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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-27 · 13 (27.3.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 206 Dr. BLoch's Worhsnfchrifl. Nr. 13 wieder von Neuem, welches Interesse ihm in den maßgebenden jüdischen Kreisen entgegengebracht wird. Eingeleitet wurde die Jubiläumsfeier mit dem Beethoven'schen Choral „Die Ehre Gottes", von den 30 Waisenmädchen des Heims frisch und wirkungsvoll vorgetragen. Der fürsorgliche Obmann des Vereines, Herr kais. Rath Sigmund Haurowitz, erstattete den Bericht, der eine kurze Ueberschau über die erfolgreichen Leistungen des Vereines in dem abgelaufenen Vierteljahrhundert enthielt. Zunächst gab er dem Bedauern Ausdruck, daß der Ehrenpräsident des Vereines, Sigmund Mauthner. der den Verein ins Leben gerufen, dessen große Verdienste um den Verein allbekannt seien, der Feier nicht beiwohnen könne. (Als besonderes Zeichen der Anerkennung wurde über Antrag des Redners Herrn Sig. Mauthner ein Sympathie - Telegramm gesendet, mit der Mittheilung, daß die Dircction durch den Erlag von 2000 Kronen auf seinen Namen ein Ehrenblatt für ihn gestiftet hat.) Auf die verflossenen 25 Jahre könne der Verein mit voller Zufriedenheit zurückblicken, da er weithin anerkannte Erfolge aufzuweisen habe. Aus kleinen Anfängen mit einem Mitgliedsbeitrage von einem Kreuzer wöchentlich ist dcr Verein eines der größten Wohlthätigkcitsinstitute geworden und hat vielfach als Muster für ähnliche -.'-ereinsgründungen gedient. Sehr erfteulich ist es, daß die Zahl der Mitglieder, Gönner und Freunde stets zugenommen hat. Von den Directionßmitgliedern, welche vor 25 Jahren an der Wiege des Vereines gestanden, wirken heute noch die Herren Philipp Beck, kais. Rath S. Elbogen, kais. Rath Moritz Hahn, Moritz Lauer, Sig. Mauthner, A. I. Pollak und der Berichterstatter S. Haurowitz mit. (Lebhafter Beifall.) Der Obmann gedachte der Männer, welche dem Vereine treu zur Seüe gestanden, aber leider nicht mehr am Leben sind. In Kürze erwähnt der Redner die Fortschritte des Vereines. Im Jahre 1878 wurden 51 Stipendien zu 50 fl. vertheilt, während jetzt 150 Stipendien zu 120 Kronen ausgeschrieben werden. Bis Ende 1902 wurde an Stipendien und Unterstützungen für im Heim nicht untergebrachte Mädchen der namhafte Betrag von 267.545 Kronen verausgabt. Der Redner erwähnte weiters der großherzigen Schenkung des Hauses für die Vereinszwecke seitens des Ehepaares Moritz und Ernestine Hahn, welche es ermöglichte, das vom Anfang an angestrebte Ziel, Kinder in ganze Verpflegung und Erziehung aufzunehmen, weiter zu verfolgen. Derzeit befinden sich 30 Waisenmädchen im Hause unter berufener Obhut Das Heim steht unter der Leitung des Damencomites, deren Obmännin Frau Hahn ist. Das Haus wurde am 75. September 1895 eröffnet und es wurden ursprünglich 15 Kinder ausgenommen, später stieg die Zahl bis auf 30. Bis Ende 1902 betrug der Aufwand 95.969-19 Kronen, demnach hatte der Verein für Stipendien und Erhaltung des Waisenhauses im Laufe der 25 Jahre den Betrag von 363.514'19 Kronen verausgabt. Die ganze Wirtschaftsrechnung und Obsorge für das Waisenheim führt Frau Eugenie Ornstein. Unter lebhaftem Beifall zollt der Redner der genannten Dame für die große Mühewaltung den Dank des Vereines, der auch den übrigen Schutzdamen gebühre. Herr I. Deutsch erstattete sodann den Bericht der Revisoren. Eine sinnige, ehrenvolle Kundgebung veranstaltete nach den Wahlen die Direction ihrem Obmanne. Sämmtliche Directionsmitglieder versammelten sich um Herrn kais. Rath Haurowitz und namens derselben hielt Herr Max Kahler eine herzliche Ansprache an den Gefeierten, in der er u. A. sagte: „Sie haben in