Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021493-3021511--12631-3037236- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 270 Dr. Bloch's Wvchrnfchrifl. Nr 17 Wien. Mittwoch den 14. April d. I. fand im Sitzungssaale der israelitischen Cultus gemeinde Fünfhaus, Turnergaffe, die 38. ordentliche Generalversammlung der ChewraKadischa Fünfhaus statt. Zu dieser hatten sich eine große Zahl der Mitglieder, ferner die Cultusvorsteher, die Herren Gottlieb Taußig, kaiserl. Rath Wilhelm Pollack, sowie viele Vorsteher der hiesigen Vereine eingefunden. Der Präses Herr Dr. S. Bars begrüßte die Versammlung und gedachte der in diesem Vereinsjahre verstorbenen Mitglieder, der Herren Bernhard Böhm, Moriz Guttmann, Moritz Roubitschek, Gabriel Stern, Alois Schick, Anton Schwarz. Adolf Weinberger und Bernhard Weinreb. wobei die anwesenden Mitglieder durch Erheben von den Sitzen das Beileid bekundeten. Zu Punkt I. der Tagesordnung, Verlesung des Rechenschaftsberichtes im Berwaltungsjahre, gedachte der Vorsitz'nde der Opferwilligkeit der Mitglieder und Spender, welche zur Vertheilung an Unterstützungen für Arme und Verabfolgung von Medicamenten größere Summen bewilligten und es wurde denselben der Dank des Vorstandes votirt. Ebenso dankte der Präses allen Vm standsmitgliedern, welche sich bei Leichenbegängniffen als Delegirte. der Chewra-Kadischa betheiligten und dadurch beitrugen, die Würde des Vereines wie bisher zu erhalten. Nunmehr wurde zur Neuwahl der ausgelosten Vorstandsmitglieder geschritten, wobei der Präses die besonderen Verdienste des zur Neuwahl ausgelosten Präses-Stellvertreters Herrn Heinrich Neuield g-dochte, der durch seine rastlose Mühewaltung dem Vereine jederzeit nach lestem Wffen und Können zur Seite steht, was von den Mitgliedern jederzeit anerkannt wurde. Ebenso gedachte derselbe dem zur Neuwahl ausgelosten Casiier Herrn Anton Stern, welcher seine Obliegenheiten in musterhafter Weise versieht. Der Präses richtet einen Appell an die Mitglieder, die ausgelosten H-rren als Anerkennung für die Verdienste wieder zu wählen und für die noch zu besetzenden Mandate jene Männer zu wählen, die ihre Pflichten voll und ganz erfüllen. Bei der hierauf stattgehabten Neuwahl wurden die Herren: Präses-Stellvertreter Heinrich Neufild, Casiier Anton Stern, Btoritz Blödy wieder- und die Herren Max Haas, Jacob Herzog und Ignatz Rechnitzer neugewählt. Der Vorsitzende dankt den erschienenen Gäste und schloß die 38 ordentliche Generalversammlung. , Wien. (Der Verein zur Unterstützung Israel i t i s che r Handwerker und Klein gewerbetreibe nd e r), Präses Herr Bauratb Wilhelm Stiaßny, hat für das Vereinsjahr 1902 dcn^ Rechenschaftsbericht veröffentlicht. Im abgelaufenen Vereinsjahre sind 36,' Darlehens- und Unterstützungsgesuche eingelangt, von welchen 138 sofort abgewiesen werden mußten, weil sie nach unseren Statuten nicht weiter behandelt werden konnten. Von den 224 zur Bebandlung verbliebenen Gesuchen wurden 45 Gesuche (44 Darlehen und 1 Unterstützung» in zustimmendem Sinne erledigt, 102 ablehnend beschieden und 77 zur Behandlung in das nächste Vereinsjahr übernommen. Außerdem wurden von den aus dem Vorjahre stammenden Gesuchen heuer 19 (18 Darlehen und 1 Unterstützung) bewilligt. Das geringste Darlehen betrug X!0, das höchste X 400. Die Summe, der insgcsammt bewilligten 62 Darlehen beträgt X 7750.