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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Ihr, 18 Vr» Bloch's Wochenschrift Sette «5 Charakters, die Reinheit seines Strebens kannten; unverwischbar ist der Eindruck, den er auf Alle übte, die den Zauber seiner hinreißenden Rede auf sich wirken ließen. In noch erhöhterem Maße beklagen aber unsere Glaubensgenossen das Hinscheiden Lazarus', denn zu der Erkenntniß, was die Menschheit und die Wissenschaft mit ihm verloren, gesellt sich noch die Empfindung, daß der Verblichene mit allen Fasern seines Herzens an dem Judenthum hing, zu dem er sich stets mit Stolz bekannte, daß er in ruhmvollen geistigen Kämpfen für dessen Ehre eintrat und in Werken, in denen die Wahrheitsliebe des Forschers mit der Begeisterung und der Gemüthstiefe des Dichters verbunden schienen, ein meisterhaftes Bild des jüdischen Volkes und seiner Ethik entwarf, welches diesem die Achtung aller ehrlichen Menschen sichern muß. Die Glaubensgenossen Lazarus' allüberall werden in dankbarer Erinnerung bewahren, was der Verblichene für die Ehre ihres Glaubens ihrer sittlichen Anschauungen, ihres Schriftthumes geleistet, und wir, die im Namen von Hunderten österreichischer Cultusgemeinden sprechen dürfen, fühlen uns gedrängt, dies an seinem Grabe zu bekennen und Sie, hochverehrte Frau, die an der Seite des edlen Verblichenen, von der Begeisterung für seine Ideale ergriffen, seine Mitkämpferin für Wahrheit, Recht und Menschlichkeit waren, unseres aufrichtigen Beileids, unserer innigen Sympathien zu versichern. Allgemeiner Oesterreichisch-Jsraelitischer Bund. Das Präsidium: Dr. Alfred Stern. Dr. Gustav Ko h n. „Eine Cooperation aller Vereine zur wirthschaftlichen Unterstützung." Der in unserer Nummer vom 3. April l. I. unter dem obigen Titel erschienene Aussatz hat, wie aus verschiedenen an uns gerichteten Zuschriften hervvrgeht, ein lebhaftes Echo gefunden. Von juristischer Seite werden wir jedoch aufmerksam gemacht, daß der Gedanke einer Bisserung der wirthschastlicb-n Lage der Juden durch die Cooperation einer Reihe hervorragender im Interesse der österreichischen Judenheit wirksamer politischer und wirthschaftlicher Vereine unter der Führung des „Allgemeinen Oe st er r.-Israelitischen Gemeindebundes" leider ein idealer Wunsch bleiben muß. Gewiß läge es im Interesse der österreichischen Judenheit. die von den mannigfachen, insbesondere aber auf dem wirthschaftlichen Gebiete sich fühlbar machenden verheerenden Wirkungen des Antisemitismus heimgesucht ist. wenn z. B. die Vertreter der „Israelitischen Allianz", der „Union". der „Hirschstiftungen", des „Galizischen Hilfsvereines", des „Vereines zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", des „Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender, des „Cenlralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" in Prag, des „Creditinstitutes für jüdische Gewerbetreibende", des „Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" rc. rc. einem Rufe des „Allgem. Oesterr.-Jsraelitischen Bundes" folgend und unter dessen Führung zu einer regelmäßig wiederkehrenden Delegirten-Conferenz zusammentreten und sich ein gemeinsames Executivorgan wählen würden, welches auf solche Fragen durch Studium und Sammlung von Material vorzubereiten und ihrer Lösung zuzuführen hätte, die den statutarischen Rahmen jeder einzelnen der hier genannten Vereine überschreiten und doch eine Angelegenheit des gesammten österreichischen Judenthums bilden. Diese treffliche, aller Sympathie würdige Idee scheitert an den klar ausgesprochenen Bestimmungen des österreichischen Vereinsgesetzes, dessen § 33 folgendermaßen lautet: „Politischen Vereinen ist untersagt, Zweigvereine (Filialen) zu gründen, Verbände unter sich zu bilden, oder sonst mit anderen Vereinen, sei es durch schriftlichenBerkehr, sei es durch Abgeordnete in Verbindung zu treten. Desgleichen darf kein Vorstandsmitglied dem Vorstande eines anderen politischen Vereines angehören." Thatsächlich findet dieser Paragraph in praxi die allerschärfste Anwendung, so daß jede noch so lose Verbindung, jede Verhandlung eines politischen Vereines mit einem anderen politischen oder nicht politischen Vereine durch den Strafrichter geahndet wird und die Auflösung des oder der Vereine nach sich ziehen kann. Andererseits aber mußte man den „Allgem. Oesterr.