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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 15 Dr. Bloch's Wochvnfchrifk. s-lte 3S7 ausgearbeiteten Prämientabellen die Frage beleuchtet wird, ob diese Versicherung durch Gründung eines autonomen Pensionsinstitutes oder durch Anschluß an eine bestehende autorisirte Versicherungsanstalt (Landes-Versicherungsanstalt) durchgeführt werden soll. Die Versammlung beauftragte das Curatorium, mit den Gemeinden behufs Erzielung eines einheitlichen Vorganges Verhandlungen einzuleiten und über deren Resultat in einer besonderen Delegirtenversammlung Bericht zu erstatten, und erklärte ihre Zustimmung zu dem Anträge, behufs Amortisation der für die Versicherung der bereits in Diensten stehenden Beamten erforderlichen 40jährigen Nachzahlungs-Annuitäten jährlich K 10.000 aus den Fonds Mitteln aufzubringen. Nachdem dem Vorsitzenden für das ausgezeichnete Elaborat und dem Curatorium für seine Mühe der Dank votirt war, wurde die Versammlung geschlossen. Bei der Constituirung des Curatoriums wurde Herr Julius Ritter von Gomperz zum Obmanne, Herr Dr. S. Spitzer zu dessen Stellvertreter gewählt und dem aus Gesundheitsrücksichten aus dem Präsidium scheidenden kaiserlichen Rathe David Mandl der Dank und die Anerkennung des Curatoriums für seine 33jährige hingebungsvolle Thätigkeit im Interesse der Fondsverwaltung ausgesprochen. Prag. (Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten.) Am 2. d. M. fand ein zahlreich besuchter Vereinsabend statt, an dem Dr. N. L. K o h n e r einen äußerst beifällig aufgenommenen Vortrag: „Ein Convertit als Apologet seiner früheren Glaubensgenossen" hielt. Nach einer diese Frage von allgemeinen Gesichtspunkten behandelnden Einleitung wandte sich der Redner seinem eigentlichen Thema zu, einem erschöpfenden Abrisse aus dem Leben Daniel Chwolson's, der im Jahre 1820 in Wilna als Jude geboren, im Jabre 1855 zum christlichen Glauben übertrat und es bald im russischen Reiche als Universitätsprofessor und Lehrer zu bedeutendem Ansehen brachte und als solcher oft in die Lage kam, eine höchstenorts anerkannte Autorität, zu Gunsten seiner früheren Glaubensgenossen einzutreten. Wiederholt, insbesondere in dem Blutbeschuldigungsprocesse zu Saratow, war sein wissenschaftliches, von eingehendster Kenntniß des jüdischen Schriftthums zeugendes Gutachten von entscheidender Bedeutung und wußte selbst die Zweifler von der Unhaltbarkeit der Phrase von den „blutbrauchenden jüdischen Seclirern" zu überzeugen. Allein nicht blos daran ließ es sich Chwolson genügen, er wies auch an der Hand des von Bösgesinnten oder Uneingeweihten vielgeschmähten Talmuds die Reinheit der darin enthaltenen Sittenlehre nach, das Gebot der Nächstenliebe, ja sogar des Mitleids gegen die Thiere und erklärte das Herausreißen einer Stelle aus dem Zusammenhänge ohne Angabe ihres Ursprungs, des Autors, der Zeit und des Milieus für ebenso absurd, als wenn man etwa eine in den stenographischen Protokollen des deutschen Reichstages enthaltene Aeußerung: „Die Institution der Armee ist überflüssig", als Ansicht des gesammten Reichstages ausgeben wollte, ohne anzugeben, aus welcher Zeit und von wem sie herrührt. Mit einer Reihe die jüdische Glaubenslehre verherrlichender Aussprüche aus einem seine Anschauungen und E cfahrungen diesbezüglich zusammenfassenden, im Jahre 1901 in