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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-27 · 13 (27.3.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 204 ^r. BLvch's WochenMrM. Nr. 19 Parlamente gaben demselben der gesammte Borstand der Chewra- Kadischa, sowie sämmtliche Beamten des Hauses Schenker u. Cie. zu Fuße das Geleite, worauf sich der Zug nach dem Centralfriedhofe formirte. Dort wurden in der Ceremonienhalle der israelitischen Abtheilung ebenfalls die vorgeschriebenen Trauergebete durch Obercanwr Singer unter Affistenz der ersten Cantoren Blatt und Schiller verrichtet. Bon mächtigem Eindruck bei der zahlreichen Trauerversammluug war die wunderbare, meisterhafte Rede des Oberrabbiners Dr. Güdemann, worauf der Rector der Israelitisch-theologischen Lehranstalt Pros. Dr. Schwarz und der Bicepräsident der Chewra-Kadischa, Dr. M. S P i tz e r dem Verblichenen warme Nachrufe hielten. Darnach erfolgte die Beisetzung. * * * Der Vorstand der Chewra-Kadischa hat sich am Vorabend des Leichenbegängnisses seines verstorbenen Präsidenten zu einer solennen Trauerkundgebung versammlet. Der Bicepräsident Herr Phil, und Jur.-Dr. Marms Spitzer würdigte in erhebender Weise die hervorragenden Verdienste, die sich der verstorbene Präsident um die Chewra-Kadischa erworben, und erbat sich die Zustimmung, diese Trauerkundgebung in dem Protokolle des Vereines verewigen zu dürfen. Am Leichenbegängnisse betheiligte sich der gesammte Vorstand der Chewra, bestehend aus den Herren: Aron B o n d i, Moritz E i ß l e r, S. Heit, Emil Horner. Jacob Moor, Adolf Rosenbaum, Dr. Markus Spitzer und Baurath Wilhelm Stiaßny, und gab dem Verstorbenen zu Fuße das Geleite vom Trauerhause bis zum Parlament. In der Ceremonienhalle hielt Bicepräsident Phil, und Jur. Dr. Markus Spitzer an der Bahre des Verblichenen folgende Trauerrede: Tieferschüttert und im Innersten ergriffen, trete ich an diese Bahre mit der schmerzlichen Aufgabe betraut, im Namen des Vorstandes der Chewra-Kadischa, die in dem edlen Dabingeschiedenen ihren hochverdienten, ausgezeichneten Präsidenten beklagt, den Gefühlen inniger, aufrichtiger Trauer Ausdruck zu geben, heißen Dank auszusprechen für die Aufopferung und Hingebung, mit der er sich der heiligen Sache widmete, für die freudige Begeisterung, mit der er für die Ehre und Würde unserer Bereinigung immer und überall seine ganze Kraft einsctzte. Bon berufenster Seite wurde in ergreifenden Worten das segensreiche, beglückende Wirken des Verewigten in der Familie und in der Gemeinde, seine bewunderungswürdige, außerordentliche Wohlthätigkeit in allen ihren mannigfachen Erscheinungsformen geschildert; mir sei es vergönnt, einige Züge aus dem herrlichen Lebensbitde hervorzuheben, die uns den herben unersetzlichen Verlust, den wir Alle erlitten, in seiner ganzen Größe erkennen lassen. Der von uns tief Betrauerte war ein stahlharter, in sich gefesteter Charakter, getragen von den lautersten, wahrhaft ethische Milde und Wohlwollen athmenden Grundsätzen, durchglüht von der hehren Idee der Humanität, erfüllt von jenem kategorischen und unerschütterlichen Pflichtbewußtseiv, das in dem tiefsten Wesen, im Kern der Persönlichkeit wurzelt und ihn auf allen seinen Lebenswegen, in seinem Thun und Schaffen begleitete. Er war ein echter Jude, ein treuer Sohn seines Volkes, der mit allen Fasern seines Herzens, mit allen Gedanken seines Geistes dem angestammten Glauben anhing, innig verwachsen mit der überkommenen Tradition, in der er erzogen und groß geworden. Er belauschte die Strömungen und Regungen der Zeit, vereinigte deren Ansprüche mit den Forderungen der Vergangenheit zum schönsten Einklänge und erfaßte voll und ganz jene Pflichten, deren Erfüllung die Ehre des Judenthums gebieterisch erheischt. Was jedoch seiner Persönlichkeit das ihr eigenthümliche Gepräge verlieh, was ihr den Stempel edler Menschlichkeit, der Ebenbildlichkeit Gottes aufdrückte, das war sein Wohlthätigkeitssiun, seine Güte und Barmherzigkeit, die glänzenden Ausstrahlungen eines zart besaiteten Gemüthes, eines vollen, reinen, harmonisch gestimmten Seelenlebens, das war seine brüderliche Liebe, deren idealste Verwirklichung und vollkommenste Verkörperung er im Wirken der Chewra-Kadischa erblickte. Deshalb fühlte und wußte er sich eins mit den Bestrebungen, Zwecken und Zielen dieses Vereines, zog es ihn "mit unwiderstehlicher, aus Geistes- und