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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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eetu 304 Nr 19 Vr. Bloch's Wollen schris u nicht verzichten. — Zeuge: Ich fürchte die Rache des Herrn Paviensky. Er hat mich schon oft grmldlos angezeigt, und weil ich mein Geschäft in der Nachbarschaft habe, möchte ich Ruhe haben. — Richter: Sie müssen aussagen. Der Zeuge gab nun an, daß Paviensky ohne jeden Anlaß vor Wenger ausspuckte und ihm „Pfui!" nachrief. Dann lief er rasch ins Local, und als Wengcr ihn zur Rede stellte, leugnete er. Der Vater des Klägers, Moritz Wenger, bestätigte den Klagcinhalt. Der Richter verurtheilte Pavieneky zu s-O Kronen Geldstrafe, indem er die ganz grundlose Beleidigung als erschwerend annahm. Wien. (Die Entführung zur Taufe.) Die Entführungsgcschichte der neunzehnjährigen jüdischen Pächtcrstochter Rosalia Frostig durch den Müller Josef Feuerle aus dem Hause ihrer Eltern in Rozanka in Galizien hat genau vor Jahresfrist großes Aufsehen hervorgerufen. Das Mädchen wurde um Mitternacht in ein Kloster nach Krakau gebracht, dort auf den Namen . Angela" getauft und als Nonne eingekleidet. Im Mai vorigen Jahres hatte sich Feuerle vor einem Erkenntnißscnate des Krakauer Landesgcrichtes wegen des Verbrechens der Entführung zu verantworten. Feuerle verantwortete sich dahin, er habe die Absicht des Mädchens nicht gekannt. Ganz zufällig sei er mit seinem Wagen au dem Hause des Frostig vorübergcfahren, die Rosalia stand vor der Thür und ersuchte ihn, sie ein Stück mitfahrcn zu lassen. Erst unterwegs erzählte sie ihm, sie wolle ins Kloster, um sich taufen zu lassen, und flehte ihn an, sie nicht ins Elternhaus zmückzubringen, weil sie dort Mißhandlungen ausgeietzt wäre. Feuerle wurde freigesprochen, die Staatsanwaltschaft aber erhob gegen den Freispruch die Nichtigkeitsbeschwerde. Für diese trat nun namens der Generalprocuratnr Hofrath Ritter v. Girtler-Kleeborn ein, als Vertheidiger interveniite Tr. Ritter v. Orlofsky Der Casiationshof unter Vorsitz des Hofratbes Kassowicz hob den Freispruch auf und verurtheilte Feuerle zu einem Monate mit Fasten verschärften Kerkers, da alle Kriterien der Entführung vorhanden seien. Ob das Mädchen im Zeitpunkte der Entführung im Wohnraume seiner gesetzlichen Vertreter oder außerhalb desselben sich befand, sei für die Strafbarkeit nicht entscheidend, ebensowenig auch die Zustimmung der Entführten. Die zum Thatbestande erforderliche List endlich sei schon dadurch gegeben, daß die Entführung hinter dem Rücken der Eltern erfolgte. Linz. (Hilfsverein für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien.) Samstag den 2. d. M. fand die ordentliche Generalversammlung der »Ortsgruppe Linz* in dem schönen Saale der israelitischen Cultusgemeinde statt. Es hatten sich so zahlreiche Damen und Herren, Mitglieder sowohl als Gäste, eingefunden, daß der ziemlich geräumige Saal die Erschienenen kaum fassen konnte. Der Hauptgrund dieser überaus großen Betheiligung dürfte wohl das angekündigte Referat eines Delegirten der Vereinslcitung sein. Der Obmann, Herr Fabrikant Bernhard Taussig, eröffnete gegen 8 Uhr Abends die Versammlung. Er erstattete vorerst den Bericht über den Stand der Ortsgruppe und über die Caffagebahrung. Dem Vorstande wurde von allen anwesenden Mitgliedern das Absolutorium ertheilt und der Dank einstimmig votirt. Der Antrag, den früheren Vorstand wieder zu wählen, den besonders Herr Rabbiner F r i e d m a n n auf das Wärmste befürwortete, wurde einstimmig angenommen und in den Vorstand gewählt die Herren: Bernhard Taussig, Fabrikant, zum Obmann; Adolf Fürst, Kaufmann, zum Obmann-Stellvertreter; Dr. Julius Ungar, Advocat, zum Schriftführer; Eduard Stein, Revident der k. k. Staatsbahnen, zum Schriftführer-Stellvertreter; Benedict Schwager, Fabrikant, zum Caffier, und Albert Sternschein zum Cassier- Stellvertretcr. Der Obmann und Obmann-Stellvertreter wurden auch als Delegirte zur Generalversammlung des »Hilssvereines* gewählt. Hierauf erstattete Herr Dr. Alois Pollak, Secretär des »Hilfsvereinrs*, ein Referat: »lieber die Aufgabe und die bisherigen Leistungen des Hilfsvereines*. Sein fast einstündiger Bericht machte auf die Anwesenden einen sichtlich tiefen Eindruck. der sich in lebhaftestem Beifclle kundgab. Herr Obmann Taussig dankte dem Referenten für seinen begeisternden Vortrag. An der sich anschließenden Debatte betheiligten sich besonders die Herren: Rabbiner Friedmann, Bernhard Taussig, Adolf Fürst und ein Gast aus Prag. In animirter Stimmung wurde die Versammlung erst gegen ,/411 Uhr geschloffen. Von den anwesenden Gästen, Frauen sowohl als Herren, sind viele dem Vereine als Mitglieder