Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 14 (3.4.1903)
- Date
- 1903-04-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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air. 14 Dr. Bloch's Wortzenschrifl. 325 beschirmen und unseren Kindern und den Kindern unserer Feinde von uns erzählen, damit auch unser Tod der Sache der Gerechtigkeit diene! .... Und ich glaube, 0 Adonai, daß dein Reich wird herrschen auf Erden I... Die Gewalt wird verschwinden, die Völker werden zum Fest dr Bruderliebe sich vereinen, und nie mehr wird durch eines Menschen-Hand -das Blut eines Menschen vergossen werden. .; Dann wird der Engel der Trauer seine Schwingen entfalten und voll Freude zum Himmel emporstiegen, und auf der Erde wird Glück herrschen und Friede. Und darum mögen die Menschen sich unser erinnern und eingedenk sein dessen, daß wir, Unglückliche, in den Zeiten der Gewalt unser Blut vergossen haben für die Sache der Gerechtigkeit, nicht aber für die Sache der Unterdrückung. Amen!. . (Ende.) Literatur. bKi©'» nban Israels Gebete. Das Gebetbuch der Synagoge in poetischer Verdeutschung, von Dr. I. Goldschmidt, großherzogl. Rabbiner in Offenbach a. M. II. Aust. Main;. Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei. 1902. Die hebräische Sprache bildet nach einem Worte Jehuda Halevi's in seinem Cusari das heilige Gesäß für einen geweihten Inhalt. Eines der heiligsten Güter unseres Stammes ist unser Gebet. Es ist der Ausdruck der Zwiesprache des Menschen mit dem unendlichen Wesen/ So lange nun jedes Haus im Judenthum ein Tempel war, worin das Familienhaupt als Priester, die Mutter als Schutzengel der Religion waltete, so lange erschien auch jeder Tempel den Kindern des Judenthums als chr Haus. So vertraut und heimisch wie in diesem, fühlten sie sich in jenem. Heute aber sieht sich vielfach unser heranwachsendes Geschlecht im Gotteshause wie von lauter Fremdlingen umgeben. Wahrlich, ein Gebet, in der Sprache des alten Sanscrit oder der des Consucius brauchte ihm nicht unbekannter zu klingen, als etwa die herrliche Keduschah oder das gemüthsergreifende Kadisch einem großen Theil unserer Jugend klingt. Die übliche Methode der mechanischen, wörtlichen Gebetübersetzung, so schön auch mitunter ihr Erfolg sein mag, er bleibt eS doch immer nur — mitunter. Sie leidet an Eintönigkeit. Diese aber ist das chronische Uebel aller Uebersetzungen hebräischer Gebete. Nur äußerst selten wird darum dieser Methode der innige Erguß des Herzens im Gebete ersprießen, der doch das letzte Zrel aller liturgischen Uebungen des Religionsunterrichtes bilden soll. Nach dieser Richtung hin erweist sich das vorliegende Werk Goldschmidt's als überaus zweckmäßig — und zeit- ‘ gemäß. Und zwar in doppelter Beziehung : ES bildet ein-praktisches Hilfsbuch für den Jugendunterricht, wie auch eine erbauende Lectüre für die Familie. Es erschließt in moderner Form die Fülle der Poesie unserer uralten Gebete. Wenn der Religionslehrer vorerst die wortgetreue Uebersetzung der im Lehrplane vorgeschriebenen Gebetstücke absolvirt und sodann diese Verdeutschung derselben den Schülern zum Memoriren dictirt, dann wird unweigerlich der obengedachte Zweck erreicht werden: Liebe zur activen Betheiligung am Gottesdienst. Em Beispiel für Viele sei hier angeführt: das in Goldschmidt'scher Uebersetzung so schöne Häschkivenu: Der Tag geht zur Neige, laßt schlafen uns gehen, ' O Ewiger, 0 Gott, zum Frieden der Nacht! Und laß uns, 0 König, zum Leben erstehen, Wenn freundlich des Morgens Strahl wieder lacht. Spanne aus über uns Deines Friedens Hütte. Wenn Arbeit und Kampf in Spannung uns hält, Und lenke zur Höhe unsere Schritte, Zu unserem Heile und zum Heile der Welt! u. s. w. (S. 105). Welch inniges Abendgebetlein für Kindermund, wofür es es ja allem Anscheine nach ursprünglich bestimmt gewesen! Man sieht, unsere Jugend braucht in dieser Hinsicht nicht fremde Anlehen zu machen. Welch tiefe Poesie •' enthüllt uns - die Gokdschmidt'sche Uebersetzung des Alenu (S. 77) AHava rabba (S. 41) des Ato socher (S. 306) u. j. w. Wie viel ließe sich für die Erweckung des religiösen Sinnes unserer Jugend durch die rationelle Behandlung dieses BucheK.