Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 15 (10.4.1903)
- Date
- 1903-04-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021493-3021509--12595-3037198- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Veite 286 Dr. Bloch's Wochsnfchrifk. Nr. 1k den Nothleidenden aller Art zugeführt werden würden und welch' ansehnliches Capital damit gewonnen wäre, daß es dem gewerbsmäßigen Bettel entzogen wird. Sie erwähnen jedoch auch, daß ein Versuch in dieser Richtung vor Jahren gemacht wurde und leider nur ein negatives Resultat zeitigte. Bor Jahren! — — Ist dies nicht eine Anklage gegen unsere führenden Juden? Darf eine so eminent wichtige Frage seit Jahren unerörtert bleiben? Gibt es wirklich in den Vorstehungen der vielen jüdischen Humanitären Vereine keine Majorität für eine Idee, die bezweckt, das Bessere an Stelle des Guten zu stellen, weil damit der persönliche Verzicht auf eine Ehrenstelle in einem Ausschüsse bedingt ist? Ich kenne so manches sehr ehrenwerthe Mitglied solcher Vereinsvorstehungen, und offen gestanden kein einziges, von dem ich annehmen sollte, daß dessen Eitelkeit ihn abhalten könnte, der gedachten Reform zuzustimmen. Ich will zugeben, daß es nicht allein Eitelkeit sein muß, daß es auch wirklich ernste Bedenken geben kann, die bei Berathung dieses Gedankens vorgebracht werden könnten, allein was ich nicht zugeben kann, ist, daß der gute Kern der Sache nicht als so greifbar, so selbstredend, so unzweifelhaft erkannt werden sollte, daß alle Bedenken überwunden werden können, wenn der Wille und der Ernst hiezu vorhanden sind. Wenn ich nun bedenke, daß in allen in Frage kommenden Vereinen voraussichtlich nur Männer an der Spitze sind, die diese Stellen nicht bekleiden, weil sie Bereinsmeier sondern gute, treue Juden find, die mithelfen wollen, jeder Einzelne mit seinen schwachen Kräften, die Noth und das Elend lindern, so muß ich zuversichtlich daran glauben, daß es nicht allzu schwer sein kann, diese Männer dafür zu gewinnen, daß die unrichtige Form dahin geändert werde, die von ihnen freiwillig übernommene schöne Aufgabe und Pflicht reichlicher, richtiger und oft auch würdiger zur Durchführung zu bringen. Wer also mitthun will, um aus den vielen in Wien existirenden und zum großen Theile ungenügend wirkenden jüdischhumanitären Vereinen einen großen, mächtigen, maßgebenden Verein zu gründen, der melde sich, und ich hoffe, daß es Ihrem geschätzten Blatte, welches diese Anregung gab, vergönnt sein wird, auch das Weitere dahingehend zu besorgen, daß alle gedachten Vereinigungen, wenn sich diese nicht selbst melden, zur Besprechung der aufgerollten Frage vereinigt werden. Hat der Grundgedanke sodann bestimmte, principiell zustimmende Formen erhalten, wäre es Sache aller Leitungen dieser Vereine, ihre Mitglieder zu außerordentlichen Versammlungen einzuladen und mit diesen die beantragte Reform zu besprechen. Wir leben in einer ernsten Zeit und haben es sehr nöthig. uns fest aneinander zu schließen; mögen diese Zeilen dazu beitragen, einem Appell, der den Anschluß zur Entfaltung gemeinsamer Wirksamkeit im Zeichen der Nächstenliebe, der Bruderliebe fordert, zur Realisirung zu verhelfen. Hochachtungsvoll Siegfried Beer, Präses des Vereines „Lbeseck seiiel Lines". Hilfsverein für die nolhleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Die Entwicklung und Organisirung dieses Vereines macht erfreuliche Fortschritte. Am 24. März l. I. constituirte sich mit sehr ansehnlicher Mitgliederzahl die „Ortsgruppe Gablonz". In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Rabbiner Dr. Hermann B a n e t h als Obmann, Adolf Schindler als Obmann-Stellvertreter, Isidor U n g e r als Schriftführer und I. E p st e i n als Zahlmeister. Um die Bildung dieser Ortsgruppe haben sich in hervorragender Weise die Herren Dr. Emil H o f m a n n, Rabbiner in Reichenberg, und Dr. Hermann B a n e t h, Rabbiner in Gablonz, verdient gemacht. Die Ortsgruppe zählt jetzt schon 70 Mitglieder. Am 26. März l. I. fand die constituirende Versammlung der „Ortsgruppe Pilsen und Umgebung" statt. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: JUDr. Josef S ch a n z e r als Obmann, Alfred Erben als Obmann-Stellvertreter, Wilhelm Arnstein als Schriftführer. Leopold N e u m a n n als Schriftführer-Stellvertreter, Moriz Bleier als Cassier und Adolf Burg als Caffier- Stellvertreter. Die Bildung dieser Ortsgruppe ist dem Einflüsse und den ausdauernden Bemühungen des von den anderen Herren, die in den Vorstand gewählt wurden, bestens unterstützten Herrn Dr. Josef Schanzer zu verdanken. Die Zahl der Mitglieder ist jetzt schon auf 88 angewachsen und wird noch auf einen namhaften Zuwachs gerechnet. Der israelitische Humanitätsverein „Union B'n a i B'r i t h" in Pilsen hat anläßlich des zehnten Jahrestages seiner Gründung dieser Ortsgruppe eine Spende von L 200 gewidmet. Den Herren Dr. Simon Stern, Rabbiner, und Dr. Adolf Anspach, Cultusvorsteher in S a a z, ist es zu verdanken, daß daselbst 52 Mitglieder mit ansehnlichen Beiträgen gewonnen wurden. Die Mitglieder haben sich vorläufig noch nicht constituirt. Der Hilfsverein zählt jetzt 41 Ortsgruppen mit circa 4000 Mitgliedern. Demnächst werden sich die Ortsgruppen B ö h m.-L e i p a, Pardubitz, Olmütz, Proßnitz und Jägerndorf constituiren. Lundenburg. Der in Lundenburg neugegründete Verein „Südmährerbund" fordert durch die Ortsleitung des Bundes die Bewohner Lundenburgs auf, die in Brünn erscheinende Zeitung „Deutsches Südmährerblatt" zu abonniren. Diese Zumuthung stellt man allen Ernstes auch an die Herren Juden in Lundenburg und erwartet, daß dieselben — wenn auch in dieser Zeitung beschimpft und unter Apostrophe gestellt — zahlen und — schweigen werden. — Der Antisemitismus ist leider Mode und der Jude leidet entsetzlich genug da — wo er sich nicht helfen kann. — Anders bei uns in Lundenburg! Haben wir es hier wirklich nöthig, uns Derartiges bieten zu lassen? Sind wir hier wirklich so abhängig von diesen wenigen Antisemiten, die, wenn man sie ernstlich um ihre Gesinnung befragt, vor Allem den Antisemitismus ableugnen, nicht weil sie keine Antisemiten sind, sondern weil sie unseren Einfluß fürchten! — Züchten wir nicht durch unser „Sich gehen lassen" solche Gesellschaftsschädlinge? Ermannen wir uns, solange es noch Zeit ist! Wehren wir uns. wir haben die Macht, wenn wir wollen, denn nur unser Nichtwollen oder Nichttrauen macht es möglich, daß der Antisemitismus sich hier überhaupt hervorwagt. — Bemühen wir uns, eine zweite Apotheke zu erlangen, eventuell genügt eine große Droguerie; beschäftigen wir grundsätzlich keine Professionisten, die uns Juden feindlich gesinnt sind; trachlen wir — und wir können dies nöthigenfalls erzwingen — daß ein Zügen dbildner, der antisemitische Passionen hat, diese anderwärts prakticirt; verschließen wir Aerzten, die vor keiner Judenfrau — und wäre sie auch die vornehmste — den Hut zu ziehen für nöthig erachten, unser Haus — es wird — so gehandelt — gewiß dieser Modekrankheit im Entstehen ein Damm gesetzt. — Mährisch-jüdischer Landesmaffafond. Am 23. März d. I. fand die diesjährige Versammlung der Delegirten zur Verwaltung des Mähr.-jüd. Landesmaffasonds unter Vorsitz des Herrn Dr. Salomon Spitzer statt. Es waren hiebei 47 Gemeinden vertreten. Der Rechenschaftsbericht Curatoriums pro 1902, sowie der Bericht der Rechnungsprüfer wurde genehmigt und dem Curatorium das Absolutorium für das abgelaufene Jahr ertheilt. Hierauf wurde in die Berathung des Voranschlages für das Jahr 1903 eingegangen, der die Einnahmen mit kl 99.587 63, die Ausgaben mit X 98.620 beziffert. Es wurden fämmtliche Posten der Einnahmen und die der Ausgaben bis auf die Kosten der Jnspection des Religionsunterrichtes unverändert angenommen. UnterPost „Bildungs- und Humanitätsanstalten" wurden die im vorigen Jahre gewährten Subventionen für derartige Anstalten und Vereine abermals bewilligt; neu kam hinzu der Israelitische Mädchen-Freitisch- und Fm sorgeverein in Brünn mit dem Betrage von K 50. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl des Curatoriums für die 12. Wahlperiode 1903—1905 wurden gewählt: 1. Aus den 6 Wahlgruppen die Herrrn: Berthold Münch in Triesch (neu), Philipp Kohn in Nikolsburg, Dr. Ludwig Körner in Göding, Josef Singer in Proßnitz, Dr. Alois Hilf in Mähr.-Oftrau, Siegmund Hofmann in Wischau (neu); 2. Aus dem Plenum die Herren: Dr. Jacob Eben in Olmütz, Julius Ritter von Gomperz in Brünn, Adolf Lieblich in Jglau, Dr. Salomon Spitzer in Brünn, Dr. Siegmund Weiß in Boskowitz; zu Ersatzmännern wurden gewählt die Herren: Heinrich Bittner in Lundenburg, Alois Löbl in Eiwanowitz, Julius Löwenthal in Brünn und Joses Pollenz in Mißlitz; zu Rechnungsprüfern die Herren: Bittner, Pollenz, Tandler. Den wichtigsten Berathungsgegenfland bildete das vom Vorsitzenden aus gearbeitete Promemoria, betreffend die Pensions-, Witwen- und Waisenversicherung der Angestellten der israelitischen Cultusgemeinden in Mähren, in welchem in streng sachlicher und eingehender Weise der Modus einer derartigen Versicherung behandelt und insbesondere unter Anschluß der ber-its auf G.und des eingeholten statistischen Materiales