beigetreten. Bruuu. (Mährisch-jüdischer Waisenhilfsverein.) Am 26. v. M. fand unter dem Vorsitze des B'cepräsidenten kais. Rathes D. Mandl die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes für das Jahr 1902 constatirt die abermalige Ausdehnung der Vereinsthätigkeit, die für die Waiseupflege so hohe Mittel erforderte, daß die laufenden Einnahmen zur Deckung derselben nicht ausreichten und das Vereirsvermögen selbst mit circa 800 K für den Bedarf herangezogen werden mußte, während bisher noch alljährlich sogar ein Betrag erspart wurde. Die Anforderungen, die an den Verein gestellt werden, nehmen von Jahr zu Jahr zu, ein Zeichen der schweren Zeit, die für die Glaubensgenossen auf dem Lande angebrochen ist, wo nationale und konfessionelle Gehässigkeit, Boykott und geschäftliche Concurrenz die wirthschaftliche Existenz erschweren. Die der männlichen Stütze beraubteu Witwen werden am härtesten betroffen und sind daher gezwungen, um Hilfe für ihre verlassenen Kinder zu bitten. Es stehen derzeit 160 Waisen in Pflege des Vereines, und zwar in Brünn 33, auswärts 127 Waisen. Dieselben erhalten jährlich Erzirhungsbeiträge von 160 K, bei zwei oder mehreren Geschwistern 120 K, Die Pflege und Erziehung der auswärtigen Kinder wird von Waisenvätern überwacht, welche die Gemeindevorstände hiefür in Vorschlag bringen. Es wird strenge darauf geachtet, daß von jedem Kinde in jedem Curse die Bestätigung des regelmäßigen Schulbesuches beigebracht wird und besuchen die Waisen die Volks-, Bürger-, Mittel- und Fachschulen, einige sind in eine gewerbliche Lehre eingetreten. Der Aufwand für die Waisenpflege betrug 25.175 K 60 h, um 1120 K mehr als im Vorjahre. Wiewohl die Jahresbeiträge und Spenden im letzten Jahre zugenommen haben, beklagt der Bericht dennoch die geringe Theilnahme der Glaubensgenossen für diesen so überaus wohlthätig wirkenden, auf das ganze Kronland sich erstreckenden Verein, dessen regelmäßige und zeitweilige Beiträge geringer sind, als die aller anderen hiesigen Humanitären Vereine, trotzdem wiederholt Jahresausweise und Beitrittsarfforderungen an sämmtliche hiesige Gemeindemitglieder versandt wurden. Der Vorstand richtet daher abermals die dringliche Bitte an alle wohlhabenden Glaubensbrüder hier und im Lande, dem Waisenvereine beizutreten, denselben bei Freud und Leid mit Spenden zu bedenken uiid dadurch d,sien Mittel, die dem Bedarfs trotz des namhaften Fondes nicht genügen, zu vermehren. Der Jahresbericht, sowie der vom Cassier Herrn Leopold Löw Beer, vorgetragene Caffaausweis pro 1902 werden einstimmig genehmigt, ebenso der hierauf berathene Voranschlag für das Jahr 1903, der die Einnahmen mit K 24.714, die Ausgaben mit X 24.214 beziffert. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen werden die aus dem Vorstände ausscheidenden Herren kais. Rath Mandl und Landesrabbiner Dr. B. Placzek einstimmig wieder-, zu Ersctzmännern die Herren Dr. A. Löwenthal und Leopold Weiß neugewählt. Statt des seligen Herrn Epler wurde Herr Siegm. Schwarz vom Cultusvorstande in den Vereins vor stand entsendet. Zu Rechnungsprüfern werden die Herren Ignaz Schulz und G. Tandler wieder bestimmt. Beim Punkte: freie Anträge, entspinnt sich eine eingehende Debatte über die Mittel, die angewendet werden sollen, um die nothwendige Vermehrung der Einnahmen des Vereines zu erreichen. Herr Perlhefter beantragt, den Herrn Landesrabbiner und die Rabbiner der auswärtigen Gemeinden zu ersuchen, von der Kanzel das Interesse für diesen Verein zu erwecken. Herr Löw Beer wünscht bte Einsetzung eines Anwerbe-Comilss. Herr Jellinek will, dcß die auswärtigen Gemeinden angegangen werden, den Verein zu unterstützen. Herr Bauer verspricht sich nur von persönlicher Intervention ein ergiebiges Resultat und stillt Herr Director Rosenthal diesfalls seine Mitwirkung in Aussicht. Zum Schluffe stellt Herr Dr. Fialla als Ergebniß der Berathung den Antrag, der Vorstand möge alle die in der Debatte gegebenen Anregungen zur Erhöhung der Vereinsbeiträge in Erwägung ziehen und die ztmckdienlichen Maßnahmen in Ausführung bringen. Nach Annahme dieses Antrages wird die Versammlung geschloffen. Bei der sodann vorgenommenen Constituirung des Vorstandes wird Julius Ritter v. Gomperz zum Präsidenten, kais. Rath Mandl zum Bicepräsidenten wiedergewählt. Zum Boykott der jüdischen Geschäftsleute ln Prag. Wir erhalten von bewährter Seite nachstehenden Bericht aus Prag: Die von Brzeznowsky, Abgeordneten und wüthenden Judensreffer dazu, unter Mißbrauch der Immunität und mit Zuhilfenahme des Mittels der Interpellation inscenirte Proscription von 400 angeblich deutschen Geschäftsleuten Prags, erweist sich als eine ganz gewöhnliche Judenhitze und verfolgt

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