Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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z»r. 19 Vr. Blortz's Woaxsnschrifk. seUr 30S dies ist Socialpolitik wirksamer Art, auch dies ist ein Thun, das dem Staate nützt, da es aus Lebensinvaliden arbeitsfähige Mitmenschen macht. Und wenn draußen im öffentlichen Leben, im wirthschaftlichen Kampfe nach Dichters Wort die .Stürme brausen um die Wette" — hier soll eine Stätte des Friedens und der Erholung sein, hier sollen die besseren Seiten des Menschenthums einen £Ht der Betätigung, Wohlthätigkeit und Nächstenliebe einen Anlaß zu gern gebrachten Opfern finden. Kein besserer Wunsch kann uns heute erfüllen, als der. daß das Leiden, das sich uns hier anvertraut, in Genesungsfreude gewandelt aus diesen Mauern gehen möge, Z'uzniß gebend von den Edlen, Hilfreichen und Guten, die dies Haus geschaff n und gefördert, Z-ugmß auch von den guten Geistern, in deren Ochut es steht: von den Lehren der Wissenschaft und den Geboten der Humanität. Auch seine Worte fanden bei den Anwesenden lebhaften Beifall. An diese Feier schloß sich sodann ein Rundgang im Hause und die Besichtigung der Räume desselben. Allgemein fand die Eintheilung und Einrichtung rückhaltlose Anerkennung. (Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 89. April 1903 unter dem Vorsitze des I. Vieepräsidenten Dr. Alfred Stern. (Präsident kais. Rath Klinger ist wegen Unwohlseins verhindert, in der Sitzung zu erscheinen.) Beginn der Sitzung 6 Uhr Abends. Im Einlaufe werden bekanntgegeben an Sp.nden: Legat des seligen Herrn Hermann Goldenberg X 2000.— für verschiedene Wohlthätigkeits-Jnstitute; von Herrn Cultus- Vorsteher Salo Cohn zur Begleichung der Rechnung für Malerarbeiten für den Betpavillon im k. k. Allgem. Krankenhause X 300.—; von Frau Jeanne Dubs zur V:rtheilung an Arme X 200 —, aus Anlaß des Ablebens ihrer Matter Frau Sarah T-PP.'r; von Frau Rosalie Winter für Arme X 100.—, aus Anlaß des Sterbetages ihres Gatten, des seligen Herrn Ignaz Winter. Zar Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau: von Herrn W. Berge! X 8.—; von A. M. X 6.—; von Else, für Arme X 3.—; von Herrn Moriz Weiß für Arme der Bezirke XII— XV anläßlich des P.ffachfestes 140 Liter Wein. Entnahmen der Sammelbüchsen im Grmeindebethause I., Sritenstettengasse 4: für die israelitische Armenanstalt X 100.69; für die CH/wra-Kadischa X 48.22; für die Armen der österreichisch-ungarischen Gemeinden im heiligen Lande X 73.68. Den Spendern wird der Dank votirt. 'm Präsidialberichte theilt der Vorsitzende mit. daß am 21. April 1903 unter dem Vorsitz: des Obmann-Stellvertreters Herrn kais. Rath Weil eine Buchrevision durch die Mitglieder des betreffenden Comilßs: die Herren Hermann Eltbogen, kais. Rath Hirsch, Gottlieb Taußigund Heinrich Teltscher, vorgenommen uad hiebei die vollständige Ordnung in der Buchführung constatirt wurde. Der Vorsitzende bringt ferner zur Kenntniß daß im Sinne des § 91 des Statutes das Vertreter-Collegium die Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Cultusgemeinde und sämmtlichrr unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1902 vorgelegt habe, daß die Rechnungsabschlüsse zur Einsicht der Gemeindemitglieder aufliegen und die vorgeschriebene Verlautbarung am 26. April 1903 in der „Wiener-Zeitung" erschienen sei; die öffentliche Plenarsitzung für die defilitivr Erledigung des Rechnungsabschluffes werde sohin am Sonntag den 10. Mai 1903 stattfinden. Vicepräsident Dr. Kohn referirt in Angelegenheit der Besetzung der durch das Ableben des Herrn Moriz Karpeles freigewordenen Stelle eines Curators der Victor Ritter von Boschan'schen Kcanken-Stiftung und beantragt namens des Vertreter-Collegiums, Herrn Cultusvorsteher Dr. Breuer in das Curatorium dieser Stiftung zu berufen. (Zustimmung.) Weiters referirt Herr Vicepräsident Dr. Kohn betreffend die Besetzung der Stelle eines ständigen Obmannes für die Schiedsgerichte, welche im Sinne des § 100 des Cultusgemeinde- Statutes durch die Wahl des Herrn Heinrich Teltscher in den C lltusvorstand erledigt ist, und beantragt namens des Vertreter-Collegiums. an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Heinrich Teltscher Herrn Maximilian Paul-Schiff als ständigen Obmann für eine dreijährige Functionsperiode in das Schiedsrichter- Collegium zu berufen. (Zustimmung.) Secretär kais. Rath Dr. Lieben referirt in Stiftungs- Angelegenheiten. Aus der Dr. Adolf Sacks'scken Stiftung für Techniker wird ein Stipendium im Betrage von X 600.