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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-04-10 · 15 (10.4.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
15 (10.4.1903)
Date
1903-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Bette LS4 Dr. Bloch's Wochvnfchrifr. Nr. 15 Das „Vaterland" muß es ja wissen. Offenbar haben seine Theologen erfahren, daß „anderen geistigen Wesen" der berühmte Teufel Bitru „es zeitweilig und bis zu gewissen Grenzen gestattet", aus der Hölle oder dem Fegefeuer auf die Erde zu kommen und mit den Menschen Allotria zu treiben. Denn „die Thatsächlichkeit" dieser Vorgänge „kann ja nicht bezweifelt werden". — Ob es wohl jemals gelingen wird, einen so haarsträubenden Wunderunstnn zu erfinden, daß ihn unsere Clericalen nicht glauben? Wir halten das für unmöglich. Die baierischen Clericalen regten sich doch nur auf, weil man die „nichtsnutzige Bosheit" beging, den „Geist Tillys" zu einem Aprilscherz zu verwenden. Unsere Clericalen aber glauben den Unsinn! Die „Dummheit und der Aberglaube" dieser Kreise kennen wirklich keine Grenzen." _ Einiges über die eg Optische Augenentzündung, ihre Verbreitung und sichere, schmerzlose Heilung mittelst einer neuen Methode. Von Augenarzt Dr. Julius Donath, IX., Spitalgasse 29. Bei der starken Verbreitung der egyptischen Augenentzündung und ähnlicher entzündlicher, leicht übertragbarer Augenleiden in dem östlichen Theile unserer Monarchie, insbesondere aber bei der jüdischen Bevölkerung Galiziens, der Bukowina und Ungarns, wird es wohl auch hier am Platze sein, Einiges über deren Verbreitung, über die bisherigen Heilungsversuche und schließlich über eine neue Methode mitzutheilen, welche vermöge ihrer großen Ueberlegenheit gegenüber den jetzigen Behandlungsmethoden bestimmt ist, diese in Kurzem zu verdrängen. Die egyptische Augenentzündung (auch Granulöse oder Trachom genannt) ist als Seuche durch die Heere Napoleons aus Egypten nach Europa gebracht worden; die Epidemie war im Heere Napoleons so verheerend, daß fast die Hälfte der Soldaten an der Krankheit darniederlag. Von den kranken Franzosen wurde dann das Trachom auf die Heere der Verbündeten übertragen und von den entlasienen Soldaten auf die Civilbevölkerung, wodurch es sich über ganz Europa verbreitete und Tausende von Erblindungen herbeiführte. In einzelnen Gegenden (in den südeuropäischen Halbinseln, Belgien, Holland, den deutschen und russischen Ostseeprovinzen, Polen, Ungarn, Südrußland) blieben Trachomherde bis auf den heutigen Tag bestehen, um hier weiter zu wuchern und größeren Schaden anzurichten als alle epidemischen Krankheiten zusammen. Armuth und Unreinlichkeit der Bevölkerung begünstigen die weitere Verbreitung dieses schrecklichen Leidens, das in seiner Heimat noch erschreckend viele Opfer fordert; so ergaben die ärztlichen Inspektionen in den Kouttabs (egyptische Schulen) im Vorjahre einen Percentsatz von 75 Percent trachomkranker Schüler, in einzelnen Schulen sogar 98 Percent. Die bisherige Behandlung mit Höllenstein und Blaustein (Kupfervitriol), das sogenannte „Beizen'", sowie die verschiedenen Operationsmethoden fügen zu den Qualen des Leidens noch die der Behandlung hinzu, welch* letztere bei regulärem Verlauf (nach Deneffe in Gent) 3—5 Jahre erfordert. Treten die sehr häufigen Erkrankungen der Hornhaut hinzu, so dauert es 7 bis 8 Jahre, bis der Patient seine frühere Beschäftigung wieder aufnehmen kann. Wird die Krankheit nicht ganz regelrecht und in einemfort behandelt, so ist ihre Dauer unbegrenzt. Deneffe sah Kranke, die schon vor 30 Jahren an Trachom litten und immer noch nicht geheilt waren. Trotz Behandlung ist selbst völlige Erblindung nicht immer ausgeschlossen; Deneffe fand bei der Untersuchung des Blindenasyls in Gent, daß 41 Percent aller Jnsaffen durch Trachom ihr Augenlicht verloren hatten, und nach den Angaben einiger russischer Aerzte weist die Erblindungsziffer in Rußland zu 30 Percent Trachom als Ursache auf. In einzelnen Gegenden soll sich dieser Percentsatz auf 40, ja 82 Percent steigern (Andogsky). Bedeutende Augenärzte, wie Sämisch und Wecker, erklären, daß es beffer sei, diese Krankheit sich selbst zu überlassen, als die Granulationen (d. i. Körner) zu zerstören, d. h. eine der häufigsten Behandlungsarten des Trachoms in Anwendung zu bringen. Die angeführten Thatsachen beweisen zur Genüge, daß man bisher nicht im Stande war, die egyptische Augenentzündung zu heilen; immer wieder tauchen neue Heilmittel gegen diese auf, um sich aber ebenso rasch als unbrauchbar zu erweisen. Vor einigen Jahren nun wurde durch einen Naturforscher in der Schweiz ein neues Verfahren zur sicheren Heilung entzündlicher Augenleiden, insbesondere des Trachoms, angegeben (Ophthalmol Lindemann), besten große Heilwirkung sowohl Aerzte als auch Patienten, welche sich desselben bedienen, und die Zahl beider ist bereits eine sehr bedeutende, unumwunden anerkennen. In den meisten europäischen