einem kleinen Kreise edeldenkender Männer vor 25 Jahren den Verein mitbegründet und denselben durch Ihre rastlose Fürsorge und Thätigkeit mithelfend zu seiner großen Bedeutung gebracht. Der heutige Tag ist nicht nur ein Ehrentag des Vereines, sondern auch zu Ihrem Ehrentag geworden. In dankbarer Anerkennung und Verehrung Ihrer langjährigen opferwilligen Leitung hat die Direction ihr Bildniß für das Waisenheim gestiftet als bleibende Erinnerung an den hochverdienten Obmann, als Ansporn zu edlem Wirken und Hochhalten der Bürgertugenden für Gegenwart und Zukunft." Stürmischer Beifall folgte seinen Worten. Herr kais Rath Haurowitz dankte gerührt für die seltene Aufmerksamkeit, die ihn ebenso fteue, wie die Mittheilung, daß seine Directionscollegen den Betrag von 2000 K für ein auf seinen Namen lautendes Ehrengedenkblatt gewidmet haben. Lebhafter Beifall folgte den Worten des Redners, als er erklärte, sein Wirken im Vereine betrachte er als eine Pflicht, der er immer Nachkommen werde. Das Waisenmädchen BoLena Fleischner trug sodann ein von Frl. Thekla Pollak verfaßtes Gedicht, dessen Inhalt dem Dank der Waisenmädchen Ausdruck giht, beherzt vor. Mit der von den Waisenmädchen gesungenen Kaiferhymne schloß die erhebende Feier. ~m Aus der umfangreichen Festschrift, welche den Schriftführer des Vereines Herrn Dr. Ludwig Pick?um Verfasser hat, entnehmen wir kurz folgende Angaben: Für israelitische Waisenknaben war 1869 durch Errichtung der landesjudenschastlichen Steuerstiftung Sorge getragen, während für arme israelitische Waisenmädchen erst 1873 mit einem Eapitale von 4000 fl. die Erzherzogin Gisela-Stiftung begründet wurde. Wegen der geringen zur Verfügung stehenden Mittel dieser Stiftung konnten jedoch nur 2—4 Mädchen mit Stiftuugs- Präbenden bedacht werden. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, hatte der nun in Wien weilende Herr Sigmund Mauthner am 15. April 1877 im Vcrwaltungsausschusse der landesjudenschastlichen Waisenstiftung den Antrag gestellt: „zur Vergrößerung der Leistungsfähigkett der Erzherzogin Gisela-Stiftung einen Kreuzerverein mit dem Centralsitze in Prag und Nebenzweigen auf dem Lande zu gründen, dessen Grundtendenz darin bestehen sollte, daß die Mitglieder dieses Vereines allwöchentlich je einen Kreuzer zu leisten hätten." Der damalige Obmann der Gisela-Stiftung, Herr Samuel Fischt, empfahl und unterstützte diesen Antrag auf das Wärmste und Ende April 1877 konnte Herr Dr. Moriz Lickitenstern bereits die Statuten des neuen Vereines entwerfen. Am 21. October 1877 fand die constituirende Generalversammlung statt. Zum Obmann wurde einhellig der seither verstorbene D. F. Ritter von Wiener, zu dessen Stellvertreter Sigmund Mauthner, zum Cassier Sigmund Haurowitz, zum Controlor Moriz Lauer, zum Schriftführer Dr. Frank gewählt. Im November 1877 wurde ein allgemeiner Aufruf zum Beitritt veröffentlicht und so groß war die Wirkung dieses Aufrufes, daß der Verein nach Ablauf des 1. Geschäftsjahres 30 gründende, 358 stiftende und 7081 beitragende Mitglieder zählen konnte. Eine wichtige Einrichtung wurde im 5. Vereinsjahre dadurch begründet, daß beschlossen wurde, es sollen Mitglieder, welche dem Verein mindestens 1000 fl. derart widmen, daß deren Erträgniß wenigstens 0 fl. beträgt, das Recht erwerben, daß für immerwährende Zeiten eines der alljährlich zur Vertheilung gelangenden Stipendien den Namen des Spenders trägt und ihm auch das Verleihungsrecht Vorbehalten bleibt. Es wurde überdies beschlossen, die Namen solcher Spender in den Jahresberichten separat anzuführen. Bisher sind dem Verein auf Grund dieses Paragraphen 58.000 fl. zugeflossen und es weist der Jahresbericht pro 1901 56 Ehren-Gedenkblätter