- Jsraelitischen Bund" als einen politischen constituiren, weil er sonst in seiner Wirksamkeit außerordentlich beengt gewesen wäre und zum Schaden der österreichischen Judenheit eine ganze Reihe von Agenden aus seiner Competenz-Sphäre hätte ausscheiden müffen. Wir stoßen eben auch in dieser Frage, wie auf so vielen andern Gebieten, auf jene Schwierigkeiten, welche eine noch rückständige Gesetzgebung schafft. Wien. (Sechzigster Jahresbericht des Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, sowie dessen Lehrling s h e i m.) Das zweiundsechzigste Jahr des Vereinsbestandes, über welches wir im Folgenden Bericht erstatten, war ein Jahr schwerer Kämpfe, und wir beschließen es nicht ohne Sorge für die Zukunft. Trotz aller Anstrengung des Vorstandes verzeichnet unser Ausweis einen Rückgang sämmtlicher Posten unserer Einnahmen um mehr als 5700 Kronen,.und infolge deffen ungeachtet Einschränkungen der Ausgaben ein Gebahrungsdeficit, welches aus den Reserven gedeckt werden mußte. Nicht allein daß die Jahresbeiträge von Mitgliedern infolge von Sterbefällen und Reductionen nicht unwesentlich gesunken sind, wurde uns von der Jewish Colonisation Aflociation für dieses Jahr eine Subvention von nur 2000 Kronen gegen 4000 Kronen im Vorjahre zugewiesen und verzeichnen wir auch unter den Spenden einen namhaften Entfall. Ueberdies hat das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung, welches in früheren Jahren uns die Kosten aller von ihren Schulen hiehergesandten galizischen Knaben refundirt hatte, diese Beitragsleistung für neu aufzunehmende Zöglinge ihrer Schulen abgelehnt, so daß wir auch von dieser Seite eines Beistandes entbehren, während der Zuzug der galizischen Knaben zu unserem Vereine sich wesentlich erhöht. Dringend und nachdrücklich müssen wir daher an unsere Glaubensgen offen in Wien und in der Provinz die Bitte richten, unser Institut, deffen humanitäre und culturelle Wirksamkeit von allen Seiten anerkannt wird, auch materiell zu unterstützen. Wer tagtäglich sieht, welcher Jammer, welches Elend heute mehr denn je unter den armen Juden allerorten herrscht, dem sollte dies ein Ansporn sein zur Beisteuer an einen Verein, welcher aus Kindern, die zu Hause verwahrlosen und verkommen, tüchtige Handwerker und damit erwerbsfähige Menschen macht. Mögen doch Alle, die uns bisher ihre Unterstützung nicht gewährt haben, nur des einen Umstandes gedenken, daß im abgelaufenen Jahre 675 Knaben unter dem Schutze des Vereines gestanden find, von welchen 186, zu Gehilfen freigesprochen, ihre selbstständige Ex stenz bereits errungen haben. Sie wären verkommen, eine Last der Gesellschaft geworden, hätte unser Verein ihnen nicht Zuflucht und die Mittel zur Erlernung eines Handwerkes geboten. Mögen jene Provinz- Gemcinden, deren Mithilfe wir leider bisher entbehren wußten, doch auch nicht vergeffen, daß wir bei weiterem Sinken unserer Einnahmen zu einer Reduction der Zöglingszahl schreiten und in erster Reihe die Kinder jener Orte abweisen müßten, deren ablehnende Haltung uns vor dieser für uns gleich traurigen Situation nicht bewahrt habe. Der Bericht schließt: Nicht milde Gaben oder momentan an Dürftige zu reichende Unterstützungen sind es, für die wir die Mithilfe unserer Glaubensgenoffen erbitten. Wir erbitten uns ihren Beistand zur Heranbildung armer jüdischer Kinder zu tüchtigen Handwerkern und damit zu erwerbsfähigen Menschen. Möge uns in diesem Streben, welches für eine Reihe von Vereinen mit gleicher Tendenz in Deutschland als mustergiltig anerkannt wird, das nicht blos ein humanitäres, sondern in gleichem Maße ein kulturelles ist, allseits jene Unterstützung zutheil werden, welche es uns ermöglicht, ohne Sorge für die nächste Zukunft vorwärts zu schreiten und alle jüdischen Knaben, welche Lust und Liebe zum Handwerke erweisen, zu tüchtigen Handwerksgehilfen und Meistern heranzubilden. Der Vereinsvorstand: Donath Zifferer, Präsident; Dr. Moriz Hirsch, Bicepräsident; Dr. Richard Reis, Schriftführer; Albert Brandeis, Wilhelm Hirsch, Emil Horner, Theodor Kantor, Dr. Gotthelf K. Mkyer, Felix Reifer, Leopold Simon, Julius Stern. Wien. Das Allgemeine österreichisch-israelitische Taubstummeninstitut in Wien, Rudolfsgaffe Nr. 22, versendet seinen 49. Jahresbericht für das Jahr 1902. Der Bericht gedenkt zunächst der um das Institut hochverdienten am 18. Juli 1902 verschiedenen Ehrei.präsidentin Frau Julie Schlesinger und widmet ihr warme Worte der Anerkennung und Erinnerung. Die Zahl der Pfleglinge hat sich im abgelaufenen Bereinsjahr von 89 auf 92 erhöht. In steter Bemühung, den Anforderungen zu entsprechen, die an das Institut als Unterrichtsanstalt und Internat vom pädagogischen wie vom hygienischen Standpunkt mit Recht gestellt werden, sah fich die Leitung zu dem Erl-

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