Staaten, sowie in Amerika beginnt es bereits allgemein verbreitet zu werden, selbst in Egypten, der Heimat der schwersten Augenleiden, erwies sich mir das Augenöl in Hunderten von Fällen als ein allen bisherigen weit überlegenes Mittel, und wird es auch daselbst mit sehr guten Erfolgen weiter angewandt. Das Augenöl stellt ein einfaches Naturproduct dar, ist ein rein natürliches Anregungsmittel und vollkommen unschädlich; die Behandlung ist leicht durchzuführen und schmerzlos, daher besonders für Kinder geeignet. Die bei der heutigen Behandlungsweise so häufigen mechanischen und operativen Eingriffe können dabei zumeist gänzlich vermieden werden, wodurch den Kranken Quälereien und Schmerzen erspart bleiben. Eine Cur mit Ophthalmol verursacht selbst bei längerer Dauer nur mäßige Kosten; vor Allem aber kommen die ganz vorzüglichen Resultate in Betracht, indem in frischen Fällen Heilung meist in wenigen Tagen, bei Vermeidung schwerer Folgezustände, erreicht wird, bei chronischen Leiden ist naturgemäß eine längere Behandlung nothwendig. Je rechtzeitiger eine Behandlung mit Ophthalmol beginnt, umso schneller und sicherer sind volle Resultatezu erzielen und dies auf absolut unschädliche, angenehme und nicht kostspielige Weise. Wien, 1. April 1903. Der Ansturm gegen die Bibel. Die Debatte über Bibel und Babel geht noch immer fort. Aber die Kämpfer für die Bibel sind meistens in der Majorität. Einer der wichtigsten Zeugen in diesem Proceffe ist der Berliner Professor Gunkel, deffen ziemlich radicales Buch über die Sagen der Genesis großes Aufsehen erregt hat. In einer Versammlung des Evangelischen Bundes hat er sich über die Streitfrage folgendermaßen ausgesprochen: „Ebensowenig wie die Tagespresse, so hat auch die große Schaar der Gebildeten von den Ergebnissen der Forschungen der Affyriologen nnd der wissenschaftlichen evangelischen Theologie Kenntniß genommen. Daher erscheine ihnen der „nette Vortrag Delitzsch' als eine wissenschaftliche That". Die Verwirrung wurde noch durch den zweiten Vortrag Delitzsch' gesteigert. Hier betrat der Assyriologe, gereizt durch den theilweise unberechtigten Widerspruch der kirchlichen Autoritäten, den theologischen Boden und wandte sich gegen den Offenbarungscharakter der Bibel. Was das Verhältniß zwischen Babylon und Israel anbetrifft, so blicke der Assyriologe mit etwas Ueberhebung auf den alttestamentarischen Forscher herab. Delitzsch sei kein Alttestamentler. Seine hebräische Philologie in allen Ehren, aber als Lehrer der alttestamentlichen Religionsgeschichte lehnen wir ihn ab. Ein Einfluß Babylons auf Israel sei unverkennbar. Das Gesetz des Hamurabi zeige überraschende Parallelen mit der mosaischen Gesetzgebung. Die hebräischen Maße, Gewichte und Geldsorten, sowie die Vorliebe für gewisse Zahlen (7 und 13) deuten auf Babylon. Als Israel in Kanaan einzog, stand es mittelbar unter dem Einfluß der Babylonier. Babylonische Elemente finden sich in der jüdischen Religion unzweifelhaft. Aber diese Erkenntniß kann uns durchaus nicht beunruhigen, da wir nicht den nationalen Anspruch des Judenthums zu vertheidigen haben. Professor Gunkel geht nun im Einzelnen die Erzählungen durch, um die es sich handelt, und tadelt es als eine verhängnisvolle Unterlassungssünde, daß Delitzsch nicht Hervorgeboben, wie der Stoff umgebildet sei. Um wieviel höher stehe Goethe's Faust, als der der Volkssage? In der babylonischen Erzählung herrschte ein wilder grotesker Polytheismus, in der biblischen ein einziger Gott. Israel habe die Schlacken in Gold umgewandelt. Wer solchen Unterschied übersehen kann, dem fehle der Sinn für Religion und Religionsgeschichte. Der Sabbath der Babylonier sei die Feier eines heiligen Tages, eines Sühnetages, gewesen. Davon zeige der jüdische Sabbath oder der christliche Sonntag keine Spur. Wenn ferner bei verschiedenen Völkern sich Anklänge an den Monotheismus finden, so sei Israel doch das classische Volk des Monotheismus. Delitzsch sei bei der Gegenüberstellung von Babylon und Israel parteiisch verfahren, weil er von unverständigen Theologen gereizt sei. Er habe Israel zu Gunsten Babylons herabgesetzt. Hier herrsche ein krasser Polytheismus, dort Monotheismus, hier Götter und Natur, dort Gott über die Natur; hier Götterbilder, dort eine bildlose Verehrung des einzigen Gottes. Delitzsch, dem die systematische theologische Durchbildung fehlt, suche nach einer supranaturalistischen Offenbarung in der Bibel und verwerfe diese mit Recht. Aber er übersieht jene Offenbarung, die das Auge des Glaubens erblickt. „Israel ist und bleibt" — so schloß der Redner unter großem Beifall — „das Volk der Offenbarung". * * * In der öffentlichen Discussion über die Babel-Bibel-Vorträge des Professors Dr. Delitzsch, nahm auch ein Gelehrter das Wort, der das Studium der Affyriologie mit dem der Theologie verbindet. Am gestrigen Abend verbreitete sich Herr Dr. Alfred

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