Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 192 2-»r. Vwltz's WochenschrffL» Nr. 12 Wie«. (M ä d ch e n- und Frauenverein „Bikur- Chauli m".) Sonntag den 22. Marz 1903 findet ein Vortrag des Dr. S. Werner über Frauen- und Krankenpflege statt. Derselbe beginnt pracise halb 4 Uhr in der Religionsschule der Cultusgemeinde I., Seitenstettengaffe Nr. 2. Gäste, Herren wie Damen, sind herzlich willkommen. Wie«. Der Brigittenauer israelitische Unterstützungs - Verein veranstaltete Donnerstag den 12. d. M. am Purim-Abend im Prachtsaale des «Baierischen Hofes" eine geschlossene Maskenredoute, welche sehr animirten und ebenso würdigen Verlauf nahm. Der Saal bot ein farbenreiches, malerisches Bild und die Stimmung der zahlreichen Theilnehmer wie insbesondere der tanzlustigen Jugend war eine überaus gehobene; galt es doch wieder für die armen Glaubensgenossen in der Brigittenau Opfer zu bringen. In der That ist auch der materielle Erfolg dieser Veranstaltung, wobei sich die Herren Dr. Armin Süß, Jg. Friedmann und Polatschek, sowie Frau Dr. Weiß ganz besonders verdient gemacht haben, ein recht zufriedenstellender. Das segensreiche Wirken dieses Vereines verdient auch ungetheiltes Lob wie ausgiebigste Förderung. N. Ch. Wie«. Joachim Bandler — unter den israelitischen Religionslehrern, der besten einer, wurde am 9. März 1903 zn Grabe getragen. Nur die dienstfreien Collegen — der Landesschulinspector, kais. Rath, Vorstandsstellvertreter Gustav Kohn, Religionsinspector Dr. Langfelder, Adjunkt Braun, Friedhofsamtsletter Bäcker u. m. A. gaben ihm das letzte Geleite. Gemeinderabbiner Dr. Bach hielt eine schwungvolle, die Verdienste des verstorbenen Jugendbildners anerkennende Leichenrede, ihn mit dem Priester Ahron im Wochenabschnitte (beim Anzünden des beständigen, ewigen Lichtes) treffend vergleichend. Darauf schilderte Religionsinspector Dr. Langfelder in tiefbewegten Worten das bedeutende hebräische Wissen, den Pflichteifer, die Bescheidenheit und insbesondere die große Gottergebenhett des Verblichenen. Zum Schluffe widmete dem Amtsgenossen der Communal- und Religionslehrer Josef Schwarz emen warmen Nachruf. Er bezeichnete den Gottseligen als Muster aller Lehrertugenden und als Vorbild für jeden strebsamen Lehrer. Bandler's Geist wird fortleben unter seinen Schülern und Freunden. Cautor Schiller verrichtete in formvollendeter Weise die üblichen Trauergebete. — ( . . . Z.) Wie«. (Verlobung.) Fräulein Sophie Bondi, Tochter des Herrn Marcus Bondi, hat sich mit Herrn Ignaz Klein, in Firma Brüder Klein in Wien, verlobt. Wien. (Verlobung.) Fräulein Louise Kunstadt, Tochter des Herrn Hermann Kunstadt, hat sich mit Herrn Dezsö Spitzer aus Miskolcz verlobt. Lemberg. Bei der am 8. d. M. stattgefundenen 28. Generalversammlung der ersten jüdischen Volksküche wurden die Herren kais. Rath Banquier Jacob Stroh als Präsident, Salomo« Buber als Vicepräsident und Julius Hochfeld als Schriftführer; in den Ausschuß: Bauer Heinrich, Rabbiner Dr. Caro, Dr. W. Holzer. Maschler David, Rosenfeld Leon, Dr. Sokal Max. Stroh Elias, Victor Chajes, Moritz Sprecher, und als Ersatzmänner Hermann Jmerdauer und Lewy Ludmerer gewählt. Aus dem Rechenschaftsbericht ist ersichtlich, daß pro 1902 Privatpersonen ohne Unterschied der Confession 16.769 und 9094 isr. Studenten der Gymnasialschule mit Mittagskost bespeist worden sind. An Subventionen wurden der Volksküche zu theil: vom Landesausschuß Stiftung Gräfin Niezabotovski, K 300; von dem h. Gemeinderath K 600; von dem h. Vorstande K 200; von den Mitgliedern K 1028, so daß pro 1093 der Reservefond an Baarem K 782.35; an Legaten K 1700; an Capitalrente K 8400 verbleibt. Mit Dank an Herren Jacob Stroh. Elias Stroh, Frau Fanny Stroh für deren besondere emsige Thätigkeit wurde die 28. Generalversammlung geschloffen. 5. H. Olmütz. Das ehrwürdige Landesrabbinat bestätigte die Verleihung des »Morenu"-Titels an Herrn Bernhard Kaufm ann. Brüx. In feierlicher Weise beging die hiesige Beerdigungsbrüderschaft das Jubiläum ihres 25jährigen Bestandes. Nachdem zur Feier des Tages an arme Mitglieder Geldbeträge vertheilt wurden, fand sodann im Tempel ein Gottesdienst und eine Seelengedächtnißfeier statt, bei der Dr. B i a ch die Festrede hielt. Um 5 Uhr fand die gemeinschaftliche Generalversammlung des israelitischen Frauenvereines und der Beerdigungsbrüderschaft statt. Nach Begrüßung der sehr zahlreich Erschienenen seitens der Vorstände hielt Dr. Mach einen Bortrag über Maimonides und Mendelssohn und zeigte unter Hinweis auf den bekannten