Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 16 (17.4.1903)
- Date
- 1903-04-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 264 Dr. BLoch's Wochonschrifl. Nr. 16 den hiesigen politischen Kreisen herrscht der Eindruck vor, daß der ganze Verlauf der Verhandlung und das Verdict der Geschwornen eine Verurtheilung des heutigen Regimes bedeute, und daß die gegenwärtige Regierung sich nicht mehr lange am Ruder werde halten können. Die seit nunmehr drei Jahren unausgesetzt fortdauernde Auswanderung unserer Glaubensgenosien, welche nach den Pessach Feiertagen noch größere Dimensionen annehmen wird, macht sich in ihren unangenehmen Consequenzen allen Kreisen der Hauptstadt immer empfindlicher fühlbar. In erster Linie leiden natürlich die Hausbesitzer, denn viele Hunderte von Wohnungen, in denen die aus gewanderten Juden gewohnt haben, stehen leer, und die Folge ist ein außerordentlicher Rückgang der Miethspreise. Die Hausbesitzer können ihren Verpflichtungen nicht mehr Nachkommen, denn ihre zur Zeit des wirthschaftlichen Aufschwungs theuer gebauten Häuser, auf denen riesige Hypothekenschulden lasten, sind ohne Miether oder müffen zu Spottpreisen vermiethet werden. Wie einer der Führer der Hausbesitzer, Joan Bratescu, in einer öffentlichen Versammlung mittheilte, schweben nicht weniger als 1200 Proceffe gegen Bucarester Hausbesitzer, weil sie ihre Schulden bei dem Öreckit koneier urdain cke Luearegt, das ist das städtische Pfandbrief-Institut, nicht zahlen können. In dem Jahresbericht dieses Instituts bilden denn auch die Rückstände an Zinsen und Amortisations-Zahlungen seitens der Hausbesitzer die größten Positionen. Nach deutschen Begriffen wäre das Institut schon bankerott, denn diese Rückstände übersteigen um viele Millionen die Summe des Gesellschafts-Capitals auch unter Hinzurechnung des Reservefonds. Wenn das Institut erst genöthigt sein wird, jene 1200 Häuser, wegen deren es proccssirt, ganz oder theilweise in eigene Verwaltung zu übernehmen, so wird dies noch schlimmer werden, denn aus dem Bericht geht auch hervor, daß die von dem Cr6dit foncier selbst verwalteten Häuser nicht einmal die Hypothekenzinsen bringen. Andererseits klagen, wie die rumänischen Zeitungen berichten, die Meister in verschiedenen Gewerben, so vor Allem die Schneider, Schmiede, Dachdecker rc., darüber, daß auch bei großen Opfern keine Gehilfen zu bekommen sind, da die jüdischen Arbeiter in ihrer Mehrzahl ausgewandert sind. Die Löhne in diesen Handwerken steigen rapid, und die Meister haben bereits vergebliche Anstrengungen gemacht, um von Budapest und Wien her Ersatz kommen zu laffen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß diese Wirkung der Auswanderung unserer Glaubensgenossen sich für die gesammten wirthschaftltchen Verhältnisse mit jedem Monat noch empfindlicher bemerkbar machen wird. Und das ist die Nemesis, »denn alle Schuld rächt sich auf Erden". New-Hork. (Der scheidende Arzt bei einem Bankett der B'n a i B'r ith Logen gefeiert.) Dr. Friedrich Müller, der sich am 20. März nach Chicago, seinem künftigen Wirkungskreis, begeben wird, nachdem er hier in der kurzen Zeit seiner Anwesenheit eine Anzahl Operationen nach den Methoden von Professor Lorenz aus geführt hat, die meisten im Beth-Jsrael-Hospital, woselbst er gestern noch drei Operationen vollzog, wurde gestern Abend bei einem Bankett gefeiert, das von den B'nai B'rith Logen der unteren Stadt in Pacific Hall, No. 209 East Broadway, arrangirt war. In seiner Abschiedsrede sprach der scheidende Arzt seinen tiefgefühlten Dank aus für das ihm bewiesene Entgegenkommen und die ihm zu Theil gewordene Anerkennung, die indeß weniger ihm persönlich als seinem großen Meister, dessen Schüler er gewesen, zukomme. Im weiteren Verlaufe seiner Abschiedsrede führte Dr. Müller aus, daß die von ihm auf amerikanischem Boden gemachten Beobachtungen und Erfahrungen derartige seien, daß die vielfach verbreitete Meinung, daß der Amerikaner ein rein materialistischer Mensch sei, in sich selbst zusammenfalle. Nirgendswo in der ganzen Welt, führte der Redner aus, gebe es so viele auf das Prächtigste ausgestattete philanthropische Institutionen, die allein von Privatindividuen unterhalten würden, und nirgendswo gebe es so viele Aerzte, die sich ohne Entschädigung in den Dienst der Wohlthätigkeit stellten. »Wahrlich solche Männer", sagte der Redner, »sind keine Materialisten, und Columbia kann mit Stolz auf seine Söhne weisen, denen ich aus vollem Herzen meine Achtung bezeuge. Möge diese edle Arbeit die reichsten Früchte tragen. Meine Herren, ich leere mein Glas auf meine hochgeschätzten College», die Aerzte