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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-08 · 19 (8.5.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
19 (8.5.1903)
Date
1903-05-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sk. 19 Dr. Bloches Wochenfttzrift. Sette 299 unternehmen, welche allein geeignet sind, es zu schützen und zu retten. Herr Dr. Bernhard fügt hinzu, daß er nur solchen Candidaten seine Stimme geben werde, welche zu seinen (zionistischen) Principien sich bekennen. Der Vorsitzende Herr Dadid Ritter v. G u t m a n n fragt den Redner, was denn seine Parteigenossen, welche so viele Filialen und Vereine in Rußland besitzen, für Kischenew geleistet hätten und welche Mittel er denn vorzuschlagen wisse, um solchen Verfolgungen vorzubeugen? Die Aufgaben der Allianz werden von Tag zu Tag dringender, die Ansprüche von allen Seiten wachsen ins Ungeheuerliche, die Theilnahme aber wird immer geringer. Der Vorsitzende verweist auf die relativ so beschämend winzige Zahl der Vereinsmitglieder und richtet in warmen eindringlichen Worten einen Appell an alle Anwesenden und Theilnehmer der Generalversammlung, in eine erhöhte Propaganda für die Allianz einzutreten. Jeder möge in seinem Kreise Mitglieder werben, um die Allianz finanziell und moralisch zu kräftigen, sie in den Stand zu bringen, in den Zeiten der Noth voll und ganz -ihren Aufgaben gewachsen zu sein, wie es unser Aller guter Wille ist (Lebhafter Beifall.) Herr Rudolf A u s p i tz, welcher zur Neuwahl an Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes -Siegmund Ritter von Bauer candidirt wurde, ergreift das Wort, um in loyaler Weise zu erklären, daß er als Jude der Confession nach sich bekenne, sich aber auch als Angehöriger der deutschen Nation fühle. Er will die geehrte Versammlung darüber nicht im Unklaren lassen, nachdem ein Herr Redner aus der Versammlung über die Gesinnung der Candidaten eine Auskunft verlangt hat. Schließlich wurden Herr David Ritter v. G u t m a n n mit 95 Stimmen, Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n mit 93 Stimmen, Wilhelm Pappenheim, Leopold T r e b i t s ch und Donat Z i f f e r e r mit 94 Stimmen wieder- und Herr Rudolf A u s p i tz mit 90-gegen 5 Stimmen in den Vorstand neugewählt. Der Vorsitzende dankt der Versammlung für das zahlreiche Erscheinen und erklärt die Sitzung für geschlossen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. (Ein 1. April-Antrag. — Antisemitische Geldmoral. — Berechtigte Einmischung in die rumänischen Verhältnisse.) Leute einfältigen Geistes beschäftigen sich gewöhnlich schon in der letzten Märzwoche damit, auf welche Weise sie ihre Bekannten am 1. April „ttt den April"' schicken können. Der alldeutsche Abgeordnete Herzog dachte auch über einen ordentlichen Aprilscherz nach, und über dieses Sinnen verging ihm die Zeit so rasch, daß er erst am 1. Mai mit seinem Einfälle herausrückte. Er brachte in der Sitzung des Abgeordnetenhauses an diesem Tage einen Antrag ein. der ihn als würdigen Compagnon des Schußgeld-Schneider erscheinen läßt. Arm in Arm mit dem Schneider kann der Herzog alle Irren des Jahrhunderts in die Schranken fordern. Herr Herzog verlangt in seinem Anträge nur, daß die Juden geächtet sein sollen, das Staatsbürgerrecht sei ihnen verwehrt; wenn sie es schon besitzen, sollen sie es sofort verlieren. In seinem blinden Eifer geht er so weit, als Angehörige des jüdischen. Volksstammes, ohne Rücksicht auf ihr Religionsbekenntnis, auch solche anzusehen, die selbst nur im dritten Gliede von Juden abstammen. Armer Schönerer, seine Nachkommen sollen als Parias behandelt werden, so manche antisemitische Größe wird von dem Schauplatze ihres Wirkens abtreten müssen. Herr Herzog hat seinen Gesetzentwurf bis ins Detail ausgearbeitet, er bestimmt, wie die Juden wohnen dürfen, nur in Städten über zehntausend Einwohnern und auch in diesen nur in abgegrenzten Bezirkstheilen. Er schreibt genau vor, welche Rechte ihnen noch großmüthig zu lassen sind, welche Berufe sie ausüben dürfen, welche ihnen versagt sind, und bei dieser Aufzählung sieht man wieder, wie uneigennützig der clldeutsche Abgeordnete vorgeht, wie er für andere Berufe sorgt, an sich selbst aber gar nicht denkt. Richter, Advocaten, Aerzte, Beamte, Schriftsteller, alles das dürfen die Juden nicht werden, die Angehörigen dieser Berufe werden vor der jüdischen Concurrenz geschützt. Aber Mädchen unter der Zusage der Ehe zu verführen, sie nachher bei Gericht fälschlich gemeiner Verbrechen zu bezichtigen, Freunde wegen