Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 12 (20.3.1903)
- Date
- 1903-03-20
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. IS Seite 191 Vr. Bloch's Wochenschrift. jüdischen Immigranten thätige Körperschaft. In den ersten 6 Monaten nach ihrer Einwanderung erhalten die fremden Juden vom „Board of Guardians" eine Unterstützung nur zu ihrer Rückreise, nach 6 Monaten werden sie auch zu anderen Zwecken unterstützt. Im Ganzen hat das „Board os Guardians" in den letzten 8 Jahren 14.700 arme jüdische Einwanderer unterstützt, davon aber nur 3350 im ersten Jahre nach ihrer Ankunft. Diese Zahl beweist unwiderleglich, daß die jüdischen Einwanderer, weit davon entfernt, „Paupers" zu sein, alle Geld mitbringen, hinlänglich genug, um sich länger als ein Jahr über Wasser zu halten. Erst der schwere Kampf ums Dasein auf einem ungekannten Terrain zwingt sie, im Verlause von 7 Jahren die Hilfe ihrer Glaubensbrüder in Anspruch zu nehmen. Die Zahl der Ertrinkenden, die sich an dem „Board of Guardians" zu klammern versucht haben, betrug in dem angegebenen Zeiträume 8512. Daß London für die fremden Juden durchaus kein goldener Boden ist, beweisen die 2835 Juden, welche noch nach 7jähriger Anwesenheit in London jüdische. Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Die Verhandlung wurde dann auf den 16. März vertagt. Vennilchtes. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservirungvon Kunst- und Historischen Denkmälern des Judenthums. Wien, I., Kruge r st r a ß e 8.) Dienstag, den 24. März 1903, präcise TU Uhr Abends, findet im Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbe-Vereines, I., Eschenbachgasse 11, ein Vortrag des Herrn Architekten Max Fleischer : „Drei Meistersänger' statt. Der Eintritt zu diesem Vortrage kann nur gegen Vorweisung von Karten erfolgen. Während des Vortrages bleiben die Saalthüren geschlossen. Die bereits angekündigte Vorlesung des Herrn Adolf von Sonnenthal wird Anfangs April d. I. mit folgendem Programm stattfinden: „Henoch", Gedicht von Graf Coudenhouv?; „Lieder des Ghetto", von Morris Rosenfeld; „Die Schweigerin", Novelle von Kompert. Wir werden das genaue Datum und den Ort, an welchem die Vorlesung stattfinden wird, rechtzeitig bekanntgeben, laden jedoch die Mitglieder der Gesellschaft ein, mit Rücksicht auf die zu gewärtigende rege Nachfrage, die Ausübung des Bezugsrechtes auf Karten zu dieser Vorlesung schon j?tzt schriftlich im Bureau der Gesellschaft anmelden zu wollen. Die sämmtlichen Karten sind kostenfrei. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Debora L ö b l: Von Herrn und Frau Marmorosch K 30.—, Frau Amalia Lemberger und Johanna Piesling X 20; zusammen K 50.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Katharina L a m p l: Von Herrn Moriz Schütz, I., Werderthorgasse 15, X 4.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Gerson A b e l e s: Von Familie Heit, I., Rudolfsplatz 10, X 10.—, Julius Markstein, K 10.—, Rudolf Porges, VIII., Lammgasse 2, K 5.—, I. Lederer und Frau, IV., Schleifmühlgasse 9, X 20.— , die Enkelkinder des Verstorbenen, X 10.—, Familie Felix Hoek, IX., Porzellangasse 4, X 10.—; zusammen X 65.—. Wien. In dem festlich geschmückten und erleuchtet n Tempel der Seitenstettengasse fand am 17. März, Nachmittaas halb l Uhr, die Trauung der Tochter des Reichsraths-Abgeordneten Dr. Arnold Ritter von Rappaport-Porada, Fräulein Lucie von Rappaport, mit dem Lieutenant in der Reserve des 11. Infanterie-Regiments, Albrecht Freiherrn von Schey-Koramla statt. Während des Zuges spielte die Orgel unter Harfenbegleitung ein P räludium, worauf Herr Obercantor Singer unter Chor- und Orgelbegleitung das feierlich ergreifende Mali towu anstimmte. Herr Oberrabbiner Dr. Güdein a n n hielt sodann eine herzliche Ansprache, in welcher er das Brautpaar dazu aufforderte, an den Traditionen der beiden Familienhäuser, denen jedes von ihnen entstammt, festzuhalten, worauf der feierliche Act der Trauung folgte. Den Beschluß des Trauungsactes bildete die Recitation der sieben Segensprüche und der hierauf folgende Hochzeitschor mit Orgel- und Harfen - klängen unter Leitung des Prof. Sulzer. Von Gästen waren anwesend : Der galizische Landsmannminister Dr. Pientak, die Abgeordneten Ritter von JaworSki, Dr. Adalbert Dzieduszycki, David Ritter von Abrahamowitz, Jendrzejowicz, Fürst Sapieha, Fürst Lubomirsky. Excellenz Dr. Unger, Dr. Glaser, Theodor Ritter von Tauffig, der Vice-Präsident der Cultusgemeinde Dr. Stern, Baurath Stiaßny, Ritter von Goldschmidt und zahlreiche hervorragende Mitglieder der Wiener Gesellschaft. Nach der Trauung fand in der Wohnung des Abgeordneten Dr. von Rappaport in der Plößelgasse festlicher Empfang statt. Sch. Wien. (T rauun g.) Aul 15. