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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. J9 ^mckr's irwßmicutwfc Sette 801 Errichtung dieses Werkes beschafft und dessen Zustandekommen geistig beeinflußt hat. Den besten Dank sage ich endlich meinen geschätzten Mitarbeitern bei dieser Bousührung, die alle ihrBtstls darzubieten bestrebt waren, dem Baumeister Josef Waldert, der seines Amtes mit voller Hingabe gewaltet hat, meinem langjährigen Mitarbeiter Architekten Reiser, der mit Pflichttreue und in meinem Sinne die Durchführung der einzelnen Theile dieses Hauses überwacht hat, und dem umsichtigen Bauleiter Wohlmeyer. Hochansehnliche Versammlung! Wir leben in eirer Zeit, in welcher sich in betrübender Weise die Menschen nach Race und Confkssion, nach Stand und Nationalität von einander sondern und abschließen. Da ist es nun hocherfreulich, wenn aus dieser allgemeinen Trübniß, wie leuchtende Sterne, Werke des Erbarmens und der Menschenfreundlichkeit hervortreten, die durch den Edelsinn hochherziger Männer und Frauen geschaffen wurden. Eines dieser Werke feiert am heutigen Tage seine Vollendung. Zum äußeren Zeichen der Beendigung aller Bauarbeiten, überreiche ich Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, die Schlüssel dieses Hauses. Möge dieses Haus seinem menschenfreundlichkn Zwecke voll und ganz entsprechen. Möge die Vorsehung dieses Haus in ihren Schutz nehmen, es schirmen und behüten, auf daß es durch eine lange Reihe von Jahren bestehe, zu Nutz und Frommen der leidenden Menschheit; möge es noch in fernen Zeiten den edlen Sinn seiner Begründer verkünden. Dtß walte Gott. Lebhafte Bravorufe folgten seinen Worten. Herr CultusVorsteher Ludwig M o s e r übernahm nun den Schlüssel und hielt dann folgende Ansprache: „Gern und mit Dank übernehme ich, hochgeehrter Herr Baurath, namens unserer,Gemeinde den Schlüssel zu den Pforten dieses neuen Hauses, in welchem eine Anzchl der an unseren gottbegnadeten Quellen Genesung Suchenden eine den Humanitären Zwecken entsprechende Unterkunft finden wird. Sie haben mit diesem Baue neuerlich ein Reis in den Ruhmcekrvvz Ihres erfolgreichen Wirkens gtflochten und den vrllsten Anspruch auf unsere besondere innige Dankbarkeit erworben. Auch Ihnen, geehrter Herr Stadtboumeister. gebührt Anerkennung ur.d Dank für die solide und umsichtige Durchführung der baulichen Arbeiten, den ich Ihnen hierdurch mit Genugthuung darbringe. Gle'chzeitig danke ich unserem Bauleiter Herrn Friedrich Wohlm yer für dessen sorgfältige gewissenhafte Führung des Barns. Hochgeehrte Frstgäste! Vor mehr als 50 Jahren wurde von zumeist Prager Wohlthätern ein israelitisches Curhaus in Karlsbad errichtet. Nur einige wenige Israeliten waren damals hier ansässig und deshalb geschah die Verwaltung düscs Curhauses von Prag aus. Erst 20 Jahre später wurde die hiesige Cultusgemeinde gegründet, und mit ihrem seitherigen Wcchsthum ging die Fr^quenzzunahme an Hilfsbedürftigen parcllel. Süllen sie doch das Karlsbad von heute dem Karlsbad von vor 50 Jahren gegenüber und Sie werden finden, daß mit dem Mc ßstab von damals die heutigen Verhältnisse nicht mehr gemessen werden können. Längst schon erwies sich daher das kleine Hospital in der Helenenstraße als unzureichend und längst schon strebte daher unsere Cultusgemeinde nach Abhilfe. Zwar wurde alljährlich zur Errichtung eines zeitgemäßen Hospizes ein Betrag in unser Budget eingestellt, aber nur langsam, sehr langsam vermehrte sich dieser Fond, und die Idee blieb Project. Doch da mit einemmale sollte das Project seiner Verwirklichung entgegenreifen. Das 50jährige Regierungsjubilöum unseres geliebten Monarchen, welches den Wohlthätigkeitssinn des gesummten dankerfüllten Oesterreich neu belebt und überaus gesteigert hat, gab der Repräsentanz der Cultusgemeinde den Anstoß zu dem Beschlüsse, nunmehr ernstlich an die Errichtung eines Hospizes mit einem Faffungsraum von wenigstens 100 Betten zu schreiten. Edle Wohlthäter, warm empfindende Herren, bewogen durch die Beredtsamkeit und lebhafte Schilderung unseres hochgeschätzten Rabbiners Herrn Dr. Ziegler, spendeten bedeutende Summen und ermöglichten es uns, vor zwei Jahren dieses der Humanität gewidmete Institut nach den Plänen des Herrn Bauraths Wilhelm Stiaßny in Wien ins Werk zu fitzen. Curbedürftige Arme sollten während ihres mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Karlsbad eine Heimstätte finden, in der sie sich Wohl fühlen, in der ihre durch die Heilkraft unserer Quellen bewirkte Genesung auch häuslich eine Förderung erfahren sollte und dementsprechend sollte diese Anstalt erbaut, dementsprechend sollte sie eingerichtet