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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Atr. 15 Sr. Bloch's Wochrnfttzrifk. Veite 341 Schmerz über den Verlust, der die ganze Gemeinde, insbesondere aber die Familie betroffen, rührenden Ausdruck. In markanten Zügen entwarf er ein anschauliches Lebensbild des Dahingegangenen und hob mit Recht hervor, daß der Zauber seiner Persönlichkeit und der reiche Segen seiner Wirksamkeit ihre Erklärung finden durch die Thatsache der Uebereinstimmung, die zwischen seinem Lehren und Handeln bestand. Mit Worten des Dankes an den Allerhöchsten, der ihm beschieden habe, den geliebten Vater so lange zu besitzen, schloß die Rede. Rabbiner Dr. Eschelbacher—Berlin, ba dem Verstorbenen als Freund besonders nahegestanden, ergriff das Wort und schilderte in innigen Worten das Wesen und Wirken des Dahillgegangenen, das sich vergleichen lasse mit dem, dessen Namen er getragen: Er sei ein Salomon gewesen in Weisheit, Milde und Frömmigkeit. Rabbiner Dr. Walter—Bromberg sprach sodann im Namen des Rabbiner- Verbandes, worauf ein Chorgesang die erhebende Feier beschloß. — Darauf ordnete sich draußen der imposante Leichenzug. Vor dem Leichenwagen schritten die Schüler und Schülerinnen des Verstorbenen; hinter dem Sarge die Herren Rabbiner, Familienangehörigen, die Gemeindevertreter, die jüdischen Vereine, deren stets förderndes Mitglied der Dahingeschiedene gewesen, zum Schluß das übrige Gefolge. — Auf dem Friedhofe sprachen noch die Herren Rabbiner Dr. Richter— Filehne, Dr. Rosenthal—Pr. Stargard und Dr. Wehl—Komtz, worauf nach einem tief empfundenen Gebet des Herrn Dr. Lewkowitz, der seit etwa einem Jahre den Verstorbenen in seiner Lehrthätigkett vertritt, der Sarg zu Grabe getragen wurde. Nachdem noch der erste Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Herz Berliner, dem dahingeschiedenen „Vater der Gemeinde" einige herzllche Worte nachgernfen, wurde der Sarg der Erde übergeben. Das Andenken des Entschlafenen wird noch lange segensreich in der Gemeinde wirken! Berlin. Der Verein „Israelitisches Helmathaus und Volksküche", Gormannstraße 3, begründet von Hermann und Johanna Abraham, hielt am 31. März seine Generalversammlung ab; nach den verlesenen Berichten sind im letzten Geschäftsjahr 1902 vertheilt worden: I. In der Volks küch e: i. Miltagsporttonen von 10 bis 20 Pf. 40.028 Portionen, unentgeltlich 7907 Portionen; zusammen 47.935 Portionen. 2. Abendporttonen von 10—*0 Pf. 13.254 Portionen, unentgeltlich 5542 Portionen; zusammen 18.790 Portionen, das ist im Ganzen 66.731 Portionen. II. In der Koch schule: 1. Mittagsportionen von 10—40 Pf. 33.325 Portionen, unentgeltlich 10.599 Portionen; zusammen 43.924 Portionen. 2. Abendportionen von 10—30 Pf. 14.305 Portionen, unentgeltlich 8070 Portionen; zusammen 22.375 Portionen, das ist im Ganzen 66.^99 Portionen, oder in der Volksküche und Kochschule zusammen 133.030 Portionen. Während des Berichtsjahres bildete die Anstalt 18 Kochschülerinnen aus. Das Altenheim beherbergte im Jahre 1902 durchschnittlich 48 Greise beiderlei Geschlechts. Im Mädchenheim fanden 119 junge Mädchen ihr Unterkommen. Von diesen waren: 20 Schneiderinnen, 25 Verkäuferinnen, 22 Wirtschafterinnen, 10 Schülerinnen der Handelsschule und Akademie, 2 Cassierinnen, 3 zur Cur hier, 2 Pflegerinnen, 1 Expedientin, 11 Buchhalterinnen, 1 Knrbelstepperin, 3 Putzmacherinnen, 4 Lehrerinnen, 2 Stenographistinnen, 3 Musikstudirende, 6 Lehrmädchen, 2 Cigarettenarbeitcrinnen und 2 Zuschneiderinnen. Constantinopel. „El Tiempo" (Die Zeit), die in Constantinopel erscheint, theilt folgende Nachricht ihren Lesern mit: „Die sehr reiche Familie Sasson aus Bombay, bestehend aus der Witwe Sarah, ihren zwei Töchtern und einem Sohne, ist soeben von London her in Constantinopel angelangt. Während der ersten Tage ihres hiesigen Aufenthalts hat die Familie Sasson in das Hotel „Pera Palace", in dem sie abgestiegen ist, koscheres Essen von einem benachbarten jüdischen Restaurant kommen lassen. Späterhin sind die Köche und der S ch o ch e t der Familie angekommen. Gestern Abend waren die die Saffons zum englischen Gesandten eingeladen. Sie befinden fich auf einer Pilgerreise nach Jerusalem, von wo sie nach Bombay zurückkehren werden". _ Feuilleton. Moderne Marannen. Ein Zeitbild aus dem Leben der Juden in Rumänien. Von I. I. L e w o n t i n. Aus dem Hebräischen. ...Wir saßen im Freundeskreise und sprachen über die Verfolgungen der Juden in Spanien des fünfzehnten Jahrhunderts. Wir unterhielten uns über Vergangenheit und Gegenwart und verglichen die Ereigniffe der verflosienen Jahrhunderte mit den Verfolgungen und Unterdrückungen, die über unser Volk in jetziger Zeit in