auf. Nach Ablauf einer zehnjährigen Periode (1888) verfügte der Verein bereits über ein Vermögen von fl. 76.153 09. Anläßlich des 40jährigen Regierungs-Jubiläums des Kaisers wurde die Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Stiftung Waisenheim für Mädchen begründet. Mit dieser Stiftungserrichtung war der erste Spatenstich gethan zu .dem neuen Werke, den Waisenmädchen ein eigenes Heim zu schaffen. Diese Stiftung gelangte jedoch erst durch die Hochherzigkeit des Herrn kais. Rath Moriz Hahn und dessen Gemahlin Frau Ernestine Hahn zur wirklichen Bedeutung, indem die Genannten dem Kreuzervereine ein vollständig eingerichtetes Waisenhaus anläßlich der Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers zum Geschenke machten. Der Werth dieser Schenkung wurde erhöht durch die allen Erfordernissen der Pädagogik und Hygiene entsprechende zweckdienliche, aber durchaus einfache Einrichtung des Waisenhauses. Prag. Sehr geehrter Herr Redacteur! Man wollte es nicht glauben, daß die Vorgänge in Prag in Wien so wenig bekannt sind und alle Ereignisse eine falsche Beurtheilung erfahren. Allerdings unsere politischen Zustände sind an sich unklar genug und dem Verstäidniß der Fremden schwer zugänglich. Allein wenn man von Prag aus Mittheilungen nach Wien absendet, durfte man erwarten, daß sie dann einem Berständniß begegnen. Leider müssen wir auch hierin böse Erfahrungen machen, und man kann nicht aufhören, im Interesse der Wahrheit Richtigstellungen vorzunehmen. Wie kann man nur die verkrachte clerical-antisemitische St. Wenzels-Borschußcasse mit der Böhmischen Sparcasse verwechseln oder gar in einen Topf werfen? Die Wenzels-Borschußcasse war ein notorisches Instrument der Reaction, hat die Judenhetze und die Judenhetzer im ganzen Lande protegirt, sie hat die Juden überall angefeindet und selbstverständlich auch niemals einen jüdischen Verein unterstützt. Nur von der Böhmischen Sparcasse hat man Ihnen berichten können, daß sie jüdische Wohlthätigkeitsvereine mit namhaften Jahresbeiträgen bedachte. Von der Böhmischen Sparcasse habe ich Ihnen geschrieben: »Ich selbst z. B. bin Mitglied des »Israelitischen Nächstenliebe-Vereines", des ,Israelitischen Freitisch-Vereines", des »Kreuzer-Vereines zur Unterstützung israelitischer Waisenmädchen", des »Chanuka-Vereines" rc. rc. Alle diese und noch viele andere weisen jährlich Beträge der Böhmischen Sparcasse von je 200 bis 600 Kronen aus. Dagegen bekommen streng arische, respective antisemitische und „deutschnationale" Vereine keinen Kreuzer Subvention, weshalb Blätter dieser Richtung schon öfters die Sparcasse-Verwaltung angegriffen haben". Ueber die Wenzels-Vorschußcaffe haben Sie in Nr. 11 ganz richtig geurtheilt, daß dieselbe ihr Geschick verdient hat. Dagegen der Böhmischen Sparcasse gegenüber sollte sich der Jude jeder Anfeindung fern halten. Das Deficit der St. Wenzels- Vorschußcaffe wächst von Tag zu Tag noch dadurch, daß sich zahlreiche Accepte, die unter den Activen des falliten Institutes angeführt wurden, als gefälscht erweisen. Dieser Tage wurden von demselben mehrere Wechsel eingeklagt. Bei der Verhandlung vor dem hiesigen Handelsgerichte gaben die Geklagten unter Eid an, daß die Wechsel gefälscht seien, worauf die Vertreter der St. Wenzels-Vorschußcaffe die Klagen zurückzogen. Auf vielen Wechseln der Vorschußcaffen figuriren als Acceptanten auch solche Personen, welche zur Zeit der Ausstellung jener Wechsel gar nicht mehr am Leben waren. Prag. Am 22. Februar d. I. fand die ordentliche Generalversammlung des »Vereines für geregelten Gottesdienst der Israeliten in Prag" statt. Der Vorsitzende des Verwaltungs-

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