Frankfurt erschienenen Werke Chwolson's schloß der Vortragende seine ungemein interessanten und vielfach Neues bietenden Ausführungen. Prag. Die Landes-Judenschaft hatte eine Festversammlung in die Productenbörse einberusen, um den 70. Geburtstag ihres Präses Dr. Moriz Lichten st ern und zugleich dessen 30jähriges Jubiläum als Präses feierlich zu begehen. Der Saal war festlich geschmückt. Ein Palmen- und Oleanderhain bildete auf der teppichbelegten Estrade den Hintergrund für die Büste des Kaisers. Zu der Versammlung hatten sich die Vertreter der Verwaltungsausschüffe, der Präses der israelitischen Cultusgemeinde in Prag Dr. Arnold Rosenbacher und dessen Stellvertreter Doctor Ludwig B e n d i e n e r, der Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, die Rabbinen Feldprediger Dr. Kisch, Dr. Weiner, Doctor Thieberger, Vertreter verschiedener humanitäre Vereine und sonstige Honoratioren eingefunden. Als der Jubilar den Saal betrat, sang ein Doppelquartett den Chor „Gott grüße Dich!" Sodann schilderte Präses-Stellvertreter Dr. Sachs (Chrudim) in warmen herzlichen Worten die segensreiche Thätigkeit, welche Dr. Lichtenstern in den 30 Jahren seiner Amtsführung als Präses der Landes-Judenschaft entfaltet hat, und beglückwünschte zum Schlüsse im Namen dieser Körperschaft den Jubilar zu dessen 70. Geburtsfeste. Dr. Lichtenstern, der hierauf das Wort nahm, sprach mit oft thränenerstickter Stimme seinen Dank aus. Prag. (Der Nächstenliebeverein zur Unterstützung verschämter israelitischer Hausarmer in Prag) hielt gestern Nachmittags im Primatorsaale des Altstädter Rathhauses seine diesjährige 62. ordentliche Generalversammlung ab. Zunächst begrüßte der Vorsitzende und Director des Vereines Dr. Ludwig Bendiener die Erschienenen und widmete den Mitgliedern, die der Tod rm Vorjahre dahingerasst, Worte des Gedenkens, die die Anwesenden stehend anhörten. Dann gedachte er des 70. Geburtsfestes des verdienten Caffiers Herrn M. Austerlitz. Herr Dr. Duschenes brachte sodann den Geschäfts¬ und Cassabericht zur Verlesung, aus welchem hervorgeht, daß der Verein im letzten Jahre nicht weniger als 30.741 K an Unterstützungen verausgabte. Beide Berichte, sowie auch der Revisionsbericht wurden debattelos einmüthig genehmigt. Der Vorsitzende gedachte dann mit Genugthuung der Bestrebungen behufs Centralisation des Armenwefens und sprach die Hoffnung aus, daß eine solche auch dem Vereine zu Nutz und Frommen gereichen werde. Der Bereinsvorstand huldigt der Ansicht, daß es nicht die Aufgabe des Vereines ist, Vermögen zu sammeln, sondern in erster Linie den Armen und Nothleidenden der Gegenwart zu helfen; es muß jedoch constatirt werden, daß die Zahl der verschämten Armen, ja nothleidenden ganzen Familien in unserer Gemeinde in stetem Wachsen begriffen ist, daß insbesondere die autisemitische Strömung einerseits, die Affanirung der Josefsladt andererseits die Erwerbsverhältniffe vieler Glaubensgenossen ungünstig beeinflußt, auch daß dem gegenüber der Rückgang der Einnahmen ein doppeltes Mißverhältnis schafft. Die Wahlen hatten folgendes Ecgebniß. Es wurden in den Vorstand wiedergewählt die Herren Michel Benies, Simon Dewidels, Sigmui d Plohu, Markus Popper, Gottlieb Schmelkes. Gottfried Weltsch und lreug-nuählt Herr Adolf H^hn; zu Revisoren die Herren Alfred Bondy, S. Kohn und Heinrich Schulhof. Herr Adolf Hahn erklärte die Wahl