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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 286 Vr BLoch's Wochsnschrifk. Rr. 18 schlusse veranlaßt, eine Erweiterung der Anstalt in der Weise durchzuführen, daß der Mitteltract des Justitutsgebäudes zum Zwecke der Einrichtung der nothwendigen Lehrzimmer um ein Stockwerk erhöht werde. Der Aufbau wurde im verflossenen Sommer hergestellt, und die Benützung der neuen Räume steht in nächster Zeit in Aussicht. Allein dieses bauliche Unternehmen erheischte namhafte Kosten, die nur zum Theile durch den allmälig und unter großen Mühen angesammelten Reservefonds zur Erneuerung des Gebäudes gedeckt werden konnten, und thatsächlich weist der Rechnungsabschluß einen namhaften Fehlbetrag aus. Das Institut sieht sich daher vor die Nothwendigkeit gestellt, an die wohlwollenden Gönner der Anstalt wie an alle Edelgesinnten die dringende Bitte zu richten, es durch ihre werkthätige Hilfe in die Lage zu versetzen, das Gleichgewicht im Haushalte der Anstalt aufrechterhalten zu können, und hegt mit Rücksicht auf die außerordentlich segensreiche Wirksamkeit der Anstalt, deren Förderung geradezu als ethische und sociale Pflicht erscheint, die zuversichtliche Hoffnung, daß diese Bitte nicht ungehört verhallen wird. Der Bericht dankt allen Spendern und führt die gewidmeten Beträge ausführlich an und bringt ferner eingehende Gebahrungsausweise, sowie intereffante statistische Daten zur allgemeinen Kenntniß. Der Lehrkörper des Vereines bestand im Berichtsjahre aus dem Direktor: Herrn Dr. Moriz Brunner; den Lehrern: Herren Moses Berkun, Eduard Brüll, Josef Friedl, Salomon Kohn, Nathan Rösler. David Steinbach, Max Weißmandl, Moriz Wolf; den Schreib-Unterricht ertheilten in der 4., 5. und 6. Claffe: Herr Max Grünspann; den Turnunterricht in sämmtlichen Claffen: Herr Eduard Brüll; und den Unterricht in den weiblichen Handarbeiten in sämmtlichen Claffen: Fräulein Adele Lindner. Endlich dankt der Bericht den Aerzten, die in selbstloser und hingcbender Weise den Zöglingen ihren Beistand gewährten, und zwar den Herren Dr. J.Lackenb a ch e r, Dr. Ä. Mittler und Dr. B. Hammerschlag. Das Allgemeine österreichisch-israelitische Taubstummeninstitut genießt als Mu.' er anstatt einen Weltruf und verdient jede Förderung und Unterstützung. Wien. (Krankenunterstützungs- und Humanitäts- Verein „Gomle Cbesed“, — Wohlthätigkeit aus Pietät.) Am verfloffenen Samstag fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde die 37. Generalversammlung dieses Vereines unter dem Vorsitze des Präses B. Kanitz statt. Nach Eröffnung der zahlreich besuchten Versammlung erstattete derselbe namens des Vorstandes einen eingehenden Rechenschaftsbericht. Derselbe widmet zunächst den im Laufe des Verwaltungsjahres verstorbenen Vereinsgenoffen warme Worte der Erinnerung. Insbesondere gedenkt er des verdienstvollen Schriftführers Herrn Bernhard Fischer, der durch 18 Jahre im Vereinsvorstande segensreich wirkte. Der Bericht beklagt auf das Tiefste, daß die traurigen Erwerbsverhältniffe auch auf die Situation des Vereines ihre Rückwirkungen ausüben; sie zeigen sich in den sinkenden Einnahmen und in den steigenden Ausgaben. Noch in keinem Vereinsjahre erreichten ^ie Krankengebühren jene Höhe wie im abgelaufenen; niemals wurden die Beneficen des Vereines so sehr in Anspruch genommen als in der verfloffenen Verwaltungsperiode. Um so noihwendiger ist es. daß alle Bereinsmitglieder ihrer Verpflichtungen eingedenk bleiben und die Rückstände der einzuzahlenden Beträge nicht anwachsen laffen. Der Verein bestand am Schluffe des Berichtsjahres aus 55 unterstützenden und 372 ordentlichen, demnach zusammen aus 427 Mitgliedern. „In der Liste unserer Ehrenmitglieder finden Sie als neues Mitglied verzeichnet den hochgeschätzten Präsidenten der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rath Heinrich Kling er, der bereits seit einer stattlichen Reihe von Jahren unserem Vereine als unterstützendes Mitglied angehört. Anläßlich der Feier seines 70jährigen Jubiläums, das dieser um die hiesige Cultusgemeinde so hochverdiente Mann im Oktober vorigen Jahres beging, sprachen auch wir ihm namens unseres Vereines die herzlichsten Glückwünsche aus und überreichten ihm ein kalligraphisch aus geführtes Diplom, laut welchem er zum Ehrenmitgliede des Vereines „Gomle Chesed“ ernannt wurde. Der Jubilar erwiderte die Ansprache unseres Präses mit Worten des wärmsten Dankes für die ihm erwiesene Ehrenbezeugung, betonte, daß ihm die segensreiche Wirksamkeit unseres Vereines hinlänglich bekannt sei und daß er Werth darauf lege, auch fernerhin demselben als unterstützendes Mitglied anzugehören/ (Lebhafter Beifall.) Nach einstimmig ertheiltem Absolutorium wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten, der sich nunmehr aus nachfolgenden Herren zusammensetzt: Bernhard Kanitz. Präses; Michael I o k l, Präses-Stellvertreter; Michael Neurath, Cassier; David Kornfeld, Controlor; Leo Brandt, Dr. Leo Ehrent h e i l, Dr. S. Elias, Moriz Graf, Dr. Josef Grünfeld, I. I a i t e l e s, Dr. M B l u m e n t h a l, Louis Flamm, Benjamin Planer, Sigmund Werner; Wilhelm Breuer, Secretär. Hurupoleh. Am Samstag den 25. April kam zum hiesigen Cantor Herrn P. eine Gerichtscommission, bestehend aus dem Untersuchungsrichter Dr. Valentin, Bürgermeister und Reichsrathsabgeordneten Beczvar, dem Gendarmerie-Wachtmeister u. s. w., um eine Hausdurchsuchung vorzunehmen. Die vierzehnjährige Tochter des Vorstehers in Bystra bei Humpoletz hatte die Anzeige erstattet, daß sie dieser Tage, als sie bei P. Tauben zum Verkaufe anbot, einen christlichen Knaben hängen sah und außerdem drei bärtige Juden, welche sich mit dem Knaben zu schaffen machten. Es wurde nun eine gründliche Hausdurchsuchung vorgenommen, ohne daß etwas Verdächtiges vorgefunden wurde. Herr P. klärte aber die Commission auf. Er hat in der Thür einen Turnapparat und konnte sich erinnern, daß das Mädchen gerade ins Zimmer trat, als sein Sohn turnte. Jedenfalls herrschte in der Stadt große Aufregung; jetzt ist wieder Ruhe eingetreten. Berlin. Wir erhalten nachstehenden Aufruf mit dem Er suchen, denselben auch in der „Oesterreichischen Wochenschrift^ zu publiciren. Alliance israelite universelle. Für die Alliance israelite universelle in Paris mahnen wir unsere Glaubensgenossen an die Erfüllung einer Ehrenpflicht! Die Alliance israelite universelle ist ein gemeinsamer Verein von Juden aller Länder. Sie hat die Aufgabe, ^'überall die Ehre des jüdischen Namens gegen Angriffe zu " vertheidigen, denen, welche in ihrer Eigenschaft als Juden leiden, wirksamen Beistand zu leisten, dem durch Knechtschaft Zund Verfolgung hervorgerufenen Elend unserer Glaubensgenossen durch Unterricht und Erziehung abzuhelfen. Dieser Aufgabe hat sie in getreuer Arbeit gerecht zu werden gesucht; seitdem unsere Alliance besteht, hat kein allgemeiner Nothstand unsere Glaubensgenossen in irgend einem Lande der Welt betroffen, ohne daß sie durch ihre materiellen Mittel wie auch das persönliche Ansehen ihrer Leiter mit Erfolg für eine Besserung thätig gewesen wäre. — Sie hat in ihren Schulen viele Tausende von Kindern zu treuen Anhängern ihrer Religion und zu treuen Bürgern ihres Landes erzogen, in Handwerks¬ und Ackerbauschulen sie vorbereitet, ihr Brot sich durch ihrer Hände Arbeit zu verdienen. Zur Zeit besuchen 30.000 Schüler die Schulen der Alliance, und ihr erfolgreiches Wirken tritt deutlich in dem Verhalten der betheiligten Gemeinden zu Tage, die zur Erhaltung und zum Ausbau der Schulen an Beiträgen und Schulgeldern schon ebenso viel leisten, wie die Zuschüsse der Alliance ausmachen. Der Thätigkeit der Alliance israelite universelle wurde vielfach die Anerkennung zu Theil, daß sich jüdische Wohlthäter ihrer Vermittlung zur Ausführung ihrer Pläne bedient haben. Die Anglo Jewish Association stellt den größten Theil ihrer Einnahmen den Schulen der Alliance zur Verfügung, aus der Idee der Alliance erwuchs das großartige Liebeswerk des Baron Hirsch, er hat sie berufen, an der Ausführung seiner philanthropischen Pläne Antheil zu nehmen. Die Alliance israelite universelle gehört nicht einem einzigen Lande an, wie in der Thätigkeit der Alliance tritt ihr universeller Charakter in der Zusammensetzung ihres Central- Comitäs zu Tage, zu dessen Mitgliedern 24 Franzosen, 22 Deutsche, 3 Italiener, 19 Bürger anderer Länder gehören, darunter die Präsidenten der Anglo Jewish Association und der Israelitischen Allianz zu Wien. So ist die Alliance israelite universelle in Paris, die seit ihrer Begründung 20 Millionen für unsere leidenden Glaubensgenossen hat aufwenden können und die zur Zeit über ein Jahreseinkommen von nahezu l1/«, Millionen Francs verfügt, nicht nur die größte, sondern auch die bedeutsamste jüdische Vereinigung, der beizntreten und Mitglieder zu werben eine Ehrenpflicht für unsere Glaubensgenossen ist. Sie ist die einzige, der Juden aus allen Ländern angehören, sie gibt dem Gefühl der Gemeinsamkeit lebendigen und thätigen Ausdruck, welches die Juden aller Länder unbeschadet ihrer patriotischen Gesinnungen verbindet. Das Central-Comitä der Alliance israelite universelle : F. A l c a n, Paris; Oberrabbiner Astruc, Brüssel; Doctor B a e r w a l d, Frankfurt a. M.; Rechtsanwalt Behrendt,

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