Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 18 (1.5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nt. 18 Vr. Bloch's WochrnMrrM. SeUr 287 Danzig; CH. öcrr, Paris; I. M. Bielefeld, Mannheim; Jules Carvallo, Paris; Dr. H. M. C o h n, Berlin; Gerard Polak-D aniels, Rotterdam; Hartwig D e r endo u r g, Paris; Josef v. H a t v a u y - D e u t s ch, Budapest; I. H. Dreyfus, Oberrabbiner, Paris; D r e y f us-Brisac, Paris; S. Dreyfus-Neumann, Basel; L. L. Dreyfus, Paris; Adolf Elias, Dortmund; Dr. W. Feilchenfeld, Rabbiner d. S. G. zu Posen; I. Fernandez, Constantinopel; Rabbiner Dr. Frank, Köln; Justizrath Dr. Fuld, Frankfurt a. M.; R. Gubbay, Paris; Hermann Gumpertz, Hamburg; David von Gutmann, Wien; Leopold Guttmann, Beuthen; Charles L. Hallgarten, Frankfurt a. M.; L. de Hartog, Amsterdam; Lucien Hesse, Paris; G. Josephthal, Nürnberg; Zadok Kahn, Oberrabbiner, Paris; Georges Leven. Paris; N. Leven, Paris; Sylvain Lsvi, Paris; S. D. Lioni, Amsterdam; Dr. Loew, Oberrabbiner, Szegedin; Ende Lolli, Padua; C. Lyon, Paris; I. Machiels. Paris; G. M a y e r, Paris; Emil Meyer, Hannover; F. Meyer. Paris; Claude Montefiore, London; Dr. Netter, Paris; Dr. S. Neumann, Berlin; I. Oppert, Paris; Th. O s ch i n s k y, Breslau; E. P e r e i r e, Paris; F. Philippson, Brüssel; Rabbiner Dr. Porges, Leipzig; Adv. Leone Ravenna, Ferrara; Salomon Reinach, Paris; C. Rodrigues, Paris; I. Rosenfeld. Paris; Dr. Rosenthal, Rabbiner, Breslau; Biltorio de Rossi, Livorno; E. See, Paris; C. Simon Salomon, Metz; Dr. Ad. Salvendi, Dürkheim a. d. H.; Alexander Moritz Simon, Hannover; D. S i m o n f e n, Kopenhagen; A. S. S o l o m o n s, New-Aork; Rabbiner Dr. Bogelstein, Königsberg; Rabbiner Dr. C. Werner, München. Indem wir den vorstehenden Aufruf unfern jüdischen Mitbürgern aufs Wärmste ans Herz legen und sie bitten, den Ausdruck ihrer Sympathie und ihrer Zustimmung für die Wirksamkeit der Alliance durch ihren Beitritt als Mitglied zu bekunden, erinnern wir daran, daß gerade Berlin wiederholt der clafsische Zeuge für die segensreiche Wirksamkeit der Alliance gewesen ist. Bon den großen Hilfsactionen, welche in der Geschichte der Alliance und des Judenthums für alle Zeiten eine denkwürdige Stelle einnehmen werden, haben die Hilfswerke für die russischen Juden im Jahre 1869 und anläßlich der Verfolgungen von 1881/82 und 1890/91 in Berlin, als dem für diese Thätigkeit geeignetsten Platz ihren Mittelpunkt gefunden. Die Glaubensgenossen werden ersucht, ihren Beitritt einem der Unterzeichneten Mitglieder des Local- Comites anzuzeigen, und wird bemerkt, daß die Mitgliedschaft durch einen jährlichen Beitrag von mindestens 5 Mark erworben wird. Das Local-ComitS Berlin: L. Adler, Georgenstr. 28a; Siegfried Brünn, Kurfürstenstraße 126; Dr. Heinr. Meyer Cohn, Unter den Linden 11; Heinrich Fränkel, Breitestr. 28; Heinrich Goldschmidt. Am Karlsbad 10; Rechtsanwalt Hantke, Charlottenstr. 70;Doctor Eugen Lehfeldt, Perlebergerstr. 32; Dr. S. Neumann, Kursürstenstr. 