Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 17 (24.4.1903)
- Date
- 1903-04-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette m Mittelschulen, die Abhaltung von öffentlichen Vorträgen auch außerhalb des Gotteshauses und dergleichen. Referent empfiehlt sohin die Annahme der Anträge des Vertreter-Collegiums. Anknüpfend an dieses Referat bemerkt der Präsident, daß selbstverständlich bisher keinerlei bindende Unterhandlungen mit den Borgeschlagenen gepflogen wurden, sondern daß mit denselben nur über jene Bedingungen conferirt wurde, auf Grund welcher dem Plenum die Berufung in Antrag gebracht wird. Nach mehr als zweieinhalbstündiger Debatte, an welcher sich betheiligten die Herren: kais. Rath Wilhelm Pollak, Prof. Doctor Ehrmann, S. Kauders, Ritter von Taussig, kaif. Rath I. Weil, Dr. M. Spitzer, H. Teltscher. Vicepräsident Dr. Kohn. Hofrath S. Taussig, Emanuel Hoffmann, Dr. A. Berger, S. Rosner und Dr. M. Steiner und nach Beantwortung einiger im Laufe der Debatte gestellten Anfragen durch den Präsidenten wird nach dem Schlußworte des Referenten zur Abstimmung geschritten. Bei derselben werden die Anträge des Vertreter-Collegiums auf Berufung der Herren Dr. E. David. Dr. D. Feuchtwang und Dr. M. Grunwald zu Gemeinderabbinern mit einer die statutengemäß erforderlicheZahl weit übersteigenden Majorität angenommen. Nach erfolgter Abstimmung widmet der Referent noch Worte der Anerkennung für alle jene Herren, welche sich der Mühe unterzogen hatten, die Probepredigten hier abzuhalten, und hebt hervor, daß unter diesen besonders einige sich sehr hervorgethan haben. (Allgemeine Zustimmung.) Der Präsident erklärt sohin, die im Laufe de^ Sitzung gegebenen ergänzenden Anregungen, betreffend die Instructionen, dem Vertreter-Collegium zur Berücksichtigung zu überweisen und schließt die Sitzung um 9^ Uhr Abends. Bethausspenden. Im Gemeinde-Bethause I., Seitenstettengasse 4: Von Herrn Regiermigsrath Dr. Julius Schlag für den Frauenverein X 10. -; von Herrn Arthur Flaschner für die „Allianz" X 10.—, für den Handwerkerverein X 10.—, für die Kinderbewahranstalt K 10.—, für den Wöchnerinnenverband X 10.—, für den Frauenhort K 10.—. Im Gemeinde - Bethause IL, Tempelgasse 3: Von Herrn Jakob Theumann für die Armenanstalt X 25.—, für das Blinden- Jnstitut X 25.—, für das Taubstummeninstitut X 25.—; von Herrn Hermann Subak für die Chewra-Kadischa X 10.—. für den Talmud Thora-Verein X 10.—; von Herrn Dr. Adolf Schmiedl für den Leopoldstädter Frauenverein X 10.—; von Herrn Moriz Eltbogen für die Armenanstalt X 20.—, für das Altersversorgungshaus X 20.—; von Herrn Regierungsrath Dr. Julius Schlag für den Frauenverein X 25.—, für die Dr. Adolf Schmiedl-Stiftung X 50.—; von Herrn Rudolf Kohn für den Waisenverein X 36.—, für die Dr. Adolf Schmiedl-Stiftung X 36.—; von Herrn Wilhelm Herzog für das Altersversorgungshaus X 10.—, für den Talmud-Thora- Verein X 10.—; von Herrn Rector Dr. Adolf Schwarz für die Dr. Adolf Schmiedl-Stiftung X 10.—; von Herrn Ignaz Blum für die Armenanstalt X 20.—, für das Blindeninstitut X 20.—; von Herrn Jacob Kann für die „Allianz" X 20.—, für das Blindeninstitut X 20.—, für die Chewra-Kadischa X 20.—, für das Taubstummeninstitut X 20.—, für den Waisenverein X 20.— . a _■ Im Gemeinde-Bethause XVI., Hubergaffe-8 : Von Herrn°^Josef Moses Krakauer X 6.—; von Herrn Hermann Gertler X 33 —; von Herrn Löwy de Lazarus X 42.—; von Herrn Josef Liftschütz X 14.—; von Herrn Jacob Holzer X 26.—; von Herrn Moriz Medak X 35.—; von Herrn Max Mandl X l0.—; von Herrn Alexander Steiner X 8.