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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-03-20 · 12 (20.3.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Sette 189 Dr» Llvch's Wochrnschm^ in Contact zu bringen und eine vollständige Statistik ihres Wirkens anzulegen. Die von der politischen Gemeinde begonnenen Schritte hätten nach keiner Richtung den Zweck erfüllt. Er setzte dann die Vortheile des engeren Contacts der Vereine, bei voller Wahrung ihrer Selbstständigkeit, auseinander, trat jenen Thesaurirungen entgegen, die nicht durch das Wesen der Institution begründet sind, und erörterte den Nutzen der Schaffung eines Centralorgans für alle Vereine, wobei er als Muster auf die Organisation der Wöchnerinnen-Unterstützung hinwies. Daß unter den gegebenen Verhältnissen die Schaffung eines Centralorgans für alle Wiener Wohlthätigkeitsinstitutionen als undurchführbar erscheint, dürfe kein Hinderniß sein, eines für die jüdischen Vereine zu schaffen. Das religiöse und nationale Element werde gerade durch den Druck, unter dem die Juden zu leiden haben, gekräftigt und in den Vordergrund gebracht und dieser Druck bewirke auch, daß die Leistungswilligkeit erhöht werde. Das Solidaritätsgefühl werde nämlich verstärkt und gelange in der Wohlthätigkeitspflege zum schönsten Ausdruck. Hoffentlich werde es auch den Contact herbeiführen, welcher den Vereinen neue Kräfte zuführen wird. Lebhafter Beifall folgte dem Vortrage, für den der Präsident Baurath S t i a ß n y noch besonders anerkennende Worte hatte. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Wien. (Kranken-, Witwen- und Waisen-Unterstützungsverern „Olieseä sokel emes“.) Sonntag den 15. d. M. fand im Restaurant Guth die 35. Generalversammlung statt. Der Vorsitzende Herr Siegfried Beer eröffnete die Sitzung mit einer herzlichen Begrüßungsansprache an die erschienenen zahlreichen Mitglieder und gedachte dabei in pietätvoller Weise der im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder, richtete eine warm gehaltene Ansprache an jene vier Herren, welche in diesem Jahre das 25. Jubiläum ihrer Angehörigkeit zum Vorstände feiern und sprach ihnen in herzlichen Worten den wärmsten Dank für ihre hervorragenden Verdienste um den Verein aus, worauf einer der Jubilare, Herr Julius Wottitz, an die Versammlung eine Ansprache hielt, in welcher er betonte, daß der Vorstand allezeit mit Hintansetzung seiner eigenen Interessen jene der Mitglieder wahre und in wirklich väterlicher Weise für das Wohl derselben Sorge trage; gleichzeitig appellirte er an die Versammlung, dem Vereine möglichst viele neue Mitglieder zuzuführen, wodurch der Verein in die Lage käme, die Beneficien seiner Mitglieder zu vermehren. Hierauf erfolgte die Verlesung des Rechenschaftsberichtes, welcher genehmigt und dem Vorstande einstimmig das Absolutorium ertheilt wurde. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden die statutenmäßig ausscheidenden Herren: Wilhelm Fantl, Adolf Hupka, Jonas Haas, Jacob Mittler, Philipp Krasny, Sigmund Schickler, Moritz Schlesinger und Daniel Wiener wieder- und die Herren: Moritz Groß, Max Lustig, Jacob Wechsler und Hugo Weiß in den Vorstand neugewählt. Damit war die Tagesordnung erschöpft und in der unter Einem stattfindenden Borstandssitzung wurden der Obmann-Stellvertreter Herr Adolf Hupka und der Bereinscassier Herr Jonas Haas, deren Mandate abgelaufen waren, wieder in ihren Functionen einstimmig bestätigt. Gleichzeitig wurde beschlossen, wie alljährlich zum Passahfeste, auch heuer wieder Mazzos an arme Glaubensgenossen zur Bertheilung zu bringen. Das jährliche, feierliche Requiem für den gewesenen seligen Bereinspräses Herrn Leopold Fried wurde für den 18. d. als dem Sterbetage im Fugbachtempel bestimmt. Kinder-Fürforge. Wir leben in einem Zeitalter, in welchem die Gründung von Vereinen auf der Tagesordnung steht. Eine Unzahl jüdischer Wohlfahrtsinstitutionen ist im letzten Decennium geschaffen worden und gibt Zeugniß von dem Opfersinn unserer Glaubensgenossen, aber auch nicht minder von der großen Noth, welche in den breitesten Schichten von Tag zu Tag sich vermehrt. Die speciell jüdischen Wohlthätigkeitsvereine sind zu eminenter Bedeutung emporgestiegen, seitdem unsere armen Glaubensgenoffen vergeblich an die Thüren jener Wohlthätigkeitsinstitute pochen, die mit interkonfessionellem Gelde erhalten und errichtet — wenn auch nicht statutarisch — so doch in Wirklichkeit konfessionellen Zwecken dienen. Die größte Beachtung unter den Wohlfahrtsinstituten verdienen wohl jene, welche sich die Aufgabe stellen, den Aermsten der Armen, den Kindern, helfend beizustehen. — Erblicken wir doch in unseren Kindern die Zukunft unseres