manchen Ländern verhängt werden. „Auch jetzt, wie in alter Zeit, irren unsere Brüder von Land zu Land, ohne eine Ruhestätte zu finden", bemerkte eine junge Dame, „und wenn wir mit Schaudern hören, wie die armen Heimatlosen in einem niederländischen oder amerikanischen Hafen landen wollen und man ihnen verbietet, das Festland zu betreten, so taucht vor uns lebendig das Bild der Vergangenheit auf, da die aus Spanien Vertriebenen auf den Schiffen, die Meere durchirrten, nirgends Einlaß fanden." Ein junger Mann nahm das Wort: „Was die Leiden anbetrifft, so entsprechen die der Gegenwart freilich vollkommen denen der Vergangenheit. Doch waltet nach meiner Ansicht ein großer Unterschied ob. In früheren Zeiten, wenn die Verfolgungen so hart wurden, daß man ihnen keinen Stand mehr halten konnte, da gaben unsere Vorfahren freiwillig ihr Leben hin, für die Heiligung des göttlichen Namens. Es gab freilich andere, schwächere Naturen, die den katholischen Glauben annahmen, um der Folter und dem Feuertode zu entgehen. Aber das thaten fie nur zum Schein. Im Herzen blieben sie ihrem alten Gott und ihrer angestammten Religion treu. Das dauerte mehrere Generationen hindurch. Noch die späten Nachkommen überwanden alle Hinderniffe und suchten eine Zufluchtsstätte in freieren Ländern, wo fie fich öffentlich zum Judenthume bekennen durften. Unter der in der Todesangst angenommenen Maske einer fremden Religion blieben fie mehrere Geschlechter hintereinander nur noch mit größerem Eifer, nur noch mit ergebenerem Herzen unentwegt der Lehre der Väter tceu, ungeachtet des blutigen, lauernden Feindes, der fie unablässig mit scharfem Auge überwachte. Heute ist das leider anders. Moderne Marannen sind undenkbar. Wenn heutzutage in dem Herzen eines Mannes die Liebe zur angestammten Religion fich so weit abgekühlt hat, daß er den heranstürmenden Wogen der Verfolgung und Bedrückung keinen Widerstand mehr entgegensetzt, so schließt er sich nur noch den Reihen der Feinde an, vermengt sich mit ihnen, vergrößert ihre Zahl, seine Nachkommen wollen gar nicht mehr daran erinnert sein, daß fie von Juden abstammen, sie Haffen und verachten nicht selten ihre früheren Glaubensbrüder und verfolgen vielleicht noch die Religion ihrer Väter..." „Da irren Sie fich aber gewaltig, lieber Freund", mischte sich ein älterer Herr ins Gespräch, der bis dahin stillschweigend dageseffen und der Unterhaltung der Jüngeren zugehört hatte. „Auch in unseren Zeiten gibt es Marannen. Das find unglückliche Menschen, die in einem Moment der Schwäche zum Schein die herrschende Religion annahmen, um nur harten Bedrückungen, die sie zu ruiniren drohten, zu entgehen, und die feste Absicht hatten, im stillen Kämmerlein dem angestammten Bekenntniß die Treue zu bewahren, um dann, wenn der Sturm vorüber ist, öffentlich zu ihm zurückzukehren. Das führte manchmal zu unendlich tragischen und erschütternden Conflicten..." „Kennen Sie solche Personen. Onkel? Haben Sie solche Personen gesehen?", frugen mehrere Stimmen. „So erzählen Sie es uns doch, Onkel". „Wenn Ihr mir geduldig zuhören wollt...", sagte der Alte, trat in ihre Mitte und Hub an. * * Gustav Sonnenstein war in Bukarest, der Hauptstadt Rumäniens, eine sehr bekannte Persönlichkeit. Biele, die ihn kannten, waren erstaunt, daß er, der früher stets ein heiterer, gut gelaunter und freundlicher Mensch gewesen, seit Jahren völlig verwandelt war. Immer war er mißgestimmt, unruhig, aufgeregt, gab Keinem ein gutes Wort. Man hielt ihn für einen stolzen, hochmüthigen Menschenverächter, obgleich Alle wußten, daß er ein gutes Herz hatte, alle Wohlthätigkeitsvereine freigebig unterstützte und wie es hieß, im Geheimen zahlreichen Dürftigen und Nothleidenden reichliche Hilfe gewährte. Die Juden der Hauptstadt zählren ihn allgemein zu den ihrigen. Nur wenige, sehr wenige wußten, daß Gustav Sonnenstein zweimal im Jahre in die protestantische Kirche ging . . . und den Gesang mit anhörte. Bon seinen zahlreichen christlichen Bekannten aber wußte keiner, daß dieser Mann einmal im Jahre in das jüdische Gotteshaus kam, wo er aber nicht müsfig dasaß und nicht umhergaffte, sondern den Gebetmantel tief über das Gesicht zog und den ganzen Tag in tiefer Andacht stehend verharrte. Wer in seiner nächsten Nähe gestanden und gelauscht bätte, der hätte vielleicht auch manchen tiefen Seufzer, manches schwere Schluchzen vernommen .... Gegen Abend fand er sich im Gotteshaus ein und verließ es erst am folgenden Abend, gebeugt und gebrochen, mit wankenden Knieen, doch seine Digen strahlten, seine Gesichtszüge leuchteten heiter, von seiner Stirn war die Wolke verschwunden, er hatte nichts von seiner sonstigen

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