—; von Herrn Hermann Steigl X 24.—; von Herrn Joses Klein X 8.—; von Herrn Jacob Posamentier X 45.—; von Herrn Nathan Weil X 70.—. Wien. Berichtüberdieam 16. April 1903 a b g e h a ltene Sitzung der Bezirkscommission für die Bezirke XU—XV. Beginn 6 Uhr Abends. Vorsitzender: Herr Obmann S. B e e r; Anwesende: Herr Cultusvorsteher Gottlieb Taussig, Duschinsky, Hecht, Mohr, Neufeld, Sonnenfeld, Pick, Bernhard, Spitzer, Stern, Weinberger, Turner, Hofbauer; abwesend: Herr Dr. Bars, Khuner. Reichenfeld (entschuldigt). Tagesordnung: I. Mittheilungen des Obmannes. II. Discussion und Beschlußfassung über den Antrag des Commissions-Mitgliedes Herrn Director Hecht wegen Organisation des Armenwesens nach dem Elberfelder-System. XI. Allfällige Referate und Anträge. Der Obmann eröffnet die Sitzung mit der Begrüßung der. anwesenden Mitglieder und gibt der allgemeinen Freude, welche das Erscheinen des Herrn Cultusvorstehers G.Tauffig hervorgerufen, der hierdurch sein lebhaftes Interesse für die Bezirkscommission documentire, in herzlichen Worten Ausdruck Vor Uebergang zur Tagesordnung wird das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und verificirt. Hierauf theilt der Obmann mit, daß die in der letzten Sitzung beschlossenen Eingaben an den löblichen Cultusvorstand auch rechtzeitig an denselben abgegangen sind, daß aber bis heute eine Erledigung noch nicht eingelangt ist, weil der Cultusvorstand durch die.Predigerfrage, sowie durch andere nnaufschiebbare wichtige Angelegenheiten derzeit überbürdet sei; er macht ferner der Bezirkscommission Mittheilung, daß die vacanten Rabbinerstellen mit den Herren Dr. David. Feuchtwang und Grunwald besetzt wurden, eine definitive Zuweisung an die verwaisten Predigerstühle aber derzeit noch nicht erfolgte. Der Obmann spricht in bewegten Worten von dem zu früh dahingeschiedenen seligen Rabbiner Dr. Wolf und gedenkt ehrend seiner ersprießlichen Thätigkeit in den Bezirken XII—XV, deren Spur für ewige Zeiten unvergänglich ist. Heute seien alle Wiener Juden einmülhig von dem innigen Wunsche beseelt, daß die neuaufgenommenen Herren Seelsorger, deren hervorragende Fähigkeiten bekannt sind, der schweren Aufgabe und großen Verantwortung gewachsen sein mögen und mit unerschütterlichem Gottvertrauen, klarem Geiste und festem Herzen ihres hehren Priesteramtes zum Heile und Segen der ganzen Wiener Gemeinde walten mögen. (Lebh. Beifall.) Zum 2. Punkt der Tagesordnung ergreift das Wort Director H e ch t. Nachdem derselbe auf die enormen Summen hingewiesen, welche die Außenarmenpflege alljährlich verschlingt, und an einzelnen Fällen die gänzliche Wirkungslosigkeit der angewendeten Geldmittel erweist, gibt er in eingehender, populärer Weise ein anschauliches Bild des Elberfelder-Systems und beweist, daß eine Armenpflege nur dann von Erfolg sein kann, wenn sie auf die beiden Grundzüge dieses Systems, der Jndividualisirung und Decentralsiation, ausgebaut ist. Der Antragsteller führt einen Vergleich zwischen der Elberfelder und der in den.jüdischen Provinzgemeinden von altersher üblichen Armenhilfe und konrmt so zu dem Schluffe, daß das vielgerühmte, in vielen Städten nachgeahmte Elberfelder-System eigentlich nichts anderes sei. als diese alte, jüdische Art von Wohlthätigkeit, nur in einem den jetzigen Gemeindeverhältnissen angepaßten modernen Gewände. Da die der Bezirkscommifsion unterstehenden Bezirke XX—XV an Zahl der daselbst wohnenden Glaubensgenossen einer Gemeinde von mittleren Umfange gleichen, hält er die Einführung des Elberfelder-Systems für vortheilhaft