Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 16 (17.4.1903)
- Date
- 1903-04-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 258 Alboin, der Longobarde, Zwingt inmitten seiner Garde Rosamunden, sein Genial, Aus dem Schädel — o Verbrechen! — Ihres Vaters mitzuzechen, Den durchbohrt hat jüngst sein Stahl. Rache übt sie lupanarisch. Denn auch sie war arisch. Aller Laster wüste Sckreckcn, Was nur Schauder mag erwecken, Jede Art Verworfenheit, Ueber die man je gewettert, Ward gefeiert mrd vergöttert, Kunstvoll kam's zu Herrlichkeit, Ehern, golden und carrarisch, Fragt nicht, das war arisch. Tollhaus-, Kerker-, Höllenkehricht, Was nur grauenhaft und thöricht, Ward gehoben auf den Thron; Daß der Mensch der Bestien schlimmste, Sie bewiesen es auf's Grimmste, Nannten es Religion; Wer's nicht that, galt für avarisch. Je nun, das war arisch.... Alle selbstverübten Gräuel, Eigner Laster wüsten Knäuel, Alt' und aus der Gegenwart, Um den Weltwahn auszunutzen. Den Semiten aufzumutzen Und sie, weil sie beff'rer Art, Drob zu zücht'gen exemplarisch. Das ist nunmehr arisch. Dr. Vloch's Wochenschrift. Lumpenseelen, Lügenmäuler, Gift'ge Zungen, Bierbankheuler, Manche noch in Rang und Amt, Ritualmordbuben, Streber, Radicale, Schollenkleber, Wie verschieden insgesannnt, Sie erklären es summarisch: „Wir allein sind arisch!" Heilgedanken, Heilgestalten, Neuen Bundes, wie des allen, Streicht sie aus dem Weltenbuch, Kehrt zurück nun wollusttrunken, Ganz in Blut und Schmach versunken, Zum urthierisch alten Fluch! Wieder herrschen soll barbarisch Unverfälschtes Arisch. Aus gesittungsmilden Christen Lasset werden Wotanisten, Folget der Jnstincte Spür Und verehret Eber, Stiere, Uebermenschen, Unterthiere; Aus der Höhe der Cultur Stürzet flügellahm, ikarisch. Seht Ihr: das ist arisch! Schopenhauer und den Polen Nietzsche wählt zu Apostolen; Typ hon, Siwa, Ahriman, Baal auf seiner Opferwarte, Moloch, Loke, Hel, Astarte Betet statt Adonai an Und beweiset literarisch: So, nur so sei's arisch. Sh 16 Schleudert falsch geles'neSch erben Gegen Mosis Tafeln, werben Könnt Ihr Professorentroß, E n t s e m i t e l t Euren Heiland, Macht die Welt zum „Teufelseiland", Dünkt Euch drob noch übergroß Und darüber lapidarisch Schreibet dann: echt arisch! .... Nein, nein, Sitte, Recht und Wahrheit, In dem Wollen Ruh' und Klarheit, Heimatstreue, fest und schlicht, Menschenliebe allumfassend, Das Gemeine ehrlich hassend, Opferfreude jeder Pflicbt, Meiden, was catilinarisch, Das sei fürder arisch! Wird noch in des Lebens Nöthen Des semitischen Propheten Herrlich herzerguickend Wort: „Haben wir nicht einen Vater, E inen Schöpfer und Berather, Brüderlich an jedem Ort Alle Menschen solidarisch" Wird es jemals arisch?! Beli Phachad. Literatur. Die hervorragendsten jüdischen Staatsmänner und Mäcene in srühere« Jahrhunderten. Von Dr. M. Friedländer, Wien 1903. Mit dieser hochinteressanten Schrift schließt der Verfasser, dem wir schon so viele literarische Genüße verdanken, die Serie seiner Geschichtsbilder in würdiger und harmonischer Weise ab. Es thut Einem so recht von Herzen wohl, wenn man ein Buch vor sich liegen hat, das eine solche Fülle von Anregungen, einen solchen Reichthum historischer Einsichten bietet, daß man an den Verfasser ganz vergißt, ganz vergessen darf Er verschwindet, wie wir das bei seiner großen Bescheidenheit ja gewöhnt sind, ganz hinter seinem Buch, das unsere ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt. Und wie einfach, klar und eindringlich spricht dieses Buch zu uns. Jedes Wort ist Gemüth, jeder Satz ftisches Leben, jede Seite befruchtende Belehrung. Und wie dringend noth thut uns heute solche Belehrung! Die Noth lehrt nicht nur beten, sondern auch lernen. Und wir haben lange nicht von unserer Vergangenheit gelernt, sie ist uns ein Buch mit sieben Siegeln geworden. Unsere eigene Geschichte, deren Kenntniß uns für die kommenden Zeiten vorberettet und Waffen gegen den uns aufgenöthigten Kampf in reichem Maße geliefert hätte, sie ist uns zu unserem unsagbaren Schaden entfremdet worden. „Alles da gewesen", sagt bcn Akiba; doch ach nicht für uns. Denn wir haben in der Geschichte unserer Väter nicht geblättert, ihre Zeichen nicht gesehen. Freilich ist neben unserem Jndifferentismus auch der Mangel an geeigneten Volksbüchern schuld an der unter uns Juden herrschenden nassen Unwissenheit in Sachen unserer