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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-17 · 16 (17.4.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
16 (17.4.1903)
Date
1903-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Sr. BlvÄl's WvchrnlÄrrlK Seite 251 hinwegzuspülen vergessen, so können sich die Juden beim Großen Hosanna derselben entledigen. Mit einem Weidenbüschel schlagen sie am Schlüsse des Morgengottesdienstes gegen die Sitze der Synagoge, und mit den fallenden Blättern fallen auch die letzten Sünden von dem Reuigen ab. In der oben angedeuteten Weise vollzieht sich das Leben der Ost-End-Juden. Sie betrachten England als ihre zweite Heimat, vermischen sich aber nur in den seltensten Fällen mit Engländern. Denn ob auch die Stammesverschiedenheiten unter den Juden sehr ausgeprägt sind und ob auch der aus Galizien kommende Jude mit Geringschätzung auf den russischen Juden hersbblickt, und der russische Jude mit souveräner Verachtung auf den polnischen und ostpreußischen Juden, so fühlen sie sich doch alle den Engländern gegenüber als Landsleute. Sie sprechen jüdisch, essen jüdisch, kaufen nur von Juden und leben mit Juden; sie bleiben in Sprache, Sitten und Lebensgewohnheiteu Juden. Auch das erklärt bis zu einem gewissen Grade die antisemitischen Tendenzen, die gegenwärtig in England zu Tage treten. („Hamburger Nachrichten.") Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 8. April 1903 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger. Beginn der Sitzung 6 Uhr Abend». Zu Beginn der Sitzung hält der Vorsitzende dem jüngst dahinqeschiedenen Herrn Moriz Karpeles einen ehrenden Nachruf. Er hebt in demselben insbesondere hervor, daß der Verewigte durch viele Jahre dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde in hervorragender Stellung angehörte und sich insbesondere als Obmann der Finanzsection um die Ordnung der Finanzen der Cultusgemeinde sehr verdient gemacht habe. Die hervorragendsten Körperschaften unserer Gemeinde: die altehrwürdige Chewra-Kadischa, sowie das Curatorium der Israelitischtheologischen Lehranstalt beklagen durch das Ableben des Herrn Karpeles den schweren Verlust ihres hochverdienten Präsidenten. Dem durch besondere Herzensgüte und Ausübung der Wohlthätigkeit ausgezeichneten Manne wird unsere Gemeinde ein treues Gedenken bewahren. Das Plenum hat durch Erheben von den Sitzen die Zustimmung zu dieser Trauerkundgebuna bekundet und gibt wohl das Einverständniß — schließt der Präsident — daß diese Trauerkundgebung dem Protokolle einverleibt werde. (Allgemeine Zustimmung.) Der Vorsitzende läßt hierauf ein Schreiben der Gattin des Verewigten, der Frau Emma Karpeles, verlesen, in welchem dieselbe dem Vorstande und insbesondere dem Präsidenten für die bewiesene Theilnahme den herzlichsten Dank ausspricht und gleichzeitig X 2000.— für Arme widmet, mit der Bestimmung, daß die Vertheilung dieses Betrages dem Ermessen des Präsidenten überlassen sei. Die vom Präsidenten im Einvernehmen mit dem Vertreter-Collegium verfügte Auftheilung der Spende wird zustimmend zur Kenntniß genommen.' Des Weiteren theilt der Präsident mit, daß ihm Herr Emil Karpeles, ein Sohn des Verblichenen, den Betrag von K 1000.— für eine Jahrzeitwidmung übermittelt habe. Im Einlaufe werden weiters öekanntgegeben an Spenden; Von Herrn Dr. Arnold Rappaport Edl. v. Porada aus Anlaß der Verehelichung seiner Tochter zur Vertheilung an verschiedene humanitäre Institute X 1100.—; von Herrn Maximilian Jellinek zur Errichtung eines Stiftplatzes im Siechenhause zum Andenken an seine selige Gattin Frau Marie Jellinek geb. Bloch 13.000.—; von Frau Rosalie Goldschmidt aus Anlaß des Todestages ihres Gatten des seligen Herrn Karl Goldschmidt zur Vertheilung an jüdische Arme 200.—, für die Chewra-Kadischa 200.— , für den Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten in Wien 200—, für das israelitische Altersversorgungshaus 600.—; Legat des seligen Herrn David Schwarzmann zur Vertheilung an Arme 1000--; von Herrn Heinrich Spitzer für das israelitische Altersversorgungshaus zum Andenken an seinen seligen Bruder Adolf Spitzer 500.—; von Herrn und Frau Simon Wachtl zur Errichtung einer Widmung für den Wöchnerinnenverband aus Anlaß der Geburt ihres Sohnes 5«»'. -; von der Familie nach dem seligen Dr. Moriz Stiglitz aus Anlaß seines Ablebens zur Vertheilung an Arme 200.—; von Frau Malvine Rosenthal für Arme anläßlich eines Familienfestes 100.—; von Herrn Alexander Brüll in Fiume 100.— für den israelitischen Waisenverein anstatt eines Kranzes auf den Sarg der seligen Frau Regine Hirsch; von Frau Laura Wolf-Bardach für verschiedene Wohlthätigkeitsvereine zum Andenken an ihre selige Mutter Frau Amalie Vordach 10.; von Herrn Leopold Friedländer für die israelitische Armenanstalt 20.