und glaubt nicht, daß sich dieser durch die bereits bestehenden Vereine und Anstalten unüberwindliche Hindernisse entgegenstellen. Director Hecht meint, man müsse sich auch auf dem Gebiete der Armenpflege mehr von der Vernunft, als von momentanen Eingebungen des Herzens leiten lassen, es sei eine ganz irrige Auffassung, daß durch die Einführung des Elberfelder-Systems der segensreichen Thätigkeit der Vereine Abbruch geschehe ihr Wirkungskreis verengert oder gar an ihrer Selbstständigkeit und Autorität gerüttelt werde. Im Gegentheil: Je mehr humanitäre Vereine und Institute, desto erfolgreicher die Außenarmenpflege. Das Elberfelder-System verlangt nur eine genaue Kenntnitz der Anzahl, Ziele und Zwecke, sowie der Aufnahmsbedingungen der bestehenden Wohlthätigkeitsanstalten, um sich an diese in statutarisch entsprechenden Fällen mit Aussicht auf Erfolg wenden zu können. Soll das Wirken des Elberfelder-Systems von wirklichem Nutzen für die Gemeinde sein, dann ist die Scheidung des wahrhaft Bedürftigen von dem Professionsbettler die allererste Aufgabe. Ohne klare Einsicht in die Thätigkeit sämmtlicher in den Bezirken bestehenden Vereine sei aber diese grundlegende Bedingung unmöglich und daher die allmonatliche Ablieferung eines genauen Verzeichnisses der llnterstützten Personen, sowie die Höhe und Art der erhaltenen Unterstützung von jedem Vereine an das Gemeindeamt XV., Turnergasse 22 unbeoingt erforderlich. Hiedurch würde eine Vereinsstatistik, sowie auch eine Anlegung des so überaus wichtigen Armenkatasters ermöglicht. Der informatorische Charakter des letzteren würde dann im Stande sein, der noch immer häufig auftretenden und demoralisirend wirkenden Planlosigkeit im Wohlthun die gebührenden Schranken zu setzen. Der Antragsteller weist auf die dringende Rothwendigkeit hin, auch die Frauen zur Außenarmenpflege heranzuziehen, und ist überzeugt, mittels Zuhilfenahme dieser» eine vollkommen ausreichende Anzahl von tüchtigen, arbeitswilligen Pflegern zu finden. Director Hecht stellt sodann den Antrag: die Bezirkscommisfion für die Bezirke XII—XV wolle in Erwägung der zunehmenden Armuth in den ihr unterstehenden Bezirken, sowie der Unzulänglichkeit der ihr zu Gebote stehenden Hilfsmittel, im Einverständnisse mit den bestehenden confessionellen Wohlthätigkeits-Jnstituten beschließen, das Elberfelder - System in der Außenarmenpflege einzuführen. In längerer Debatte, an welcher sich Herr Cultusvorsteher G. Taussig, der Obmann, sowie die Commiffionsmitglieder Bernhard, Hofbauer, Mohr, Pick, Neufeld und der Referent betheiligen, wird eine Reform des derzeit geübten Armenpflegesystems allseitig für nothwendig erachtet und der Antrag des Direktors Hecht sympathisch begrüßt und im Principe einhellig genehmigt. Der Obmann dankt dem Referenten für das erstattete Referat, hält es aber doch im Interesse der Sache für wünschenswerth, zuerst mit den maßgebenden Persönlichkeiten des Bezirkes in Fühlung zu treten und zu diesem Zwecke eine größere Versammlung einzuberufen. Er bittet den Herrn Director Hecht, daselbst nochmals seine Ansichten über das neu einzuführende Armenpflegesystem zu entwickeln. Dieser Antrag gelangt hierauf zur einstimmigen Annahrne. Weiters wird ein an den löblichen Cultusvorstand gerichtetes Gesuch des jüdischen Turnvereines „Zion" um Subvention befürwortet, sowie Unterrichtsangelegenheiten vertraulich besprochen und diesbezüglich beschlossen, diese vorerst auf gütlichem privaten Wege zu regeln. Nach Erledigung der Tagesordnung wird die Sitzung um 7a9 Uhr Abends geschlossen.