in den Vereinigten Staaten." Den scheidenden Arzt feierte Dr. Dexter Ashley, der Bezug darauf nahm, daß er seinerzeit in Wien unter dem großen Orthopäden Professor Lorenz studirte und bei dieser Gelegenheit Dr. Müller kennen lernte, der als Assistent von Professor Lorenz dem amerikanischen Studenten auf das Freundlichste entgegenkam, ihn auf jede Weise förderte und ihn zuerst in die Heilmethode blutloser Operationen einführte. Dem scheidenden Freund und Arzt, der seine Heimat, das Land des österreichischen Doppeladlers, aufgegeben, wünschte der Redner, indem er sich zum Schluß einer humoristischen Redewendung bediente, daß er in dem Lande seiner Wahl der Doppeladler die schwere Menge einheimsen werde, damit er wenigstens finanziell für das von ihm gebrachte Opfer, indem er sich von seinem Heimatlande losriß, reichlich entschädigt werde. Als Toastmeister des Banketts fungirte Dr. Isidore Singer, der den Reigen der Trinksprüche mit einem Toast auf Präsident Roosevelt eröffnete, den er auf Grund der bekannten rumänischen Note vom 11. August 1902, »eines politischen und historischen Documents, dessen schließlicher Einfluß auf die Hebung der Lage der Juden im östlichen Europa zur Zeit noch nicht in vollem Umfange ermessen werden kann", als Apostel der Menschlichkeit und Freiheit pries. Außerdem sprachen Dr. D. Blaustein, Superintendent der Educational Alliance, über das Beth Israel Hospital, Dr. Silvermann über »B'nai B'rith", Congreßmitglied Goldfogle über »Wohlthätigkeit ohne Ansehen des Glaubens", Ex-Assemblyman Meister vom 14. Assembly-District und A. Dr. Singer nahmen außerdem Veranlassung, der Operation zu gedenken, die Professor Lorenz nach den Vereinigten Staaten geführt, der Operation an der kleinen Lolita Armour in Chicago. Dem scheidenden Arzt zu Ehren war der Bankettsaal auf das Sinnigste in reichen Blumenschmuck gehüllt, vermischt mit den amerikanischen, österreichischen, deutschen und anderen Farben. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Minna Freystadl: Von Herrn kais. Rath Moriz Hirsch, I., Reichsrathsstraße 1, X 20.—, von Herrn Ernst Hirsch, I., Reichsrathsstraße 1, X 20.—, von Herrn Arnold Rosenthal, X, Reichsrathsstraße 1, X 20.—, von Herrn Julius Stern, I., Kohlmessergasse 5, X 30.—. von Max und Emniy Stern, I., Kohlmessergasse 5, X 30.—, von Frau Pauline Pollak, I., Kohlmessergasse 5, X 30.—, von Therese und Alfred Sachs, X30.—, von Herrn Isidor Stern, X 20. , von Herrn Berthold Glück X 20.— , zusammen X 220.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Marie Singer: Von Herren Emanuel und Rudolf Singer, II., Mießbachgasse 3, X 6.-. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Samuel Pollak: Von Herrn Ignaz Blum, II., Täborstraße 11 b, X 10.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Moritz K a r p e l e s Von Herrn Arnold Rosenthal, I., Reichsrathsstraße 1, X 30.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Katharina Brüll Von Herrn und Frau Dr. Hermann Fialla X Sn.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau M. F.: Von I. F. in Meran X 10. , von F. Z. in Przemysl X 4.—; zusammen X 14.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Charlotte S p i r a: Von Herrn Dr. Max Weisenstein, XX., Klosterneuburgerstraße 41, X 4.—, von Frau Josefine Leirer, VI.. Esterhazygasse 32, X 4.—, von Frau Fanny Kohn, XV., Mariahilferstraße 166, X 2.—, von Frau F. Spira, VII., Mariahilferstraße 74 8, X 5.—, von Herrn Heinrich Spira & Trebitsch X 2.—, von Herrn Leopold Spira, XX., Wallensteivstraße 16, X 2.-, von Herrn Adolf Spira, X., Himbergerstraße 65, X 4.—, von Herrn Felix Wolmuth, VI., Kaunitzgasse 6 a, X 5.—; zusammen X 28.—. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 26. April l. I. um V21 Uhr findet im israelitischen Tempel, I.. Seitenstettengasse, die Trauung des Fräulein Rosa Menkes, Tochter des II. Cantors der israelitischen Cultusgemeinde Herrn H. Menkes, mit Herrn Adolf Holpern statt. Wien. (T r a u u n g.) Dienstag den 28. April l. I. um 2 Uhr Nachmittags findet in der Meisel-Synagoge in Prag die Trauung des Fräulein Bertha K o m i n i k, Tochter des Herrn Markus Kominik, mit Herrn Alois Theumann, Sohn des bekannten Wiener Selchfleischwaaren-Fabrikanten, statt. Wien. Sonntag den 12. April d. I., am ersten Tage des Pessachfestes, beging Herr Regierungsrath Dr. Julius Schlag im israelitischen Tempel der Leopoldstadt das Conficmationsfest seines Sohnes Hans. Der Confirmand, von dem Bater selber vorbereitet, wurde als Maftir zur Thora gerufen, trug den Prophetenabschnitt mit überall vernehmlicher Stimme und verständnißvoller Betonung vor. Der greise Rabbiner Doctor