Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 194 Dr. Bloch's Wochrnschrrfl. Nr. 12 unten auf den Straßen und der König oben auf der Mauer. Seiner Schwester Berenike, die das Volk ihrer Sanftmuth halber liebte, hatte er den Platz auf dem Dache des Hauses der Asmonäer angewiesen und ihr anbefohlen, in Gegenwart Aller Thränen zu vergießen. So wollte er mit der Kraft seiner Beredtsamkeit die Gedanken des Volkes verwirren und mit Weiberthränen die Zornesflamme des Volkes verlöschen. In seiner Rede nannte er Nero einen „sanften Herrscher" und die Römer ^großherzige Sieger". Dann sagte er: „Nichts lindert in dem Maße die Schmerzen der Mederlage, wie Sanftmuth und Geduld der Besiegten . . Und er hat Manche unentschlossen gemacht. Jetzt werden an vielen Orten der Provinz Agrippa's Worte wiederholt und in dem Volke, das einmüthig sich zu erheben bereit war, herrscht Zwietracht. So verfechten auch die, welche mit uns gekommen, andere Grundsätze und hören zu streiten nicht auf . . ." Als die Sendboten ihre» Bericht beendet, traten Matathias und Zacharias, zwei Kaufleute, vor Menachcm und sprachen: „Agrippa hat Recht und du und die deinen, ihr säet eine böse Saat. Dein Vater ist im Kriege gefallen und war die Ursache des Todes unserer an dem Aufstand gar nicht betheiligten Väter. Jetzt willst du wiederum uns, friedliebende Handelsleute, durch eine Empörung aus der Welt schaffen. Dir liegt nichts am Leben, weil du nicht Geld noch Gut hast. Uns aber liegt daran. So sei doch gerecht, weiser Menachem, Sohn des ermordeten Jehudah!" In kühlem Tone erwiderte Menachem: „Mein Vater fiel im Kriege und auch eure Väter traf ein gleiches Loos . . . Mein Vater fiel mit dem Schwerte in der Hand, indeß eure Väter von dem zornentbrannten Sieger ermordet wurden. Aber fürwahr, ich sage es euch, nicht meinen Vater trifft die Schuld am Tode eurer Väter, sondern letztere haben, im Gegcntheil, das Dahinscheiden des muthigen Jehudah verursacht". Und als die Kaufleute fragten: „Wieso?" fuhr Menachem fort: „Jehudah erfüllte seine Pflicht, indem er den Gewaltthaten der Eroberer sich widerfitzte. So ihaten die Tapferen aller Völker: die der Parther, der Numidier, der Mawien. Und wenn Alle in gleichem Maße ihrer Pflicht nachgekommen wären, so hätte Rom es nicht gewagt, über seine Grenzen hinauszuschreiten, frei wäre die Erde, nicht unterjocht, und Friede würde auf ihr herrschen. Und mein Vater wäre am Leben. Aber eure Väter thaten wie die Furchtsamen aller Völker; sie ließen ihre Bertheidiger im Stich und diese Vertheidiger fielen, und uns, ihren Söhnen, wurde die Schmach der Sclaverei zu theil. Dieses antworte ich euch, den Kaufleuten . . . Geht! ..." (Fortsetzung folgt.) Die heilige« Tafel«. Es war ein Assyriologe Durch's heilige Land gereist; Er schlummert' am Fuße des Horeb, Da nahte ihm Moses' Geist. Er hielt ihm die Tafeln entgegen Und sprach die Worte dabei: „Auch Du bist einer von denen, Die gern sie brächen entzwei. Doch läßt sich so leicht nicht erschüttern. Was ich als Bollwerk gethürmt, — Kopernikus Lehre hat stärker Als Deine die Bibel bestürmt. Den niächtigsten Ansturm wagte Des Darwin Entwicklungssystem, Die Bibel trotzte den Beiden Und steht heut so fest wie vordem. Du willst zu den Stürmern gehören? O eitles Gelehrten-Gemüth! Du möchst die Tafeln zerstören, Versuch' es — Du beißt auf Granit!" Aus den Berliner „Lustigen Blättern" 1903, Heft 11. Krieflmste«. „Germanicus." Die deutsch-nationalen Antisemiten werden treffend charakterisirt von ihrem eigenen Genossen K. H. Wolf. Derselbe schreibt: „Ein Kampf mit den Teufeln in der Hölle kann nicht schwerer sein, als der mit diesen vor keiner Niederträchtigkeit zurückschreckenden Schuften." — Damit ist Schönerer gemeint. In den anderen antisemitischen Secten sieht es nicht anders aus, So findet sich in der „Oesterreichischen Volkspresse" folgende Antwort auf eine