Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021509--12598-3037201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 16 Dr. Bloch's Wortzrnfttzrifr. Sette Lös Minsk hat sich in seiner Sitzung vom 6. März mit der Lage der auf dem flachen Lande wohnenden Juden beschäftigt und auf Antrag des Herrn Woilanowitsch beschlossen, die Regierung in einer Eingabe zu bitten, im wohlverstandenen Jntereffe der deutschen Landwirthschaft den auf dem flachen Lande wohnenden Juden das Pachten von Grund und Boden zu gestatten. Endlich hat die in Simferopol tagende Commission für die Bedürfnifle der Landwirthschaft des Gouvernements Taurien mit Zustimmung des Gouverneurs Trepow es »im Jntereffe einer Belebung des Getreidehandels* geboten erklärt, daß den Juden gestattet werde, im ganzen Gouvernement Taurien auf dem flachen Lande wohnen zu dürfen. Außer dem Gouverneur wohnten der Versammlung der Verwalter der Domänen in den Gouvernements Taurün und Jekaterinoslav. der Adelsmarschall des Gouvernements, der Landschaftsmarschall, sämmtliche Landschaftsdeputirte aus den acht Kreisen des Gouvernements, sowie zahlreiche Großgrundbesitzer bei. Alle diese Resolutionen und Eingaben werden wohl kaum unmittelbaren Erfolg haben, dennoch muß man sie willkommen heißen, weil die judenfreundlich gesinnten Männer im Schoße der russischen Kirche sich gelegentlich auf solche Kundgebungen stützen werden. Endlich ist noch ein Project zu registriren, welches vielleicht auf den ersten Blick einen Rückschritt darzustellen scheint, weil es im Grunde genommen zu den die Juden in Rußland isolirenden Maßregeln eine neue hinzufügt: Die ruffische Regierung will nämlich neue, nur für jüdische Schüler und Schülerinnen bestimmte Mittelschulen errichten. Wenn man die unermeßlichen, traurigen Folgen erwägt, die für die Zukunft der russischen Juden aus der alten Bestimmung hervorgehen mußten, jüdische Schüler nur in einem kleinen Percentsatz in die bestehenden Mittelschulen aufzunehmen, so darf die jetzt projectirte Lösung der überaus brennenden Schulfrage als die menschlichste und darum als die willkommenste begrüßt werden. Eswird noch erinnerlich sein, wie vor einiger Zeit jüdische Gemeinden und Private sich bereit erklärt haben, speciell jüdische Gymnasien auf eigene Kosten zu errichten. Unter Anderem hat der jüdische Fabrikant I. Herz in Lodz bei der Regierung die Conceffion zu einer jüdischen Realschule nachgesucht, die er aus seinen Privatmitteln unterhalten wollte. — Die in Port-Arthur erscheinende Zeitung »Nowy Kraj" theilt mit, daß den Juden erlaubt worden ist. sich in der Stadt Daljnji anzusiedeln und dort Grund zu erwerben. Die Erlaubniß hängt von Fall zu Fall von dem Ermeffen und der Resolution des Statthalters ab, welche er auf Grund eines vom Stadtoberhaupte von Daljnji befürworteten Gesuches ertheilt. Der Verkauf von Grundstücken in Daljnij findet auf sehr einfache Weise ohne notariellen Act durch die Ortsobrigkeit statt, welche dem Käufer einen Schein hierüber ausstellt. Dieser Schein hat nach seiner Eintragung in das Grundbuch alle Rechte eines Kaufvertrages und es bedarf hierzu keinerlei Formalitäten. Hat ein Jude das Recht, in Daljnij zu wohnen, so hat er gleichzeitig das Recht, Grundstücke und Immobilien zu erwerben. Die Juden haben auch das Recht, ihre Grundstücke anderen Leuten zu verkaufen, doch unter der Bedingung, daß es nicht Juden sein sollen (außer solchen, welche das vollständige Recht besitzen, dort zu wohnen). Ueber die Gründe dieser Erlaubniß sagt der »Nowy Kra^ Folgendes: »Diese Maßregel ist augenscheinlich durch dieselben »commerciellen* Gründe hervorgerufen worden, welche schon im achtzehnten Jahrhundert eine Rückkehr der Juden nach Rußland als wünschenswerth erscheinen ließen und welche auch heutzutage ihre Bedeutung noch nicht verloren haben ... ohne Juden kann man eben nirgends sein. Das scheint auch mit der Stadt Daljnji der Fall zu sein. — Die jüdische Gemeindeverwaltung in Warschau hat beschlossen, die Inhaber öffentlicher Häuser aus der Gemeinde auszuschließen. Gleichzeitig wurde die Frage angeregt. in Warschau eine jüdische Gesellschaft zur Fürsorge und zum Schutze der jüdischen Mädchen und Frauen zu bilden, nach dem Muster einer derartigen, daselbst bereits bestehenden christlichen Gesellschaft. Kiew. Der im Kriege gegen die Türken so siegreiche General Dragomirow erleidet in den Kämpfen, die er in seiner Eigenschaft als General-Gouverneur von Kiew und enragirter Antisemit