Stammes und unserer Nation! — Eben kommt uns der Jahresbericht über das Vereinsjahr 1902 von einem Vereine zu, der nun seit mehr als einem Jahrzehnt in wahrhaft segenbringender Weise die Aufgabe erfüllt, armen kranken Kindern unserer Glaubensgenossen Gesundung und Erholung zu bringen. — Der Verein „Ferienheim" ist es, der im Jahre 1902 die stattliche Zahl von 484- Kindern in Heilbäder und Colonien entsendet und nahezu 35.000 K für Colonienzwecke verausgabt hat. Wir entnehmen dem interessanten Berichte, daß im „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischnowitz drei Serien von Schützlingen zu je vierwöchentlichem, in der Colonie Petrau zwei Serien für dieselbe Dauer und in Bad Hall eine Serie Knaben und eine Serie Mädchen für eine je sechswöchentliche Curperiode untergebracht waren. Einer behördlichen Verfügung entsprechend, wurde im Parke des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischnowitz ein Marodenhaus errichtet, welches den Verein in die Lage versetzt, bei Ausbruch von contagiösen Krankheiten die Colonie in ungestörtem Betriebe zu erhalten. Allen Anforderungen der Hygiene entsprechend, trägt dieser Bau mit dazu bei, das „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" zu einem Musterinstitute zu gestalten. Eine Neuerung und einen Fortschritt auf dem Gebiete des Feriencolonienwesens bedeuten die vom „Ferienheim" eingesührten Sondercolonien für Herzkranke Kinder. Der Bericht verzeichnet die Auszeichnung, die dem Vereine zutheil wurde, indem die Herren Erzherzoge Franz Ferdinand, Otto, Franz Salvator, Friedrich und Eugen, sowie die Frau Erzherzogin Maria die aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes herausgegebene „Denkschrift des Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" huldvollst anzunehmen und dem Vereine Spenden zuzuwenden geruhten. Mögen die vielen Glücklichen, welche im Sommer ihre Koffer vacken, um an den Strand oder in die Berge zu gehen, und im Winter den warmen Süden aufsuchen, vorerst des „Ferienheims" gedenken und diesen Verein in die Lage bringen, den großen Anforderungen, welche Noth, Elend und Siechthum an ihn stellen, voll und ganz zu entsprechen! F. Gelber. Prag. Am 25. März 1903 feiert der hochverdiente Obmann der Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreiches Böhmen Herr JUDr. Moritz Lichtenstern, Advocat in Prag, seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlässe hat der Obmann- Stellvertreter der Repräsentanz Herr Dr. I. Sachs!, Advocat in Chrudim, für diesen Tag eine außerordentliche Festsitzung der Repräsentanz in Prag einberufen und zu derselben die P. T. Herren Mitglieder der Repräsentanz und deren Ersatzmänner, sowie die Herren Mitglieder der Berwaltungsausschüffe der Stiftungen der Repräsentanz sowie andere Honorattoren geladen, um dem Obmanne in derselben die Glückwünsche der Repräsentanz auszusprechen und demselben als Beweis allseitiger Verehrung eine künstlerisch ausgestattete Adresse der Repräsentanz zu überreichen und läßt sich erwarten, daß auch die Gemeinden des Flachlandes die Gelegenheit benützen werden, den verehrten Obmann, der ihnen jederzeit gern mit Rath und That an die Hand geht, sei es schriftlich, sei es telegraphisch, zu beglückwünschen. Prag. (Vortrag.) lieber Einladung des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten hielt am 7. d. M. Herr Geheimrarh Professor Cohen aus Marburg einen Vortrag, der der Charakteristik des Jndenthums gewidmet war. Wie zu erwarten stand, beleuchtete der hervorragende Gelehrte, der nicht nur als Kantforscher Bedeutung erlangt, sondern auch durch sein erst kürzlich erschienenes Lehrbuch der Logik die anerkennendste Zustimmung der Fachgenossen gefunden, sein Thema vom rein wiffenschaftlichen Standpunkte. Zurückgreifend auf die grundlegenden Bestimmungen des Alten Testaments, suchte er den Zusammenhang des reformatorischen Glaubensbegriffes mit dem Prophetismus nachzuweisen und zeigte, wie der schon nach Heine „unbildliche jüdische Gott" für die modernen Religionen die Brücke zu der dem hellenischen Heidenthume entgegengesetzten monotheistischen Gottesidee geschlagen. Aber auch den Boden des realen gesellschaftlichen Zusammenlebens bereiteten die Rechtssätze des Judenthums vor, so daß ein angesehener Rechtsphilosoph dem jüdischen Rechte eine selbst das römische noch überragende Bedeutung für die Entwicklung des Staatenlebens einräumen müßte. Der Redner erklärte sodann an der Hand einzelner gesetzlicher Normen die Richtigkeit dieser Behauptung, legte den Wortlaut der jüdischen Rechtslehren in ethischer und socialpolitischer Beziehung klar und nahm hiebei Anlaß, auch die dem

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