Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 16 (17.4.1903)
- Date
- 1903-04-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wortzenfchrifl. Seite 385 Schmied! richtete an ihn ergreifende Worte des Segens und der Ermahnung, dem edlen Beispiele seines Vaters nachzueifern. Der Familie des Regierungsrathes Dr. Schlag sind aus diesem Anlasse zahlreiche Sympathiekundgebungen zugekommen. Wien. (Katharina Brüll.) Bor einigen Tagen wurde Frau Katharina Brüll, Mutter des Componisten Ignaz Brüll, zu Grabe getragen. Die Verstorbene war eine Frau von hohen Geistesgaben — bis an ihr Lebensende nahm sie an allen Vorgängen im öffentlichen Leben, insbesondere aber in Literatur und Kunst, speciell in der Musik regsten Antheil. Selbst eine gediegene Clavierspielerin, hatte sie ungemein tiefes Berständniß für die Musik, und ihr Salon bildete in früheren Jahren einen Sammelpunkt der musikalischen Welt: Brahms und Goldmark gehörten zu ihren Freunden, und neben diesen Meistern verkehrten auch viele der heimischen und nach Wien kommenden ausübenden Musiker bei ihr. Dem L.'ichenbegängniß der edlen Dame wohnten denn auch viele Musiker, wie Goldmark, Mandl, Epstein, Door, Grün, und viele Kunstfreunde, Herrenhausmitglied Miller zu Aichholz, Sectionschef Liharzik, dann Mitglieder der Finanzwelt und endlich viele der Schützlinge bei, denen die Verstorbene reichliche Unterstützungen im Stillen zukommen ließ. Wien. (Kranken-, Witwen- und Waisen- Unter stützungsverein „Chesed schel emes“.) Die von diesem Vereine Montag den 13. d. M. im Deutschen Bolkstheater veranstaltete Matinöe hatte einen großartigen Erfolg zu verzeichnen. Es wurde das schon längere Zeit nicht mehr aufgeführte Drama .Alexandra" mit Fräulein Adele Sandrock und Herrn Victor Kutschers in den Hauptrollen gegeben und wirkte das Stück wie eine Premiöre. Das total ausverkaufte Haus folgte dem meisterhaften Spiele des genannten Künstlerpaares mit athemloser Spannung und rauschende Beifallsstürme durchbrausten das Haus nach jedem Actschluß. Das den besten Gesellschaftskreisen angehörende Publicum unterhielt sich vorzüglich und dem Fonde dieses so rührigen Vereines fließt eine beträchtliche Summe zu. Um das Zustandekommen der Matine; haben sich in erster Reihe der Präses des Vereines Herr Siegfried Beer und Herr Armenrath Adolf Hupka ganz besonders verdient gemacht. Wien. Am 4. April fand im Ballsaale Ronacher das erste Schauturnen des I. Wiener jüdischen Turnvereines statt. Dasselbe fiel in jeder Hinsicht günstig aus und bedeutet einen entschiedenen Erfolg des Vereines. Das zahlreich erschienene Publicum acclamirte stürmisch die in ihrer kleidsamen Tracht stramm aufmarschirenden Turner und die in einem äußerst schmucken blauweißen Costüme sich präsentirenden Turnerinnen. Das turnerische Programm wurde exact durchgeführt und zogen namentlich die hervorragenden Leistungen der ersten Riege am hohen Reck die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Den Höhepunkt des Festes bildete unstreitig der Damenreigen, der sehr präcise zur Ausführung gelangte und mit seinen wechselnden Figuren ein entzückendes und anmuthiges Bild bot. Auch die übrigen turnerischen Vorführungen, so namentlich die Stabübungen der Herrenriege, fanden den lebhaften Beifall des Publicums. Volles Lob gebührt dem ersten Turnwarte, Herrn Rudolf Pollak, der die Aufführungen in überaus glücklicher Weise znsammengestcllt und viel Mühe und Zeit auf die Einstudirung derselben verwendet hatte. Auf das Schauturnen folgte ein Tanzkränzchen, welches von den costümirten Turnerinnen und den Herren vom Comitß eröffnet wurde. Trotz der vorhergegangenen anstrengenden Uebungen betheiligten sich Turner und Turnerinnen in erster Linie eifrig und ausdauernd am Tanze. Demselben wurde bis in den grauen Morgen gehuldigt und herrschte die ganze Zeit hindurch die animirteste Stimmung. Im Laufe des Abends trafen zahlreiche Telegramme und Begrüßungsschreiben von jüdischen Turnvereinen des In- und Auslandes, sowie von Freunden des Vereines ein. So kann denn der I. Wiener jüdische Turnverein mit dieser seiner ersten größeren turnerischen Veranstaltung vollauf zufriedcn sein, die seine turnerische Leistungsfähigkeit voll und ganz erbracht Hai. Wien. Am 5. April d. I. starb in Dobersberg bei Waidhofen ° a. d. Thaya Herr Lazar Hirschkron im Alter von 75 Jahren nnd wurde am 7. d. M in Waidhofen a. d. Thaya beerdigt. Der Verblichene lebte durch nahezu 40 Jahre als einziger Jude in Dobersberg als Kaufmann und war in jeder Hinsicht ein edler Charakter. An seiner Bahre trauerten die Gattin und 4 Kinder, welche sich in angesehenen Stellungen befinden. Das