gegen die Juden führt, eine Niederlage nach der andern. Das neueste Bravourstückchen des tapferen Generals war die Schließung von 16 Synagogen in Berditschew. Die betreffende Verfügung wurde bereits im Jänner 1901 erlaffen und sollte im Mai d. I. in Kraft treten. Die Vorstände der bedrohten Synagogen setzten sich aber mit vereinten Kräften zur Wehr und wiesen beim Senat nach, daß die von ihnen geleiteten Bethäuser bereits länger als 40 Jahre bestehen. Der Senat befahl nun den Generalgouverneur von Kiew, den Berditschewer Juden ihre Synagogen zu lassen. Bei dieser Gelegenheit unterließ es der höchste russische Gerichtshof nicht, den tapferen General energisch zurechtzuweisen und ihn darauf aufmerksam zu machen, daß die Schließung von Synagogen nicht seine Sache, sondern die Sache des Richters sei. Bukarest. (Ein Congreß der Bereinigung der eingeborenenJuden.)Jn Braila hat sich die Section »Donau* der Bereinigung der eingeborenen Juden reconstruirt. Diese Section, zu deren Präsident Herr Ignatz M. Wechsler gewählt wurde, hat die Initiative dazu ergriffen, daß an den Osterfeiertagen, am 19. und 20. April, in Braila ein Congreß aller Sectionen der Bereinigung abgehalten werden soll. Dieser Congreß soll sich unter Anderem mit der Frage der Aufnahme einer Statistik aller eingeborenen Juden des Landes beschäftigen. — Unter den Juden in Braila herrscht eine lebhafte Strömung zum Auswandern. Bis jetzt find am Sitze verschiedener Gesellschaften über 500 Auswanverungsgesuche eingegangen, die zum größten Theile von Handwerkern herrühren. Eine maßgebende Persönlichkeit unter den Brailaer Juden ist der Ansicht, daß alle eingereichten Gesuche günstig entschieden werden. New-Bork. In Nummer 10 der »Oesterr. Wochenschrift* vom 6. März d. I. berichteten Sie über das Verhalten der Juden in Philadelphia, die sich, anläßlich der Wahl in die öffentliche Unterrichtscommiffion, entschieden verwahrten, einem Candidaten nur darum ihre Stimme zu geben, weil er Jude, sondern sich nur durch die Rücksicht auf den Werth, die Fähigkeit und Würdigkeit des Candidaten beeinflussen ließen. Auch aus New-Aork kann ich Ihnen Aehnliches berichten. Bei der Wahl in das Richter-Collegium New Aorks im Monate October v. I. gab die Independent Hebrew Business-mens Association unter der Leitung des bekannten Dr. M. Neustädter, Präsidenten des Oesterreichischen Hilfsvereines, eine Publikation heraus, in welcher die Wahl der Candidaten McCall, M. Davis und B. Amend empfohlen und in eindringlichen Worten davor gewarnt wurde, sich von den egoistischen Absichten fanatischer Parteimänner verblenden zu lassen und einen Unterschied zu machen zwischen Jude und Christ, wo es sich um das Wohl des Volkes und die Bedeutung der öffentlichen Rechtspflege handle. Es wäre den Juden auch nicht erwünscht, wenn man Candidaten nur mit der Begründung zur Wahl empfehlen würde, daß sie Christen find. Eine solche Unterscheidung ist für die Wohlfahrt und für den moralischen Werth des öffentlichen Lebens eine Gefahr, und die Juden vor Allem sollten einer Trennung der Bürger nach Confeffionen sich sofort energisch verschließen. Dr. M. Neustädter und die Independent Hebrew-Business-mens Association haben sich durch dies Vorgehen den Dank aller Patrioten erworben. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der selig. Frau- Anna Popper: Von Herrn Julius Weiß. VII., Siebensterngasse 46, R 3.-. Anläßlich des Ablebens der selig. Frau Wolf Mankiwitsch: Von C. R. K 5.-. Anläßlich des Ablebens des selig. Herrn Otto Mendl: Von Herrn Josef I. Hock K 10.—. Anläßlich des Ablebens des selig. Herrn k. u. k. Major d. R. Leopold Pick: Von Frau Fanny Hauser in Teplitz K 10.—; von Frau Emmi Mayer, IL, Untere Donaustraße 39, K15.—; zusammen K L5.—. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Bei der am 30. März d. I. stattgehabten überaus zahlreich besuchten 13. ordentlichen Generalversammlung wurde der vom Präsidenten erstattete Bericht mit großem Beifalle entgegengenommen, ebenso der Caffa-Bericht, und wurde der bisherige Präsident Herr B r o d mit Aeclamation und die übrigen Vorstandsmitglieder mit Stimmeneinhelligkeit gewählt. Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst. Wien. (Schulausstellung für den Unterricht an Mittelschulen.) Diese während des Monates April im Oe lerreichischen Museum stattfindende Ausstellung, welche unter dem Protectorate des Herrn Unterrichts-Ministers

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.