Geschichte. Darum sind wir dem Verfasser zu großem Danke verpflichtet, daß er von der kahlen Höhe des Gelehrtenthums heruntergestiegen, um uns die Resultate der Geschichtsforschung, die so ergreifend für uns sind, mundgerecht zu machen und hier uns in so herzgewinnender Weise vorzutragen. Wollten wir unseren Lesern die Fülle dessen, was in dieser Schrift an historischem und biographischem Material geboten wird, zum Verständniß bringen, wir müßten das ganze Buch abschreiben, das von Anfang bis zu Ende spannend und mit großer Herzenswärme geschrieben ist und von dem wir uns im Interesse der Verbreitung der Kenntniß der jüdischen Geschichte aufs Innigste wünschen würden, daß es überall, in jedem jüdischen Hause, an jedem freien Abend gelesen werde! Wenn wir etwas zu tadeln hätten, so wäre es, daß der Verfasser in seiner innersten Empörung über die gefühlsrohen Angriffe auf das Judenthum und seine ehrwürdigen literarischen Denkmäler, in seiner tiefen Entrüstung, die wir ja Alle theilen, nur Augen hat für die im gegnerischen Lager herrschend gewordene frevelhafte Kampfesart und Verfolgungswuth; nicht aber für die großen Schäden, an denen das moderne Judenthum, das in seinem Leiden durchaus nicht berechtigt ist. sich als Märtyrer zu betrachten, laborirt. Gewiß, der Autor vorliegender Schrift wird uns erwidern, daß seine Aufgabe lediglich sei. die Vergangenheit als Warnungsbild und als Wegweiserin für die Zukunft, die Helden früherer Zeiten als Vorbilder der jetzigen Generation vorzusühren. Das stimmt. Noch mehr, er will geltend machen, daß er in seiner Schlußbetrachtung einen strafenden Blick nach Innen gerichtet. Auch das ist wahr. Allein in einer Zeit wie die heutige, wo sich sanftsäuselnde Mahnungen inmitten des betäubenden Lärmens hüben und drüben schwer Gehör zu verschaffen vermögen, müssen stärkere Accente angeschlagen werden, wie sie meistens die Propheten und Apokalyptiker anschlugen, und nicht blos zum Schluffe, auf jeder Seite wäre es am Platze gewesen, donnernde Strafreden in das lesende Publicum hineinzuschleudern. M. G. L. Frankfurt a. M, 31. März. Soeben erschien in dem bekannten rührigen Verlag von I. Kauffmann eine Schrift, welche gegen Professor Delitzsch die richtigen Worte und die richtigen Argumente findet. Es ist das Werk des Districts- Rabbiners Dr. Meyer in Regensburg unter dem Titel: „Contra Delitzsch. Die Babelhypothesen widerlegt. Mit einem Briefe des Herrn Professor Friedrich Delitzsch an den Verfasser". Briefkasten. M. Sp. in Troppau. Der 1. Mai 1860 war Dienstag den 9. Jjar 5620. Für die freundliche Angabe der Adressen besten Dank, K. Herr Lazarus, der gewesene Director der Lemberger Hypothekenbank, hatte sich erboten, das Capital für das projectirte dort aufzustellende Koszciusko-Monument aus eigenen Mitteln durch 100.000 Kronen zu ergänzen. Da aber sämmtliche polnische Blätter die „Frechheit eines Juden" grimmig rügten und die Polen empört ihre Stimme erhoben, beschloß das Koszciusko-Comite einstimmig, diese Spende „dankend" abzulehnen und den offerirten Betrag für das Monument des polnischen Helden von dem großen polnischen Patrioten nicht anzunehmen. L. Herr Professor Delitzsch, dem die deutsche Orientalische Gesellschaft die Gelegenheit geboten hat, mit den Ausgrabungsarbeiten Anderer zu krebsen, kratzt an dem „Nimbus des auserwählten Volkes". Herr James Simon, der werkthäthigste Förderer der Orientalischen Gesellschaft, hat hierauf mit einer Spende von 70.000 Mk. an diese guittirt. Mit welcher Spende wird Herr James Simon sich einfinden, wenn Herr Professor Delitzsch als antisemitischer Reichstagscandidat auftritt? — Man kann nickt „vorurtheilsfreier" sein. „Arnold Schwer". In der russischen Ortschaft Dubossari haben Antisemiten einen Knaben ermordet und zu ihrer Deckung das Märchen verbreitet, daß ein Ritualmord vorliege. Auf Weisung des russischen Justizministers begab sich der Staatsanwalt Sacharowitsch nach Dubossari. Er stellte fest, daß alle Angaben der Antisemiten erlogen waren. Die antisemitischen Mörder aber hat man nicht ergriffen. G. Das „D. V." ist in der Kalenderkunde ebenso unwissend, wie auf anderen Gebieten. Deswegen wundern sie sich nicht über die Behauptung, daß Ostern und Peffach seit 1328 nicht zusammenfiel. Sie fielen zusammen: 1609 (1. April), 1805 (3. April), 1825 (14. April). Als Beweis brauchen Sie blos die alten Kalender herzunehmen.