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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-05-01 · 18 (1.5.1903) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
18 (1.5.1903)
Date
1903-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 280 Vr. BLoch's Wochsnschrifk. Nr. 18 der Borwurf der „ideellen Concurrenz des Verbrechens" die bewußten und unbewußten Stammesgenossen! Wahrlich, diese vom edelsten Eifer und kräftiger Ueberzeugung dictirten Worte verdienen es, aus der Schatzkammer freundschaftlicher Vertraulichkeit der großen Oeffentlichkeit überantwortet zu werden und oielleichr denen zu dienen, welche „noch Juden sind und bleiben wollen". Die Lippen, denen Jahrzehnte hindurch in unsterblichen Schöpfungen so viel Weisheit entquoll, sie sind verstummt für immer, der Seherblick erloschen, dieser heldenmüthige Makkabäer des Geistes, der Feder und des Wortes im Zuge ruhmreicher Thätigkeit dahin gesunken, — Liebe, Ehre und Ruhm seinem unvergänglichen Andenken! „Orsterrrichisch-Israetitifche Um»«". Samstag den 25. d. Ri. fand in Khuner's Restaurant unter dem Vorsitze des Präsidenten Maximilian Paul- Schiff die zahlreich besuchte 18. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichlsch-Jsraelitischen Union" statt. Zu Beginn derselben hielt der Präsident dem dahingeschiedeueu Professor Moritz Lazarus folgenden Nachruf: „Geehrte Versammlung! Am 14. April hat einer der glänzendsten Vertreter des Judeuthums in der Wissenschaft, Moritz Lazarus, zu Meran hochbetagt die Augen geschlossen. Ich sage: des Judenthums in der Wissenschaft, denn die Bedeutung der gewaltigen Lebensarbert, die Moritz Lazarus vollbrachte, reicht weit hinaus über die Grenzen unserer confessionellen Gemeinschaft. Sein vielseitiger Geist hat fast alle Gebiete des menschlichen Wissens durchforscht und befruchtet. Ter Völkerpsychologie, der vergleichenden Sprachwissenschaft hat er neue Bahnen gewiesen, Ethik und Moral, Geschichte und Kunstgeschichte, Statistik und Socialwiffenschaft danken ihm eine Fülle bedeutsamer Anregungen. Gleich Mendelssohn und Zunz hat er den Beweis erbracht, daß jüdisches Denken und jüdische Weltanschauung ihren nachhaltigen Einfluß auf den Culturfortschritt der Menschheit geübt haben und daß das Judeuthum stolz seinen Aickheil an diesem Fortschritte reclamireu darf. Aber als höchste» Ruhm dürfen wir es ihm anrechnen, daß er auf der Höhe seiner Erfolge nie aufgehört hat, Jude zu sein, als Jude zu fühlen und für das Judenthunl zu kämpfen. Die Verfolgung seiner Glaubensgenossen reifte in ihm den Entschluß, den sittlichen Kern der jüdischen Lehre in seiner „Ethik des Judeuthums" darzustellen. Es erfüllt uns mit Stolz, daß dieses Standard-Lvork einer Anregung der Wiener israelitischen Cultusgemeinde seine Entstehung verdankt. Leider war es Lazarus nicht beschiedeu, den zweiten Theil seiner „Ethik" zu Ende zu bringen. Mitten in der Arbeit und kurz vor deren Vollendung nahm ihm der Tod die Feder aus der Hand. Der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" hat feiner Trauer über den Heimgang des großen Denkers in einer telegraphischen Condolenz au die Witwe und treue Mitarbeiterin Lazarus' Ausdruck gegeben, und ich bitte die geehrte Generalversammlung, auch ihrerseits dem Andenken des Dahingeschiedenen durch Erheben von den Sitzen die verdiente Ehre zu erweisen." Secretär Fleischer verlas sodann folgenden Rechenschaftsbericht : „Geehrte General-Versammlung! Auch im abgelaufeneu Jahre trug unser innerpolitisches Leben dieselben Zeichen krankhaften Verfalles, die wir schon seit Jahren beobachten. Keine unserer bürgerlichen Parteien vermochte den Grundsätzen der Freiheit und Gleichberechtigung größeres Gewicht emzuräumen, als den nationalen Forderungen. Ja, im Gegeutheile, die nationalen Kämpfe haben sich verschärft und ihren zerreibenden Einfluß auch auf solche Kreise geübt, die bisher, wenigstens dem Worte nach, confessioneUe Unterschiede nicht kannten. Der Ausfall