126; Louis Rosenbaum. Hausvoigteiplatz 12; Rabbiner Dr. W e i s s e, Oranienburgerstraße 33. ■ Eölit. Der Erzbischof F i s ch er hat unmittelbar nach feiner Wahl zum Erzbischof an den Vorsteher der jüdischen Gem-inde in Jülich, Herrn Dr. Hertz, in Beantwortung eines Glückwunschschreibens geantwortet: „Sehr geehrter Herr Doctor! Die Beglückwünschung des Vorstandes der Synagogengemeinde von Jülich hat mich herzlich erfreut, und ich sage dafür meinen innigen Dank. Gewiß, mein Wahlspruch: ornnibus prockesse, obesse nemini (Allen nützen, Niemanden Schaden zufügen) gilt auch gegenüber meinen lieben israelitischen Mitbürgern, und ich werde Solches gegebenen Falles auch durch die That bewähren. Dr. Fischer, erwählter Erzbischof von Köln". Die Deruolirung eines Ghetto-Thors. Mit der Besetzung von Mainz durch die Franzosen war für die Juden dieser Stadt eine Zeit größerer Freiheit gekommen. Im Jahre 1798 wird ein Jude als Etadtrath genannt, Bamberger, der bei der Municipal-Verwaltung der Gemeinde Mainz für die Juden die Erlaubniß nachsucht, die Thore des Ghettos niederreißen zu dürfen. Wir entnehmen diese Thatsache der kürzlich erschienenen interessanten und durch die Veröffentlichung bisher unbekannter Documente lehrreichen Schrift Dr. S. Salfelds „Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde Mainz" (Mainz 1903) und theilen nach ihr den deutschen Wortlaut des Bescheides der Municipal-Verwaltung mit: „Laut Bericht des Bürgers Dittmeyer, Polizeicommissär, beabsichtigen die Einwohner dieser Stadt, die der mosaischen Religion angehören, die Thore, die sich am Eingang der von ihnen bewohnten Straße befinden, auf feierliche Weise niederreißen zu lassen. Wir beschließen in Anbetracht dessen, daß es gerecht ist, daß diese Thore vernichtet werden, durch welche diese Bürger während der früheren Herrschaft von der Gesellschaft ihrer anderen Mitbürger getrennt und in einer despotischen und empörenden Art von jeder Verbindung mit denselben ausgeschlossen waren, also deren Fortbestehen ein schmerzliches Andenken an ihre frühere Sclaverei sein müßte und sie nur allzu lange die Opfer der Tyrannei und des Fanatismus gewesen sind. Nachdem der Commissär des Execntiv-Directorinms feine Meinung abgegeben hat, verordnet die Municipal-Verwaltung: Es ist den Vorstehern der Einwohner, welche der mosaischen Religion angehören, gestattet, die Thore, die am Eingang der Straße, welche die Judengasse genannt wird, sich befinden, niederzureißen und damit diejenigen Feierlichkeiten zu verbinden, die ihnen hiezu am geeignetsten erscheinen, unter Aufsicht des Bürgers Dittmeyer, Polizeicommissär." In Wirklichkeit batte sich aber Einer bereits die Erlaubniß vorweggenommen. Am Tage vor dem Erscheinen des genannten Decrets, am 11. September, wollte ein jüdischer junger Mann aus dem Ghetto in die benachbarte Klarastraße übersiedeln; der Wächter am Thore wollte dies jedoch nickt erlauben. Als es darüber zum Streit kam, rief ein vorübergehender französischer Hauptman» dem jungen Manne zu: „Vons avez parfaitement raisou, je vaia vous envoyer de aecoura, demolisez done cette vieille baraque Mit Hilfe eines Sappeurs, der sich bald einstellte, war das Thor rasch niedergelegt. So waren die Juden allerdings um die „feierliche" Zerstörung der verhaßten Thore gekommen, aber nicht um das Fest, das Tags darauf folgte und das mit einer Illumination endigte. 