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräuleins Alice Moser, Tochter des Fabrikanten Herrn Adolf Moser in Wien. Vorsteher des Bethausvereines im IX. Bezirk, mit Herrn Ingenieur Adolf Moser aus Wien statt. Eine große Schaar von Gästen aus den distinguirtesten Kreisen der Wiener Gesellschaft war im Tempel erschienen. Das Gotteshaus war mit Blumenkränzen aufs Prächtigste decorirt. Gemeinderabbiner Dr. Gelbhaus hielt eine erhebende Rede, in welcher er das Brautpaar aufforderte, die vornehme Lebensführung seiner Familienkreise, insbesondere den frommen Lebenswandel des Großvaters der Braut, Herrn M. Goldschmidt in Frankfurt a. M. sich zum Vorbilde zu nehmen. Obercantor Kläger trug mit Orgel-, Harfen- und Chorbegleitung die Gesänge in schöner Weise vor. Wien. (AllgemeinerKrankenunterstützungs- Verein „Nächstenlieb e".) Der seit 35 Jahren bestehende „Allgemeine Krankenunterstützungs-Verein Nächstenliebe" II. Bez., Praterstraße 50, hält Dienstag den 24. März 1903 im „Hotel Guth", II.. Steiauikstraß? 14, seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aus der inhaltsreichen Tagesordnung ist besonders lproorzuheben: „Beschlußfassung über Gewährung mehrerer Beneficien an die ordentlichen Bereinsmitgliedrr, sowie an deren Witwen rc. rc.". Wien. (E h r u n g.) Am verflossenen Purimfeste wurde dem Functionär des „B.'th Israel-Vereines" Herrn Obercantor M. Schorr eine besondere Ehrung zutheil. Um die dritte Nachmittagsstunde fand sich in dessen Wohnung, in Vertretung des Vereines, eine Deputation ein und überreichte ihm in Anerkennung feiner ersprießlichen cantoralen Thätigkeit und in besonderer Würdigung seiner vorzüglichen Leistungen an den verflossenen hohen Feiertagen ein Ehrengeschenk. Dasselbe besteht aus einem prachtvoll angefl-rtigien Tischanssi.-tz aus massivem Silber unt der eingravirten Inschrift: „A ::?'cnfe v. von den Mitgliedern des Vereines Beth Israel ihrem verdienstvollen O b e r c a ::! o r Herr» MayerSchorr", sowie aus einer von einem zierlichen Rahme» umgebenen Adresse, die in schwungvollen Worten die Verdienste des Gefeierten hervorhebt und die Unterschriften zahlreicher Mitglieder des Vereines trägt. Am Sabbath Schckalim hielt der Gemeinderabbiner M. Mayersohn in der Synagoge des „Beth Jsrael"-Bereines eine außergewöhnliche Derascha. die bezüglich ihns Inhaltes einen doppelten Charakter aufwics, indem sie die C r^monie des Machzis Haschekel, sowohl dalachi'cb, als cwa'sch erörterte und derselben an der Hand liefsinrsiger Talmud- und Midraschstellen ihre hohe Bedeutung zu v-rlnden verstand. Obschon der geistreiche Vortrag nahezu sünsvi^rlel Stunden währte, erlahmte das Interesse des zahlreich nschii-nenen Publicums nicht und erhielt sich bis zum Schluffe rege, so daß sich der Gesammtgottesdienst. zu dessen Verherrlichung auch Obercantor Schorr seinen Theil beitrug, zu einem äußerst erhebenden und weihevollen gestaltete. Sku.— Wien. (Wochenprogrammder JüdischenToynbee- Halle, XX., Karajangasse 20. III. Vereinsjahr.) Sonntag den 22. März. Dr. Carl Lifczis: „Gesetz und Rechtsbewußtsein". Montag den 23. März. Dr. Heinrich Ko hu: „Gegen die Todesstrafe". Dienstag den 24. März. Dr. Max Bernhardt: „Aus der Geschichte der Ehe". Mittwoch den 25. März. Hermann Berliner: „Die weltliche Poesie der Juden". Donnerstag den 26. März. Dr. Theodor Offer: Thema Vorbehalten. Freitag den 27. März. S. M. Mehrer: „Bibel-Erklärung der Sidra". Samstag den 28. März. Concert. Wien. Der Orgelvirtuose Josef Herz veranstaltet am 24. März im kleinen Musikvereinssaal ein Concert unter freundlicher Mitwirkung der Concertiängerin Fräulein Grete P o l l a k. der Herren Capellmeisier Th. Kretschmann (Cello), Opernsänger Carl Musch und des Claviervirtuosen Roderich Baß. Zur Aufführung gelangen außer einigen Stücken von I. S. Bach und Rheinberger zwei Comvositionen von R. Bibl für Cello und Orgel, sowie drei Choralvorspiele von Brahms (erste Aufführung in Wien). Karten sind zu haben in der Musikalienhandlung Haslinger, I., Tuchlauben 11 und in der Hofmufikalienhandlung G u t m <ftt n (k. k. Hofopernhaus).