Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 15 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 240 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr 15 Dr. von Härtel steht, wurde bekanntlich am letzten Sonntag durch den Minister feierlich eröffnet. Unter den Ausstellungsobjekten nimmt die IV. Section „Israel. Religion" einen würdigen Platz ein und werden wir auf die sehenswerthen Qbjecte dieser Section zurückkommen. In glänzender Weise ist daselbst das Museum für jüdische Alterthümer vertreten, welches graphische Darstellungen nach der heiligen Schrift und aus dem religiösen Leben der Juden, Porträts, werthvolle Handschriften, Gegenstände für den rituellen Gebrauch aus Kupfer, Zinn, Bronce und Silber ausgestellt hat. Der Unterrichts-Minister und viele hervorragende Schulmänner besichtigten mit großem Jntereffe die ausgestellten Gegenstände. Besondere Anerkennung fanden die Nachbildungen der Original-Illustrationen in der Hagadah von Sarajevo, angefertigt vom Architekten Max Fleischer in Wien; ferner 8 Aquarelle: Darstellungen des hohen Liedes von Prof. Leopold Schauer, welche dieser Künstler über Ersuchen des Museums-Curatvriums für Ausstellungszweck«' überloffen hatte, und ein nach den Plänen des Baurathes Stiaßny im eqyptischen Style angefertigter Thoraschmuck aus Silber, welchen die Cultusgemeinde Wr.-Neustadt aus ihrer neuen Synagoge nach Wien geschickt hatte. Die Ausstellung erfreut sich lebhaften Besuches aus den gebildeten Theilen der Bevölkerung Wiens. Wien. Samstag den 11. April d. I., als dem Vortage des Peffachfestes, beginnt der Gottesdienst Schacharit und Muffaf im Stadt- und Leopoldstädter-Tempel anstatt um 6 Uhr schon um 7 Uhr Früh. Um 9 Uhr beginnt ein zweiter Muffaf- Gottesdienst. Wien. Sonntag den 5. April d. I. fand die Prüfung an der Privat-Religionsschule des Vereines „Adass Jisroel* (Schiffsynagoge) unter Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners S. Fürst statt. Erschienen waren außer dem Gesammtvorstande der Vereine „Adass Jisroel" und „Thora Ez Gliajim' in Vertretung des Cultusvorstandes die Herren: Dr. Alfred Berger, Hermann Ellbogen und Bezirksschulrath Dr. Markus Spitzer, des Vereines „Montefiore": Herr Jacob Weiß, des Schulvereines fror den IX. Bezirk: Herr Mox Pappenheim, ferner Herr Ortsschulrath Profeffor Moritz Antscherl, der dieser Schule auch sonst mtt Rath und That beisteht, Herr Obercantor Bauer, sowie viele Eltern der Zöglinge und sonstige Gönner und Freunde der Anstalt. Die große Ungleichheit des Schülermaterials hat die Schulleitung veranlaßt. 8 Abtheilungen zu creiren, so daß es möglich war, den Lehrstoff genau dem Wissen und Können der Schüler anzupaffeu. Diese Eintheilung erwies sich für das Lehrziel ungemein fördernd. Von den untersten Claffen, in denen Herr D. H. Oesterreicher einen vorzüglichen Grund für die wettere Ausbildung legt, in den Mittelklassen unter Leitung des Herrn A. Feuerring, der auf dem Gegebenen gediegen weiterbaut, und besonders in den obersten Claffen unter Leitung des Herrn Dr. M. Rosenfeld überraschten sämmtliche Zöglinge durch die Promptheit und Präcision ihrer Antworten. Der Lehrplan in allen Abtheilungen ist ein derart umfassender, daß die gründliche Beherrschung des Stoffes allgemeine Bewunderung erregte. Geradezu rührend war es zu sehen, wie man den Kindern den Stolz und die Freude, dieser Schule anzugehören, vom Gesichte ablesen konnte. Unter dem Jubel der Schüler und Schülerinnen und dem Beifall der Gäste hielt Herr Rabbiner Fürst eine Ansprache, in der er in zu Herzen gehenden Worten dem Lehrkörper und Vorstände für ihre aufopfernde Mühewaltung dankte und die Kinder unter Anerkennung ihres besonderen Fleißes ermahnte, eifrig fortzuarbeiten und das Gelernte auch in Thaten umzusetzen. Zum Schluffe würdigte Herr M. Rosenfeld im Namen des Lehrkörpers in schwungvollen Worten die außerordentliche Sorgfalt, welche Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Fürst dem Institute ununterbrochen widmet. Höchst befriedigt verließen alle Anwesenden die Schule mit der Ueberzeuqung, einer Anstalt Ehre erwiesen zu haben, die Großartiges und Nachahmenswerthes leistet. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien.) MU der Donnerstag am 2. April abgehaltenen Sitzung schloß der Verein das XIX. Semester seines Bestandes. Wie in den früheren Semestern kann der Verein auch in diesem Semester auf eine reiche Thätigkeit zurückblicken. Die Vorträge, die an den einzelnen Abenden im Laufe des Semesters gehalten wurden, gehören verschiedenen Gebieten, wie: Philosophie, jüdische Geschichte, Belletristik, Homiletik, Sprach- und Allerthumskunde, an. M. G. Mehrer: „Glauben und Wissens; S. Zimmels: „Nachkantische Ethik"; H. Schwengel: *®ie Betheiligung der Juden an den Freiheitskämpfen im Jahre 1848"; Dr. S. Achser: „Die Mandaeer"; A. Beck: „Die Lage der Juden in Rumänien"; G. Sicher: „Die Stellung der Israeliten Md Juden zu den Fremden"; K. Kupfer: „Saul Czernichovsky, ein jMghebr. Dichter"; Dr. Gedalje.Rosenmann: „Sabbatay Kohen, ein Lebensbild"; Dr. R. Feder: „Sabbathpredigt zu Kedoschim"; M. Tauber : „Die Gesetze Hammurabis und das Gesetz Mosis"; S. Arje: „Die syrische Dreschtafel"; Johann Stößler: „Die Stellung des Rabbiners zum Zionismus". Sämmtliche Vorträge waren fast von allen Mitgliedern des Vereines besucht und die Discussionen gestalteten sich zu einem sehr lehrreichen, anregenden, gegenseitigen Meinungsaustausch über die einzelnen Themen. Wien. Am 7. April fand im engsten Kreise die Grundsteinlegung zu dem neuen Mädchen-Waisenhause statt, welches aus den Mitteln der Charlotte Merores-Stiftung in Oberdöbling. Gebhartgaffe, gebaut wird. An derselben nahm das Curatorium: Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann, die Doctoren Leopold Libitzky, M. Löwy und Herr k. k. Ober-Ingenieur Arthur Edler v. Mises, der Berfaffer der Pläne und bauleitende Architekt Baurath Wilhelm Stiaßny und der Stadtbaumeister Edmund Melcher rheil. Nach einer kurzen, aber inhaltsvollen Ansprache des Oberrabbiners, welche dem Zwecke und der Bedeutung dieser vumanitären Stiftung galt, wurde die Metallkapsel, welche die Urkunde umschloß, verlöthet und von dem Architekten in den Grundstein versenkt. Nachdem die Anwesenden die üblichen Hammerschläge abgegeben hatten, wurde der Stein vermauert und die festliche Handlung beschloffen. Wien. Zu der für den Ostermontag Nachmittag angekündigten Wohlthäligkeits-Matins, in welcher „Alexandra" von Richard Boß unter Mitwirkung des Frl. Adele Sandrock und der besten Kräfte des Deutschen Volkstheaters zur Aufführung gelangt, gibt sich in den weitesten Kreisen das größte Interesse kund, so daß der größte Theil der Sitze bereits vergriffen ist. Der Verkauf der noch restlichen Karten findet an den Cassen des Deutschen Volkstheaters und beim Armenrathe Herrn Adolf Hupka, I., Rothenthurmstraße 14, statt. Wien. (Spende). Zur Erinnerung an den Todestag des sel. Herrn Pepi Löw-Beer sind uns von Frau Eva L ö w - B e e r aus Brünn für den Verein „Ferienheim" L 10.— zugekommen. Böhm.-Neustadtl bei Pilsen. Mit dem Erlaffe der k. k. Statthalterei von 12. März 1903, Z. 27822, wurde Herr Hermann Klauber. Rabbiner und Religionslehrer in Böhmisch- Neustadtl bei Pilsen, zum Matrikenführer für die israelitische Matrikelstelle in Böhmisch-Neustadtl bestellt und legte am 2. April 1903 den vorgeschriebenen Eid als Matrikenführer der israelitischen Cultusgemeinde in Böhmisch-Neustadtl in die Hände des k. k. Bezirkscommissärs in Kralowitz, Herrn Pitzl, ab. Prag. (Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionslehrer). Ueber Ansuchen des Rabbinerverbandes in Böhmen um Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen wurde in der letzten Plenarsitzung des Landesschulrathes beschloffen, diese bei Erfüllung der sonstigen Bedingungen zu wirklichen Lehrern, respective Professoren zu ernennen, die Bezüge derselben zu erhöhen und auch für eine entsprechende Altersversorgung Fürsorge zu treffen. Klasno bei Wieliczka. Am 6. d. M. haben wir eine Frau zu Grabe getragen, die sich weit und breit allgemeiner Sympathien erfreute und die Hochschätzung vollauf verdient hat, die ihr von Jedermann gezollt wurde. Frau Lea Perlberger geb. Margulies, Gattm des ob seiner philanthropischen und religiösen Gesinnung weitbekannten Großindustriellen kaiserl. Rath I. S. Perlberger, ist im Atter von 67 Jahren sanft verschieden. Die Verblichene zeichnete sich durch wahre Frömmigkeit, besondere Herzensgüte und größte Munificenz aus. Nicht nur die Hinterbliebenen sondern auch sämmtliche Arme von hier und Umgebung, denen die Dahingeschiedene eine große Wohlthäterin und gute Mutter war, haben durch den Heimgang dieser edlen Frau einen unersetzlichen Verlust erlitten. T. Schnerdemühl. Die Beerdigung unseres Herrn Rabbiners Braun fand am 19.März unter großartiger Betheiligung Hierselbst statt und zeugte wiederum von der großen Liebe und Verehrung, die der Heimgegangene nicht nur bei seiner Gemeinde, sondern weit über deren Grenzen hinaus genoß. Um 10 Ubr Vormittags war die Leiche nach der Lynagoge überführt worden, wo Nachmittags um 3 Uhr eine imposante Trauerfeier stattfand. Außer den Gemeindemitgliedern waren die Vertreter der städtischen Behörden, der gesammte Lehrkörper des Gymnasiums und der Töchterschule, Rabbiner und Vertreter vieler Nachbargemeinden und zahlreiche Verehrer des Verblichenen von Nah und Fern erschienen. Das Gotteshaus war stimmungsvoll drapirt, der Sarg stand auf der Estrade vor der heiligen Lade. Nach den ergreifenden Trauergesängen, die Herr Cantor Helischkowski wirkungsvoll vortrug, bestieg der Sohn des Entschlafenen, Seminardocent Dr. M. Braun, die Kanzel. In von Herzen kommenden schlichten Worten gab er seinem