Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 288 Dr. Bloch's Wochvnschrifk. in jeder Hinsicht hervorragender Seelsorger erwarb, daß vom Tempel Emanu-El in hiesiger Stadt, einer der, wenn nicht der bedeutendsten israelitischen Gemeinde des Landes, an ihn das Anerbieten erging, das Amt eines Hilfspredigers zu übernehmen. Als erster Rabbiner dieser Gemeinde fungirte damals Dr. Samuel Adler, der Vater des Professors Felix Adler, des Gründers der Gesellschaft für ethische Cultur und jetzigen Professors an der Columbia-Universität. Nachdem Gortheil kaum ein halbes Jahr hier thätig gewesen, wurde Doctor Adler auf sein Ersuchen pensionirt und Gottheit wurde erster Rabbiner des Tempels. Gottheil fand aber außer seiner anstrengenden Thätigkeit als Seelsorger noch Zeit zu anderer Thätigkeit. So gründete er ein theologisches Seminar, gab das erste jüdische Gesangbuch heraus und gründete die „Cisterhood of Personal Service", eine Organisation, welche vielseitige Nachahmung fand. Auch in öffentlichen Vorträgen über allgemein wissenschaftliche Fragen und namentlich über Literatur, ließ sich Rabbi Gottheil wiederholt hören. Als der hochverdiente Mann im Jahre 190, sein sünfundzwauzigjähriges Dienstjubiläum feierte, wurden ihm von allen Seiten Ehrungen zu Theil, ohne Rücksicht auf den (Stauben, dem die Betreffenden angehörten. Von dieser Zeit an zog sich der hochbctagte Mann von der geistlichen Thätigkeit zurück. Vennilchtes. Ltranzablösuugsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Alexander Taussig: Von Frau Jenny Engelsmann in Vagujhely K 10.— , von Herrn Jaques Kellcrmann K 20. , von Familie Filipp Adler, l.. Gonzagagaffe 8, R 2<>.—. von Familie H. Lichtwitz und Bondeau K 10.- , von Familie Henl, I., Spiegelgasse 23, K 20—, von Herrn Dr. Rudolf Kaufmann, IX., Berggaffe 29, L 10.—, von Herrn Ignaz Scharmann, I., Schottenring 19, R 10.—; zusammen R 100. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Anna Schwarz: Von Herrn Jakob Schwarz, II., Negerlegasse 2, K 20.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Sigmund Adler aus Gyonok: Von Jenny, Erna und Siegfried Adler, II., Franzensbrückenstraße 24, X 1%-. Wien. (EbepaarDr. Herrmann Fialla.) Heute den 1 Mai 1903, an einem poetischen Datum, feiert der Präsident d--s ^Politischen Bolksvereines", Herr Dr. Herrmann F i a l l a. Hof- und Gerichtsadvocat in Wien, gleich berühmt als Anwalt, wie als glänzend r Redner, im Vereine mit seiner im Dienste der Familie und umfaffender Wohlthätigkeit hochverdienten Gottw Frau Julie Fialla das Fest der silbernen Hochzeit. Es bedarf völlig der Entschuldigung, daß wir dieses seitens der Betheiligten sorgfältig st verschwiegenen Ereigniff-s erwähnen, — doch vermochten wir nicht darauf zu verzichten, dcm Manne, auf den die Allgemeinheit ein Anrecht erworben hat. deren herzlichste Glückwünsche und deren zuversichtliche Hoffnung auf sein ferneres bedeutsames Wirken und Wallen auszusprechen. Das in frischester Jugendlichkeit jubilirende Ehepaar hat sich, um jedweder Aufmerksamkeit oder Kundgebung weiterer, selbst der Freundeskreise zu entgehen, zur Begehung des intimen Festes fern von Wien zurückgezogen, allwo es diese Woche im Kreise seiner drei Kinder zubringt, deren ältestes soeben seine Thätigkeit als Advocaturs- Concipient angctreten hat. — Doppelt freuen wir uns, gerade in unserer heutigen Nummer aus der Feder des Herrn Doctor Fialla einen für den Autor so charakteristischen Artikel veröffentlichen zu können. Wien. (T r a n n n g) Sonntag den 26. April l. I. fand im israelitischen Tempel, I., Seiten stettengaffe, die Trauung des Fräulein Rosa Menkes, Tochter des II. Cantors der israelitischen Cultusgemeinde Herrn H. Menkes, mit Herrn Adolf Holpern statt. Unter den zahlreichen Anwesenden bemerkte man die Vice-Präsideuten Dr. A. Stern, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Cultusvorsteher Baurath Ritter von G o l d s ch m i d t, die Bcthausvorsteher Herren Flaschner und Adolf S t i a ß n y, I. Secretär kais. Rath Doctor Theodor Lieben, Adjunct F r e i st a d t, Obercantor Singer und Bauer, I. Eantor Schiller, die Eantorcn Edelmann, Smotritzky. Weiß mann 2c. Die Trauungsrede hielt Se. Ehrwürden Herr Oberrabbincr Dr. G ll d e m a n n, die cantoralen Functionen versah der Brautvater Herr Eantor Menkes, unterstützt von dem Chore und Chordirigenten Josef Z e l l n i k. Wien. (Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien.) In Folge Ablebens des bisherigen Präsidenten Moritz Karpeles fanden in der am 23. April stattgefundenen Curatoriums - Sitzung folgende Eraänzungswahlen statt. Es wurden für die restliche Functionsdauer bis Ende Nr. 18 1905 einstimmig gewählt: Herr Moriz Edler von Kuffner zum Präsidenten; Herr Theodor Ritter von Taussig zum l. Bicepräsidenten; Herr Dr. Adolf Stein zum Controlor; Herr Emil Karpeles zum Mrtgliede des Cucatoriums und zum Cassicr. Wien. (Sonnenthal-Vorlesung.) Die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" beendet Montag den 4. Mai ihren diesjährigen Vortragscyklus mit einer Vorlesung des k. und k. Hofschauspielers und Oberregisseurs Adolph Ritter von Sonnenthal. „Henoch", Gedicht von Dr. Heinrich Graf Coudenhove, „Lieder des Ghetto" von Morris Rosenfeld und „Die Schweizerin", Novelle von Dr. Leopold Kompert. Der Eintritt zu dieser im Festsaale des Etabliffements Ronacher stattfindenden Veranstaltung ist nur gegen Karten gestattet, die für Mitglieder der Gesellschaft Donnerstag den 30. April und Freitag den 1. Mai im Bureau (jüdisches Museum), I, Krugerstraße 8, Mezzanin, von 3 bis 6 Uhr Nachmittags behoben werden können; Nichtmitglieder können die eventuell erübrigenden Karten Sonntag den 3. Mai zu oberwähnter Zeit und im Museum in Empfang nehmen. Wien. Werther Herr Redacteur! Ihr geschätztes Blatt ist stets gerne bereit, das Gute und Edle zu würdigen, und so hoffe ich auch, daß Sie meinem heutigen Berichte gerne ein Plätzchen einräumen werden. Frau Hedwig Vidor geb. Gutmann v. Gelse ist seit 25 Jahren Präsidentin des Groß-Kanizsaer israelitischen Frauenvereines, dem sie seit dieser Zeit ihre volle Thätigkeit widmet und der unter ihrer Leitung von Jahr zu Jahr sich schöner entfaltete. Auch als Präsidentin der Volksküche, it tztere ohne Unterschied der Confession, leistet diese Frau Außerordentliches. Seit sie dos Unglück hatte, zwei begabte, in schönster Jugendblüthe stehende Kinder zu verlieren, gehört ihr ganzes, großes Herz den Armcn und Unglücklichen. Mit unermüdlichem Eifer widmet sie sich 7 verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen, und auch privat verläßt kein Bittender, kein Armer nngetröstet das Haus der Frau von Vidor. In Anerkennung oll di.ser Verdienste ließ es sich der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Groß-Kanizsa nicht nehmen, die Jubilarin zu seicrn. Beim Sabbath-Gottcsdicnste wurde für sie ein Mischeberach gesagt, der Rabbiner Dr. Edm. Neumann hob in einer formvollendeten Rede die großen Verdienste der Jubilarin hervor. Nach dem Gottesdienste begaben sich der Vorstand des israelitischen Frauenvercines, so auch der gesammte Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde corporativ in die Wohnung der Frau von Vidor, um sie daselbst aufs Herzlichste zu beglückwünschen. Die sieben israelitischen Wohlthätigkeitsvereine überreichten durch ihre Vorsteher eine Adresse. Der Herr Bürgermeister, so auch der Herr Obergespan Graf Jankovits erschienen persönlich zur Gratulation. Der israelitische Frauenverein machte eine den Namen seiner Präsidentin Hedwig Vidor führende Wohlthätigkeitsstiftung von 5000 Kronen. All das ist nur ein kleiner Zoll der wohlverdienten Anerkennung für das wahrhaft humane Wirken dieser gütigen, vornehmen Frau. Möge ein gnädiges Geschick sie noch viele, viele Jahre in körperlicher und g-istiger Frische erhalten, zur Freude ihrer Angehörigen, zum Wvhle der Armen, zur Ehre des Judenthums, für welches ihr warmes Herz in aufopfernder Menschenliebe schlägt. Möge ihr cdl?s Beispiel viele berufene Frauen Israels zur Nachahmung aueifern, das walte Gott! L. W. Wien. (Abschied s-B enefice des Ehepaares K a n n e r.) Anläßlich seines Scheidens aus dem Ensemble des Leopoldstädter Vo ks-Orpheums fand Mittwoch den 29. April das Abschieds-Ben.fice für das treffliche Künstler- und Ehepaar Kanner statt, das dem Etablissement zahlreichen Besuch, Herrn und Frau Kanner große und verdiente Ehrungen brachte. Außer den wie immer guten und amüsanten Solonummern wurde das Glanzstück des R perwires „Blümele" gespielt, in welchem Frau Kanner die Rolle des S e l i g l Menagen liebreizend verkörperte, während Herr Kanner als Berele seine hohe schauspielerische Begabung bewährte; insbesondere die Wahnsinnsscene war eine künstlerische Leistung voll tragischer Kraft und mächtiger Wirkung. Frau Sarah Kanner ist eine Künstlerin von erlesener Genialität und großer Technik, sie weiß die zartesten Empfindungen aus der jüdischen Volksseele in poetischer Verklärung auszulösen und in plastischer Gestalt dem Hörer und Zuschauer zu verkörpern. Das Publicum jubelte seinen Lieblingen zu, mußte aber auch dem bewährten Direktor