Bortrag »Bibel und Babel", daß Glaubenstreue mit Deukfreihett nach der mosaischen Lehre sich gut vereinbaren laffe. Pakrac. (Slavonien.) Am 5. d. M. wurde der Secretär unserer Cultusgemeinde Herr Sandor Schrenger, unter großer Theilnahme der hiesigen Bevölkerung zu Grabe getragen. Durch dessen Hinscheiden wurde die Familie unseres Tempelvorstehers Jg. Schrenger — welcher in dem Verstorbenen seinen ältesten Sohn beweint — in ttefe Trauer versetzt. Unser Rabbiner Herr M. Tauber widmete dem früh Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Als Zeichen der toleranten Gesinnung Sr. Eminenz des Bischofs Nikoliö, der hier residirt, mag hervorgehoben werden, daß derselbe an die Witwe des Verstorbenen ein Condolenz-Schreiben richtete, das in Worten der tiefsten Antheilnahme derselben Trost zuspricht. Agram. Am 12. d. M. veranstalteten die hiesigen kroatischen israelitischen akademischen Bürger in den Räumender bürgerlichen Schießstätte mit bestem Erfolge eine Purimunterhaltung. Unter den zahlreichen distinguirten Gästen befanden sich auch Se. Magnificenz Herr Rector G. Klaic, der von einer Abordnung des Comitßs erwartet und mit einem Tusch begrüßt wurde, Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. I a c o b i, Herr Cultusvorstand S i e b e n s ch e i n, Herr Commercienrath T arkas, Herr Dr. Gold mann u. A. Nach einem reizenden Concert, bei welchem alle Mitwirkenden reichen Beifall ernteten, begann ein animirtes Tanzkränzchen, das bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Während der Pause wurde von Herrn E r n st auf Se. Magnificenz Herrn Rector Klaic ein Toast gesprochen, worauf selber in einer schwungvollen Rede die Tugenden des jüdischen Volkes pries und seine Werthschätzung den patriotischen Agramer Juden aussprach. Es folgten noch mehrere Toaste, u. A. eine formvollendete Rede des Herrn Oberrabbiner Jacobi. Das ziemlich bedeutende Reinerträgniß des Festes wurde zur Hälfte dem croatisch-akademischen Unterstützungsverein, zur Hälfte jüdischen Humanitätsanstalten zugewendet. Feuilleton Florus her Römer, Kaiser AgrtM« und Meaachem, Sah« Aehudah's. Eine Erzählung von Wlad. Korolenko. — Uebersetzt von Malwina Blumberg. (Fottsetzung.), Von einer Staubwolke umhüllt, näherten sich ihnen die strengen, römischen Krieger und blieben schweigend stehen. Der Willkommsgruß der Judäer blieb unbeantwortet. Als aus ihrer Mitte eine Stimme vernehmbar wurde, welche die Krieger bat, sie möchten dem Volke Wohlwollen entgegenbringen und nicht so wie Florus gegen dasselbe handeln — warfen sich die mit Schwertern und Spießen bewaffneten Römer abermals auf die Judäer und metzelten abermals die Wehrlosen nieder. Und wieder war die Straße blutgetränkt. Die Römer ereilten die Fliehenden, stachen sie mit dem Schwerte nieder und zertraten sie unter den Hufen ihrer Pferde. Vollständige Vernichtung jedoch erwartete die Judäer in den Thoren der Stadt; das Gedränge war so groß, daß diejenigen, die bis nun sich gerettet hatten, erdrückt und erstochen wurden. Unter Allen, die hinausgezogen, fand sich nicht Einer, den zu erkennen seinen nächsten Verwandten möglich gewesen wäre. Die Krieger, die durch den Blutgeruch und das laute Jammern der Verfolgten fast um ihre Besinnung gebracht waren, stürzten in die Stadt, wo Raub und Mord ihren Weg kennzeichneten, und wandten sich zur Veste Antonia, da sie glaubten, in der allgemeinen Verwirrung den Tempel erreichen und den Schatz desselben rauben zu können. Auch Florus verließ seinen Palast; fröhlich nahm er Theil an dem Gemetzel und sprach zu seinen Kriegern: »Unsinnig war es, dieses Volk zu fürchten. Jetzt jagen wir, eine Handvoll Leute, Tausende von ihnen vor uns her, und können, ohne große Mühe, ihrer Schätze uns bemächtigen." So hatten die Römer ein zweitesmal die Judäer ihre Friedensliebe entgelten lassen. Der Schatz des Tempels jedoch gelangte nicht in die Hände der Feinde. Kaum hatten die Jünger Gamaliel's das Wehegeschrei ihrer Mitbürger vernommen, als sie sich den Römern entgegenwarfen und dieselben in den zur Burg Antonia und zum Tempel führenden Straßen zum Stillstand brachten. Sie besetzten die Gänge, die den Tempel mit der Burg vereinten, und indem sie die Römer nicht hineinließen, verhinderten sie die Befriedigung von Florus' Habgier. Andere Judäer, angefeuert durch ihr Beispiel, warfen von oben herab Steine aus die sich nähernden Römer, Die erschrockenen Legionen traten, angesichts des ihnen drohenden Todes, den Rückzug an. Da warfen sich die Judäer, gleich Jägern, die ein Wild ver-