natürlich fingirte Frage: Alter Antisemit! Sie kränken sich wegen der „arischen" Recensionen über die Operette „Der Rastelbinder", welche die höchste Judenverherrlichung darstellt? In der Kunst, .sagen die „arischen" Recensenten, gibt es keine Partei — es wäre denn, daß der Sohn eines antisemitischen Bezirksvorstehers als Claviervirtuose ein Stück jüdischer Provenienz spielt-— Vergleichen Sie doch Kritiker mit den anderen gewöhnlichen Menschen! — Hüten Sie sich vor der „Journaille"- Dieser Angriff richtet sich gegen das „Deutsche Volksblatt", dessen Kritiker den „Rastelbinder" gelobt, dagegen den Währinger Bezirksvorsteher Baumann einmal wüthend angegriffen hat, weil dessen Sohn dem Publicum des Stadttheaters eine Mendelssohn'sche Composition vorgespielt hatte. Das Verganische Blatt weiß aber feinen Kritiker zu rächen. Es antwortete gleichfalls im Briefkasten: Alter Antisemit! Was dieser dumme Frechling von der „Journaille" spricht, ist uns völlig Lust. Man kann heutzutage in Oesterreich alle möglichen Aemter bekleiden und bleibt doch ein Esel. Der Redacteur der „Oesterreichischen Volkspresse" ist Herr Bielohlawek! K. Der Senat in Washington hat bei seiner Schlußberathung des Einwanderungsgesetzes am 5. März den Antrag auf Festsetzung eines Bildungs-Eensus, auf Grund dessen jeder Ankommende einer europäischen Sprache mächtig sein mußte, abgelehnt. Damit ist erfreulicher Weise diejenige Bestimmung beseitigt, welche für unsere immigrirenden Glaubensgenossen ans den östlichen Ländern verhängnißvoll geworden wäre. R. Der Londoner „Spectator" behauptet, daß die Riff-Kabylen diese berühmten Krieger, die den Spaniern so viel zu schaffen machen, keine Mohammedaner, sondern Juden seien. „Ein Leser". Sie haben vollständig recht. Allein wir haben auf jene Personen nicht den geringsten Einfluß. Berichtigung. In der Notiz über den Todesfall in K a r b i tz in der vorigen Nummer Ihres geschätzten Blattes soll es anstatt Familie Halm, Familie Hahn und statt Martha Halm, Martha Hahn richtig heißen. Hochachtend Teplitz, 15. März 1903. I. Hahn. Uotffen. Anglo-Oesterreichische Bank. Die neununddreißigste ordentliche Generalversammlung der Actionäre der Anglo-Oesterreichischen Bank findet am 30. März 1903 um 6'/, Uhr Abends im Saale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines (I., Eschenbachgasse 9) statt. Gegenstände der Verhandlung: 1. Jahresbericht des Generalrathes. 2. Bericht der Censoren über den Rechnungsabschluß des Jahres 1902 und Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes pro 1902. 4. Bestätigung der Cooptation eines Mitgliedes des Generalrathes und Wahl von zwei Mitgliedern des Generalrathes infolge Ablaufes der Functionsdauer. Laut Artikel 30 der Statuten berechtigen 25 Actien zu einer Stimme. Die stimmberechtigten Herren Actionäre werden eingeladen, ihre Actien sammt den nicht fälligen Coupons bis inclusive 23. März d. I.: in Wien bei der Liquidatur der Anglo-Oesterreichischen Bank, in London bei der Anglo-Austrian Bank, in Aussig, Brünn, Budapest, Prag, Teplitz, Trautenau und Triest bei den Filialen der Anglo- Oesterreichischen Bank zu deponiren. Laut Artikel 27 der Statuten können Vollmachten nur an stimmberechtigte Actionäre ertheilt werden. Union-Bank. Die dreiunddreißigste ordentliche Generalversammlung der Actionäre der Union-Bank findet Dienstag den 31. März 1903, um 1t Uhr Vormittags, in den Banklocalitäten, I., Renngasse 1, statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Verwaltungsrathes und Vorlage des Bilanz-Ausschusses pro 1902. 2. Bericht des Revisions-Ausschusses und Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahlen in den Verwaltungsrath. 5. Wahl des Revisions-Ausschusses für das Jahr 1903. Die stimmberechtigten Herren Actionäre, welche an der Generalversammlung theilzunehmen wünschen, wollen ihre Actien in Gemäßheit des § 27 der Statuten