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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Pr Bloch's Wochsnschrift. Sette 289 Hirsch recht geben, welcher in einer Dankcede betont«», daß alle Kräfte des Ensembles wegen hoher Begabung und trefflicher Leistung Anerkennung verdienen. Herrn und Frau K a n n e r sind anläßlich ihres BemficeS reiche Cympathiebeweise zutheil geworden. Blumenspenden wie auch andere Geschenke und telegraphische Glückwünsche zeigien deutlich, wie sehr die Kunst und die Anmulh des congenialea Ehepaares hier geschätzt wurden. Wie wir hören, ist des Kannersche Paar bereits nach Budapest engagirt; sicher wird es sich auch dort bald die Herzen des Publicums erobern, koch wäre es zu wünschen, daß eine künftige Saison auch den Wienern wieder Gelegenheit bieten würde, sich an diesen wirklichen Talenten zu erfreuen. Bon den übrigen Mitwirkenden zeichneten sich durch besondere künstlerische Leistungen aus: die Herren I. Podsamzce, Reiß mann, Brandes, Weinberg, Dircctor Hirsch, die Damen Weinberg, Frühling und Rauch. Wien. Der Mädchen- und Franc nverein „Bikur Chaulim“ veranstaltet Sonntag den 3. Mai einen geselligen Ausflug (mit Pick» ck) auf die Schafberg-Alpe bei Salmannsdorf. Durch das Bestreben des Vereines, die jüdische Gemeinsamkeit zu unterhalten, bitten wir diejenigen, welche sich als wahre Juden fühlen, unsere Gäste zu sein und werden wir sie aufs Herzlichste willkommen heiße». Abmarsch 10 Uhr Vormittag von der Endstation (der elektrischen Wäger). Rendezvous für Nachzügler, Restama i Stalehner sen. Schafberg-Alpe, Salmannsdorf. Abmarsch von dort 3 Uhr Nachmittag. Wien. Wie die Tagesblätter meldeten, hat der Oberste Gerichtshof die seinerzeit wegen Ehrenbeleidigung an ein ui Budapester Arzte erfolgte Berurtheilung des Brigittenauer ObercantorS Herrn Ignaz Öesterreicher in einer am 20. d. M. stattgefundenen Verhandlung aufgehoben. Nachdem Herr O e st e r r e i ch e r in der Zwischenzeit von seinem Amte suspendirt war, hat der verstärkte Vorstand des Brigittenauer Tempelvereines den einhelligen Beschluß gefaßt, Herrn Oesterreicher sofort in sein Amt wieder einzusitzen. Freitag den 1. Mai wird Herr Oesterreicher, der zahlreiche Verehrer seiner künstlerischen Fähigkeiten zählt, nach längerer Zeit den Gottesdienst wieder leiten. Vöslau. Herr Gnneinderath Hotelier Moritz Zwierschütz sendet uns folgende Berichtigung: Vöslau, 21. April 1W3. An Herrn Redacteur Dr. Josef S. Bloch der Dr. Bloch's „O esterreich ische Wochenschrift" Wien. Mit Bezug auf § 19 des Preßgesetzes fordere ich Sie auf, nachstehende Berichtigung unter der in Ihrer Nummer 16 vom 17. April gebrachten Korrespondenz Vöslau an gleicher Stelle und mit gleichen Lettern aufzunehmen: Es ist unwahr, daß der bei den Wiener Curgästen israelitischer Confession so sehr beliebte Hotelier Moritz Zwierschütz, dessen Schmeicheleien und Witzen cs gelingt, das jüdische Sommerpublicum so sehr anzulocken, daß es allabendlich die Restaurations-Localitäten bis auf das letzte Plätzchen füllt, wie auch dessen Hotel fast durchaus nur von Juden bewohnt wird; wahr ist, daß Hotelier Moritz Zwierschntz ohne Schmeicheleien und Witzen es gelang, seine Localitäten mit Sommergästen von Inden und Christen zu füllen. Unwahr ist, daß Herr Kohn, Schächter und Neligionslehrer die Idee faßte, eine