quanti ins Feuer. Restliche 25 betrifft Firmen, die in Prag nur eine Geschäftsstelle besitzen, aber nicht auch ihren Wohnsitz haben. Das nationale Moment ist daher nur ein Mäntelchen und Borwand, eine ganz commune Hetze gegen die jüdischen Kaufleute Prags zu insceniren. Man hat schon einige Jahre lang die Juden Prags nicht geplündert, und gebrandschatzt und dies verträgt ein in Wolle gefärbter Antisemit nicht. Ganz anders und noch viel betrübender erweist sich das Berhältniß in materieller Richtung. Bon den proscribirten 400 jüdischen Geschäftsleuten sind nahezu 300 derart situüt, daß für fie der Boycott den förmlichen Ruin bedeutet. Weitere 75 sind wohl im Besitze einiger Mittel, würden aber durch den Boycott eine schwere Schädigung erleiden. Nur der Rest von 25 betrifft notorisch wohlhabende Firmen, die unter keinen Umständen tangirt erscheinen. Die Prager jüdischen. Geschäftsleute sind begreiflicherweise durch die fluchwidrige herostratische Thal Brzeznvwsky's in größter Aufregung. Mit gleicher Diabolik ist eine Judenhetze in Prag, dessen Mob in Blouse und Frack wegen seiner Gefährlichkeit sattsam bekannt ist, noch nicht heraufbeschworen worden. Die Prager Judenschaft ist jedoch nicht nur allein wegen der Schädigung ihrer materiellen Interessen in begreiflicher Aufregung, sie hat allen Grund» auch wegen ihres Hab und Gutes, wegen ihres Leib und Lebens aufsLebhafteste beunruhigt zu sein. An allen Straßenecken prangen Placate mit der Ankündigung, die Liste der 400 jüdischen Geschäftsleute werde demnächst in Buchform erscheinen und daß für deren weiteste Verbreitung Vorsorge getroffen erscheint. Es liegt die Befürchtung nahe, daß es wieder zu groben Excessen, zu derben Ausschreitungen, bei denen das Eigenthum, die physische Integrität der Prager Juden nicht geschont bleiben dürfte, kommen wird. Diese Befürchtung ist nach den in Prag bisher gemachten Erfahrungen leider nur zu wohlbegründet. Zum lebhaften Bedauern, zu großem Befremden ist seitens der maßgebenden Factoren gegen die bedrohliche, aufreizende, provocirende Haltung der hiesigen Antisemiten bisher eine Remedur nicht erfolgt. Wohl ist die »Narodni Listy" wegen eines böswilligen Commentars zu dem Boycott jüdischer Kaufleute confiscirt worden, dies ist aber auch Alles, was geschehen, und genügt wohl nicht. Will man etwa wieder erst warten und einschreiten, bis Plünderungen, Brandschatzungen erfolgt sind, bis Leib und Leben von jüdischen BürgernSchaden gelitten haben. Es müssen rechtzeitig Maßregeln getroffen werden, Ausbrüche der Leidenschaft, des Haffes und Feindschaft gegen die jüdischen Bewohner Prags zu verhüten. Wir erwarten zuvkrsichtlich, daß die Regierung wegen der Prager Vorgänge im Parlamente aufgefordert werden wird, allen Ernstes und mit aller Entschiedenheit ihrer Pflicht nachzukommen, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten und die Sicherheit des Lebens und das Eigenthum der Prager jüdischen Bevölkerung vor allen Fährlichkeiten zu bewahren, aber rechtzeitig, bevor das Unheil noch angerichtet ist. E. B. Prag. (Judendebatte im jungczechischen Abgeordnete nclub.) „Radikälni Listy“ veröffentlichen unter obigem Schlagwort nachstehende interessante Details aus einer Sitzung des Jungczechenclubs: Abg. Ryba interpellirte das Präsidium, wie es die bekannte antisemitische Interpellation des Abgeordneten Brzcznovsky zulasten konnte. Der Abgeordnete und seine Interpellation bildete den Gegenstand der heftigsten Angriffe. Einzelne Abgeordnete erklärten, man solle zwar gegen die Juden in der entschiedensten Weise Vorgehen, aber schlau, nicht öffentlich, weil angeblich die Juden gegenwärtig die Jungczechen bei Wahlen rc. unterstützen. An den Club gelangte eine Reihe von Beschwerden aus jüdischen Kreisen und insbesondere schwer wird es empfunden, daß auch Dr. P a n tu ä e k. der Abgeordnete für die Prager Neustadt, sich entschieden in die antisemitischen Reihen gestellt und ostentativ die Interpellation seines Genoffen unterschrieben