auzunehmen, bat jedoch, ihn, der mit den local'n Verhältnissen nicht genügend vertragt sei, zu unterstützen. Zum Schluffe wurde dem Direcwr Dr. Bendiener der Dank für seine unermüdlich? Mühewalrung ausgesprochen. Oderberg. Der israelitische Bethausverein zu Oderberg-Bahnhof hielt am 22. v. M. seine VII. ordentliche Generalversammlung unter sehr reger Betheiligung seiner Mitglieder ab. Der zur Verlesung gebrachte Rechenschaftsbericht weist auf die erfreuliche Entwicklung und den bedeutenden Aufschwung hin, welche der Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens genommen hat. und constatirt, daß derselbe derzeit nahezu 100 Mitglieder zählt. Nebst dem im Jahre 1900 neu erbauten Tempel besitzt nunmehr der Verein auch einen Friedhof, zu welchem der Grund von Sr. Excellenz dem Herrn Grafen Larisch- Mönnich im laufenden Jahre um einen ermäßigten Preis erworben wurde und zu welchem der Herr Baron Rothschild den Betrag von K 2010. spendete. Mit dieser Einrichtung hat der Verein einen großen Schritt nach vorwärts gethan, denn er ist nun der Ealamitäten» welche mit der Ueberführung einer Leiche nach Mährisch-Ostrau ver- Kunden waren, enthoben. Aus dem Cassaberichte geht hervor, daß das Vermögen im verflossenen Jahre um den Betrag von K 2825*58 sich vermehrt hat und das Gesammtvermögen K 82.542*5:8 ausmacht. Da die Herren, unter deren Leitung der Verein bis jetzt stand, sich so nützlich in ihrem Amte bewährt haben, wurden auch die Meisten bei der stattgefundenen Neuwahl wiedergewählt, und zwar: Herr Victor Lustig, Obmann, Hermann Jmmerglück, Obmannstellvertreter, Josef Zänker. Cassier, Leopold Schnitzer, Schriftführer; Heinrich Bellak, Ignatz Kohn, Wilhelm Kulka, Wilhelm Morvayi, Eduard Eichenbaum, Emanuel Trainer, Dr. Goldklang, Jacob Kaßler als Ausschußmitglieder. Einen bedeutenden Verlust erlitt der Verein durch den Tod des Herrn David Spitzer in Oderberg-Stadt, welcher am 1. d. M. nach längerem qualvollen Leiden in seinem 65. Lebensjahre verschied. Er war das älteste Vereins- und Vorstandsmitglied. Das Leichenbegängniß fand am Freitag statt An seiner Bahre trauerten 5 Söhne, welche sämmtlich in geachteter Stellung sind, während die Gattin desselben an einer schweren Krankheit darniederliegt. Nachdem Herr Obercantor Goldmann das „Moh odom“ in ergreifender Weise recitirt und Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Spira ein deutsches Gebet gesprochen hatte, setzte sich der Zug in Bewegung und die imposante, fast unübersehbare Menschenmenge, welche dem Zuge folgte, gab Zeugniß von der Achtung, deren sich der Hingeschiedene bei den Bewohnern von Oderberg ohne Unterschied der Confefsion erfreute. Am offenen Grabe hielt nun Herr Dr. Spira die Leichenrede und schilderte in rührenden Worten den schweren Verlust der Familie und des Vereines, und nachdem der Verblichene die erste erwachsene Person war, welche auf dem neuen Friedhofe bestattet wurde, verband Herr Dr. Spira in geschickter Weise mit dem Nachrufe auch die Einweihung des Friedhofes. Hierauf widmete der Obmann des Vereines, Herr Victor Lustig, dem Verstorbenen einige vom Herzen kommende Worte, in welchen er demselben für den ihm stets ertheilten Rath in der Leitung des Vereines dankte und im Namen des Vorstandes von ihm Abschied nahm. Herr Rabbiner Dr. Spira blieb über Samstag hier

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