—, bezüglich defsm Verleihung in der Plenarsitzung vom 1. März 1903 weitere Erhebungen durch das Vertreter-Collegium angeordnet wurden, gemäß den Anträgen desselben je zur Hälfte mit je X 300.— für das erste, beziehungsweise zweite Semester des Studienjahres 1902/1903 zwei Hörern der technischen Hochschule zuerkannt. Der P.eis aus der Ignaz Blumenfeld'schrn Stiftung für Künstler im Betrage von X 1859.—, welch?r in diesem Jahre einem Bildhauer zuzufallen hat, wird über Vorschlag des aus Profefforen der Wiener Akademie der bildenden Künste bestehenden Censur-Collegiums und im Sinne des Vertreter- Antrages dem Bildhauer Richard Hadl verliehen. Die Abel Rappop ort'sche Studenten-Stiftung mit dem Jahreserträgnifse von X 1100— wird über A itraz des Vertreter-Collegiums einem Hö.er des II. Jahrganges der Wiener medicinischen Facultät zuerkaunt. ll'ber das Referat, betriff nd die Auftheilung der Ecträguiffe per X 47 500.— des Dr. H. S. Goldschmidt- Legates auf verschiedene qemeinnütz ge Institute, insbesondere Lehranstalten, entwickelt sich eine längere Debatte, an welcher sich die Herren Salo Cohn, kais. Rath Hirsch. Dr. Katzm, Vicepräsident Dr. Kohn, Theodor Ritter v. Taufffg und Heinrich Teltscher betheiligen. Nachdem sich bei den Zuweisungen auf Grund der verschiedenen Anträge ein Fehlbetrag von X 1000.— ergibt und Herr Cultusvorsteher Rudolf Auspitz durch eine Spende von X 1000.— eine Ausgleichung der verschiedenen Ansprüche ermöglicht, wird die Auftheilung vorgenommen und dem Spender der Dmk ausgesprochen. Nrch Erledigung von Personalien wird die Sitz mg um 9 Uhr Abends geschlossen. Wien. (Nädchen-Unterstützungs-Berein.) Dieser humanitäre Verein entsendet soeben seinen 36. Jahresbericht. Wir entnehmen demselben, daß die Schulen des B reines im abgelaufenen Schu'jrhre von 277 Schülerinnen besucht waren, von denen 240 ihr Lehrziel erreichten. Der Unterricht wurde in allen Abtheilungen — der Fachschule für Weiß- und M lschinnähen, Klleidermachen und Sticken, der Fortbildungsschule, dem Handelslehr- und dem Bonnencurse — unentgeltlich ertheilt. Die bedürftigsten Schützlinge wurden auch mit Mittagstisch, mit Kleidern und L rnmitteln versehen. — Auch außerhalb der Anstalten wurden arme Mädchen durch die Fürsorge des Vereines erwerbsfähig gemacht. Der Verein, welcher sich warmherziger Theilnahme erfreut, dankt allen seinen Gönnern und Mitgliedern für ihre werkrhätige Unterstützung und bittet um ihre fernere edelmüchige Mitarbeit. Wien. In der letzten Generalversammlung des israelitischen Uiterstützungs'Vereines „Maskil el Dol“ im Bezirke Sechshaus wurden folgende H rren in den Vorstand gewählt: Präses Herr Samuel Mohr, Präses-Stelloertreter Herr Hermann Weinberger, Cassier Herr Jacob Duschinsky, I. Schriftführer Herr Carl Landeis, ll. Schriftführer Herr Heinrich Herzog, Controlore die Herren Max Haas und Moriz Stärk, in den Ausschuß die Herren Dr. Max Deutsch, Heinrich Grünwald. Jacob Marchfeld und kais. Rath Friedrich Seligmann. Wien. (Ein christlich-socialer Agitator.) Der Schuhobertheilhändler Josef Paviensky, ein rühriger Agitator der christlich-socialen Partei, liebt es, jüdische Passanten vor seinem Geschäfte in der Großen Stadtgutgasse zu beschimpfen und vor ihnen auszusvucken. Der Commis Richard Wenger erhob deshalb gegen ihn die Ehrenbeleidigungsklage, über die nun vor dem Strafrichter der Leopoldstadt, Gerichtssecretär Dr. Künstler, verhandelt wurde. Auf die Frage, ob er vorbestraft sei, gab der Angeklagte an, wegen des Verbrechens des Betruges durch falsche Zeugenaussage mit Kerker bestraft worden zu sein. — Richter: Auch wegen Ehrenbeleidigung waren Sie bei mir schon angeklagt und nur meinen Bemühungen hatten Sie es zu danken, daß sich der Kläger damals mit Ihrer Abbitte begnügte. Es war ein ähnlicher Fall wie der heutige und es scheint, daß Sie keinen Juden Vorbeigehen lassen, ohne Ihrem Aerger Luft zu machen. — Angeklagter: Ich Hab' vor dem Herrn nicht ausgespuckt und ihn nicht beschimpft. Ich kenne ihn gar nicht. — Richter: Wir werden ja die Zeugen hören. Der als Zeuge vorgeladene Trödler Moritz Patzig bat, ihn von der Aussage zu entheben. — Klagevertreter Dr. Hartwig Wenger: Ich kann auf Ihre Aussage