Äerzielen! . Als Erbauungsbuch für die Familie aber reiht es sich den besten dieser Gattung an. Man denke „Die Sprüche der Väter" in den schönsten Versen verdolmetscht! Bei deren Lectüre drängt sich unwillkürlich der Vergleich mit Rückert's „Weisheit des Bcahmanen" auf. Den reichen Schatz ethischer Wahrheiter, der in den „Sprüchen der Väter" verborgen ruht, in origineller Gedichtform, die sich dem Gedächtuiß so leicht einprägt, gehoben zu haben, ist G o lds ch m i d t's Verdienst. Schon dieser eine Vorzug stempelt das Buch zu einer pädagogisch-didactischen Leistung ersten Ranges. Das Würdige beschreibt sich selbst, wie jenes Gleichens unserer Weisen von dem menschlichen Leben mit der Haftpflicht eines Schuldners (Spr. d. V. HI, 20) : Aus Sicherheits-Pfand ist alles gegeben! Ein Netz umspannt das ganze Leben! Einem Waarenhause gleicht die Welt: Alles ist für die Kunden ausgestellt!....' Man zeigt die Belege. Man erhebt die Beträge, Was Du früher empfangen, Wird zurück man verlangen ... Für's große Ganze wachsen die Kräfte, Für die Ewigkeit wird der Tisch bereitet! (206.) Nicht unerwähnt soll aber bleiben, daß Goldschmidt tüer dem Uebersetzungssehler aller Derjenigen folgt, die bisher die „Sprüche der Väter" ins Deutsche übertragen. Dieselben übersetzen nämlich: irvsob jpnb bam „und alles ist bereitet zum Mahle" (vzl. I. N. Manheimer u. A. m.). Dies aber gibt u-; dem Bilde der Haftpflicht eines G'ldentleih^rs keinerlei Sirr>. Wäre die Emendation nicht sinnentsprechender, rmpob uo 11 *tt’D stützen, resp. bei Verwechslung der Guttural! S n, vou ino bezeugen, herzuleiten? Sodann ergäbe sich der Zusammenhang: „DaS Urtheil ist ein wahres Ürtheil und Alles ist bereit zur Zeugenschaft (über Tüch). Bei einer weiteren Auflage des Buches wäre etwa noch das Eine zu berichtigen, daß der hebräische Text durch Jnterpunction derart markirt .werde, daß der Lehrer mühelos den entsprechenden Theil desselben sofort, seinem paffenden deutschen Verse zuweisen kann. Als empfindliches Desideratum erweist sich seit Langem schon der Mangel einer geschmackovllen Uebersetzung der F e sttagsgebete. Dieser gewiß nicht leichten Aufgabe erscheint das eminente Uebersetzungstalent Goldschmidt's vollständig gewachsen. Wir hoffen darum, aus diesem Gebiete ihm noch zu begegnen. N e u t i t s ch e i n. Rabbiner Dr. S. Mandl. Neue Bücher. Dr. Jsak Unna, Rabbiner in Mannheim. Die Leichenverbrennung. Ein Vortrag. Nebst einem Anhang: Kritik des Wienerischen Gutachtens über die Feuerbestattung. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1903. Nene Wege, Fest-Schrift, herausgegebeu anläßlich des zehnjährigen Bestandes des Vereines „Bar Koch ba" in Prag. Der Erlös fällt dem Unterstützungsfonde der jüdischen Hochschüler zu. Verlag des Vereines. Fritz Moll, Rechnungsofflcral im k. k. Handelsministerium und Anion Pivl, Rechnungsofficial im k. k. Handelsministerium. Die Berufswahl der Frau im Staatsdienste und im öffentlichen Leben. II. Theil. Ein Rathgeber und Führer für jene Frauen, welche sich eine selbstständige Existenz gründen wollen. Im Selbstverläge der Herausgeber: Wien, III., Gürtelstraße 23. Preis 2 Kronen. Dr. Bernhard Fuchs. Kaiser Wilhelm, Professor Delitzsch und die Babylonische Berwirrung. Verlag. Sammlung moderner Kampfschriften, Wien. XVIII., Sternwartestraße 45, Nr. 3, 1903. Sechstes bis zehntes Tausend. Preis 90 b. I. Rosenberg. Lehrbuch der Neusyrischen Schrift- und Umgangssprache. A. Hartleben's Verlag, Wien, 1903.