am 7. d. M. stattgehabte Begräbniß gestaltete sich zu einem höchst imposanten. Außer den Glaubensgenossen der ganzen Umgebung betheiligten sich die grast. Grüne'schen Beamten, die Lehrer und ein großer Theil der christlichen Bevölkerung von Dobersberg und Umgebung. Im Trauerhause zu Dobersberg und auf dem Friedhofe zu Waidhofen hielt der dortige Rabbiner dem Verstorbenen wohlverdiente Nachrufe. Woslau. Es wird uns mitgetheilt: Der bei den Wiener Curgästen israelitischer Consession so sehr beliebte Hotelier Moritz Z w i e r s ch ü tz, besten Schmeicheleien und Witzen es gelingt, das jüdische Sommerpublicum so sehr anzulocken, daß es allabendlich die Reftaurations-Localitäten bis aufs letzte Plätzchen füllt, wie auch dessen Hotel fast durchaus nur von Juden bewohnt wird, dieser von der Liebe zum Juden triefende Herr hat sich vor einigen Tagen ein starkes Stückchen geleistet, welches geeignet wäre, den Wienern die Augen über diesen Herrn zu öffnen. Hier in Vöslau lebt ein Herr K o h n, Schächter und Religionslehrer, der sich des besten Rufes erfreut. Er faßte die Idee, eine kleine Selcherei zu errichten. Ter Bürgermeister Herr R e i t t e r billigte den Plan mit der hochherzigen Begründung, daß auch den Minderbemittelten jede Gelegenheit gegeben werde, in Vöslau rituell zu leben. Das Gesuch des Herrn Kobn wurde infolge der Bereitwilligkeit des Herrn Bürgermeisters eingebracht und in der Gemeinderathssitzung mit Stimmenmajorität bewilligt. Herr K o h n miethete sich bereits ein Local, erlegte schon den Gulden-Stempel für das Decret der Bezirkshaup'mannschaft Baden, als Herr Zwierschütz in der darauffolgenden Gemeinderathssitzung den Gegenstand noch einmal zur Verhandlung erzwang und trotz Protestes des Bürgermeisters und anderer Herren mit sieben Stimmen Mehrheit die Angelegenheit zu Falle brachte. Er erklärte nämlich: „Wir brauchen keine armen Juden; die kein Geld haben, sollen zu Hause bleiben!" — Als dann Herr Zwierschütz von der Sitzung nach Hause zurückkehrte, sagte er zu seinen Gästen, frohlockend die Hände reibend: „H e u t' h a b'n m'r wieder an Juden obidraht!". Diese vor Zeugen getbane Aeußerung, wie auch die Herzlosigkeit den minder begüterten Juden gegenüber, die doch auch Luft und Erholung brauchen, kenuze chnen die Gesinnung dieses Herren, dessen Judenfreundlichkeit und Liberalismus ihm nur bis zur Tasche reichen. Hoffentlich werden unsere Glaubensgenossen, die im nächsten Jahre nach Vöslau kommen werden, von dieser Notiz Kenntniß nehmen. Tefchen. Fräulein Martha Gutmann, Tochter des israelitischen Religionslehrers Herrn I. Gutmann in Tefchen, hat sich mit Herrn Lambert Haas, Beamter der l. Ungar. Versicherungsgesellschaft in Budapest, Sohn des Herrn Comitats- Oberphyficus und Cultuspräses Dr. Jakob Haas in Turocz- Szt.-Marton, verlobt. Feuilleton. Moderne Marannen. Ein Zeitbild aus dem Leben der Juden in Rumänien. Von I. I. Lewontin. Aus dem Hebräischen. (Fortsetzung.) Doch dies Glück sollte nicht von langer Dauer sein . . . Habt Ihr, meine Lieben, einmal von jenen Bauern gehört, die auf den Abhängen des Vesuv in dem gesegneten Italien ihre Acker bestellen? Da steht das Bauernhaus aufrecht, der üppige Garten ist wohlgepflegt, die Blumen find erblüht und verbreiten ringsum einen berauschenden Duft, die frischbelaubten, saftreichen Bäume breiten ihre Aeste aus und scheinen die Vorübergehenden einzuladen, in ihren Schatten auszuruhen von des Tages Mühen — — plötzlich aber durchzuckt den Erdboden ein Beben, der feste Grund ist erschüttert, die ganze Welt scheint zu wanken, ein Schlund lhut unvermuthet sich auf, Lavaströme brechen hervor, Flammen züngeln zum Himmel hinauf — und im Nu ist das Haus zusammengestürzt und hat seine Jnsaffen lebendig begraben oder das Haus ist unter dem Erdboden verschwunden und die Einwohner müffen ihr Heil in der Flucht suchen und find frob, mit lebendigem Leibe davonzukommen, während ihr ganzes Hab und Gut, die mit dem Schweiße ihres Angesichtes getränkten Gärten und Fruchtbäume und Felder, vernichtet ist . . . Und noch vor einer Stunde saßen sie friedlich und arglos da und freuten sich ihres Daseins . . . Auf ähnlichem, schwanken und unsicheren Boden bauen unsere Brüder in Rumänien, dem Lande ihrer Pein, ihre Häuser. Das Unheil kommt über sie, sie wiffen nicht wann und wie und woher. Unvermuthet bricht das Ungewitter über sie los, zertrümmert, vernichtet, zerstört und entwurzelt all die mit unendlicher Mühe gepflanzten Hoffnungen, all die Früchte jahrelanger Arbeit und Anstrengung. . . Ein Gesetz erging, wonach alle nichtnaturalifirten Juden in Rumänien, sie mochten im Lande geboren und erzogen sein