der letzten Land- Lagswahlen in Niederösterreich und die Entsendung eines radicalen Antisemiten aus dem vornehmsten czechischen Wahlbezirke in den Reichsrath beweisen, daß der Antisemitismus seine werbende Kraft noch nicht eingebüßt hat. Da derselbe unbestritten ein Product der nationalen Kämpfe ist, so folgt aus der Verschärfung der nationalen Gegensätze naturgemäß noch immer eine Steigerung des Judenhasses. Es folgt daraus aber auch die Erkeuntniß, daß unsere Glaubensgenossen alle Ursache haben, sich von nationalen Agitationen, auf welcher Seite immer, ferne zu halten und nicht selbst noch jenem Brande Nahrung zuzuführen, dessen Flugfeuer die Dächer ihrer eigenen Häuser ergreift. Eine politische Corporation innerhalb der österreichischen Judenschaft kann daher nach wie vor nichts Anderes thun, als sich strenge auf der Grenzlinie der Defensive zu halten und auf dem unantastbaren Boden der verfassungsmäßigen Rechte ruhig abzuwarten, bis aus dem Chaos unserer inneren Wirrnisse sich uaturnothwendig neue Parteigruppen wahrhaft freisinnigen Charakters herausbilden. Wann der Zeitpunkt solcher Neubildungen eintreten wird, läßt sich heute kauni noch voraussehen; aber er wird so gewiß kommen, als die Erhaltung Oesterreichs im Lebensinteresse all seiner Völker gelegen ist. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" hat denn auch im verflossenen Jahre die active Antheiluahme an politischen Kämpfen strenge vermieden und sich fast ausschließlich auf die P f l e g e desRechtsschutzes und auf die Stärkung des G e m e i u s i n u e s unter der österreichischen Judenschast beschränkt. Nur ein eiuzigesmal sind wir aus dieser Reserve gelegentlich der Landtagswahlen durch Veranstaltung einer Wählerversammlung hervorgetreten, weil es sich dabei um eine Coalition aller fortschrittlichen Elemente gegen den offenen Antisemitismus handelte. Der seit Jahren nachdrücklich geübten Verteidigung der Ehre und der Rechte unsererGlaubensgenossen haben wir durch eineStatuten- Linderung, nach welcher der Verein berufen ist, die „allgemeinen und politischenRechte der Juden zu wahren und den Angehörigen der jüdischen Confession zu diesen Rechten zu verhelfen", eine rechtlich gesicherte Grundlage geschaffen. Die Aufnahme dieser Bestimmung war nothweudig, weil von gegnerischer Seite wiederholt der Versuch gemacht worden ist, die Berechtigung der „Oesterreichisch -Israelitischen Union" zur Gewährung von Rechtshilfe in Frage zu ziehen. Gestützt auf das neue Statut, können wir nunmehr unbekümmert um die gehässigen Anfeindungen unserer Gegner unserer gemeinnützigen Wirksamkeit obliegen. Rastlos und unermüdlich haben wir diese Thätigkeit geübt und kein Glaubensgenosse, der wegen dieser seiner Eigenschaft in seinen Rechten gekränkt, in seiner Ehre verletzt, in seiner Existenz geschädigt wurde, hat vergeblich an unsere Thür gepocht. Der Effect dieser Arbeit ist ein erfreulicher nach zwei Richtungen hin: Auf der einen Seite haben wir vielfach bewiesen, daß es doch noch gesetzliche Schranken für die Bosheit gibt, auf der anderen Seite haben wir den Muth und das Gefühl der Rechtssicherheit in unseren eigenen Reihen gekrästigt. Nicht nur in den entlegensten Winkeln unseres Vaterlandes, sondern auch außerhalb seiner Grenzpfähle, ja selbst jenseits des Oceans — wir erinnern nur au die Asfaire Schulim Schnur — weiß man bereits, daß die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" ein Hort des Rechtes, ein Schutz der Schwachen und Hilflosen ist. In unserer Monatsschrift haben wir über die wichtigsten Fälle aus unserem Rechtsschutzbureau fortlaufend berichtet, und wir halten es deshalb auch diesmal für überflüssig, Ihnen einen gesonderten Bericht dieses Bureaux vorzulegen. Wir bemerken nur noch, daß die Zunahme unserer Agenden und insbesondere die Ausdehnung unserer Heimatsrecht-Action uns bestimmt hat, die Stelle eines ständigen Rechtsconsulenten zu creiren, die

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