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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloch's Wochrnfthrifk. Gelte 881 Herr Dr. Oscar Hein, der auf diesem Gebiete über besondere Erfahrungen verfügt, in bewährter Weise versieht. Neben dieser Vertheidigungsarbeit war es unsere wichtigste Aufgabe, die Organisation unseres Vereines immer weiter auszudehnen und auch in den kleinsten Cultusgemeinden des Reiches durch das lebendige Wort die Nothwendigkeit und Wichtigkeit des Anschlusses aller Glaubensgenossen an unsere Corporation zu verkünden. Unser Bureauleiter hat im abgelaufenen Jahre weitere 39 Wandervorträge abgehalten. Einer Anregung in der vorjährigen Generalversammlung Folge leistend, haben wir die Agitation auch in Galizien und der Bukowina begonnen, wo Secretär Fleischer in Krakau, Lemberg, Czernowitz, Tarnow, Rzeszow Przemysl, Jaroslau, Stanislau, Kolomea, Brody, Drohobycz. Stryj, Neusandez, Zloczbw, Tarnopol und Jaslo Wanderversammlungen mit sehr erfreulichem Erfolge abhielt, durch welche die Zahl unserer Mitglieder eine erhebliche Vermehrung erfuhr. Wir hoffen, daß die so gewonnenen Freunde im Osten der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" auch weiterhin treu bleiben werden. Wandervorträge wurden ferner abgehalten in Mährisch-Ostrau, Eibenschitz, Kanitz, Teltsch, Sobeslau, Wittingau, Beneschau, Wlaschim, Unter-Kralowitz, Lobositz, Patzau, Radnitz, Neugedein, Klattau, Kassejowitz, Blatna, Aussig, Selean, Jechnitz, Lubenz, Chiesch, Melnik und im 16. Wiener Bezirke (Ottakring-Hernals). Das erfreuliche Wachsthum des Vereines veranschaulichen die nachfolgenden Ziffern: Bei der vorjährigen ordentlichen Generalversammlung hatten wir einen Stand von 5690 Mitgliedern, von denen 415 infolge Ablebens, Austrittes u. s. w. abgeschrieben werden mußten. Es verblieben demnach 5275 Mitglieder. Am 31. Decemb-ir 1902 erreichte unser Mitgliederstaud die Ziffer von 6328 und am 15. April 1903 die Ziffer von 6812. Wir haben sonach seit der vorjährigen Generalversammlung einen Zuwachs von 1122 Mitgliedern und innerhalb drei Jahren einen Zuwachs von 5700 Mitglieder zu verzeichnen. Unsere Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen sind von X 5400 im Jahre 1899 auf K 25.300 im Jahre 1902 gestiegen. In unserem vorjährigen Berichte konnten wir feststellen, daß die Zahl der Cultusgemeinden und Ortschaften, in denen wir vertreten waren, sich auf 313 belief. Diese Ziffer hat sich bis 15. April 1903 auf 371 erhöht. Wir zählen gegenwärtig inWien 2553, in der Provinz 4359 Mitglieder. Das Mißverhältniß. welches wir in unserem vorjährigen Berichte zwischen der Mitgliederzahl aus Wien und jener aus der Provinz constatirteu, hat sich allerdings einigermaßen zu Gunsten der Wiener Judenschaft verschoben, die Theilnahme und das Interesse unserer Glaubensgenossen in der Reichshauptstadt stehen jedoch noch lange nicht auf der wünschenswerthen Höhe, und wir betrachten es auch nach wie vor als unsere Aufgabe, durch Agitation in Wort und Schrift unausgesetzt dieses Interesse zu beleben. Wir erfüllen eine angenehme Pflicht, indem wir an dieser Stelle den Vertretungen aller oben genannten Cultusgemeinden, in denen unser Delegirter eine ehrenvolle und herzliche Aufnahme erfuhr, unseren innigsten Dank abstatten. Unter den Provinzstädten stehen derzeit Budweis mit 119, Graz mit 103, Prag mit 106, Pilsen mit 136 und Teplitz mit 164 Mitgliedern an erster Stelle. Wir hatten im Berichtsjahre einen Einlauf von 973 Geschäftsstücken zu verzeichnen, wogegen 1024 ausgingen. Anläßlich unserer Wanderversammlungen haben wir 932 und für die Kalenderedition 6683, somit im Ganzen 8639 Briefe versendet. Die laufenden Vereinsagenden wurden in 12 Vorstands- und in 18 Präsidialsitzungen erledigt. Unsere statutarische Aufgabe, den Sinn für die jüdische Wissenschaft und für die Angelegenheiten des Judenthums zu heben, haben wir auch im abgelaufenen Jahre durch eine Reihe von