kleine Selcherei zu errichten; wahr ist vielmehr, daß Herr Kohn um eine orthodoxe Auskocherei bei der Gemeinde bittlich wurde, gegen die ich als Gemeinderath aus dem Grunde Stellung nahm, weil hier in Vöslau schon zwei jüdische Restaurationen bestehen,, wovon das Rausnitz'sche Etablissement der Gemeinde jährlich 6600 Kronen Pacht zahlen muß, und auch eine dritte rituelle koschere Restauration, resp. Auskocherei der Pächter der Gemeinde, so geschädigt wird, daß er außer Stande gesetzt ist. seinen Verpflichtungen nachzukommen. Unwahr ist ferners, daß ich erklärt habe: Wir brauchen keine armen Juden; die kein Geld haben, sollen zu Hause bleiben; wahr ist, daß ich erklärt habe: Wir brauchen keine Juden, die kein Geld haben, sondern nach Vöslau fahren, um die Glaubensgenossen in arroganter und zudringlicher Weise anzubetteln. Unwahr ist: Als dann Herr Zwierschntz von der Sitzung nach Hause zuriickkehrte, sagte er zu seinen Gästen, frohlockend die Hände reibend: „Heut' hab'n m'r wieder an Juden obidraht"; wahr ist, daß ich diese Worte gar nicht gebrauchte. Achtungsvoll Moritz Zwier schütz Gemeinderath und Hotelbesitzer, Vöslau. Die vorstehende Zuschrift entspricht in keinem Punkte den Vorschriften des Preßgesetzes. Nur aus Gründen der Loyalität und der Unparteilichkeit publiciren wir dieselbe. Die Wahrheitsliebe des Herrn Zwierschütz können wir dadurch documentiren, indem wir auf ein Schreiben des Herrn Kohn, Schächter und Religionslehrer in Vöslau, verweisen, welches sich in unseren Händen befindet und worin dieser kurz und bündig erklärt: „Es ist unwahr, daß ich um eine Auskocherei ansuchte, ich bat vielmehr, nur Selchwaaren und eine gebratene GanS verabreichen zu dürfen, sonst nichts. Herr Rausnitz selbst sagte mir, „es sei ihm zn kleinlich und genire ihn gar nicht." Die angeblich zärtliche Besorgniß für das Rausnitz'sche Etablissement wird bedenklich durch folgendes Factum illnstrirt: Das Cafe M a n h a r t zahlt der Gemeinde 2000 X Pacht und Herr Gemeinderath Zwierschütz hat aus seiner zwanzig Schritte vom Cafe Manhart entfernten Hotel-Veranda eine große Tafel mit weithin sichtbaren Lettern: E a f 6 — Billard. Woher kann der Gemeindepächter Manhart seine Pacht aufbringen, wenn ihm ein Gemeinderath selbst, und wie wir wissen, empfindliche Concurrenz macht?? Und bürgermeisterlicher als der Herr Bürgermeister selbst braucht Herr Zwierschütz auch nicht zn sein. Und der Herr Bürgermeister findet die Errichtung eines solchen Locales, um welches Herr Kohn ansuchte, ganz am Platze. Auf den übrigen Inhalt der uschrift brauchten wir eigentlich nicht einzugehen, und könnten ihn ruhig der Beurtheilung unserer Leser überlassen. Daß Herr Zwierschntz mrt seiner Abneigung blos die armen Juden auszeichnet, ist ein sreimüthigcs Geständniß. Indessen sind diese armen Juden zumindest so viel werth, wie die „Rennschlieferl", jene obscure Sorte abgerissener ärmster Menschen, die in anrüchiger und bedenklicher Weise während der Kottingbrunner Rennzeit im „Hotel Zwierschütz" für billigstes Schlafgeld übernachten und die den besseren Gästen schon oft Ursache zu Aergernissen gegeben haben. Es ist dies ein Beweis, daß Herrn Gemeinderath Zwierschütz auch die ärmsten Leute recht sind, wenn sie nur ihr Geld zu ihm tragen. Die armen Juden sind gewiß polizeilich gemeldet und benehmen