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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-17 · 16 (17.4.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
16 (17.4.1903)
Date
1903-04-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 16 Dr. Bloch's Wochenschrift. «Me SSL Liter Milch mit einem Kostenaufwande von X 9869*18. An Kohle wurden 18.898 Säcke vertheilt. Angesichts der wiederholten und strengen Frostperioden des Winters 1902/1903 war eine wiederholte Betheilung von Familien, welche Kranke, Greise oder Säuglinge in sich schließen, erforderlich. Für diesen speciellen Zweck hat das Vorstandsmitglied Herr Salo Cohn die munificente Spende von X 4000.— gewidmet. Die Sprise-Anstalt gewährte im Berichtsjahre an 239 Studierende den Freitisch. Es wurden 26.362 Portionen mit einem Kostenaufwande von X 13.623*28 verabreicht. Ansehnliche Spenden sind zn verzeichnen: vom Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde Herrn kaiserl. Rath Kiinger X 1200'—. von Frau Mathilde v. Gutmann X 3000*—, von Herrn Max Ritter von Gutmann X 5000*—, von Herrn Philipp Thorsch X 1000'—, von Frau Helene von Mauthner X 1500' — , von Frau Brtti Frankel X 3000'—. von Frau Sophie von Bauer X 1000'—. Zufolge letztwilliger Verfügungen sind der Anstalt zugekommen: nach Herrn Heinrich M. Elias 1144*80, nach Herrn Karl Pollak als einstweilige Erbtheilquote X 4892'28, ferner nach demselben zwei Zuwendungen für den Fonds per X 3528*— zur Berichtigung von Miethzinsrückständen und per X 2646*— zur Anschaffung von Brennmaterialien, nach Herrn Leopold Kann X 3375*50 zur Errichtung einer Leopold und Fanny Kann'schen Stiftung für die Speise-Anstalt. E«ne namhafte Anzahl von Mitgliedern ist der Armen-Anstalt und der Speise-Anstalt neu beigetreten, was den Vorstand als Zeichen einer sich erweiternden Theilnahme an seiner Wirksamkeit mit größerer Beruhigung in die Zukunft blicken läßt, und er hofft, daß die werkthätige Mithilfe der Glaubensgenossen an der Armen- Anstalt sich nachhaltigst bewähren werde. — Der Vorstand der Armen-Anstalt besteht derzeit aus den Herren: David Ritter von Gutmanu als Präsidenten, Dr. Felix Katzau und Tbeodor Ritter von Goldschmidt als Vicepräsidenlen, Salo Cohn, S. Ritter von Hahn, Josef Jellinek, Wilhelm Poppenheim, M. A. Pollak, Salomon Rosner, Dr. Maximilian Steiner, Heinrich Teltscher, Julius Wolf als Ausschußmitglieder. Wien. Am 4. April 1903 fand in Anwesenheit eines distinguirten Publicums die ordentliche Generalversammlung des Vereines ErstesisraelitischesReconvalescentenh eim für arme jüdische Frauen und Kinder. VIH., Laugegaffe 1, statt. Die Präsidentin Frau Amalie Beck eröffnete mit einer kurzen Ansprache die Versammlung und gedachte in warmen Worten der im Berichtsjahre dahingeschiedenen Gönner und Förderer des Vereines. Herr Obmann Leopold Guttmann erstattete den Bericht über die bisherige Thätiokeit des Vereines, Herr Cffsier Dr. Koch über das Bilanzergebniß des abgelaufenen Jahr«s. Bei den hierauf stattgefundenen Wahlen wurden Herr Dr. Oscar Hein neu. zu Revisoren die Herren Dr. Alfred Schlesinger und S. Steiner wiedergewählt. Ueber Antrag des Herrn S. B r o d wurde der Präsidentin und dem Vorstände der Dank für ihre Thätigkeit votirt. Nach einem mit lebhaftestem Beifalle aufgenommenen Vortrage der Frau Antonie Graf hielt das Mitglied des Vereines Herr kais. Rath Johann L i ch t e n st a d t den in der vorwöchentlichen Nummer erschienenen Vortrag. Budapest. (Neue Hofräthe.) Se. Majestät hat dem Präsidenten der Pester israelitischen Cultusgemeinde und der Poster Lloyd-Gesellschaft Siegmund Kohner. sowie dem Reichsrathsabgeordneten und Vicepräsidenten der Pester Lloyd- Gesellschaft Berthold Weiß, in Anerkennung ihrer auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten erworbenen Verdienste den Titel eines königl. ung. Hofrathes taxfrei verliehen. Präsident Siegmund Kohner nimmt seit Jahrzehnten am öffentlichen Leben in mannigfaltiger Weise den hervorragendsten Antheil, und sein von patriotischem Geist und echtem Herzensadel inspirirtes Wirken für alles Gute und Schöne, die werkthätige Förderung, die er jedem humanitären Streben angedeihen läßt, seine umfassende allgemeine und commercielle Bildung, sein liebenswürdiges, conciliantes Wesen haben ihm die wärmsten Sympathien und die aufrichtigste Werthschätzung aller Kreise gesichert. Als Mitchef des Großhandlungshauses Adolf Kohner u. Söhne, als Censor der Oesterreichisch-ungarischen Bank, als Directionsmitglied und Vicepräsident der Commercialbank, als Präsident der Pester Lloyd-Gesellschaft hat sich Herr Kohner auf volkswirthschaftlichem Gebiete namhafte Verdienste erworben. Auf socialem, speciell aber auf philanthropischem Gebiete zählt er zu den führenden Persönlichkeiten der Hauptstadt. Als Moriz Wahrmann starb, wurde er zum Präsidenten der Pester israelitischen Cultusgemeinde gewählt, und diese