Majestätsbeleidigung zu denunciren, was ist es damit, Herr Herzog? Ihren eigenen Wirkungskreis schützen Sie gar nicht? Es macht aber beinahe den Eindruck, als ob nicht blos Uneigennützigkeit und das Bewußtsein seiner Meisterschaft Herrn Herzog veranlassen, in dieser Hinsicht für die Juden kein besoidrces Verbot festzusitzm. sondern daß ein letzter Rest Vernunft ihm sagt, daß die Juden dieses Thätigkeitsfeld neidlos den edlen Teutonen vom Schlage eines Herzog überlassen. Bei Einbringung dieses »Antrages"' hat der ehemalige Abgeordnete Dr. Bloch im Parlament gefehlt, er wußte derlei Leuten nach Gebühr zu begegnen. Der Antrag Herzog fand im Abgeordnetenhause die nöthige Unterstützung, worüber man sich aber nicht wundern darf, nachdem in unserer Volksvertretung Leute sitzen, die die Bücher »g'freffen"' haben, die Gelehrte von Weltruf als Bildungsprotzen bezeichnen, Leute, denen keine Thorheit zu thöricht, keine Gemeinheit zu gemein ist, als daß sie nicht dafür zu haben wären. Der Antrag Herzog ist dem Niveau ihrer Intelligenz vollständig angepaßt. * * Gelegentlich der Debatten über den Erzbischof Dr. Kohn wurde von antisemitischer Seite wieder vielfach behauptet, daß eine der abstoßendsten Eigenschaften dieses Kirchenfürsten sein maßloser Geiz, eine »specifisch jüdische* Eigenschaft, sei. Wir haben demgegenüber in der vorigen Woche auf die zahlreichen christlich-socialen Gemeinderäthe hingewiesen, die als Hausherren kein Mitleid mit den Miethern kennen, auf die antisemitischen Unternehmer, die ihre Angestellten schamlos ausbeuten, auf die feudalen Herren, die den Taglöhnern einen Lohn von zwanzig bis dreißig Kreuzer zahlen, aber immerhin noch einen Lohn zahlen. »Billiger ist es aber"', so dachte sich der christlichsociale Landtagsabgeordnete Dr. Pupovac, »wenn man überhaupt keinen Lohn ausfolgt"', und so stellte er, wie die »Arbeiter- Zeitung^ meldet, einen Gärtner an. dem er als Lohn die erfolgreiche Vertretung in einem Proceffe versprach, den der Arbeiter wegen Rückersatz einer Geldleistung führen wollte. Herr Dr. Pupovac unternahm keinen Schritt in der aussichtslosen Proceßangelegenheit, den Gärtner aber er ließ so lange arbeiten, als er seiner bedurfte. Das Vorgehen des Dr. Pupovac dürfte vielleicht in christlich-socialen Kreisen Schule machen. Einen anderen Fall, der zeigt, wie edel die Christlich-Socialen in Geldangelegenheiten Vorgehen und wohin es führt, wenn sich Geschäftsleute zu intensiv mit Politik beschäftigen, veröffentlicht das »Extrablatt"'. Der Gemischtwaarenverschleißer Reimer, der bis vor kurzer Zeit antisemitischer Bezirksrath war, hatte vermuthlich, wie so viele Kleingewerbetreibende, keine Zeit, sich um sein Geschäft zu kümmern, er mußte wohl seine Zeit dem Kampfe gegen die Juden widmen, er gerieth in Geldverlegenheit und erhielt aus einer öffentlich'« Unterstützung ein Stipendium. Das ist wieder ein typisches Beispiel für unsere antisemitischen Kleinbürger, die an allen Mißständen im öffentlichen Leben den Juden die Schuld geben, den ganzen Tag im Wirthshause schimpfen und ihre Arbeit vernachlässigen. Der ehemalige Bezirksrath hat es besser, als andere arme Leute, er erhielt wenigstens einen größeren Betrag auf einmal und wurde wahrscheinlich auch nicht so demüthigend hehandelt, wie es viele antisemitische Armenräthe den Armen gegenüber thun, denen sie die paar Gulden, die der Einzelne nur bekommt, wenn er besonders würdig ist, wie einen Bettel binwerfen. * * » * Als im Jahre 1878 nach langwierigen Verhandlungen der Berliner Vertrag zustande kam, war einer der meist discutirten Artikel jener, der dem rumänischen Staate die Verpflichtung auferlegte, die vollständige Gleichberechtigung der Juden durchzuführen. Heftig wehrten sich in Rumänien Regierung und Kammern gegen diese Bestimmung, die europäischen Großmächte gaben aber nicht nach und anerkannten die Souveränität Rumäniens nicht früher, als bis durch das Gesetz von 1879 allen Bewohnern von Rumänien ohne Unterschied der Confession die gleichen bürgerlichen Rechte eingeräumt wurden. Die rumänische Regierung befürchtete insbesondere eine Gefährdung des Bauernstandes in der Moldau durch die jüdische Concurrenz, anstatt sich zu freuen, daß die Juden durch ihre größere Intelligenz und ihren Fleiß einen frischeren Zug in das wirthschaftliche Leben bringen würden, indem sie die anderen Bevölkerungselassen zu größerer Thätigkeit aufstachelten. Die Mitwirkung der Juden mußte daher einen gewaltigen Fortschritt in der Entwicklung

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