8. Bukarest. (Der Congreß der Bereinigung der eingebornen Juden.) Während der Osterfeiertage fand in Braika ein Cougreß von Vertretern allerSectionen der Bereinigung der eingebornen Juden statt. Aus Bucarest haben sich der Bureauchef bei der Versicherungsgesellschaft„Dunarea"Gutmann undeinHerrDavidov dahin begeben, freilich ohne jedes Mandat, da die hauptstädtische Section der genannten Vereinigung noch nicht wieder organifirt wurde. Herr Gutmann ist Präsident des provisorischen Comites des Vereins rumänischer jüdischer Reservisten und wurde dessen Betheiligung an dem Congrefse von einigen Mitgliedern dieses Comites nicht gebilligt, da sie der Ansicht sind, daß sich ein solcher Verein keiner Kundgebung politischen Charakters onschließen dürfe. Damit dies möglich wäre, müßte der Refervistenverein vorher in eine Section der Bereinigung der eingeborenen Juden umgewandelt werden und das wird wahrscheinlich auch geschehen. Pittsburg. (Protest jüdischerBürger.) In einer am 18. März Abends in der hiesigen Beth-Amadrash-Synagoge abgehaltenen Jsraeliten-Versammlung zur Förderung der Bestrebungen der „Alliance israejite universelle" wurden Protest- B-fchlüsfe angenommen, welche sich gegen die russische Regierung richten und entschieden dagegen Einspruch erheben, daß Rußland sich hartnäckig weigert, amerikanische Auslandspässe, ausgefertiat für amerikanische Bürger jüdischen Glaubens, welche das Land zu geschäftlichen oder anderen legitimen Zwecken besuchen wollen, anzuerkennen. Die Protest-Beschlüsse fordern alle politischen Parteien hierzulande auf, in ihrer Partei-Platform die Forderung zu stellen, daß eine Unterscheidung zwischen amerikanischen Bürgern, wenn sie auf Ver. Staaten-Päffen ins Ausland reisen, ihrer Race oder ihres Glaubens wegen nicht geduldet werden sollte. Der Präsident wird ersucht, die bestehenden Verträge mit Rußland dahin abzuänderu, daß alle amerikanischen Bürger bei Reisen ins Ausland ihre garantirten Rechte anerkannt und geachtet finden. New-Fjork. Aus New-Pork kommt die Trauerbotschaft von dem Heimgang des Rabbiners Dr. Gustav G o t t h e i l. Rabbi Dr. Gustav Gottheil wurde am 30. Mai 1827 in Pinne, Regierungsbezirk Posen, geboren und wurde, wie es damals Sitte war, schon in jungen Jahren mit dem Talmud und der Mischna vertraut gemacht, umsomehr, als sich in dem Heranwachsenden Menschen schon früh sehr hervorragende geistige Fähigkeiten zeigten. In Berlin an der Universität und dann an der Akademie für hebräische Literatur setzte Gottheit seine Studien fort und kam in Berlin auch mit dem Reform-Judenthum in nähere Berührung, als dessen Vorkämpfer er später eine w hochbedeutende Rotte zn spielen berufen war. Er stand damals in regem Verkehr niit Männern wie Abraham Geiger, Dr. Samuel Holdheim, Leopold Zunz und Steinschneider, mit welchen er da? gründliche Studium und die Kritik der Bibel betrieb. Eine Folge dieser Studien war es auch, daß er zum Assistenten des Tr. Holdheim an den Berliner Reformtempel berufen wurde, welche Stelle er von 1855 bis 1860 bekleidete, um dann einem Ruf der Reformgemeinde in Manchester. England, zu folgen, an deren Spitze er bis zum Jahre 1873 stand und sich dort einen solchen Ruf als gelehrter, eifriger und