—; von Anonymus zu gleichen Theilen für den israelitischen Waisenverein und für das Freiherr Max Springer'sche Waisenhaus für israelitische Knaben 20.; von Frau Beatrice Dante für Arme 11.—; von Anonymus durch Herrn Alexander Steinitz für Arme 10.—; von den Herren Rudolf, Wilhelm und Edmund Hacker '.0.— für die israelitische Armenanstalt anstatt eines Kranzes auf den Sarg des seligen Herrn Consiantin Pollak; von Herrn Julius Strcmrow für arme galizische Juden 10.—; von Herrn k. k. Armenarzt Dr. Josef Bloch für die Chewra-Kadischa anläßlich des Ablebens seiner Schwester 10.—; von Fräulein Jenny Weiß und Friederike Blumenkranz zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in Fünfhaus 6.—; von Anonymus für einen Armen 8.—; zur Verköstigung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau: von Herrn Josef Goldmann 20.-, von Herrn David Wiesenberg 10.—, von Frau Dr. Pollak 6.—, Sammelspende durch die Redaction des „Neuen Wiener Tagblatt" 10.—. Entnahme der Sammelbüchsen im Gemeindebethause XVIII.. Schopenhauerstraße 39: für die Chewra-Kadischa im XVIII. Bezirk 222.49, für den Frauen-Wohlthätigkeitsverein im XVIII. Bezirk 14.10, für Arme des XVIII. und XIX. Bezirkes 51.62; von Herrn k. k. Commercialrath Moriz Hacker ein Kiduschbecher und ein Weinkrug für den Betpavillon im Allgemeinen Krankenhanse; von Herrn Cultnsvorsteher Dr. Berger Gebetbücher und Machsorim für den Betpavillon im Allgemeinen Krankenhause; von Herrn kaiserl. Rath Moriz Hirsch Spende von Krankenutensilien für die Versorgungsanstalt; von Frau Marie Pines. Insassin der israelitischen Versorgungsanstalt, zwei silberne Leuchter für den Betsaal der Versorgungsanstalt; von Herrn Moriz Esterlus Spende eines Krankenfahrstuhles für die israelitische Versorgungsanstalt. Den Spendern wird der Dank votirt. Im Präsidialberichte berührt der Vorsitzende die bevorstehende Entscheidung in der Rabbinerfrage. Er erinnert daran, daß die Plenarversammlung alle diese Angelegenheit betreffenden Vorarbeiten seinerzeit dem Vertreter-Collegium übertragen habe. Nach Abhaltung der Probepredigten, sowie nach Anhörung der Vertrauensmänner habe er, der Präsident, es für angezeigt gehalten. durch collegiale Besprechungen, zu welchen sämmtliche Herren des Cultusvorstandes eingeladen waren, für das Vertreter- Collegium eine gewisse Directive für die w e i t e r e B e h a n d l u n g der für die Gemeinde so überaus wichtigen Frage zu erhalten. Hierbei wurde allgemein anerkannt, daß wir uns bei der Wahl durch die Probepredigt allein nicht bestimmen lassen dürfen und hat dementsprechend das Vertreter- Collegium auch nach anderer Richtung eingehendste Erhebungen gepflogen und all dasjenige vorgekehrt, was ihm nothwendig erschien, um dem Plenum präcise Anträge stellen zu können. Als unbedingt nothwendig erschien es, ein Normale vorzubereiten, welches den Wirkungskreis der anzustellenden Rabbiner präcisirt. Nach Beendigung dieser mit einem ziemlichen Zeitaufwande verbundenen Arbeiten werde ich, bemerkt der Vorsitzende, voraussichtlich in der Lage sein, die geehrten Herren zu einer Plenarversammlung für Mittwoch den 15. d. M. einzuladen. In derselben werden Sie, hochgeehrte Herren, berufen sein, über die conereten Anträge. welche das Vertreter-Collegium in der Zwischenzeit soffen und Ihnen stellen wird, Ihr allein entscheidendes Votum abzugeben. Der Vorsitzende macht weiters Mittheilung von der Donnerstag den 9. April stattfindenden feierlichen Eröffnung des Betpavillons im Allgemeinen Krankenhause und ladet die Mitglieder des Cultusvorstandes zur Theilnahme an dieser Feier ein. Endlich gibt der Präsident eine Uebersicht der Eingänge der Cultusgemeinde an Steuern und Taxen im abgelauienrn ersten Quartale des Jahres 1903 unter Vergleichung mit den Eingängen im selben Zeiträume des Voriahres. Herr Ober-Ingenieur Vertreter v. Mises referirt in Angelegenheit der Versorgungsanstalt und theilt zunächst mit, daß am 1. Februar 1903 mit der Belegung des 3. Stockwerkes der Siechenabtheilung vorgegangen wurde und daß sich der gegenwärtige Stand der Versorgungsanstalt ziffermäßig, wie folgt, darstellt: Siechenabtheilung 74 Jnsaffen, Altersversorgungshaus 172Jnsaffen; Anzahl des Personales 30, zusammen 276 Personen; die Belegung habe damit den höchsten Stand erreicht. Aus dem vom Referenten erstatteten Rechenschaftsberichte über die Versorgungsanstalt für das Jahr 1902 ist herauszuheben. daß die Gesammt-Jahreskosten für das Altersversorgungs- Haus X 77.375°60 für die Siechenabtheilung K 42.255 81, zusammen X 119.631 41 betragen haben, wobei zu bemerken ist, daß die Kosten für die Siechenabtheilung. insbesondere durch die Verköstigung, mit Rücksicht auf die erst im Jahre 1903 erfolgte volle Belegung eine wesentliche Erhöhung erfahren werden. Die'Anzahl der Berpflegstage betrug 22.296.

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