—. Seit dem Bestände des Vereines wurden bis Ende 1902, also während eines Zeitraumes von 14 Jahren, 558 Darlehen mit dem Gesammtbetrage von X 83.^70.— bewilligt. Hierauf wurden Rückzahlungen in der Gesammthöhe von X 41.713*15 geleistet. Am 15. Oktober 1902 wurde aus Anlaß des 60. Geburtstages des Vereinspräsidenten vom Vereinsvorstande unter Mitwirkung zahlreicher Mitglieder des Vereines und vieler Freunde des Jubilars eine Stiftung im Betrage von X 4000.— unter dem Namen „Baurath Stiaßny-Stiftung" ins Leben gerufen. Betreffs der Spende von X 20.000. . welche ein vorerst ungenannt bleiben wollender Wohlthäter dem Vercirspläsidenteu zum Zwecke der Gründung und Erhaltung einer jüdischen Pflegcrinuenschule eingehändigt hat, wurde vom Vereinsvorstande ein Comite eingesetzt, welches mit allen diesbezüglichen Vollmachten ausgestattet wurde, und welches seine Thätigkeit aufnehmen und selbstständig die Bildung des neuen Vereines durchführen wird, sobald die Verhandlungen mit der Spitalsdirection zu einem gedeihlichen Abschluß gelangt sein werden. Tue im abgelaufeneu Vereinsjahre bewilligten zwei Unterstützungen betrugen je X 10.—. Der Bericht gedenkt der ausgezeichneten Thäiigkeit des Damcncomitös, dessen eifrigem und zielbewußtem Wirken durch Zuführung einer größeren Anzahl von Mitgliedern die Zuwendung mancher Spende, das Erwachen des Interesses für den Verein und seine Bestrebungen in vielen Kreisen, sowie gründliche Recherchen bezüglich der den Damen zum Referate übertragenen Gesuche zu danken ist. Wien. Herr Redacteur! Ihr warmes Interesse für alles Gute und Edle kennend, erlaube ich mir Ihnen in wenigen Details jener Vorlesungen zu erwähnen, welche in der Plenarversammlung des Vorstandes vom 8. d. M. erwähnt wurden, und zwar in sehr ehrender Weise für mich. Am Siechenbette eines leider todtkranken 18jähigen Knabens, welcher bis vor drei Jahren ein braver Schüler war, dessen Geist noch ganz rege ist, kam mir der glückliche Gedanke, dem Armen vorzulesen, was ihn ungemein erfreute, doch für die Dauer reichte meine Zeit nicht aus. und weil durch diese Vorlesung im Siechensaale sich aus allen Stockwerken Kranke meldeten, wendete ich mich an die sociale Hilfe und dem Settlement, und sofort meldeten sich edle junge Damen, darunter eine junge Mutter, welche abwechselnd jeden Mittwoch und Samstag Nachmittag, 1 bis iy2 Stunden paffende Lectüre bei Männern und Frauen unter allgemeinem Beifall vorlesen. Ich erlaube mir, hochverehrter Herr Doctor, dies zu Ihrer Kenntniß zu bringen. Diese Veranstaltung am Bette des Kranken und im Siechenhause ist wohl die erste in unserer Stadt. Durch diese Anregung in Ihrem hochgeschätzten Blatte könnte und sollte dieselbe in andere ähnliche Anstalten verpflanzt werden, was mir zur größten Genugthuung gereichen würde. Mit dem Ausdrucke ausgezeichneter Hochachtung Ihre sehr ergebene Jda Diamant Vorsitzende der israelitischen Versorgungs- und Siechenanstalt. I., Salzthorgasse Nr. 5. NB. Diese Veranstaltung wurde von dem hochgeehrten Cultusvorstande genehmigt, und sind zeitweilige Vorlesungen im Versorgungshause im Lesesaale für gemischtes Auditorium