Gemüthsverwandtschaft hervorquellender Macht zur heiligen Bruderschaft, die eine der erhabensten, unvergänglichen, altehrwürdigen, den Tiefen der Volksseele entstiegenen Schöpfungen jüdischer Weltanschauung ist, in welcher das Herz des jüdischen Stammes kräftig und unverwüstlich ff pulsirt, in der die Religion praktischer, allumfassender > Menschenliebe ihre höchsten Triumphe feiert. fV* Der Name Moriz Karpeles wird für alle — Zeit mit der Wiener Chewra-Kadischa unauflöslich vergp knüpft sein, als der Name eines Mannes, der rastlos und li Dunermüdlich ihr Gedeihen und Emporblühen förderte, der §■, sein Sinnen und Trachten, seine Gedanken und Gefühle in 'Wihren Dienst stellte, der ihr bis zum letzten Athemzuge unverbrüchliche Treue hielt und dem die beseligende Freude Mzutheil wurde, seine Arbeit, Mühe und Sorge durch einen 1 ungeahnten Aufschwung des Vereines reichlich belohnt zu Wehen. Der edle Dahingeschiedene ist nunmehr eingegangen in die Gefilde des ewigen Friedens. Seine sterbliche Hülle " werden wir der Erde übergeben. Allein sein Geist wird uns umschweben, sein erhabenes Beispiel uns voranleuchten; in seinem Sinne wollen wir wirken und schaffen, die Erinnerung an ihn wird in uns fortleben, und „wenn er auch schläft, sein Herz wird in unserer Mitte stets wachen". Wie er selbst im Leben segensreich gewirkt, so wird auch sein gg Andenken, das wir heilig und hoch halten wollen, als das Andenken eines frommen und gerechten Mannes für alle Zukunft reichen Segen bringen, renn1?'p'-K -Qi Wien. Mittwoch den 25. d. M. 3 Uhr wurde Frau Amalie B a r d a ch, die Schwester des Landesschulrathes und Vicepräfidenten der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde Dr. Gustav K o h n unter sehr zahlreicher Betheiligung zu Grabe getragen. Der Cultusvorstand war durch den Bicepräsidenten Dr. Alfred Stern; die Vorstandsmitglieder durch Dr. Berger, Salo C o h n, Sigmund - K a u d e r s, kais. Rath Wilhelm P o l l a k, Max Fl eisch er, Emil Horner, Dr. Marcus Spitzer, Moritz Eiß le r, Baurath Stiaßny, Heinrich Telisch er, die Chewra-Kadischa durch S. H e i t und Adolf R o s e n b a n m; der Bethausvorstand durch Adolf Stiaßny und Flaschner vertreten. Unter den Anwesenden bemerkte man auch Hofrath Müller, Regierunqsrath Dr. S ch l a g, Landesgerichtsrath R i t t e r m a n n, M. A. P o l l a k, Josef I e l l i n e k, Rector Schwarz, Professor Büchler, Lector Friedmann, Professor K a n i tz, kaiserl. Rath Dr. Theodor Lieben; die Rabbinen Dr. Bach, G e l b h a u s und K a m i n k a, Obercantor Singer; die Advocaten Regierungsrath Doctor Ad. B a ch r a ch, Dr. Dan. B a ch r a ch, Dr. Albert Kuh, Dr. K o r n f e l d, Dr. Leop. K o h n und Andere; Obercantor Guttmann unter Affistenz des Chorpersonales, verrichtete in hinreißender Weise die üblichen Trauergesänge; Rabbiner Dr. Schmied! pries die Heimgegangene an der Bahre im Sterbehause in der ihm eigenen geistreichen Weise als eine edle, wohlthätige Frau, welche, seit vielen Jahren verwitwet, die Energie und den Vorstand des Mannes mit dem Edelsinn, der Herzensgüte und dem Liebreize der Frau verband. Oberrabbiner Dr. Güdemann, ein alter Freund des Hauses, nahm auf dem Gottesacker in herzlich erhebender Rede von der früh Verstorbenen Abschied, der auf die große Trauerversammlung mächtigen Eindruck machte, und richtete Worte des Trostes an die Kinder, welche in ihrer Kindesliebe stets wetteiferten und dieselbe mit rührender Aufopferung gepflegt hatten. Die Worte des Oberrabbiners: „Die Heimgegangene glich der Erzmutter Sarah, sie hatte die Weisheit des Alters und die Anmuth der Jugend", charakterisirten die edle Tobte. — Unsere Gemeinde beklagt mit Recht diesen schweren Verlust. An der Bahre trauern eine Anzahl angesehener Kinder und der allgemein verehrte Bruder, wie außer dem bereits genannten Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Bicepräsident der israelitischen Cultusgemeinde, Kaufmann Theodor K o h n.;^Wien. In einer Bereinsversammlung des jüdischen Museums unter dem Vorsitz des Präsidenten Herrn Baurath Stiaßny hielt vor einem zahlreichen distinguirten Publicum Herr Architekt Max Fleischer Dienstag den 24. März im Festsaale des niede»österr. Gewerbevereines einen hochinteressanten Bortrag über die „Drei Meistersänger" des Judenthums: Gabirol, Jbn Esra und Jehuda Halevy. Nach einer kleinen Schilderung des

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