Stelle, die mindestens so sehr Bürde als Würde ist, versteht er seit genau einem Jahrzehnt mit einer Gewissenhaftigkeit und Selbstaufopferung, die ihm die Herzen aller Gemeindemitglieder erobern mußte. Seine segensreiche Thätigkeit ist schon vor Jahren durch eine Allerhöchste Auszeichnung: das Comthurkreuz des Franz Joseph-Ordens, belohrt worden. Diese seine neuerliche Auszeichnung wird überall, wo man sein stilles, aber umso ersprießlicheres Wirken kennt, mit Freude und Genugthuung zur Kenntniß genommen werden. — Ebenfalls die Verdienste auf volkswirthschaftlichem Gebiete find es, welche die Aufmerksamkeit des Landesherrn auf Berthold Weiß gelenkt. Seit mehr als drei Jahrzehnten wirkt er thatkräftig für die Entwicklung der ungarischen Industrie. Selbst einer der ersten Großindustriellen des Landes, hat er mehrere Industriezweige in demselben eingebürgert und dem heimischen Gewerbe, namentlich durch die Errichtung einer Patronenfabrik in Berlin, auch im Auslandzu Ehren und Anerkennung verholfen. Auch an der Leitung mehrerer Finanzinstitute hat er sich in maßgebender Weise betheiligt. Sein Verdienst ist das Zustandekommen des Landes-Pensionsvereines der Privatbeamten. Er ist Mitglied der Budapester Handels- und Gewerbekammer. Stadtrepräsentant rc., und in allen diesen Stellungen haben sich seine fachmännischen Kenntnisse, seine Umficht und sein Scharfblick bewährt. Im Abgeordnetenhause, dem er seit zwei Cyklen angehört, hat er in volkswirthfchaftlichen Fragen wiederholt feine nicht gewöhnliche Bersirtheit bekundet. Krach und Eorruption in Rumänien. Bor einigen Wochen hatte das Jaffyer Blatt „Evenimentul* einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Vicepräsident der Kammer, Take Protopopescu, eine der Koryphäe» der liberalen Partei, der Mitschuld an den bei der Amortisirung der Rententilres im Finanzmini terium begangenen Fälschungen bezichtigt wurde. Protopopescu strengte gegen den Chefredacteur des Blattes, S. Prasin. die Berleumdungsklage an. welche heute Nachmittags vor den Bucarester Geschwornen zur Verhandlung gelangte. Dir erste einvernommene Zeuge war der ehemalige Generaldirec «>r der Staatsbuchhaltung und Hauptangeklagte der Fälfchungsaffa xe Parisianu, welcher folgende Aussagen machte: Die Fälschung-n begannen im Jahre 1887, wo auf Befehl des heutigen Ministerpräsidenten Demeter Sturdza. welcher damals Unterri^lft?r war, 600.000 Francs rumänischer Reutentitres ausgelost wurden, welche der vom verstorbenen Metropoliten Nifon gegründeten Stift,mg gehörten. Mit der Ueberbringung des Befehles an die betceffenoen Beamten wurde der damalige Generals« cretär des Finanzministeriums, Take Protopopescu. betraut. Mit den Rententtres der Nison-Stiftung hat es folgende Bewandtniß: Der Bucarester Metropol-t Nifon hatte sein ganzes, mehrere Millionen betragendes Vermögen kirchlichen Zwecken zugewendet und unter Anderem 600.000 Francs in rumänischer Rente bei der Bank in Odessa deponirt unter der Bedingung, daß blos die Zinsen an die von ihm gegründete Stiftung ausbezahlt und die R-wtentitres selbst nur in dem Ausmaße ausgefolgt werden, als sie zur Amortisirung ausgelost würden. Im Jahre 1887 brauchte nun die Nifou-Stistung Geld für den Bau nnes Seminars, und der damalige rumänische Cultus- und Unterrichts minister Demeter Sturdza verlangte von der Bank in Odeffa die Ausfolgung des Legats. Als ihm diese Ausfolgung verweigert wurde, ordnete er die Z»?hung aller bei der Bank deponirten Rententitres an. Der Untersuchungsrichter Sabareanu, gleichfalls als Zeuge einvernommen. gab zu, daß Parisianu ihm auch eine andere Person als in die Betrugsaffaire verwickelt angegeben habe. Er habe diese P'rson einvernommen und dieselbe habe die Thatsache eingestanden. Sein Gewiffen aber habe ihm dictirt, daß er seine Nachforschungen nach dieser R.chtung hin nicht weiter ausdehne und die Aussage nicht zu Protokoll nehme. Einer der Advocaten Prvtopopescu's, der ehemalige liberale Minister Porumbaru, gab die Affaire mit den Rententitres der Nifon-Stiftung in gewissem Sinne zu, fügte aber hinzu, daß dies eine Angelegenheit internationaler Natur gewesen sei, welche auf diplomatischem Wege zwischen der ruffifchen und der rumänifchenRegierung geordnet wurde. DerBertheidigerPcasin's, der gewesene conservative Minister Take Jonescu, behauptete, ohne Widerspruch zu finden,; aß außer den Fälschungen von 1887, welche Herr Porumbaru verherrliche, auch im Jahre 1901 unter dem damaligen liberalen FinanzministerPallade falsche Rentenziehungen angeordnet wurden, und daß sich die Untersuchung die Aufklärung dieser Thatsachen nicht habe angelegen fein laffen. Auf Grund all dieser Erklärungen verneinten die Geschwornen die Schuldfrage und Prasin wurde freigesprochen. Der Freispruch wurde von dem im Saale anwesenden Publicum mit donnerndem Beifall ausgenommen. In

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