sich anständig. Daß Herr Zwierschütz in seinem Gastlocale gesagt hat: „Heut' hab'n m'r wieder an Juden obidraht!" kann zu jeder Zeit der „arische" Zeuge beeiden. Wenn Herr Zwierschütz darauf besteht, können wir ihm mit Namen und Adresse dieses in Vöslau etablirteu Geschäftsmannes dienen, wir haben die Ermächtigung dazu. Troppau, 27. Aprtt. Am letz:.» Peffachtage ist hier bei seinem Sohne, Herrn Josef Kulka, der gewesene Rabbiner und Gelehrte Herr Dr. Salomon Kulka nach mehrmonatlichem schweren Leiden im Alter von 73 Jahren gestorben. Mit ihm verliert das Judenthum einen wahrhaften Förderer, einen Mann von Geist, hervorragendem Wissen und den schönsten Tugenden. In seiner Geburtsstadt Leipnik besuchte der Verblichene in früher Jugend die damals in vollster Blüthe gestandene Jeschiwah unter Leitung des berühmten Rabbi Kwetsch, besten Lieblingsschüler er gewesen. Nicht weniger war ihm sein späterer Lehrer, der alte Landesrabbiuer Platschet in Boskowitz, gewogen. Mit größtem Eifer und seltener Begabung oblag er dem Studium der verschiedensten Zweige jüdischen Wissens und brachte es darin zn anerkannter Meisterschaft. Er veröffentlichte schon im Alter von 16 Jahre» gelungene hebräische Gedichte in der Zeitschrift „Kochwe Izehak“ und war seither auf dem Gebiete der jüdischen Literatur fortwährend thätig. Im vorgerückten Jünglingsalter widmete er sich der allgemeinen Wiffenschaft mit gleichem Fleiß?, vst den größten Entbehrungen ausgesetzt, erlangte in verhält« nißmäßig kurzer Zeit die Reise für die Hochschule und dann an der Prager Universität das Doctorat. Sein nachheriges segensreiches Wirken als Rabbiner in mehreren Gemeinden Böhmens dürste noch heute in dankbarer Erinnerung sein. Dr. Kulka bethatigte sich als wahrer Freund der Armen, als musterhafter Lehrer des Volkes und begeisterter Verkünder des göttlichen Wortes. Er beschränkte sich aber nicht darauf, sein Amt gewissenhaft und erfolgreich auszufüllen, sondern betrachtete sich stets als Diener der Wissenschaft, in deren Tiefen er unermüdlich forschte. Roch nachdem er in den Ruhestand getreten war, setzte er diese seine Thätigkeit rastlos fort, legte die Ergebnisse seines Fleißes in unzähligen Beiträgen mehrerer Zeitschriften drs In- und Auslandes, sowie in einer Reihe von Broschüre n nieder ui d hielt in vielen Gemeinden, Vereinen und Genossenschaften lehrreiche Vorträge. Auch im hiesigen jüdisch-literarischen Vereine sprach der Dahingeschiedene sehr oft und wurde in Würdigung drffen zum Ehrenmitgliede ernannt, so auch von mehreren anderen Vereinen. Bon seinen hiesigen Vorträgen seien erwähnt: .Moses und Lykurg", .Don Joseph Naffi", .Leon de Modena", .Die Juden in der arabischen Geschichte und Literatur", .Schwert und Palme", .R. David de Sylva" u. a. m. Eingehende Berichte hierüber waren in den jüdischen Zeitschriften zu lesen. In den letzten Jahren erschienen mehrere größere Werke in hebräischer und deutscher Sprache, welche das weite Gebiet seiner orientalischen Forschungen zum Gegenstände hatten. Für die hiedurch erworbenen Verdienste wurde Herr Dr. Kulka vor zwei Jahren von der Deutschen morgenlandischen Gesellschaft zum correspondirenden Mitglied« ernannt. So stellt der Lebenslauf dieses seltenen Mannes ein ständiges Wirken im Dienste der Wissen-

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