Vorträgen erfüllt. Es sprachen: Am 8. November 1902 und am 5. Februar 1903 Herr Vicepräsident Siegmund Mayer über „Die öconomische Entstehung und Entwicklung der Wiener Judenschaft", am 17. Jänner 1903 Herr Dr. Franz Oppenheimer aus Berlin über: „Der Staatentod im Alterthume und die jüdische Ration", am 11. März 1903 Herr Rabbiner Dr Max G r u n w a l d aus Hamburg über: „D i e .noderneFrauenfrage und dasJudenthum". Alle diese Vorträge erfreuten sich eines regen Besuches. Ueberdies fand am 18. October 1902 aus Anlaß der Landtagswahlen eine von uns veranstaltete Wählerversammlung statt, an welcher mehr als 1000 Personen theilnahmen. In der am 5. Jänner 1903 zum Zwecke der Statutenänderung abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung wurde eine freie Discuffion über actuelle jüdische Angelegenheiten eröffnet, bei welcher insbesondere der Gedanke einer Vereinigung aller jüdischen Kräfte zur Förderung der wirtschaftlich bedrängten Schichten des Judenthums lebhafte Zustimmung fand. Die erwähnten Vorträge wurden durch unsereMonatss ch r i f t auch dem weiten Kreise unserer Provinzmitglieder vermittelt. Der Vorstand hat der Fortentwicklung des Vereinsorgans, welches ein werthvolles Bindmittel zwischen der Vereinsleitung und den einzelnen Mitgliedern darstellt, sein besonderes Augenmerk gewidmet, und wir dürfen mit Befriedigung constatiren, daß die Monatsschrift den durch sie angestrebten Zweck, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit und das Interesse für die allgemeinen jüdischen Fragen zu stärken, in wachsendem Maße erfüllt. Der „U n i o n ka l e n d er" ist im letzten Jahrgange in wesentlich verbesserter Form erschienen. Der schematische Theil ist vollständig umgearbeitet und durch eine Reihe neuer wichtiger Daten bereichert worden. Obwohl uns hiedurch eine Mehrausgabe von K 974 erwuchs, so haben wir doch ein Reinerträgniß von K 2344.55, somit nur K 306.13 weniger als im Vorjahre erzielt. Allerdings sind auch diesmal mehr als 1000 Exemplare von den Empfängern weder zurückgeschickt noch bezahlt worden. Der Tod hat uns auch im abgelaufenen Jahre zahlreiche treue Mitglieder entrissen. Wir beklagen den Heimgang der Herren: Rabbiner Dr. Löwy, Philipp Bondi. Moriz Karpeles, Salomon Feldmann, Josef Beck, Dr. Carl Fuchs. David Fröhlich, Jacob Picker, Jacob Weich, Max Kaufmann, Jacob Kohn, Max Böhm, Sigmund Ritter v. Bauer, Sigmund Blatt, Josef Alberti, Simon Rosenberg, Anton Schwarz, I. L. Deiner, Alois, Reich, Moses Straschnow, Joachim Bandler, Oberstabsarzt Dr. Jacob Treulich, Sigmund Weiner, Salomon Schwarz, Ignaz Eisler, D. Schwarzmann, Moriz Friedmann, Dr. Heinrich Bloch, Bernhard Duschnitz, Moriz Freyberger, Moriz Schur, Emil Schwarz. Sam. Franz Singer, Adolf Spitzer in Wien, ferner: Anton Fürst in Bisenz, Bernhard Neubauer, Aron Bermann und Nathan Steiner in Tachau, Filipp Färber in Prerau, Adolf Ehrlich in Rokitnitz, Dr. Josef Schwarz und Daniel Lcitner in Baden. Die geehrte Versammlung hat bereits durch Erheben von den Sitzen das Andenken der Verstorbenen geehrt und wir erbitten uns die Ermächtigung, diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleiben zu dürfen. Es sei uns ferner gestattet, hiemit öffentlich allen Mitarbeitern an unserem gemeinnützigen Werke, namentlich jenen Herren, die in den öffentlichen Vertretungskörpern, ferner als Anwälte, Beiräthe und Vertrauensmänner unsere Rechtsschutzarbeit wirksam unterstützt haben, unseren innigsten Dank auszusprechen. Den gleichen Dank zollen wir der jüdischen Presse, insbesondere der „Oesterreichischen Wochenschrift", der „Neuzeit" und der „Wahrheit" für die Förderung unserer Bestrebungen. Geehrte Herren! Die Erfolge, welche die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" bisher erzielt hat, haben uus nicht'blind ^gemacht für die Mängel der Organisation der österreichischen Judenschaft. Wir find uns bewußt, daß wir

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