werden. Ob nun dies gelungen ist, mögen Sie, hochverehrte Festgäste, bei Besichtigung des Hauses selbst beurtheilen. Dankbaren Herzens werden wir stets aller Jener gedenken, welche zum Gelingen des großen Werkes beigetragen haben. Zuvörderst der dahingeschiedenen Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuch in Paris, deren Edelsinn den Grundstein zu diesem Gebäude legte, dann der Mumficenz der Freiherren Nathaniel und Albert von Rothschild in Wien, des Freiherrn und der Freifrau Wilhelm von Rothsch ld in Frankfurt o. M., des Herrn Leopold Goldschmidt in Paris, des Herrn David Ritter von Gutmann in Wien, des Freiherrn Alexander Popper de Podhracy in Wien, des Herrn Baron von Rofenthal in Amsterdam, des Herrn Charles L. Hallaarteu in Frankfurt a M., der Kinder des Herrn Löbel und der Frau Henriette Schvttländer in Breslau, des Herrn Baron Gustav Springer in Wien, des Herrn H'ppolit Wawelberg in St. Petersburg, der Herren N. M. von Rothschild und Söhne in London, des Herrn Adolf Skrainka in Holleschau, des Maison Rothschild in Paris, der Herren Gottlieb Lederer's Erben in Karlsbad, der Frau Baronin Adolf von Rothschild in Paris, der Frau Nathaniel von Rothschild in Paris, des Herrn Jules Beer in Paris, des Herrn Ferdinand Bischofsheim in Paris, des Herrn und der Frau Bischofsheim in London, des Herrn Ropdael Bischofsheim in Paris, des Herrn Alphons Jakobsohn in Le'pzig, der Frau Edward Stern in London, des Herrn Adolf Goldschmidt in London, des Herrn Harry Mosenthal in London, des Herrn Edward Raphael in London, des Herrn Edgar Sp yer in London, der Frau Theodor Stern in Frankfurt a. M., des Herrn und der Frau Edward Stern in London, des Herrn Rudolf Kann in Paris, des Herrn Generalconsul Eugen Landau in Berlin, des Herrn Commercienrath I. Löwe in Berlin, des Herrn Sigmund Reitzes in Wien, des Herrn Norbert Beredikt in Wien und endlich all' der zahlreichen Gönner und edlen Spender, welche uns durch den Beitrag ihres Scher flnrs förderten. Dank firner unserem unermüdlichen verehrten Rabbiner Herrn Dr. Zegler. der Spende auf Spende unfirem Bau^onds zuführte, und Dank Allen, welche durch Sammlungen und foi füge Müh-Wallungen zrm Gelingen halfen. Daran anschließ nd, fii es mir gestattet. Herrn Statthaltereirath Dr. R'tter von Mcurig den wärmsten Dank der Cultusgemeinde für die jederzeit freundliche Unterstützung, die ihr durch die kaiserliche Behörde zutheil wurde, zum Ausdruck zu bringen und ferner den verbindlichsten und herzlichsten Dark beizufügen, den wir für das bezeigte und giwiß sich auch weiterhin bewährende Entgegenkommen dem Stadtverordneten-Collegium, dem Stadtrath und dem Herrn Bürgermeister Schäffler schulden. Vor Allem aber, hochgeehrte Fesigäste, sind wir von dem innigsten, von dem heißesten Danke beseelt für unseren erhabenen Monarchen, für Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät unfern allgeliebten Kaiser Franz Joseph l., durch dessen Gnade wir die Bezeichnung dieses Wohlthätigkeitsiustitutcs mit dem allerhöchsten Namen verkrüpfen dursten zum Heile und zum Segen Aller, die dieses Haus betreten. Aufrichtigen Herzens wird dieser hehre Name von Allen verehrt und gesegnet von Tausenden und Abertausenden, heute und immerdar! Ich bitte Sie, mit mir einzustimmen in den Ruf: Seine Majestät unser ollergnädigster Kaiser, er lebe hoch, hoch, hoch!" Die Anwesenden stimmten begeistert in das ausgebrachte Hoch ein, worauf die Absingung einer Strophe der Volkslymne erfolgte. Hierauf ergriff das Wort Rabbiner Dr. Ziegler zu nachstehender Weiherede: Hochansehnliche Versammlung! Die Denker und Weisen aller jener Religionen, die von ihren Bekennern eine höhere Stufe menschlicher Gesittung fordern, bemühten sich stets und bemühen sich immer aufs Neue, die Ideale ihrer Religionen in einige knappe Grundsätze zusammenzufassen. So haben es schon vor Jahrtausenden die Propheten und Psalmensänger Israels gethan, so versuchte es auch der weise Hillel, in dessen Spuren seine Schüler bis auf den heutigen Tag weiter wandeln. Als einst ein heidnischer Philosoph zu ihm kam und ihn bat, er möchte ihm doch die Gesammtlehre des Judenthums in einem Satze bekanntgeben, antwortete er ihm: „Was Du nicht willst, daß mau Dir thue, thue es auch einem Andern nicht! Gehe und lerne, denn alles andere ist nur Erklärung dazu." Und ein Jahrhundert später rief trotz der bittersten Erfahrungen der große Rabbiner Akiba seinen Jüngern zu: Meine Freunde, das biblische Gebot: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst", bleibt dennoch unsere ganze Lehre! — Und wahrlich, wenn der Religionen

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