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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-24 · 17 (24.4.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
17 (24.4.1903)
Date
1903-04-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Sette 271 Rr. 17 angehören, hatte sich an die Rectorate aller vier Hochschulen in Prag mit dem Ansuchen gewendet, seinen Mitgliedern die Anmeldung zur „jüdischen Nationalität" in den amtlichen Formularien der „Nationalist freizugeben. Während nun die Rectorate der deutschen Universität und Technik dieses Ansuchen der zionistischen Studenten rundweg abwiesen, zeigten sich die czechischen Hochschul-Rectorate entgegenkommend und gestatteten den Zionisten die Statuirung ihrer „jüdischen Nationalität" in den Hochschul-Matrikeln. An den Prager czechischen Hochschulen ist also mit dieser Entscheidung eine dritte einheimische Nationalität der in Böhmen geborenen und hieher zuständigen jüdischen Hörer, nämlich die jüdische, officiell als solche anerkannt. Den jüdischen Hörern der beiden czechischen Hochschulen in Prag steht von jetzt an die Wahl ihrer Nationalität ohne jeden Zwang frei, und es bleibt abzuwarten, wi-. viele Nachahmer dieses Beispiel des „Bar Kochba“ hier und anderwärts findet. Prag. (Eine czechische Kritik über Sonnen» thal.) Der „Oas", das Realistenorgan Pros. Mafaryk's, registrirt das letzte Auftreten Sonnenthal's im hiesigen Deutschen Theater in seiner Theater-Chronik vom 10. April 1903 in folgender Weise: Adolf Sonnenthal, Mitglied des Wiener Hos-Burgtheaters, trat neuerlich als Gast in einigen Stücken am hiesigen Deutschen Theater aus. zuletzt in der Titelrolle von Lessing's „Nathan der Weise". Nur ein geistig gediegener und künstlerisch hoch stehender Darsteller vermag in der so viele Gefahren der Eintönigkeit enlhaltenden Gestalt diese Empfindung verlängerter Seligkeit zu bieten, welche die Leistung Sonnenthal's verbreitet. Der Geist einer, ich weiß nicht wie hoch beglückenden Wellharmonie spricht aus diesen zart weichen und schmiegsamen Händen, aus diesem süß dehr.baren Körper, aus diesem Antlitze mit seinem freundlich:n und anmuthenden Glanze, aus feinen vollendeten und harmonisirten, wirkungsvoll geprägten Sätzen. Schöpfungen dieser Art wachsen nicht aus der Vorstellung, wie man sich einen solchen Greis, seine Festigkeit, seine Umsicht, seine unendliche Güte vorgestellt hat, sondern sie entstammen vor Allem der lauteren, hehren Freude, daß die Kunst des Darstellers berufen erscheint, jene ewig schönen und erhabenen Wahrheiten zu verkünden, die uns erfreuen, aufmuntern und erbauen. Kein Wunder also, wenn das Publicum seinen Sonnenthal zum Schlussnicht eher entlasten wollte, bevor er nicht sein Wort gegeben hatte, ehemöglichst bald wieder zu kommen. Gyöngyös. Am Pessachabend erschienen zwei Soldaten in dem orthoooxen Bethaus und ei suchten, zu den Set erabeuden geladen zu werden. Einer der beiden wurde vom Vorsteher ersucht, sein Gast zu sein. Auf dem Wege nach Hause fiel dem Vorsteher auf, daß der Soldat kein einziges jüdisches Wort verstand. Sein Benehmen zu Beginn des Seder zeigte wiederum, daß er noch nie einem Seder beigewohnt hat. Hierüber zur Rede gestellt, ward er leichenblaß und stammelte als Entschuldigung, daß er ganz unjüdisch erzogen wurde. Als er aber die Hagada verkehrt vor sich hin legte, war es offenkundig, daß man es mit einem christlichen Soldaten zu thuu hat. Derselbe Hut in hastiger Angst Reißaus genommen. Aus welcher Ursache und zu welchem Zweck er sich zu dem jüdischen Seder eingeschlichen, konnte natürlich nicht ermittelt werden. Dürrmaul. Bei der am 29. März l. I. vorgenommenen Neuwahl des Cultusvorstandes wurden gewählt. In den Vorstand: Sigmund Dokter, Josef Lauscher. Markus Kahorn, Moritz Fried; als Ersatzmänner: Samuel Hübscher, Nathan Fleischner; in den verstärkten Vorstand: Samuel Steiner, Rudolf Strauß, Jonas Strauß und Daniel Lömi; in die Umlage-Commission: Josef Dokter, Moritz Fried; zu Cassarevisoren: Julius Wolsner, Josef Dokter. Bei der am 16. Avril stattgefundenen Constituirung wurden Sigmund Dokter als Cnltusvorsteher und Josef Lauscher als Stellvertreter wiedergewählt, Moritz Fried als Casiier und Markus Kahorn als Recknungsführer neugewählt, als Tempelvorsteher wurden Josef Lauscher und Markus Kahorn gewählt. Der Vorstand in seiner jetzigen Zusammensetzung bietet auch die Gewähr, daß unsere G'meinde alle ihre Aufgaben voll erreichen und auch der Bestand unserer Gemeinde, als einer der ältesten in Böhmen, gesichert sein wird. Berlin. (Das Konitzer Blutmärchen.) Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Könitz: D^r Landrath in Preußisch-Konitz erließ heute nachfolgende amtliche Bekanntmachung: „In der Abortgrube der städtischen Schule sind am 16. d. gefunden worden: Die Knochen eines linken Oberarmes und Unterarmes, ein rechter Ober- und Unterschenkel und ein linker Unterschenkel. Die gefundenen Knochen entsprechen genau denjenigen Leichentheilen des Gymnasiasten Ernst Winter, welche bisher noch gefehlt haben. Es sind nunmehr sämunliche Leichentheile gefunden. An den Knochentheilen fand sich noch etwas in Verwesung übergegangenes Fleisch vor. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Leichentheile spätestens einige Tage nach der Mordthat in die Abortgrube geworfen wurden und dort in Verwesung übergingen. Eine bis auf den Grund reichende Leerung der Abortgrube hat jetzt unter Anwendung der von der Stadtverwaltung in Könitz neuangeschafften Pumpe stattgefunden. Ob die gefundenen Stiefel Eigenthum des ermordeten Ernst Winter sind, bedarf noch der näheren Feststellung." Ein merkwürdiger Zufall ist es, daß gerade heute, wo der Mord wieder im Vordergründe des Interesses steht, vor dem Reichsgerichte irr Leipzig die Revifionsverhandlung im Proceffe stattfindet, der vor einigen Monaten gegen den Redacteur der „Staatsbürgerzeitung" Dr. Bötticher und den Verleger Brun in Berlin durchgeführt wurde. Die „Staatsbürgerzeitung" hatte in einer Reihe von Artikeln verschiedene Privatpersonen und die Thätigkeit der Behörden aus das Schärfste angegriffm. Dr. Bötticher wurde seinerzeit zu einem Jahr Gesängniß, Brun zu sechs Moiaten verurtheilt. Die Revision wurde heute verworfen. Paris. Auch im französischen Senat ist die rumänische Judenfrage zur Sprache gebracht worden. Der Senator Graf d'Aunay hat in einer Rede über die macedonische Frage Folgendes gesagt: Die den Orient betreffenden Fragen sind sehr zahlreich und berühren nicht nur die Türkei, sondern auch christliche Staaten. Rumänien zum Beispiel fährt fort, der Judenfrage jenes Landes eine Lösung zu geben, deren Intoleranz sich schlecht mit den Abmachungen des Berliner Vertrages vereinigen läßt. Glauben Sie nicht, daß Europa die Pflicht hätte, die Regierung zu Bukarest aufzusordern — ohne im Uebrigen ihre Empfindlichkeit zu verletzen — ihm Rechenschaft über die in dieser Ang legenheit getroffenen Maßregeln abzulegen? Man wird mich fragen: wer soll sich denn an die Spitze dieser Bewegung stellen? Wer wird es unternehmen, die Mächte zur Prüfung all dieser Fragen zu veranlassen? Ich scheue mich nicht, zu sagen, daß nach meinem Wunsch Frankreich dies thun müßte. Frankreich hat im Orient noch eine große Miffion zu erfüllen, und die Vorlesung des Gelb-Buchcs beweist uns, daß nach der Auffaffung des Ministers des Auswärtigen Initiativen dieser Art uns nicht untersagt sind. — In der Antwort, die Herr Delcaffö auf die Rede des Grafen d'Aunay gab, wurde die Angelegenheit der rumänischen Juden mit keinem Wort erwähnt, woraus zu entnehmen ist, daß Herr Delcafss sich durch das „dankenswerthe Entgegenkommen" des Grafen Bülow nicht beschämen lasten will. Die Sonntagsruhe und die Juden in Italien. Dem italienischen Parlament liegt ein Gesetzentwurf zur Verhandlung vor, welcher die Sonntagsruhe obligatorisch in ganz Italien einführen soll. Oberrabbiner von Florenz Dr. Margulies und der Advocat Dr. M. Vinci verfaßten eine Petition an das Parlament, welche von sämmtlichen Rabbinen Italiens unterfertigt wurde, dahin gehend, daß diejenigen Juden, welche den Sabbath nachweislich feiern, von den Folgen des Gesetzes verschont bleiben mögen. Diese Petition dürfte voraussichtlich von sämmtlichen jüdischen Mitgliedern des italienischen Parlamentes unterstützt werden. Am 7. d. M. bei dem historischen Congreß in Rom sprach der gewesene italienische Finanzminister L. Luzzatti und sagte unter Anderem: „Ungeachtet aller Anstürme präsentirt auch heute noch die Bibel das lebendige Wort Gottes. Sie wird auch dem Ansturm d»s Herrn Delitzsch widerstehen. Der deutschen Wiffenschaft wird es durchaus nicht gelingen, sie zu Tode zu kritisiren. Selbst der bekannte Brief des Kaisers Wilhelm II. an den Admiral von Hollmann wird an der Frage über die Bedeutung der Bibel nichts ändern." Junge Antisemiten in New-Aork. Aus New-Iork wird berichtet: Man ist einer weitverzweigten Bande von Knaben auf die Spur gekommen, die in erstaunlicher Weise in Brooklyn einen antijüdischen Kreuzzug durchgeführt haben. Ein kleiner jüdischer Junge von 11 Jahren wurde sterbend in ein Hospital gebracht. Er war durch einen Mesterstich schwer verletzt worden. Die Polizei entdeckte, der

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