geplant. Wien. (Schlußseier der Brigitten auer S p e i s e-A n st a l t.) Donnerstag den 9. d. M. fand die diesjährige Schlußfeier der von der löblichen israelitischen Cultusgemeinde für die Wintermonate activirten Speise-Anstalt für die hungernden Kinder in der Brigittenau statt. Hiezu hatten sich eingefunden die Herren Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger, Hermann Eltbogen und Dr. Max. Steiner, ferner der Leiter der Sprise-Anstalt Herr Heinrich Weiner und dessen Stellvertreter Herr David P o l l a t s ch e k, sowie Herr Lehrer Josef F a l t i t s ch e k und die bei der Ausspeisung turnusartig diensthabenden Damen des Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeitsvereines. Die Feier fand in dem prächtig decorirten Saale der Toynbee-Halle statt, in welchem die ausgespeisten Kinder. 250 an der Zahl, rechts und links von der Estrade Aufstellung genommen hatten. Herr Lehrer Faltitschek begrüßte die Versammelten und dankte in sehr warmer Ansprache namens der hungernden Kinder für die denselben seit nun 5 Jahren erwiesenen Wohlthaten und pries namentlich den Wohlthätigkeitssinn des Herrn Heinrich Weiner, der jede Gelegenheit ergreift, wo es gilt, den Armen Hilfe zu bringen. Hierauf ergriff Fräulein Elsa Pfeiffer das Wort, um ebenfalls an Herrn Weiner eine in herzlichen Worten gehaltene Danke-kundgebung im Namen der armen Kinder zu richten, und überreichte demselben als Andenken für seine auf dem Gebiete der Humanität geschaffenen Leistungen ein künstlerisch aus gestattetes Diplom. Sichtlich gerührt für so viele Aufmerksamkeiten, ergriff nun Herr Heinrich Weiner das Wort und sagte: Der Dank gebühre vor Allem der löblichen israelitischen Cultusgemeinde, die diese segensreiche Institution der Kinderbespeisung geschaffen, und Allen voran dem sehr geehrten Herrn Dr. Alfred Berger, der sich dieser Sache so warm angenommen. Er erwähnte bei dieser Gelegenheit in dankbarer Weise, wie edle Frauen und Männer außerhalb des Bezirkes wetteifern, diesem ärmsten von allen Bezirken Wiens Hilfe zu bringen, und gedachte der edlen Heimgegangenen Wohlthäterin Frau Hildesh ei m e r, die kurz vor ihrem leider allzufrüh eingetretenen Tode 60.000 Kronen zur Errichtung einer Volksküche in der Brigittenau bestimmte. Bei dieser Mittheilung erhoben sich die Versammelten als Zeichen der Pietät für die edle Verstorbene von ihren Sitzen. Auch der von Frau Professor Mauthner zu gleichem Zwecke erst jüngst gespendeten 12.000 Kronen gedachte Herr Weiner rühmend und ermahnte die Kinder, durch Sittlichkeit und Fleiß sich dieser großen Wohlthaten würdig zu zeigen. Er stattete sodann dem Herrn Lehrer Faltitschek für sein unermüdliches und ersprießliches Wirken in der Speise - Anstalt, sowie dem löblichen Brigittenauer Frauen- Wohlthätigkeitsvereine insgesammt und jeder einzelnen Dame insbesonders seinen wärmsten Dank ab. Nachdem noch Herr Cultusvorsteher Dr. Alfred Berger einige Dankesworte an sämmtliche bei der Ausspeisung Betheiligten richtete, schloß nach Absingung der Bolkshhmne seitens der Kinder diese schöne und herzerhebende Feier. Prag. (Eine interessante Entscheidung.) Der zionistische Hochschüler-Berein „Bar Xochba“, welchem Studirende der deutschen und czechischen Universität und Technik