Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 19 (8.5.1903)
- Date
- 1903-05-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Veite 800 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. IS Rumäniens bedeuten. Die rumänischen Bauern waren aber nicht gewillt, die Juden als ackerbautreibende Bevölkerung zu dulden; anstatt emsig zu arbeiten, legten sie sich weiter auf die faule Haut und schrieen immerfort: .Der Jud ist schuld daran, wenn es uns schlecht geht", und die rumänischen Regierungen, ob sie nun in der Maske des Liberalismus auftraten oder sich konservativ nannten, glichen sich darin, daß sie den Juden die Gleichberechtigung Stück für Stück entriffen. Den Juden wurde der Ackerbau unmöglich gemacht; als sie sich als fleißige und genügsame Kleingewerbetreibende, als brave Handwerker ihr Brot verdienten, wurden sie in diesen Berufen verfolgt, und so erleben wir seit Jahren das klägliche Schauspiel, wie eine Bevölkerungsclafle, die selbst unter den schwersten Bedingungen ihren Lebensunterhalt erwerben will, nicht arbeiten kann und zur Auswanderung genöthigt wird. Nachdem im Berliner Vertrag von der rumänischen Regierung die Gleichberechtigung der Juden gefordert wurde und Rumänien diesen Punkt des Vertrages absichtlich noch immer nicht erfüllt, verlangten die Abgeordneten Skedl und Straucher in einer Interpellation die Intervention der österreichisch-ungarischen Regierung. Die Antwort des Herrn Dr. v. Körber ist hauptsächlich aus dem Grunde intereflant, weil darin offen zugestanden wird, daß das Los der rumänischen Juden ein jämmerliches ist und daß die österreichische Regierung wiederholt in freundschaftlicher Weise in Rumänien diesbezüglich Vorstellungen gemacht hat. Durch die Antwort unseres Ministerpräsidenten wird die rumänische Regierung empfindlich Lügen gestraft, die von Zeit zu Zeit das Bedürfniß fühlt, die Anklagen, die allerorts gegen sie erhoben werden, dadurch zu entkräften, daß sie einfach Alles ableugnet und notorische Thatsachen als fiktiv hinzustellen wagt. Wenn die antisemitischen Kreise, in denen nicht eine Spur von Rechtsempfindung zu finden ist, aus roher Bornirtheit in der Antwort des Herrn Dr. v. Körber schon eine Concession an die Juden sehen, sie für eine unzulässige Kritik der Zustände in einem fremden Staate erklären, so glauben wir im Gegentheike, daß die österreichische Regierung, wie alle europäischen Großmächte, das Recht und nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, von Rumänien die stricte Erfüllung des Berliner Vertrages zu verlangen. Die Regierungen dürfen sich nicht mit der papierenen Gleichstellung begnügen, sie müssen fordern, daß sie auch faktisch durchgeführt wird. Dulden die europäischen Mächte, daß die rumänischen Juden in der schmählichsten Weise behandelt werden, so machen sie sich mitschuldig an den zahllosen Verbrechen, die in Rumänien tagtäglich an den Juden begangen werden. Freundschaftliche Vorstellungen haben, wie der Erfolg zeigt, einen sehr problematischen Werth, ein energisches Auftreten wäre dringend geboten. Isegrim. Erölftiungsfrirr des Kaiser Fra«; Josef Regirru«gs-Iut»rläums-Hosxi;es für arme Israeiite« in Karlsbad. Am 29. April wurde das aus Anlaß der fünfzigjährigen Regierungsjubiläumsfeier unseres Kaisers errichtete Jsraelitenhospiz zu Karlsbad in Anwesenheit der staatlichen und städtischen Behörden und einer großen Anzahl von Festgästen feierlichst eröffnet. Entsprechend den Anforderungen dieses größten Weltcurortes dürfte das Karlsbader Krankenhaus wohl das größte unter derartigen Curanstalten sein, da es nicht weniger als 120 bis ISO Leute monatlich unterbringen kann, d. h. bei voller Besitzung jährlich 600 bis 700 armen Kranken Erholung und Genesung zu bringen vermag. Der Größe der Anstalt entspricht auch ihre innere Einrichtung, wie das Gebäude selbst, das nach den Plänen des so verdienstvollen Baurathes Wilhelm Stiaßny überaus zweckdienlich erbaut wurde. In schlichtem und doch außerordentlich wirksamen Renaissancestyle gehalten, erhebt sich das Haus auf einem sanften, sonnigen Hügel in der Nähe des Allgemeinen Krankenhauses inmitten eines weiten, sorgfältig gepflegten Gartens, in dessen rückwärtigem Theile Jahrhunderte alte Eichen zu lauschiger Ruhe einladen. Licht und Luft, diese wirksamsten und besonders für einen Curort maßgebendsten Heilmittel, zeichnen alle Räume dieses Hauses in geradezu verschwenderischer Weise aus, so daß mit Recht behauptet werden kann, daß der Aufenthalt in diesem Hause allein den armen Kranken Labung und Erquickung gibt. Ermöglicht wurde dieser Bau durch die geradezu beispiellose Opferfreudigkeit jüdischer Wohlthäter aus allen Ländern Europas. Dr. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad, versuchte schon den sel. Baron Hirsch für die Sache zu interessiren, doch der frühe Tod des Philanthropen verschob die Angelegenheit für längere Zeit. Die edle Frau Baronin Hirsch ging nach eingehender Prüfung des ihr von Dr. Ziegler unterbreiteten Memorandums auf den Plan ein und spendete 80.000 K zum Baue der Anstalt unter der Bedingung, daß auch aus Oesterreich mindestens die gleiche Summe gespendet werde. Es glückte, von den Baronen Rothschild 80.000 K, von Herrn David von G u t m a n n 20.000 K und von Herrn Baron Springer 10.000 L zu erhalten. Erst nachdem diese Summe beisammen war, beschloß die jüdische Gemeinde in Karlsbad, an die Errichtung der Anstalt zu schreiten. Vorläufig werden im Hospize 32 Personen monatlich ausgenommen und die Erhaltungskosten durch die Spenden der Curgäste und die Jahresbeiträge der Mitglieder der Karlsbader jüdischen Gemeinde und anderer Gemeinden gedeckt. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hatte zu der Eröffnungsfeier eingeladen und es versammelten sich um 11 Uhr die Festgäste in dem reich decorirten Saale. Bon officiellen Persönlichkeiten waren erschienen die Herren Statthaltereirath Dr. Ritter v. Maurig, Oberbezirksarzt Dr. Ritter von Hochberger, Militärbadehauscommandant Oberst Dalmata von Hideghet, Stabsarzt Schmiedinger, Corvetten-Capitän Frankl, Bürgermeister Ludwig Schäffler, Stadtrath Dr. Pleschner, Landesgerichtsrath Hönl und Oberpostverwalter Bittner, weiters eine zahlreiche Festversammlung und auch viele Damen. Inmitten des Saales gruppirte sich die Repräsentanz der Cultusgemeinde um das schwarz-gelb drapirte Rednerpult. Die Feier begann mit einem vom Chorgesangsvereine mit Harmoniumbegleitung vorgetragenen Choräle. Als erster Redner sprach Herr Baurath Stiaßny. Er sagte: Hochansehnliche Versammlung! Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Karlsbad hat den hochherzigen Beschluß gefaßt, zur Erinnerung an das 50jährige Jubiläum der glorreichen Regierung Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. ein Hospiz zu gründen, in welchem arme, kranke Israeliten ohne Unterschied der Nationalität eine wohnliche Heimstätte und sorgfältige Pflege für die Dauer ihres Curausenthaltes in dieser Stadt finden sollen. Den rastlosen Bemühungen des hochgeehrten Vorstandes und des allverehrten Seelsorgers dieser Gemeinde ist es gelungen, die ansehnlichen Mittel zu beschaffen, welche erforderlich waren, den Baugrund zu erwerben, ein den Anforderungen der Humanität und der modernen Hygiene entsprechendes Haus zu errichten und auch den Bestand desselben zu sichern. Der geehrte Cultusvorstand hat mir eine hohe Auszeichnung zutheil werden lassen, indem er mich mit der Verfassung der Pläne und der Leitung der Arbeiten für diesen Bau betraut hat. Mit mir fühlen sich aber auch jene eifrigen und verdienstvollen Geschäftsleute und Baufirmen geehrt, welchen die Durchführung der einzelnen Bauarbeiten durch Sie, meine sehr geehrten Herren, überwiesen worden ist. Am heutigen Tage wird mir die Aufgabe zutheil, das vollendete Gebäude dem geehrten Cultusvorstande zu übergeben, damit es seinem gemeinnützigen Zwecke zugeführt werde. Der Vorsehung hat es gefallen, unser Werk zu schützen, so daß unsere Arbeiten ohne Fehl und Unbill zu einem gedeihlichen Abschlüsse gebracht werden konnten; ihr sei zuförderst unser Dank in Demuth dargebracht. In diesem Augenblicke drängt es mich auch, den herzlichen Dank für das Wohlwollen und die Unterstützung auszusprechen, welche unseren Arbeiten durch die Gemeindevertretung dieser altberühmten Stadt zutheil geworden ist. So ist es mir ein wahres Herzensbedürfniß, den Gefühlen hoher Achtung und Verehrung Ausdruck zu geben, welche ich für den Bürgermeister dieser Stadt empfinde, für einen Mann, der sich allgemeinen Ansehens und der aufrichtigen Sympathie seiner Mitbürger erfreut und welcher uns als ein Vorbild aller Bürger- und Mannestugenden erscheint. Innigster Dank gebührt dem geehrten Cultusvorstande, vor allem aber Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, der Sie mit unermüdlichem Eifer und seltener Pflichttreue alle Arbeiten geleitet haben, welche nöthig waren, um diesen Bau ins Leben zu rufen und zu sichern; in gleicher Weise ihrem geehrten Stellvertreter, welcher in treuer Freundschaft für Sie und mit Hingebung für die gemeinsame Aufgabe Sie in Ihrem Werke unterstützt hat. Sie meine Herren und die gesammten Mitglieder der Bauleitung seien herzlichst bedankt; insbesondere aber gilt dies dem hochwürdigen Rabbiner Dr. Ziegler, der mit wahrer Begeisterung und in rastloser Thätigkeit die Mittel zur