habe. Ebenso hat sie auch Abgeordneter Kaftan (!!) unterfertigt und sich mithin mit dem Abgeordneten Brzeznovsky in dieser Frage solidarisch erklärt. Die Ptzilosemiten im Club vertraten den Standpunkt, daß durch ein mannhaftes Auftreten gegen die Juden die Partei verläßliche Wähler abstoße, und beantragten. es mögen Versuche unternommen werden, die in der Interpellation genannten jüdischen Kaufleute zu versöhnen. Zu einem bestimmten Beschlüsse kam es aber nicht." Budapest. (Der Samstag und die jüdischen Trafikanten.) Laut einer Verordnung des Finanzministers dürfen die jüdischen Trafikanten den Tabak- und Cigarrenverschleiß am Samstag in einem eigens zn diesem Zwecke abgesonderten Raume ihres Geschäftslocales durch eine fremde Person ausüben. Sie müssen aber dafür Sorge tragen, daß dieser abgesonderte Raum durch den Haupteingang ihres Geschäftes erreichbar sei. daß die Continuirlichkeit des Verkaufes gesichert sei und die Bedürfnisse des Publicums ohne Unterbrechung befriedigt werden. Die demzufolge sich nothwendig zeigenden Adaptirungen im Geschäftslocale müssen bis spätestens Ende Juni d. I. durchgeführt werden. Lemberg. (Ein christlicher Philanthrop.) Der in Galizien bekannte Menschenfreund Sanitätsrath Doetor Jascinski. Ritter des Franz Joseph-Ordens, Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, ist am 28. v. M. verschieden. In seinem Testamente ordnete der Verstorbene an, daß bei dem Leichenbegängnisse keinerlei kirchliche Feier statt finden darf und die Kosten der Ceremonie nicht mehr als 5 Gulden betragen sollen. Den Mehrbetrag der Summe, die für einen pompösen Leichenzug sonst verwendet wird (es waren 1000 Gulden angenommen), also 995 Gulden sollte während der Feier nur an jüdische Arme vertheilt werden. Zum Testamentsvollstrecker hatte er den jüdischen Advocaten Dr. Waldmann bestimmt. Sein Vermögen im Betrage' von 300.000 Kronen vermachte der Verstorbene dem Verein der Aerzte. Am Leichenbegängnisse betheiligten sich alle Honoratioren Lembergs, darunter auch der gesammte israelitische Cultusvorstand. I. H. Im Bohner „Batzenhäusl". Wer immer die intereffante Stadt Bozen besucht, er mag arm oder reich, hoch oder niedrig sein, verabsäumt es selten, das Batzenhäusl zu besuchen. Es ist dies eine im altdeutschen Style ausgestattete Weinwirthschast, die vortrefflichen heimischen Wein in tadelloser Güte verzapft und von Künstlern aus allen deutschen Gauen, die ja bekanntlich stets Liebhaber eines guten unverfälschten Tropfens sind, mit Vorliebe ausgesucht wird. Diese Künstler sind es nun, welche, jeder nach seiner Art, dazu beitrugen, die Weinwirthschast zum Künstlerheim zu gestalten. Zahlreiche prächtige Bilder schmücken die Wände, originelle Statuen aus Stein, Br once, Gips, Marmor zieren die Wandnischen und unsere besten deutschen Poeten preisen in schwungvollen Versen den Ruhm des Batzenhäusl's, wie dies ebenfalls die an den Wänden prangenden eingerahmten Originaldichtungen zeigen. Goldverzierte Inschriften an den Holztäfelungen nennen die Namen der hohen und höchsten Herrschaften, welche hier zu Gaste weilten, und goldverzierte Inschriften weisen die altdeutschen Stühle, auf welchen diese Herrschaften gesessen. In den immer gut besetzten Trinkstuben herrscht ein fröhlicher Ton, jedoch grundverschieden von dem Lärm und Stimmengewirre in anderen Weinhäusern; kein überlautes Gespräch, keine banalen Redensarten stören die weihevolle Stimmung angesichts der Kunstschätze, die uns umgeben, und immer wieder entdeckt der Besucher noch etwas Neues in dieser Fülle von Kunstwerken. Da aber erblickt er plötzlich auch ein Aquarellbild mit der Ueberschrift »Unsere Leut' auf de Berg", eine Anzahl krummnafiger und krummbeiniger Hebräer in Touristenkleidung darstellend. Daß der antisemitelnde Schöpfer dieses Kunstwerkes auch nicht Ein Original zu diesen seinen Abbildungen fände, und, wenn er auch alle Berge der Monarchie abstreifen würde, glaube

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